Ernteeinsatz

Max Annas' DDR-Krimi "Der Fall Melchior Nikoleit" und "Stadt, Land, Raub" von Marcie Rendon. Mord und Ratschlag.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Wer nicht übertreiben will

19.10.2020. Nur bewundern kann der Dlf, wie Nadeschda Mandelstams in ihren neu übersetzten "Erinnerungen an das Jahrhundert der Wölfe" von einer Epoche der Angst erzählt. Die FR liest Santiago Amigorenas argentinischen Roman "Kein Ort ist fern genug". Der politischen Mitte, die sich aus falscher Toleranz gegenüber dem radikalen Rand auf die Lippen beißt, reicht die SZ mit Hamed Abdel Samad ein Taschentuch. Und die FAZ schaltet auf geringsten Prüfwiderstand und feiert das Hörbuch "500 Meisterwerke deutscher Dichtung und Erzählkunst". Mehr...

EICHENDORFF21

Amerika am Scheideweg

06.03.2020. Am 3. November finden die US-Wahlen statt, das Land ist nach vier Jahren Trump gespalten wie nie. Mit dem ganzen prallen Desaster von Trumps Amtszeit konfrontiert uns beispielsweise Eliot Weinberger in seinem Essay "Neulich in Amerika". Von Masha Gessen bis Rick Reilly arbeiteten sich AutorInnen in den vergangenen Jahren an Trump ab, andere AutorInnen blickten tiefer: Jessica Bruder lebte Monate lang unter Arbeitsnomaden aus der unteren weißen Mittelschicht.
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INTERVENTION

Glückwunsch, lieber Waldemar

19.10.2020. Du bist Bauer. Also hast Du Anteil am  diesjährigen Friedensnobelpreis, den die Medien so schnell vergessen haben. Auf welchen Feldern wird das Getreide angebaut, dessen Mehl in Säcken vom Welternährungsprogramm der UN in Flüchtlingslager und in die Dörfer transportiert werden? Sind es Produkte riesiger Agrarunternehmer?  Oder Produkte europäischer Bauern, die billig in den Markt gedrückt werden? Bio oder konventionell: Oder ist das hier nicht ganz egal? Einige Fragen wären zu diesem interessanten Nobelpreis zu stellen. Brief an meinen Bruder Von Uta Ruge. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Exzellente Assistenten

19.10.2020. Der Guardian wandelt im Prado durch eine Galerie grandioser Frauenverachtung. FAZ und Freitag bangen um die Kinos, die von der zweiten Coronkrise schwer getroffen werden dürften. Die NZZ stemmt sich gegen eine Literatur der Wahrhaftigkeiten. Der Standard fragt, welchen Platz Frauen in der Lyrik haben. Und der Fischer Verlag trennt sich von Monika Maron, erzählt sie in einem Interview in Welt am Sonntag. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Wir müssen weiter lernen

19.10.2020. Nach dem Mord an Samuel Paty haben in Paris trotz Corona Tausende demonstriert: #jesuisprof. Caroline Fourest macht in Marianne auf die symbolische Dimension des Mords an einem Lehrer aufmerksam. Kenan Malik erklärt im Observer, warum er den Begriff der "beleidigten Community" ablehnt, denn es handele sich um einen Streit  innerhalb dieser Communities. Außerdem: Die SZ ist begeistert vom neu gestalteten Jüdischen Museum in Frankfurt. SZ und Zeit online sind sich uneins über die Rolle der sozialen Netze im amerikanischen Wahlkampf. Mehr...

INTERVENTION

Eine existenzielle Krise

15.10.2020. In einer Zeit, in der vieles wahr zu werden pflegt, was gerade noch für unmöglich gehalten wurde, tut man gut daran, auch den schlimmsten Fall nicht auszuschließen. Die Erfolgsgeschichte der USA seit dem Ende des Bürgerkrieges hat vielfach vergessen lassen, wie fragil die Konstruktion und die Balance der amerikanischen Gesellschaft stets gewesen ist. Bei den amerikanischen Wahlen steht nicht nur das Überleben der Demokratie in den Vereinigten Staaten in Frage, sondern auch ihre Integrität. Von Richard Herzinger. Mehr...

IM KINO

Zentrifugales Denken

15.10.2020. Der Filmessay "Orphea" von Alexander Kluge und dem philippinischen Regisseur Khavn zeigt eine Orphea in Gestalt von Lilith Stangenberg, die sich - mal zwischen Texttafeln, mal im urbanen Chaos von Manila - damit abgefunden hat, dass die Welt sich nach dem Verlust der Unschuld in eine Unterwelt verwandelt hat. In Reiner Holzemers Doku "Martin Margiela - Mythos der Mode" erzählen die Stimme und die Hände des belgischen Designers von seiner Arbeit. Von Lukas Foerster, Michael Kienzl. Mehr...

FOTOLOT

Mal ohne, mal mit einer Flasche Bier

13.10.2020. Als der Fotograf Abe Frajndlich ihn im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1985 in San Pedro besucht, ist Charles Bukowski längst ein abgezockter Showman, der Besuchern das bietet, was sie sehen wollen: Hank, der Berserker. Frajndlich schickt Fotos des ersten Shootings nach Frankfurt, der verantwortliche Redakteur Hans Georg Pospischil bescheidet ihm knapp, dass das Material "scheiße" sei... Heute ist Bukowski mega-out - aber ein Anlass, mal über längst vergangene Zeiten nachzudenken. Von Peter Truschner. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Bevor die Träume vergessen sind

13.10.2020. Die Bulgaren sind längst im 21. Jahrhundert angekommen, nur ihre Mobster-Eliten noch nicht, erzählt Eurozine. In Africa is a Country schildert der Filmemacher Bentley Brown die Identitätskonflikte der sudanesischen Diaspora. Die New York Review of Books wirft einen gründlichen Blick auf die Ungleichheit in Jordanien. Himal erzählt die Geschichte der Missionierung Assams. La vie des idees erinnert an das Massaker der SS in Oradour. In Deadline erklärt Alan Moore, warum er keine Comics mehr schreiben will: Das Genre ist ihm zu bürgerlich geworden. Mehr...

INTERVENTION

Ende eines adäquaten Sendeplatzes

07.10.2020. Radio SRF will die Sendung "52 Beste Bücher" abschaffen. AutorInnen erhielten hier Gelegenheit,  ausführlich über ihre neuen Bücher zu sprechen, das Format ist einmalig. "Wir können und wollen nicht glauben, dass Radio SRF besser aus der Krise kommt, indem es auf eine Sendung wie '52 Beste Bücher'verzichtet, schreiben Alain Claude Sulzer eine Reihe AutorInnen. Der offene Brief ist inzwischen von zahlreichen prominenten AutorInnen unterzeichnet. Aktualisiert: Eine Unterschriftensammlung ist eröffnet. Von Alain Claude Sulzer. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Körper, Birnen und Lektüre

04.10.2020. Dorothee Elmiger zündet Erkenntnisblitze in der Zuckerfabrik, Ben Lerner erzählt mit Witz und Schärfe von der Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, Jean-Paul Dubois pirscht sich auf aufreizend leisen Sohlen an einen Hell's Angel heran und Uta Ruge erzählt mikroskopisch und welthistorisch vom Leben auf dem Land. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Oktober.
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ESSAY

Terra X antwortet nicht

01.10.2020. Es gibt hervorragende Tier-, Natur- und Georeportagen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber warum muss jede Landschaft mit aufgedonnerten Streichertapeten zugekleistert, jede Spannungslücke mit psychagogischen Klangmodulen gefüllt und jedes Beute schlagende Tier von gezupften Bässen in einen Mörder verwandelt werden? Das entwertet nicht nur die Reportagen, sondern derealisiert auch unser Bild vom nichtmenschlichen Leben auf der Erde. Und es verschenkt die einzigartige Chance des virtuellen Tourismus. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

ESSAY

Mitnichten antidemokratisch

21.09.2020. Die Anschuldigung, dass die Linke den öffentlichen Diskurs mithilfe ihrer "Cancel-Kultur" strategisch zu ihren Gunsten formen wolle, entlarvt sich bei genauem Betrachten selbst als versuchtes Cancelling: Wer Kritik an Einzelentscheidungen von Veranstalter*innen oder Redakteur*innen zum Beleg für eine neulinke Diktatur aufbauscht, möchte vor allem linke Identitätspolitik diskreditieren. Von Anna Huber. Mehr...

INTERVENTION

Wie war das in Syrien?

11.09.2020. Es könnte sein, dass Wladimir Putin im Fall Belarus sein Erfolgsmodell der Repression neu erprobt: Festhalten an einem Diktator um jeden Preis, wie bei Maduro oder Assad. Indem der Kreml angeschlagenen Despoten die Haut rettet, macht er sie sich zu willfährigen Marionetten. Ein Lukaschenko, der die Fortsetzung seiner Herrschaft dem Kreml verdankt, wird damit für Putin zu einem idealen Vollstrecker seiner großrussisch-imperialen Ambitionen. Von Richard Herzinger. Mehr...

EICHENDORFF21

Die Longlist für den Buchpreis

25.08.2020. Die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2020 ist bei der Kritik gut angekommen, die nominierten Romane verheißen thematische und erzählerische Vielfalt. Es sind aufregende Titel darunter:  Deniz Ohdes "Streulicht" , Valerie Fritschs "Herzklappen von Johnson und Johnson" oder Christine Wunnickes "Die Dame mit der bemalten Hand", aber auch Romane von bewährten Erzählern wie Thomas Hettche, Bov Bjerg und Frank Witzel.
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