Polyphonie der Perspektiven

"Bohnenstange" von Kantemir Balagov und Jean Beckers "Ein mörderischer Sommer" von 1983. Im Kino und gestreamt

Glückwunsch, lieber Waldemar

Nachfrage zum Friedensnobelpreis: Auf welchen Feldern wird das Getreide angebaut, das in Säcken von den UN in Flüchtlingslager und in die Dörfer transportiert wird? Von Uta Ruge

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Klugheit des Schweigens

27.10.2020. Die FAZ feiert Mona Horncastles Biografie der schwarzen Künstlerin und Resistance-Kämpferin Josephine Baker. Die NZZ rühmt die meisterhaften Figurengestaltung in Szczepan Twardochs Boxerroman "Das schwarze Königreich". An Pasoloni erinnert fühlt sich die SZ von Mario Cruz' zwischen Zärtlichkeit und Krassheit wechselndem Roman "Der Prinz" aus dem Chile von 1972. Der DlfKultur liest bewegt Pierre Lemaitres Roman "Spiegel unseres Schmerzes" und lernt von Rebecca Dautremers "Punkt 12" das sehnsüchtige Warten. Mehr...

EICHENDORFF21

Für die Meinungsfreiheit

21.10.2020. Am 16. Oktober 2020 hat ein islamistischer Attentäter den Lehrer Samuel Paty enthauptet, weil er mit seinen Schülern über Meinungsfreiheit diskutiert hatte. Der Mord fand in den Tagen des Prozesses um das Charlie-Hebdo-Massaker und um den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt statt. Er zeigt, dass der islamistische Extremismus in Europa nach wie vor aktiv ist. Nach dem Charlie-Anschlag sind einige Bücher von Überlebenden erschienen, die ihr Trauma aufarbeiten und einige Reflexionen über den Terror in Frankreich und Europa. Eine Auswahl.
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MAGAZINRUNDSCHAU

Kräfte des Lichts und der Dunkelheit

27.10.2020. The Baffler stellt den neuesten biometrischen Überwachungscoup vor: Gefühlserkennungssysteme. Phenomemal World bezweifelt, dass Eigentumsrechte an unseren Daten das Problem der Überwachung lösen werden. Africa is a Country erinnert das Nobelpreiskommittee daran, dass Ernährungshilfe vor allem Big Business ist. Tablet erinnert daran, dass Antifaschismus in der Sowjetunion erfunden wurde, um den Hungermord an den Ukrainern zu überdecken. Der New Yorker lernt, wie sich die Briten ihre Kolonialvergangenheit schön reden. Mehr...

MEDIENTICKER

Die rechte Liebe zur Literatur

27.10.2020. Monika Maron, Susanne Dagen & die Antidemokraten - Medientage München: Digital - Appell der "101 Weisen" von Börsenverein & PEN-Zentrum: Kritik an türkischer Regierung  - Jugendliteratur-Lexikon startet im Oktober - Buchhandel-Koopertation: "Thalia spielt Monopoly" -Gesrpäch:  Jonas Jonasson über Corona in Schweden -  Film: "Paul Auster - Was wäre wenn" + Bestenliste: "Sachbücher des Monats November 2020. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Herrlich halbherzig

27.10.2020. Die SZ erzählt die Geschichte des schwulen Mario Cruz, der seit fünfzig Jahren ein unterdrücktes Leben in Santiago de Chile führt. Standard und FAZ erleben Tschaikowskis "Eugen Onegin" an der Wiener Staatsoper als kühles Schachspiel der Herzen. Die Berliner Zeitung macht sich mit dem Zentrum für politische Schönheit auf die Suche nach elf Schnellfeuergewehren und 60 Kilogramm Plastiksprengstoff. Und im Guardian wächst die große Joni Mitchell immer weiter über sich hinaus. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Das Recht auf Wahrheit

27.10.2020. "Es ist völlig berechtigt, den westlichen Kolonialismus zu kritisieren, aber soll man darüber den osmanischen Imperialismus vergessen", fragt Pascal Bruckner in der FAZ. Alexander Fanta und Ingo Dachwitz stellen bei Netzpolitik ihre Studie über die äußerst großzügige Google-Finanzierung von Medienprojekten etwa der Zeit, des Spiegel oder der FAZ vor. Ebenfalls in Netzpolitik beschreibt Leonhard Dobusch den Kampf des Wissenschaftsverlags Elsevier gegen Open Access. In der Welt fordert Thomas Schmid ein Denkmal nur für die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs. Mehr...

IM KINO

Polyphonie der Perspektiven

21.10.2020. Kantemir Balagovs "Bohnenstange", nach dem dokumentarischen Roman von Swetlana Alexijewitschs "Der Krieg hat kein weibliches Gesicht", erzählt vom Existenzkampf zwei Frauen im noch von der Hungerblockade erstarrten Leningrad. In Jean Beckers "Ein mörderischer Sommer" von 1983, sucht Isabelle Adjani den Vergewaltiger ihrer Mutter und ihren Vater. Von Nicolai Bühnemann, Katrin Doerksen. Mehr...

LITERATURBEILAGEN

Literaturbeilagen

21.10.2020. Wir haben die Buchmessenbeilagen der Zeitungen aus dem Herbst 2020 ausgewertet. Unsere Notizen zu den besprochenen Romanen, Sach- und politischen Büchern finden Sie hier. Mehr...

INTERVENTION

Wie ist es denn in den Schulen in Deutschland?

21.10.2020. Nach dem Anschlag auf Samuel Paty: Die Bundes-GEW hat - nach Aufforderung - eine kleine Solidaritätserklärung auf ihrer Website veröffentlicht, aber kein eindrückliches Foto, das nur zu Demos gegen Rassismus. Auch die sich so systemrelevant fühlende Kulturszene schweigt bis jetzt. Wie ist es denn in den Schulen in Deutschland, was darf da denn gezeigt und diskutiert werden? Wir brauchen mehr Achtung für die stillen Heldinnen der Demokratie, wenn wir die Enthauptung eines engagierten Demokratie-Erziehers wie Samuel Paty nicht vergessen wollen, wenn wir Europäerinnen sein wollen. Von Eva Quistorp. Mehr...

INTERVENTION

Glückwunsch, lieber Waldemar

19.10.2020. Du bist Bauer. Also hast Du Anteil am  diesjährigen Friedensnobelpreis, den die Medien so schnell vergessen haben. Auf welchen Feldern wird das Getreide angebaut, dessen Mehl in Säcken vom Welternährungsprogramm der UN in Flüchtlingslager und in die Dörfer transportiert werden? Sind es Produkte riesiger Agrarunternehmer?  Oder Produkte europäischer Bauern, die billig in den Markt gedrückt werden? Bio oder konventionell: Oder ist das hier nicht ganz egal? Einige Fragen wären zu diesem interessanten Nobelpreis zu stellen. Brief an meinen Bruder Von Uta Ruge. Mehr...

INTERVENTION

Eine existenzielle Krise

15.10.2020. In einer Zeit, in der vieles wahr zu werden pflegt, was gerade noch für unmöglich gehalten wurde, tut man gut daran, auch den schlimmsten Fall nicht auszuschließen. Die Erfolgsgeschichte der USA seit dem Ende des Bürgerkrieges hat vielfach vergessen lassen, wie fragil die Konstruktion und die Balance der amerikanischen Gesellschaft stets gewesen ist. Bei den amerikanischen Wahlen steht nicht nur das Überleben der Demokratie in den Vereinigten Staaten in Frage, sondern auch ihre Integrität. Von Richard Herzinger. Mehr...

FOTOLOT

Mal ohne, mal mit einer Flasche Bier

13.10.2020. Als der Fotograf Abe Frajndlich ihn im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 1985 in San Pedro besucht, ist Charles Bukowski längst ein abgezockter Showman, der Besuchern das bietet, was sie sehen wollen: Hank, der Berserker. Frajndlich schickt Fotos des ersten Shootings nach Frankfurt, der verantwortliche Redakteur Hans Georg Pospischil bescheidet ihm knapp, dass das Material "scheiße" sei... Heute ist Bukowski mega-out - aber ein Anlass, mal über längst vergangene Zeiten nachzudenken. Von Peter Truschner. Mehr...

EICHENDORFF21

Amerika am Scheideweg

06.03.2020. Am 3. November finden die US-Wahlen statt, das Land ist nach vier Jahren Trump gespalten wie nie. Mit dem ganzen prallen Desaster von Trumps Amtszeit konfrontiert uns beispielsweise Eliot Weinberger in seinem Essay "Neulich in Amerika". Von Masha Gessen bis Rick Reilly arbeiteten sich AutorInnen in den vergangenen Jahren an Trump ab, andere AutorInnen blickten tiefer: Jessica Bruder lebte Monate lang unter Arbeitsnomaden aus der unteren weißen Mittelschicht.
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INTERVENTION

Ende eines adäquaten Sendeplatzes

07.10.2020. Radio SRF will die Sendung "52 Beste Bücher" abschaffen. AutorInnen erhielten hier Gelegenheit,  ausführlich über ihre neuen Bücher zu sprechen, das Format ist einmalig. "Wir können und wollen nicht glauben, dass Radio SRF besser aus der Krise kommt, indem es auf eine Sendung wie '52 Beste Bücher'verzichtet, schreiben Alain Claude Sulzer eine Reihe AutorInnen. Der offene Brief ist inzwischen von zahlreichen prominenten AutorInnen unterzeichnet. Aktualisiert: Eine Unterschriftensammlung ist eröffnet. Von Alain Claude Sulzer. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Körper, Birnen und Lektüre

04.10.2020. Dorothee Elmiger zündet Erkenntnisblitze in der Zuckerfabrik, Ben Lerner erzählt mit Witz und Schärfe von der Spaltung der amerikanischen Gesellschaft, Jean-Paul Dubois pirscht sich auf aufreizend leisen Sohlen an einen Hell's Angel heran und Uta Ruge erzählt mikroskopisch und welthistorisch vom Leben auf dem Land. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Oktober.
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ESSAY

Terra X antwortet nicht

01.10.2020. Es gibt hervorragende Tier-, Natur- und Georeportagen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber warum muss jede Landschaft mit aufgedonnerten Streichertapeten zugekleistert, jede Spannungslücke mit psychagogischen Klangmodulen gefüllt und jedes Beute schlagende Tier von gezupften Bässen in einen Mörder verwandelt werden? Das entwertet nicht nur die Reportagen, sondern derealisiert auch unser Bild vom nichtmenschlichen Leben auf der Erde. Und es verschenkt die einzigartige Chance des virtuellen Tourismus. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...