Hier dribbelt die Faktizität

Engel in den Horen, Tomasz Różycki in der Mütze, und Neues von Ulf Stolterfoht mit Soldaritätsgespenstern. Von Marie Luise Knott

Wie in einem Glashaus

Einige Ausstellungen und Lois Hechenblaikner in der Apres-Ski-Hölle von Ischgl. Fotolot von Peter Truschner

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Tee mit Zeremoniell

04.07.2020. Dlf Kultur pflegt „Bad Behavior" mit Mary Gaitskill. Die SZ kostet mit Monique Truong von den "Süßesten Früchten". Die taz versenkt sich in die spekulative Poetik von Feminismus, Algorithmik, Politik und Kapital des Philosophen Armen Avanessian und der Literaturwissenschaftlerin Anke Hennig. Die Welt liest Maryse Condes Autobiografie "Das ungeschminkte Leben". Die FAZ lernt von Thomas Steensen, wer die Friesen sind. Mehr...

EICHENDORFF21

Gute und andere Bestenlisten

29.06.2020. Wir haben heute neben eigenhändig kuratierten Listen auch die besten Romane laut SWR-Jury und die besten Sachbücher des Monats laut Zeit-Jury und laut Welt-Jury für Sie zusammengestellt. Stöbern Sie bequem von zuhause aus in unserem Buchladen Eichendorff21 und erkunden Sie mit Iris Hanika "Echos Kammern" und mit Alexander Kluge den "Russland-Kontainer" oder unternehmen Sie Zeitreisen mit Kathrin Passig und Aleks Scholz.
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EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Zwischen Drogentrip und Superorgasmus

04.07.2020. Die NZZ überprüft anlässlich einer Kunstausstellung über die 1920er unseren Kälte-Habitus. Monopol würde Georg Herolds "Ziegelneger" gern im Städel hängen lassen, aber andere Künstler zum Thema Rassismus dazu stellen. In der taz erklärt Marjane Satrapi, die gerade einen Film über Marie Curie gedreht hat, warum erfolgreiche Frauen nicht nett sind. Krise ist produktiv, ruft Artechock aufmunternd allen Filmkünstlern zu. Die Welt will endlich wieder singen. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Im Transit zu leben

04.07.2020. Wann beginnt das Anthropozän, fragt Josef H. Reichholf in der NZZ, mit der Atombombe in Hiroshima oder vielleicht doch eher vor 40.000 Jahren? Überall wird über Denkmäler diskutiert: Statt ständig welche einzureißen, wäre es besser, neue zu bauen, meint Doris Akrap in der taz. Auch Donald Trump griff in seiner gestrigen Rede zum amerikanischen Nationalfeiertag in die Denkmaldebatte ein - und eröffnete laut New York Times einen Kulturkrieg. Der heutige Antirassismus ist extrem selektiv und benennt Missstände ausschließlich, wenn die Schuldigen weiß sind, kritisiert Ahmad Mansour in der taz. Die FAZ macht sich Sorgen um die Frankfurter Buchmesse. Mehr...

IM KINO

Arie aus Licht und Schatten

03.07.2020. "Domino", Brian de Palmas erster Film seit sieben Jahren, erzählt vom größten Krieg des 21. Jahrhunderts: dem Bilderkrieg, den der Westen schon verloren hat. Exzellente Vorlage für den Meister der Suspense-Oper, der diesmal islamische Terroristen, fiese CIA-Agenten und dänische Polizisten zusammenspannt. In Jonas Alexander Arnbys "Suicide Tourist" versucht ein Mann mit der Diagnose Hirntumor fertig zu werden. Doch das selbstbestimmte Sterben gestaltet sich als schwierig. Von Nicolai Bühnemann, Karsten Munt. Mehr...

MEDIENTICKER

Specknacken & Schmisse

03.07.2020. Aktualisiert: Werbeboykott in Kraft: So verteidigt sich Facebook & will die Wahlbeteiligung in den USA steigern - Verlage lassen Ladenpreise weitgehend konstant - Buchhandlung setzt aufs Fahrrad - Kristina Spohr erhält den Preis "Das politikwissenschaftliche Buch" - US-Gericht blockiert Buch über Trump-Familie - Thomas Wolfes Deutschlandreise - Gedenken im öffentlichen Raum - Queerness ist omnipräsent, nur nicht in der Literatur + TV+Radio+Jazz-Wochenend-Tipps. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Perliges Neo-Champagner

30.06.2020. Die New York Times fordert die 40 Acres Land, die General Sherman 1865 den befreiten Sklaven versprochen hat. Der New Yorker verschluckt sich an einem Bad Mutha Clucka aus der Geisterküche. Die London Review of Books beobachtet, wie die WHO im globalen Mächtespiel zerrieben wird. El País nimmt Abschied von der Generation, die Spanien aufbaute. Novinky verteidigt Milan Kundera gegen seinen Biografen Petr Novák. Der New Statesman freut sich über die neue Politisierung britischer Fußballstars. Und in Règle du jeu schlägt Bernard-Henri Levy brüderlich die Hand ein. Mehr...

FOTOLOT

Nicht das Letzte seiner Art

17.06.2020. Buchkunst Berlin zeigt bislang unveröffentlichte Fotografien von Dieter Keller aus dem Jahr 1941/42, die dieser als Soldat der Wehrmacht in der Ukraine machte. Selbst wenn Keller sich die Freiheit eines künstlerischen Zugangs inmitten des Grauens herausnimmt und etwa vier abgeschlagene Gänseköpfe zu einem skurrilen Bukett menschlicher Brutalität arrangiert, hält er sich doch zumeist zurück, wahrt eine beinahe unangenehme, ästhetische Distanz. Von Peter Truschner. Mehr...

EICHENDORFF21

Sommerlektüre

25.06.2020. Der Sommer hat begonnen - fehlt nur noch die richtige Lektüre für lange Zugfahrten, heiße Strandtage oder ruhige Stunden auf dem Balkon. Wir haben eine Liste mit erfrischenden Neuerscheinungen zusammengestellt: Helen Wolff erzählt eine leichtfüßige Sommerromanze in Südfrankreich und Maylis de Kerangal genießt Haute Cuisine in Brandenburg.
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VORGEBLÄTTERT

Victor Auburtin: Der Feuilletonist greift in die Politik

16.06.2020. "Die Nachricht, daß einige Berliner Wohnungsämter bis zum September schließen wollen, hat unter uns Heimatlosen lebhafteste Bestürzung erweckt." Einige der Kolumnen, die Victor Auburtin Anfang der Zwanziger fürs Berliner Tageblatt schrieb, lesen sich, als wären sie heute geschrieben.  Auch die Kolumne über die berückende Enttäuschung, die Auburtin mit Filippo Tommaso Marinetti erlebte. Ein Vorabdruck Mehr...

ESSENZEN

Das Stechen einer Rose

15.06.2020. "Douleur!" von Bogue-Profumo ist eine comicartige, hart an der Grenze zur Persiflage schrammende Kurzgeschichte mit einer kleinen Schar völlig überdrehter Protagonisten.  Ich mache zu. Der Duft ist eine Tortur, und die möchte ich nicht länger ertragen. Dabei täuscht er für Sekundenbruchteile, wie mit einem schüchternen Lächeln, sogar eine freundliche Geste an, hält mir ein Stück Melone hin, schön saftig und reif... Am Ende staune ich: Diese Kurzgeschichte hat ein Happy End. Von Claus Brunner. Mehr...

INTERVENTION

Die größten Skandale

11.06.2020. Dass es historische Verbindungen zwischen den Kolonialverbrechen und dem Holocaust gibt, und ein "Dialog" darüber fruchtbar sein kann, ist nicht zu bezweifeln. Aber was genau hatte Achille Mbembe nochmal gesagt? Eine Antwort auf den Rechtsprofessor Ralf Michaels, der die Mbembe-Debatte nicht mit dem Historikerstreit vergleichen will. Von Thierry Chervel. Mehr...

INTERVENTION

Folgenloser Protest

04.06.2020. Die Offensiven Russlands und Chinas gegen das internationale Recht bedingen einander. Wie die Annexion der Krim durch Putins Russland ist die Gleichschaltung Hongkongs ein Testfall dafür, ob der Westen noch zur Verteidigung einer auf dem Recht basierenden Weltordnung bereit und fähig ist. Der Verzicht auf Sanktionen gegen China lässt nichts Gutes ahnen. Von Richard Herzinger. Mehr...

ESSAY

Die allmächtige Waffe der Relativierung

02.06.2020. Wer hat hier unter dem Vorwand, über Achille Mbembe zu sprechen, das Bedürfnis, alte Haltungen zu korrigieren und alte Rechnungen zu begleichen? Aber die Skandalisierung Mbembes verkennt, dass Erinnerungen nicht nur in Form der Polarisierung, Aufrechnung und gegenseitiger Negierung existieren. Eine Replik auf Thierry Chervels Essay "Je nach Schmerz". Von Aleida Assmann. Mehr...

ESSAY

Ein dritter Weg

02.06.2020. Lieber Herr Chervel, was Sie "die Linke" nennen, spielt in der Mbembe-Debatte gar keine Rolle. Hier steht nicht links gegen rechts, sondern Vertreter*innen eines liberalen Bürgertums gegen eine als ungebührlich empfundene Einflussnahme staatlicher und interessierter Kreise auf das kulturelle Leben unseres Landes. Einige Kommentare zu Thierry Chervels Essay "Je nach Schmerz", Absatz für Absatz. Von Jan Assmann. Mehr...

ESSAY

Je nach Schmerz

24.05.2020. Die Mbembe-Debatte ist ein Historikerstreit mit umgekehrten Vorzeichen: Heute sind es Linke, die den Blick auf den Holocaust abschwächen wollen. Achille Mbembe findet für die Neuformulierung der Geschichte viele Bündnispartner und -partnerinnen in den Universitäten. Von Thierry Chervel. Mehr...

EICHENDORFF21

Rassismus in den USA

Rassistische Polizeigewalt hat in den USA eine lange Geschichte, so wie der Rassismus selbst von der Sklaverei bis heute zu den Urverbrechen der amerikanischen Demokratie gehört, die in zahlreichen Büchern beklagt und thematisiert wird. Wir haben hier eine kleine Liste mit Neuerscheinungen zum Thema Rassismus in den USA zusammengestellt: Romane, Sachbücher, Krimis. Mehr...