Spanische Grippe, Beulenpest und Cholera immer wieder in der Geschichte haben Epidemien Leid und Tod über die betroffenen Menschen gebracht. Im Europa des 19. Jahrhunderts ließen sie die Sterblichkeit sogar höher schnellen als während der Weltkriege im 20. Jahrhundert. Diese Erfahrungen haben sich tief in unser kulturelles Gedächtnis gebrannt. Doch woher kommen diese Seuchen, wann treten sie auf, was bestimmt ihren Verlauf und ihr Ende? Die Frage, wer erkrankt, wer überlebt oder stirbt, ist dabei keine rein medizinische, sondern immer auch eine soziale. Sie ist eng mit den jeweiligen historischen und kulturellen Lebensumständen verknüpft, ebenso mit geographischen Bedingungen und klimatischen Gegebenheiten. In seiner Geschichte der großen Seuchen im Europa der Moderne beleuchtet Manfred Vasold die Vielfalt derFaktoren, die die Ausbreitung der Krankheiten bedingen. Im historischen Vergleich zeigen sich ihre Gesetzmäßigkeiten und der schicksalhafte Zusammenhang zwischen dem Erreger und seinem Opfer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2008
Insgesamt empfehlenswert, urteilt Robert Jütte über die Seuchengeschichte, die Manfred Vasold vorlegt. Dass der Autor mit so einem historischen Sachbuch über Seuchen eine Konjunktur auf diesem Gebiet nutzt, möchte Jütte ihm nicht groß vorhalten. Dafür erscheint ihm der Band wohl zu informativ. Jütte lernt über die Pest in Afrika und Asien, über die Diskussionen um ein eventuelles Vorleben des Pesterregers in Europa und über kriegsentscheidende Grippeviren. Etwas enttäuscht zeigt er sich allerdings darüber, dass der Zeitraum der Untersuchung nur bis 1918 reicht. Zu den Menschenversuchen der Nazis, zu Fleckfieber und Syphilis kennt Jütte entsprechende, zu seinem Bedauern hier nicht berücksichtigte Quellen und Forschungsergebnisse.
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