Efeu - Die Kulturrundschau

Ausgerechnet in Wiesbaden

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21.12.2017. Die FAZ diagnostiziert einen Streamingkrieg der Serien. Der Standard porträtiert die R'n'B-Sängerin Kelela als interessanteste des Jahres 2017. Der Tagesspiegel entdeckt in einer Surrealistinnen-Ausstellung die giftig grünen Schlangen Marie Ermínovás. Die Spex erinnert an das Musikalbum "Kebab- und andere Träume", das 1987 die Möglichkeiten eines melting pots beschrieb.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2017 finden Sie hier

Musik

Im R'n'B hat es dieses Jahr kaum eine interessantere Künstlerin gegeben als Kelela, meint Christian Schachinger im Standard. Ihrem Debüt "Take Me Apart" hat der Produzent Arca sein ästhetisches Gepräge mitgegeben, erfahren wir: "Das bedeutet hochgradig zischende, arrangementmäßig digital gleißende und schneidende Synthetiktöne, die dafür sorgen, dass der scheinbar harmlos einlullende Gesang eine gewisse Schärfe behält, ohne mit Autotune zur Quietschente komprimiert zu werden." Wir wagen ein Ohr:



Niklas Fuchs rollt in der Spex die Geschichte hinter Elektro-Dschungels Album "Kebab- und andere Träume" von 1987 auf, das nach seiner damaligen Auflage von 2000 Exemplaren jetzt wiederveröffentlicht wurde: Dabei handelt es sich um "ein einzigartiges Stück deutscher Musikgeschichte", sagt Fuchs: "Ausgerechnet in Wiesbaden fusionierten damals türkische, nordafrikanische und 'westliche' Musiktraditionen in den Händen junger Auszubildender, von denen die meisten vor und nach ihrem Engagement wenig mit Musik zu tun hatten. 'Kebab- und andere Träume' ist eine wichtige Parabel für die Möglichkeiten eines melting pot, ein Paradebeispiel für die vielbesprochenen 'Chancen von Integration'." Via Soundcloud kann man sich die Platte anhören:



Außerdem: Jazz hat sich vom  "Innovationsstress" befreit und präsentiert sich heute als "Party der Parallelwelten", beobachtet Standard-Kritiker Ljubisa Tosic. Ben Frosts neues Album "The Centre Cannold Hold" ist "eine depressive Ode am gegenwärtigen Zustand der Welt, in der wir leben", freut sich Brendan Telford auf The Quietus. 100 Tage Interimsspielstätte Tonhalle Maag in Zürich - die Betreiber ziehen Bilanz, Thomas Schacher berichtet in der NZZ: Das Publikum habe sich verjüngt, die Abonnements seien allerdings zurückgegangen und die Akustik biete Qualitäten und Herausforderungen. Harry Nutt gratuliert Reinhard Mey zum 75. Geburtstag.

Besprochen wird ein von Stefan Gottfried dirigiertes Weihnachtsoratorium (Standard). The Quietus verkündet zudem die besten Metalalben des Jahres - am interessantesten die Matte schwingen konnte man in diesem Jahr demnach zu den Gitarrenwänden der Doomband Pallbearer. Eine Hörprobe:

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Film

Wenn Serien wie "The Wire" und "Mad Men" das Pendant zu New Hollywood waren, dann erleben wir jetzt historisch folgerichtig die Blockbusterisierung der Serienwelt, schreibt Felix Simon im Blog der FAZ. Grund für diese Annahme: Im Streamingkrieg rufen die Anbieter immer größenwahnsinnigere Zahlen auf, pumpen immer mehr Prunk und Wucht in ihre Bilder. Simon dazu: "Diejenigen, die das neue Qualitätsfernsehen 'Made in the USA' vor wenigen Jahren noch als 'den neuen Roman' und die Zukunft des Kinos gefeiert haben, ziehen künftig wohl den Kürzeren, stellt sich doch heraus, dass die erhoffte Kulturrevolution durch das Serienfernsehen auch nur ein Sturm im Wasserglas war, der sich letztendlich den vermeintlich unhintergehbaren Gesetzen der ökonomischen Logik beugen muss." Passend dazu besucht Ursula Scheer für die FAZ die Dreharbeiten in Kapstadt zur zweiten Staffel der deutschen Serie "Deutschland 83", die in ihrem Heimatland zwar floppte aber so erfolgreich wie keine zweite Serie ins Ausland verkauft wurde und jetzt bei Amazon unter die Fittiche gekommen ist.

Außerdem: Auf ZeitOnline porträtiert Elke Bredereck die Filmemacherin Tamara Trampe, die Anfang Dezember ihren 75. Geburtstag feiern konnte. Für Artechock spricht Ludwig Sporrer mit dem Regisseur Philippe Loiret über dessen neuen Film "Die Kanadische Reise". Kinozeit-Kolumnist Urs Spörri vermisst in filmpolitischen Debatten den Respekt vor den hiesigen Filmemachern. Ludwig Lugmeier empfiehlt in der taz die Lubitsch-Retro im Berliner Kino Arsenal. Susanne Ostwald (NZZ), Dietmar Dath (FAZ) und Willi Winkler (SZ) gratulieren Jane Fonda zum Achtzigsten.

Besprochen werden Jan Zabeills Berg-Autorenfilm "Drei Zinnen" (taz, Tagesspiegel, FAZ), Dome Karukoskis "Kaffee mit Milch und Stress" (taz), Rachid Hamis "La Mélodie - Der Klang von Paris" (Artechock, ZeitOnline), Elyas M'Bareks "Dieses bescheuerte Herz" (Welt), Jake Kasdans "Jumanji"-Remake (Artechock) und die Schweizer Comicverfilmung "Papa Moll und die Schokoladenfabrik", die in Deutschland für den kommenden April angekündigt ist (NZZ). Außerdem berichten die SZ-Filmkritiker von ihren Magic Moments im Kinojahr 2017.
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