Efeu - Die Kulturrundschau

Wir belohnen Adjektive

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12.10.2019. Gestern Hurra, heute Buh. Die schwedische Akademie hat mit ihrer Entscheidung für Peter Handke klargemacht, dass Menschenleben sie nicht interessieren, kritisiert Saša Stanišić auf Twitter. Das ist ein Missverständnis, glaubt der Standard: Handkes Serbien-Äußerungen seien seiner Sprachkritik geschuldet. Die NZZ stellt das Buchmessengastland Norwegen vor. In der nachtkritik fordert Thomas Schmidt, Professor für Theater- und Orchestermanagement, eine Anhebung der Mindestgage und Reformierung des Führungsmodells an deutschen Theatern. Die Kunstkritiker bewundern eine Ausstellung zur Kultur der Azteken in Stuttgart.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2019 finden Sie hier

Literatur

Dass Peter Handke in diesem Jahr mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werden soll, hat nach der gestrigen ersten literaturkritischen Begeisterung nun doch noch für die erwartbare gesellschaftspolitische Empörung gesorgt: Handkes Parteinahme in den Neunzigern für die serbischen Nationalisten und seine Treue zu Miloševic fliegen ihm nun um die Ohren. Der Tagesspiegel sammelt erste entsetze und gallige Wortmeldungen, für die FAZ hat Michael Martens in die frühere Konfliktregion geblickt: "Das Spektrum der Reaktionen lässt sich so zusammenfassen: Empörung, Wut, Trauer oder Spott bei Kroaten, Albanern, Bosniaken sowie liberalen Serben, Begeisterung und Bestätigung bei serbischen Nationalisten sowie den Kriegstreibern von gestern. Um Handkes Literatur geht es dabei allenfalls am Rande, aber das ist auch nicht zu erwarten angesichts der vielen zynischen und menschenverachtenden Aussagen, die der neue Nobelpreisträger für Literatur im Laufe der Jahrzehnte über den Zerfall Jugoslawiens gemacht und geschrieben hat."

Marie Schmidt und Thomas Urban halten in der SZ weitere Stimmen fest. "Der deutsche Schriftsteller Saša Stanišić, der als Kind mit seinen Eltern den Massakern von Višegrad entkommen ist, schreibt auf Twitter, der Nobelpreis an Handke sei 'ein weiteres Signal - Geschichte ist uns egal. Sollen andere Generationen verarbeiten. Wir belohnen Adjektive.' Und tatsächlich erklärte der Sekretär und Sprecher der Schwedischen Akademie auf Nachfragen, es sei nicht der Auftrag seiner Institution, literarische Qualität gegen politische Überlegungen abzuwägen." Überhaupt ist es sehr lohnenswert, Saša Stanišićs Twitter-Feed der letzten zwei Tage durchzulesen.

Christoph Schröder stellt sich auf ZeitOnline nun "die Bill-Cosby-Frage, die Michael-Jackson-Frage, die Roman-Polanski-Frage. Oder, um in der Literaturgeschichte zu bleiben, die Frage, ob beispielsweise Antisemiten wie Louis-Ferdinand Céline oder Ezra Pound in rein ästhetischen Kategorien gelesen und bewertet werden können." Ob Handke den Preis verdient habe oder nicht, sei nicht der Punkt, doch erstaunlich sei, "dass die Apologeten von Handkes nicht diskutablen moralischen Verfehlungen so zahlreich waren und es geblieben sind. Es scheint, als könne es opportuner und verzeihbarer sein, am Grab eines Diktators und Massenmörders zu weinen, als einen schlechten sexistischen Witz zu machen."

Felix Stephan erinnert in der SZ daran, dass dem literarischen Werk und seiner Ehrung konkrete Menschenschicksale gegenüber stehen: "Wie sollen die Bosniaken, deren Nachbarn und Verwandte in Srebrenica oder Višegrad den serbischen Genoziden zu Tausenden zum Opfer gefallen sind, die Entscheidung der Schwedischen Akademie anders verstehen, als: Eure tausend Tode, eure Vertreibung, euer Leben im Exil ist uns letztlich nicht ganz so wichtig wie die Autonomie der Prosa Peter Handkes?" Und er stellt die Frage: "Hätte Handke den Preis auch bekommen, wenn der Genozid an den Schweden begangen worden wäre?"

Dass Handke den Preis erst jetzt erhält, dürfte tatsächlich mit seinen Positionen im Balkankonflikt zu tun haben, meint die Literaturwissenschaftlerin Pia Janke im Standard-Gespräch. Ihrer Ansicht nach handelt es sich jedoch um "ein Missverständnis. Im Grunde genommen ging es ihm um sein großes Thema, nämlich wie mit Sprache, durch Medien, Wirklichkeit geprägt und manipuliert wird. Darum, welche Bilder von diesem Krieg erzeugt und transportiert wurden. Er ist nach Serbien gefahren, um das in den Blick zu bekommen, was die medialen Bilder ausgeblendet haben." In eine ähnliche Richtung zielt Michael Wurmitzer im Standard: Handkes Berichte seiner Balkanreise erklärten sich aus seinem literarischen Gestus, meint er: "Diese Art der Wahrnehmung aus erster Hand, erstem Auge und erstem Ohr sind unabdingbar für die Literatur von Peter Handke. Er versucht stets, sich dem Vorgefertigten zu entziehen. Seine Verweigerungshaltung gegenüber gängigen Urteilen über die Welt kommt aus seinem Zweifel gegenüber dem, was alle sagen. Abgegriffene Worte sind Handke ein Graus. Wer wie Handke an der allgemein verwendeten Sprache zweifelt, muss notgedrungen an der Welt zweifeln, die abzubilden sie vorgibt. Was Handke als Geschichtsrelativismus oder Leugnung vorgewofen wird, kann als Konsequenz dieser seiner Scheu gegen dominierende Redeweisen gelten, das legen zahlreiche Auskünfte des Autors nahe."

Bislang weitgehend unbeachtet geblieben in der Aufbereitung ist eine Wortmeldung der Schauspielerin Marie Colbin aus dem Jahr 1999, an die die Übersetzerin Alida Bremer in der Deutschen Welle unter anderem erinnert: Handkes ehemalige Lebensgefährtin schrieb damals, "er habe sie geschlagen: 'Ich höre noch meinen Kopf auf den Steinboden knallen. Ich spüre noch den Bergschuh im Unterleib und auch die Faust im Gesicht', schrieb sie in einem offenen Brief an ihn, in dem sie ihm vorwarf, seine Solidarität mit Serbien sei eigentlich aus seiner Selbstverliebtheit entstanden, der Krieg nutze ihm nun, um sein Ego zu erhöhen."

Und Andreas Breitenstein erinnert in der NZZ ans die Satzung des Preises. Er soll an jenen Schriftsteller gehen, "der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat" - aus dieser moralischen Sicht sei der der Preis für Handke nicht zu rechtfertigen.

Andere Themen: Die NZZ bringt einen Schwerpunkt zu Norwegen, dem Gastland der Frankfurter Buchmesse. Aldo Keel liefert Basiswissen von A bis Z. Der Übersetzer Peter Urban-Halle hält fest, dass es in der norwegischen Literatur vorrangig um Ich-Erkundung geht, aber "manche Autoren stehen auf der Schwelle zwischen Ich-Sezierung und Welterkundung, was vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt ist." Der norwegische Schriftsteller Mathias Faldbakken trauert augenzwinkernd um den Verlust des alten Norwegens, in dem man noch selbst Holz hakte statt mit dem SUV die Landschaft zu erkunden: "Dieses Urnorwegen - das uns gebildete Leute garantiert als 'mythisches' Norwegen präsentieren, ein phantastisches, phantasmagorisches und nicht zuletzt romantisches Norwegen - steht für eine Zeit, da ein Norweger sich nicht scheute, selber Hand anzulegen, da Fleiß und Geschick lebensnotwendig waren. Unten, in Neapel, konnte man gewiss den Lazzarone geben, in der Sonne hocken und Schinken oder Makkaroni vertilgen, aber hier im Norden duldete das Klima keinen Jux. Schluderei oder halbherziger Einsatz kamen einen teuer zu stehen. Faulheit war keine Alternative."

Weiteres: Peter Körte gratuliert in der FAZ dem Schriftsteller Richard Price zum 70. Geburtstag. Im Print der Literarischen Welt spricht Mara Delius mit Salman Rushdie, der soeben mit dem Welt-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Außerdem erscheint die FAZ heute mit ihrer Buchmessenbeilage.

Besprochen werden Isidora Sekulićs "Briefe aus Norwegen" (taz), Kathy Pages "All unsere Jahre" (Tagesspiegel), Raphaela Edelbauers "Das flüssige Land" (taz), Mircea Cartarescus "Solenoid" (FR), Meg Wolitzers "Die Zehnjahrespause" (Freitag), Steffen Kopetzkys "Propaganda" (Freitag), Ulrich Tukurs Romandebüt "Der Ursprung der Welt" (ZeitOnline), Tonio Schachingers für den Deutschen Buchpreis nominierter Fußballroman "Nicht wie ihr" (Freitag), Norbert Scheuers "Winterbienen" (NZZ), die deutsche Erstveröffentlichung von Danilo Kiš'Roman "Psalm 44" aus dem Jahr 1962 (FAZ) und Volker Weidermanns "Das Duell" über das Verhältnis zwischen Günter Grass und Marcel Reich-Ranicki ("Literarische Welt").
Archiv: Literatur

Bühne

Ausgerechnet Peter Handkes Schauspiel "Die Stunde da wir nichts voneinander wußten" hatte jetzt am Stadttheater Klagenfurt Premiere, ganz ohne Worte, in der Regie von Robert Schuster. Standard-Kritiker Michael Cerha ist wie hypnotisiert: "Es ist eine mitleidlose, surreale Welt der Gewalt. Bis zur Schlussszene, in der sich das Ensemble in einer gespenstischen Fronleichnamsprozession verabschiedet, ist der Abend nichts für schwache Gemüter. Am wenigsten der Aufmarsch der Lemuren, die melancholisch einer Trauermusik lauschen, die von Neugeborenem-Geschrei konterkariert wird. Ein düsteres Stück. Entwickelt im Städtchen Muggia an der slowenischen Grenze. Geschrieben im Jahr des Jugoslawienkriegs 1991."

Ganz gebannt kommt Uwe Mattheiß (taz) aus der Uraufführung von Florentina Holzingers "Tanz" im Wiener Tanzquartier. Holzinger setzt sich mit der Zurichtung des weiblichen Tänzerkörpers auseinander, dem Traum vom feenartigen Wesen, das auf der Fußspitze tanzend der Schwerkraft trotzt: "Holzingers Abarbeitungen an den Monumenten der Ballettgeschichte sind nicht einfach nur Polemiken gegen eine Barbarei der Kultur, sondern vielmehr der Versuch, mit den heute zur Verfügung stehenden theatralen Mitteln sich einem fernen Kontinent zu nähern, der einst Schönheit verhieß."

Anhebung der Mindestgage und Reformierung des Führungsmodells an deutschen Theatern, das fordert Thomas Schmidt, Professor für Theater- und Orchestermanagement und Vorstandsmitglied des ensemble-netzwerks, im Interview mit der nachtkritik. Schmidt hat gerade eine Studie veröffentlicht, für die knapp 2000 Theater-Mitarbeiter*innen über Theaterstrukturen, Macht und deren Missbrauch befragt wurden. "55 Prozent der Befragten haben Machtmissbrauch erfahren", so Schmidt. "Das ist mehr als ich erwartet habe. Überrascht war ich auch, dass mehr als die Hälfte der Befragten so wenig verdient, dass man von prekären Arbeitsverhältnissen sprechen muss. In den Thesen, die auf Vorgesprächen basieren, bin ich von 15 bis 20 Prozent ausgegangen. Es gibt einen strukturellen Machtmissbrauch im deutschsprachigen Theater, der die Ursache für den psychischen und physischen Missbrauch ist. Kurz gesagt: Die aktuellen, völlig veralteten Theaterstrukturen erlauben einer einzigen Person, meist dem Intendanten oder Regisseuren, alle Macht bei sich zu konzentrieren. Intendanten missbrauchen Macht zu oft nach ihrem persönlichen Gutdünken, um Theater zu steuern - die Strukturen verleiten sie dazu."

Weitere Artikel: Kevin Hanschke berichtet für die FAZ über die Biennale "Theaterhanse" in Stralsund. Hannes Hintermeier lauschte für die FAZ einem Abend mit John Cleese und Michael Niavarani in der Wiener Marx-Halle.

Besprochen werden eine Choreografie von Gintersdorfer und Klaßen zu Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" im Werk X Wien (nachtkritik), Nestroys "Einen Jux will er sich machen" in Wien (Standard), Robert Borgmanns Adaption von Michel Houellebecqs Roman "Die Möglichkeit einer Insel" fürs Berliner Ensemble (Berliner Zeitung) und Rodion Schtschedrins Oper "Lolita" am Prager Ständetheater (FAZ).
Archiv: Bühne

Musik

Mit Kraftklub war Felix Kummer erfolgsverwöhnt und bediente zumindest die Vorlieben nicht völlig unpolitischer junger Musikhörer. Jetzt liegt sein Solo "Kiox" vor, das Daniel Gerhardt für ZeitOnline rezensiert. Kummer ist älter und "schon vor der Veröffentlichung von 'Kiox' zur Symbolfigur des guten, engagierten Ostdeutschen geworden. Das Album will sich nicht aus dieser Rolle heraus stehlen, aber auch das Unbehagen und die Anstrengungen thematisieren, die damit einher gehen.' Aber der "Deutschrap wird nicht weicher. Es ist Kummer, der härter erscheint als bisher. ... Auf Kiox klingen die Refrains schlecht gelaunt, oder angepisst, wie es im Tonfall des Albums heißen müsste. Statt aerodynamischer Gitarrenriffs bestreiten nun Trap-Rap-Beats nach US-amerikanischer Südstaatenprägung den Weg dorthin." Ein aktuelles Video:



Besprochen werden Kim Gordons Debüt-Soloalbum "No Home Record" (SZ, mehr dazu hier), Ariana Grandes Auftritt in Berlin (Tagesspiegel, Berliner Zeitung, SZ), das neue Album von Lana del Rey (FR), ein Konzert des RSO Wien mit Jakub Hrůša (Standard), Taylor Macs in Berlin gezeigte Performance ""A 24-Decade History of Popular Music" (Berliner Zeitung), das neue Album des Schweizer Indiepop-Schlagersängers Dagobert (taz), Big Thiefs zweites neues Album in diesem Jahr (Pitchfork) und das bis dahin unveröffentlichte Miles-Davis-Album "Rubberband" aus den 80ern (NZZ, mehr dazu bereits hier).
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Archiv: Musik

Film

Silvia Hallensleben rät in der taz dem Berliner Publikum zum Besuch einer Vorführung von Eric Friedlers Dokumentarfilm "Der Clown" über Jerry Lewis' nie vollendeten Holocaust-Film "The Day the Clown Cried". In der taz erinnert Bettina Müller an die Uraufführung von Richard Oswaldts mit Conrad Veidt und Anita Berber besetzten Horror-Episodenfilms "Unheimliche Geschichten" vor 100 Jahren in Berlin.



Besprochen werden die DVD von Michael Pfleghars Krimi-Parodie "Die Tote von Beverly Hills" aus dem Jahr 1964, die laut Tagesspiegel-Kritiker Thomas Groh "am laufenden Meter sämtliche filmische Konventionen" bricht, der von Netflix produzierte, im "Breaking Bad"-Universum angesiedelte Film "El Camino" (ZeitOnline, SZ) und die in Frankfurt spielende Netflix-Serie "Skylines" (Freitag).

Und eine traurige Nachricht: Der Schauspieler Robert Forster ist gestorben. In "Jackie Brown" hat Quentin Tarantino nicht nur Pam Grier, sondern auch ihm ein Denkmal gesetzt.

Archiv: Film
Stichwörter: Netflix, Lewis, Jerry

Kunst

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Arno Widmann nimmt uns mit auf einen Streifzug durch eine "begeisternde" Ausstellung zur Kultur der Azteken im Stuttgarter Lindenmuseum. Dort sehen wir Götter, die sich die Haut eines geopferten Kriegsgefangenen übergezogen haben, aber dann auch wieder eine Kultur, die der unseren in manchen Dingen voraus war: "Hier endlich eine prächtige, reiche Kultur, von der etwas zu holen war. Die Konquistadoren suchten nicht Gewürze. Sie suchten Gold. Sie hatten gerade bei der Vertreibung der Mauren die Erfahrung gemacht, dass sie eine wirtschaftlich, intellektuell, technologisch weit überlegene Kultur aushebeln konnten. Das wollten sie fortsetzen. Die frühe europäische Expansion war der Aufstand der Lehmhausbewohner gegen die Steinstädte. Die Europäer waren als Unterlegene gestartet. Überlegen wurden sie erst im Laufe ihrer Eroberungen und wirklich erst zwei Jahrhunderte später durch die industrielle Revolution."

Ähnlich sieht das in der FAZ auch Ulf von Rauchhaupt: "Die Zivilisation der Azteken war der europäischen metallurgisch und transporttechnisch unterlegen, in manch anderem aber - dem Schulwesen etwa oder der Hygiene - war sie ihr deutlich voraus. Die Gesellschaft wiederum, deren Alltag und religiösen Kosmos die Ausstellung durch eine geschickte Kombination aus Objekten und Abbildungen aus Bilderhandschriften erklärt, war mindestens so komplex und stratifiziert wie die der spanischen Eroberer." Eine weitere Besprechung gibt es in der taz.

Edvard Munch, Die Sonne, 1012. Munchmuseet, Oslo


Karl-Ove Knausgard spricht im Interview mit der SZ über Peter Handke, den er in Norwegen verlegt ("Ich kann mir keinen würdigeren Preisträger vorstellen"), und die Munch-Ausstellung, die er kuratiert hat und die jetzt im Düsseldorfer Museum K20 zu sehen ist - kein "Schrei", keines der dunklen introspektiven Bilder, sondern die Bildern, die Munch danach gemalt hat, als er sich nach außen und dem Leben zugewandt hatte: "Munch hatte dieses Lebensfriesprojekt, über das er schrieb, dass die einzelnen Bilder einander wechselseitig beeinflussen. Das wollte ich zeigen. Die Bilder korrespondieren extrem miteinander. Viele der hier erstmals gezeigten Gemälde würden alleine nicht funktionieren, aber im Ensemble bestärken sie einander. Wie bei einem Roman, der seine Kraft auch aus der Gesamtkomposition bezieht."

In einer nebenstehenden Rezension findet eine kritische Catrin Lorch die Schau "unbedingt sehenswert. Zum einen, weil sie hervorragende Bilder nach Deutschland gebracht hat, viele sind zum ersten Mal hier zu sehen. Zum anderen aber, weil es zu befürchten ist, dass sie Vorbild wird für die Koppelung von Kunst und Prominenz. Denn weil man Karl Ove Knausgård, der seine Arbeit am Œuvre Munchs auch in seinem jüngsten Buch 'So viel Sehnsucht auf so kleiner Fläche' spiegelt, wirklich freie Hand ließ und er allein über Auswahl und Hängung entschied, zeigt die Schau die Beschränktheit einer so subjektiven Auswahl."

Außerdem: in der NZZ berichtet Brigitte Ulmer von der Frieze in London: "Die Erblast der Kolonialisierung, Rassendiskriminierung, Konflikt und Gewalt, Kapitalismuskritik: Man kann nicht behaupten, die Kunst, die gerade präsentiert wird, betreibe in einer realitätsfernen Blase Nabelschau."
Archiv: Kunst