Stilleben des Reichtums

Ein gedanklicher Streifzug über die Paris Photo und andere Ausstellungen. Fotolot von Peter Truschner

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Hommage an das Lesen

04.12.2021. Die Welt verdankt Abdulrazak Gurnahs neu aufgelegtem Roman „Das verlorene Paradies“ ein differenziertes Bild postkolonialer Literatur. Weniger froh wird sie mit dem neuen Gedichtband der Literaturnobelpreisträgerin des vergangenen Jahres: Louise Glück. Die taz lässt sich von Haruki Murakami zu jedem T-Shirt eine Geschichte erzählen. Die SZ lauscht gebannt, wenn ihr Helga Schubert von Denunziantinnen im Dritten Reich erzählt. Die FAZ folgt fasziniert Uljana Wolfs „Etymologischem Gossip“. Mehr...

EICHENDORFF21

Corona 2.0

24.11.2021.
Wir stecken mitten in der vierten Welle, mehr denn je heißt es nun: Kühlen Kopf bewahren! Am besten mit Hilfe der vielen Neuerscheinungen, die in den letzten anderthalb Jahren zum Thema veröffentlicht wurden. Adam Tooze gibt uns mit "Welt im Lockdown" einen Leitfaden für kommende Pandemien an die Hand, Udo di Fabio zieht eine meinungsfreudige "Coronabilanz" und Ivan Krastev fragt sich, wie die Welt nach Corona aussieht. Dies und mehr in unserer Bücherliste zum Thema.
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EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Archaisch und widerständig

04.12.2021. "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Kolonialgeschichte in Deutschland wirklich ein Thema wäre", sagt Abdulrazak Gurnah im Spiegel-Interview. Rechtsextremes Gedankengut ist in Deutschland wieder "salonfähig" geworden, meint indes Falk Richter in der FR. Berlin ist auserzählt, ruft die taz den Literaten zu. Der Tagesspiegel schaut sich in Berlin Liebesbeziehungen in aller Welt an. Die NZZ blickt bang in die politisch korrekte Oper der Zukunft. Emanzipation? Leider unrealistisch, glaubt Markus Lüpertz in der SZ. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Der Richter half auf seine Weise

04.12.2021. In der taz beklagt der Historiker Andreas Rödder die intellektuelle Orientierungslosigkeit der CDU. Die FAZ stellt klar: Gesellschaftlicher Zusammenhalt lässt sich nicht dekretieren, Gemeinsinn erweist sich im Handeln. Die SZ fragt sich im bitteren Fall der Alice Sebold, wie reflektiert ein Rassismus sein muss, um als okay durchzugehen. Der Economist opponiert gegen die britischen Pläne, therapeutische Gespräche vor einer Geschlechtsumwandlung verbieten zu lassen. Mehr...

MEDIENTICKER

Zicken-Krieg

03.12.2021. Aktualisiert: Präraffaelitische Girls erklären das Internet - Felicitas Hoppe und Ferdinand Schmalz erzählen die Nibelungen neu - Spiel nicht mit den Schmuddelkindern: Franz Josef Degenhardt wäre heute 90 Jahre alt geworden + Nicht zu früh an die Kamera denken! Eine Lange Nacht über Stanley Kubrick + TV+Hörtipps für das Wochenende. Mehr...

ESSAY

Ithaka gab dir die schöne Reise

02.12.2021. Ist Reisen nur eine andere Form von Flucht? Als ich im Sommer 2016 nach Idomeni fuhr, um dort ehrenamtlich beim Dolmetschen für die Geflüchteten zu helfen, da erinnerte ich mich, dass ich schon einmal, nämlich im September 1976, auf dieser Route mit dem Bus unterwegs war. Die Fluchtroute war auch eine klassische Route des Reisens und Handels. Aber auch des Krieges. Hommage auf die Fortbewegung. Von Najem Wali. Mehr...

IM KINO

Wahrgenommene Transgressionen

01.12.2021. Definitiv ist "House of Gucci" kein Film über eine Modemarke. Von Anfang an geht Ridley Scott davon aus, dass wir eh wissen, worum es geht. Sinn des Ganzen ist weniger denn je, was erzählt wird, als vielmehr: der Exzess, die Ereignishaftigkeit. / Wie Straub/Huillet mit Splatter und Digitalfiltern nagt Paul Verhoevens "Benedetta" an unseren tradierten Bildern von Kultur, unseren Ikonen, unserem Heiland. Ein bittertraurig vom Ende her gedachtes Alterswerk. Von Katrin Doerksen, André Malberg. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Gift ins Brot gemischt

30.11.2021. Der New Yorker blickt in die Kerker, in die libysche Milizen für die EU afrikanische Migranten sperren. Die LRB ringt in Delhi nach Luft. Eurozine stellt sich dem Hexenglauben in Papua-Neuguinea entgegen. Elet es Irodalom hofft, dass die ungarische Gesellschaft mit einer neuen Verfassung ihre Souveränität zurückgewinnt. Im Guardian wirft Jill Lepore einen Blick auf die Gesellschaft und zurück schaut ein blasses, übellauniges Wesen, das den ganzen Tag vor dem Bildschirm hockt. Le Monde raubt dem reaktionären Medienmogul Vincent Bolloré das Weihwasser. Und der Filmdienst setzt sich der Vehemenz des frömmelnden Kinos aus. Mehr...

FOTOLOT

Vom Paradies ausgeschlossen

30.11.2021. Florian Bachmeier fotografiert seit 2013 die Ukraine. Die Stimmungen im Buch erinnern an die "Zone" in Andrej Tarkowskis Klassiker "Stalker". Bei Bachmeier sind selbst Fotos, auf denen Menschen jubeln oder singen, eingebettet in eine große Stille. Das Fotobuch "Strajk" dokumentiert die polnischen Proteste gegen die mörderische Abtreibungspolitik des Landes. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Mit Vorliebe instrumentalisiert

26.11.2021. Für Anfang Dezember hat US-Präsident Joe Biden einen "Gipfel für Demokratie" mit über hundert Teilnehmerstaaten einberufen, an sich eine gute Initiative, da die Demokratien angesichts aggressiver Autokratien in die Defensive geraten sind. Damit er gelingt, bräuchte der Gipfel eine intensive Vor- und Nachbereitung. Um so bedrückender, dass es darüber bisher kaum eine Diskussion gibt. Von Richard Herzinger. Mehr...

TAGTIGALL

Wer braucht schon Gemälde

18.11.2021. In der Berliner Akademie der Künste gibt es derzeit eine große Ausstellung mit dem Titel "Nothingtoseeness" - eine Wortschöpfung von John Cage, allerdings nahezu unübersetzbar, wörtlich: Nichtszusehenheit, etwas freier: Vom-nichts-zu-sehen. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Farbe Weiß - weiß übermalte Leinwände, das Weiße Album der Beatles, weiße Stühle, Schneebälle und vieles vieles mehr. Sehr klein, doch äußerst gegenwärtig hängen dort auch fünf Werke der japanisch-amerikanischen Konzept- und Fluxuskünstlerin Yoko Ono. Sie zeigen Yoko Ono als Dichterin. Von Marie Luise Knott. Mehr...

ESSAY

Im Kern kulturrelativistisch

16.11.2021. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat eine Anthologie herausgegeben, in der die Heroen und Heroinnen der demokratischen Idee aus dem 19. Jahrhundert gewürdigt werden. Aber so sympathisch das Anliegen, man spürt doch die Absicht: Ein Anthologie entpolitisiert die Geschichte, reduziert sie auf Einzelschicksale und stellt alles ins milde Licht der Diversity. Was fehlt sind nicht nur einige Protagonisten wie Ludig Börne oder Ferdinand Lassalle. Was fehlt, sind der Rahmen und auch die Genealogie der problematischen Linien deutscher Politik. Von Peter Mathews. Mehr...

VORWORTE

Nicht nur Katzen haben viele Leben

10.11.2021. Ihr Millionenerbe verlor sie so schnell, wie es ihr zugeflogen war. Sie war Muslimin von Geburt, Katholikin wider die eigene Vernunft, war Mannequin in Paris und Freundin Ernst Jüngers - vor allem aber Schriftstellerin: Umm El-Banine Assadoulaeff, kurz Banine genannt. Farbenreich sind schon ihre Kindheitserinnerungen, die nun bei dtv in einer bestechenden Neuübersetzung erscheinen. Von Angela Schader. Mehr...

BÜCHER DER SAISON

Die besten Bücher im Herbst 2021

09.11.2021. Vom Metaversum nach Thüringen, von der amerikanischen Pastorenfamilie zu einer französischen Anwältin, die eine Kindsmörderin verteidigt, von den Siebzigern auf Berliner Bühnen zu einer Kindheit in der DDR. Und auch der Trend zur Autofiktion ist in der Literatur ungebrochen. Bei den Sachbüchern dominiert Geschichte und bei den politischen Büchern Corona und Identitätspolitik. Frisch ausgewählt: Unsere Bücher der Saison. Mehr...

LITERATURBEILAGEN

Literaturbeilagen

09.11.2021. Wir haben die Literaturbeilagen der Zeitungen aus dem Herbst 2021 ausgewertet. Unsere Notizen zu allen besprochenen Romanen, Sach- und politischen Büchern finden Sie hier. Mehr...

EICHENDORFF21

Vom Amazonas in die Anden

06.03.2020. Die lateinamerikanische Literatur tritt gerade so aufregend und kraftvoll auf wie selten zuvor: Camila Sosa Villada erzählt von Transfrauen im argentinischen Cordoba, Fernanda Melchor führt in die ganz unmagische Realität einer Gated Community in Mexiko, Luiz Ruffato lässt einen Chor der Besitzlosen die Geschichte Brasiliens besingen. Und dann sind da noch Pola Oloixarac, Pilar Quintana und Juan Gabriel Vazquez, von Mario Vargas Llosa und Clarice Lispector ganz zu schweigen.
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SPENDEN

Unterstützen Sie den Perlentaucher

24.11.2021. Der Perlentaucher bietet seinen Service für die Leser kostenlos und möchte dabei bleiben. Falls Sie uns unterstützen mögen - regelmäßig oder einmalig - freuen wir uns! Hier finden Sie verschiedene Möglichkeiten. Mehr...