Außer Atem: Das Berlinale Blog

Stichwort: Islam - 6 Artikel

Man kann ja auch mal träumen: Marwa Zeins Doku "Khartoum Offside" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2019 Marwa Zeins "Khartoum Offside" stellt uns eine Gruppe prachtvoller junger Frauen im Sudan vor, die nichts mehr wollen als professionell Fußball spielen. Unterstützung haben sie keine, im Gegenteil: Die Fifa gibt dem Fußballverband im Sudan zwar Geld für die Förderung des Frauenfußballs, aber es kommt nicht an bei ihnen. Wenn sie trainieren, müssen sie den Platz selbst bezahlen. Später hören wir über Radio das Verdikt der religiösen Autorität: Frauen sollen keinen Fußball. Es "gefährdet ihre Gesundheit, macht sie agressiv und verwischt den natürlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen". Von Anja Seeliger

In den saftigsten Farben: Merzak Allouaches 'Investigating Paradise' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2017 Wie stellen Sie sich das Paradies vor, fragt die Frau. Als Land, in dem Milch und Honig fließen, sagt der eine, da muss man nicht mehr arbeiten, der andere, es gibt Früchte im Überfluss, so der dritte. Und Wein, darum gibt es nämlich das Paradies, damit wir hier so gottesfürchtig leben, dass wir dort dann im Überfluss genießen können, was uns auf der Erde verboten ist, sagt ein fünfter. Etwa die Hälfte der befragten Männer sind überzeugt, dass jeder Mann im Paradies die Zärtlichkeiten von 72 ihm allein zugedachten Houris empfängt. Und was machen die Frauen im Paradies? Da gucken alle ganz verblüfft, diese Frage haben sie sich noch nicht gestellt. Von Anja Seeliger

Risikoloser Thesenfilm: Jasmina Zbanics 'Na putu'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2010 Be careful what you wish for... Gestern hatte ich mich angesichts des noch in seinen didaktischsten Momenten unbeholfenen "Shahada" nach einem echten Thesenfilm gesehnt. Heute habe ich einen bekommen und habe mir prompt Burhan Qurbanis wirre Dialektik zurück gewünscht. Die hat auf ihre Art wenigstens ein klein wenig riskiert. Jasmila Zbanics "Na putu" geht nicht das geringste Risiko ein. Von Lukas Foerster

Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2010 Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen. Von Lukas Foerster

Zeitgeschichte als Melodram: Karan Johars 'My Name Is Khan'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010 Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Filmfigur und Schauspieler. Der gesamte Film hat eine starke autobiografische Note. Genauer gesagt: Er geht vom Autobiografischem aus und extrapoliert dasselbe ganz unverschämt ins Quasimythologische und Geopolitische. Von Lukas Foerster

Der Wettbewerb: eine tiefinnere Liebe zum Kompromiss

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2010 Ein Filmfestival von der Größe der Berlinale ist immer vieles auf einmal. Ein Wirtschaftsunternehmen zuerst, das auf die Gunst von staatlichen Geldgebern und privaten Sponsoren angewiesen und von beiden darum zu einem gewissen Grad abhängig ist. Den Gönnern hat es etwas zu bieten, ein Renommee, das sich Stars auf roten Teppichen sehr viel eher als großer Filmkunst verdankt. Ein A-Festival wie die Berlinale ist zugleich ein Ereignis, auf das die machtvollen Interessen der nationalen Filmproduktion starken Druck ausüben. Man will eine Leistungsschau des im eigenen Land produzierten Kinos, also möglichst viele "eigene" Filme im Wettbewerb. Die Granden der Industrie, die in Deutschland gar keine, sondern ein stark fernsehgestützter Subventionsbetrieb ist, sitzen dem Festivalleiter unweigerlich im Genick. Dazu kommt ein längst globalisierter Verkaufsbetrieb mit den Filmverkäufern als einflussreichen Figuren, die jedes Festival in die Knie zwingen könnten, das sich den in Euro und Cent artikulierten Absichten allzu deutlich verweigert. Damit ist nicht der separat stattfindende Markt angesprochen, sondern insbesondere der Wettbewerb als Börse, die Aufmerksamkeitswerte handelt. Von Ekkehard Knörer