Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Denis Cotes 'Vic+Flo haben einen Bären gesehen' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2013 Die 61-jährige Vic kommt aus dem Knast, sie ist vorzeitig, aber auf Bewährung entlassen, eigentlich sitzt sie lebenslänglich. Unterkommen wird sie in einem Haus von Verwandten, das einst Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs war, aber jetzt eindeutig nicht mehr Teil einer Wertschöpfungskette ist. Auf dem Weg dorthin, an der Bushaltestelle, unterhält sie sich, in der ersten Szene des Films, mit einem Kind in Pfadfinderuniform, das mit seinem Trompetenspiel Geld verdienen will. So schlecht, wie Du spielst, meint Vic, bekommst du keinen Cent. Gib mir doch Geld, damit ich einen Anreiz bekomme, besser zu werden, sagt das Kind. In allen Beziehungen, auch solch flüchtigen, wie dieser ersten, an der Bushaltestelle, gibt es mindestens zwei Perspektiven. Denis Cotes "Vic et Flo ont vu un ours" zeigt eine ganze Reihe von Beziehungen; und keine einzige davon kann man in einer Perspektive erfassen. Von Lukas Foerster

Filmische Kartierung des Nachkriegsjapans: Kawashima Yuzo (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2012 Es ist fast schon Tradition geworden: seit ein paar Jahren präsentiert das Forum regelmäßig eine kleine Mini-Retro zu einem japanischen Regisseur. 2007 konnte man auf diese Weise Okamoto Kihachis formvollendete Gangster- und Schwertfilme wiederentdecken, im Jahr darauf die "pinku eiga" eines Wakamatsu Koji. 2012 ist die kleine Retrospektive einem fast Vergessenen gewidmet, der im Westen ohnehin nie wirklich bekannt war: Kawashima Yuzo. Kawashima wurde 1918 geboren und begann 1938 als Assistent in den Shochiku-Studios zu arbeiten; ab 1944 drehte er eigene Filme, und zwar genau 51, bevor er 1963 starb. Einen Platz in der japanischen Filmgeschichte hat Kawashima immerhin noch als Mentor von Imamura Shohei, zweifacher Palme-d'Or-Preisträger, der Kawashima als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet. Von Elena Meilicke

Das Arthauskino wird man nicht so einfach los: 'Plein sud' von Sebastien Lifshitz im Panorama

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2010 Zur Titelsequenz und laut aufgedrehter Musik tanzt Lea (Lea Seydoux) verführerisch und zieht sich dabei aus. Für die Kamera, der sie sehr dicht zu Leibe rückt, und für Sam (Yannick Renier). Der ist für ihre Reize unempfänglich. Sam ist schwul, genau wie Leas Bruder Mathieu. Die drei sind gemeinsam im Auto unterwegs, in Richtung Süden und vorerst reagiert Sam auf Mathieus Avancen nicht anders als auf die Leas. In einem Einkaufszentrum treibt Lea einen brünett gelockten vierten Reisegefährten auf, was dem erotischen Gleichgewicht zumindest mittelfristig guttun wird. Von Lukas Foerster