Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Bühne

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2020 - Bühne

"Ich schließe nicht aus, dass wir bis zur Sommerpause keinen Spielbetrieb haben werden", sagt im taz-Gespräch mit Tom Mustroph Annemie Vanackere, Intendantin des Berliner Hebbel am Ufer. Zudem sorgt sie sich um die langfristigen Folgen des Social Distancing: "Nadia Ross von der kanadischen Gruppe STO Union, die 'Spy on Me #2' eröffnen sollte, hat mir erzählt, wie lange Kanada brauchte, sich von der Sars-Epidemie 2003 zu erholen. Auch damals ging es darum, soziale Distanz einzuhalten, um die Ansteckung einzudämmen. Als die Normalität zurückkommen durfte, hatten die Menschen Scheu, wieder in Theaterräume zu gehen, wo man Ellenbogen an Ellenbogen sitzt."

So düster blickt die Schweizer Theaterszene nicht in die Zukunft, weiß Daniele Muscionico, die sich für die NZZ umgehört hat: "Das Theater Basel (…) startete Zuschauerumfragen, erkundigte sich nach dem Befinden der Abonnenten und nach ihrer Absicht, im September wiederzukommen. Sie sei nach nur kurzer Reaktionszeit von einem überaus positiven Rücklauf und von Zeichen der Solidarität überrascht worden, meint die kaufmännische Direktorin Henriette Götz."

Weitere Artikel: Der Tagesspiegel hat ein Video online gestellt, in dem der russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow Empfehlungen für die Zeit der Isolation gibt. Im Standard porträtiert Helmut Ploebst den deutschen Choreografen Martin Schläpfer, der ab der kommenden Spielzeit die Leitung des Wiener Staatsballets und die künstlerische Leitung der Ballettakademie übernehmen wird. Für die taz hat Marlene Militz eine Liste mit digitalen Angeboten von Berliner Bühnen zusammengestellt. Die Nachtkritik hat ebenfalls einen Online-Spielplan zusammengestellt. In der FR gratuliert Peter Iden dem Regisseur Peter Brook zum 95. Geburtstag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2020 - Bühne

Auch die Passionsspiele in Oberammergau müssen wegen der Corona-Krise verschoben werden - auf den 21. Mai 2022, meldet der Tagesspiegel. Über die Folgen der Krise für die Bühnen und ihre Mitarbeiter unterhält sich Nachtkritikerin Elena Philipp am Telefon mit dem Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon.
Stichwörter: Corona-Krise, Corona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2020 - Bühne

Die Theater sind geschlossen. Aber Gott sei Dank gibt es das Internet. Hier der Online-Spielplan und die Streaming-Angebote der Theater, von nachtkritik zusammengetragen. Oh, und die Pariser Oper streamt jetzt auch!

Für Doris Meierhenrich (Berliner Zeitung) lassen diese Angebote allerdings noch einiges zu wünschen übrig: "Dass Theater auch fürs Streamen tatsächlich mal interessant werden kann, sofern es den PC als Produktions- und Rezeptionsmittel von Beginn an mitdenkt und eine eigene Hybrid-Kunst daraus entwickelt, deutet das Theater Luzern zumindest schon an. Regisseur Franz von Strolchen hat dort die Theaterserie 'Taylor AG' entworfen, die in mehreren Staffeln à 30 Folgen von Menschen der Zukunft handelt, die ihre Arbeit längst an die KI abgegeben haben, aber einmal im Jahr noch zusammenkommen müssen, um eine eigene, neue Idee zu entwickeln."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2020 - Bühne

Im Tagesspiegel-Interview mit Rüdiger Schaper spricht Ulrich Khuon, der Intendant des Deutschen Theaters, über die deprimierende Lage der geschlossenen Theater. Obwohl sie doch so oft von Katastrophen und Menschheitskrisen handeln, können sie in der jetzigen Situation nicht helfen: "Das Theater ist ein Zwischenraumgestalter, eine Art Unterbrecher. Es ist ein Ort, an dem wir die Selbstverständlichkeiten in Frage stellen. Normalerweise sind wir doch alle in einem Dauerarbeitsmodus, wir tun so, als gäbe es kein Ende. Das Theater aber zeigt die Ausnahmesituation, das Ende einer Beziehung, den politischen Verrat, den gesellschaftlichen Zusammenbruch. Und jetzt passiert uns Theaterleuten das real, was wir sonst immer für die Gesellschaft tun, was wir ihr vorführen: Wir selbst sind unterbrochen, aus der Bahn geworfen." Wie unter anderem der Standard mit der Agentur APA meldet, gehen die Wiener Bühnen inzwischen von einer Schließung bis zum Ende der Saison aus.

Weiteres: Im Standard besingt Ronald Pohl die Dienstleisterin seines Herzens: "Unsere Supermarktkassiererinnen sind Heldinnen, Punkt. Sie haben es verdient, auch nach Abklingen der Ansteckungsgefahr anständig entlohnt zu werden. Das könnte unter anderem bedeuten, unbedingt mehr als 15 Euro Stundenlohn an sie auszuzahlen." Marc Zitzmann berichtet in der FAZ von Ivo van Hoves Inszenierung der "Glasmenagerie", mit einer grandiosen Isabelle Huppert am Odéon-Theater in Paris (mehr hier).

Und hier der Online-Spielplan der Nachtkritik.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2020 - Bühne

Nach der Absage aller Vorstellungen liefert die Nachtkritik einen sehr nützlichen Online-Spielplan für Hausmusik und Konzerte in größeren, aber ebenfalls leeren Sälen. Die Bayerische Staatsoper macht ihre Inszenierungen als Videos-on-Demand zugänglich,  zur Zeit laufen dort Bela Bartoks "Judith" und Verdis "Il Trovatore". Der Tagesspiegel meldet, dass die Berliner Staatsoper nun auch ihre Proben streicht: Gecancelt ist damit auch die geplante Online-Premiere von Mozarts 'Idomeneo' unter Simon Rattle. Und in der Berliner Zeitung meldet Ulrich Seidler das Aus für das diesjährige Theatertreffen: "Verflucht sei C."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2020 - Bühne

FAZ-Kritiker Patrick Bahners durchsteht mit Alexander Kluge die Absage von dessen Opern-Ausstellung "Der Tempel der Ernsthaftigkeit": "'Die Oper', sagt Alexander Kluge am Freitag in Stuttgart, 'ist nicht der Opernabend'." Manuel Brug erzählt in der Welt, wie Peter Konwitschnys Prestige-Inszenierung von Daniel-François-Esprit Aubers Oper "Die Stumme von Portici" im Theater Dortmund auch ohne Publikum, mit nur einer Handvoll Kritiker im Publkum durchgedrückt wurde- Große Frage: Darf er klatschen, wenn es sonst keiner tut? taz-Kritikerin Katharina Granzin konnte sich eine ziemlich exklusive Performance der "afrodiasporischen" Künstlerin Rébecca Chaillon ansehen, hinter den verschlossenen Türen des Vereins Drama Panorama. Als "hölzernen Erziehungsprügel" empfindet FAZ-Kritiker Martin Halter Ewelina Marciniaks feministische Umdeutung von Shakespeares Macho-Klamotte "Der Widerspenstigen Zähmung" in Freiburg. Auch Nachtkritiker Jürgen Reuß glaubt, dass es hier nicht viel zu entlarven gab.

Besprochen werden Cees Nootebooms "Rituale" beim Freien Schauspiel-Ensemble (FR) und Lau Lukkarilas erotisches Tanzstück "Nyxxx" beim Brut-Festival "Imagetanz" (das Standard-Kritiker Helmut Ploebst als letzten Gruß vor der Corona-Schließung mitnehmen konnte).
Stichwörter: Corona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.03.2020 - Bühne

Verena Harzer schickt der nachtkritik einen Theaterbrief aus New York, wo die Broadway-Theater wegen Corona schließen. Der Schauspieler Nico Holonics erzählt im Gespräch mit der Berliner Zeitung vom vorläufig letzten Theaterabend am Berliner Ensemble und kündigt Hilfe für die freien Mitarbeiter an: "Für diese Menschen möchte ich eine Lobby, eine Solidargemeinschaft bilden, Sponsoren suchen, Menschen zusammenbringen, die das Theater lieben und diesem jetzt vielleicht in diesen schweren Zeiten helfen können." Auch in Zürich sagen die Bühnen und das Lucerne Festival alle Veranstaltungen ab, meldet die NZZ. In der taz schreibt Dominikus Müller über die Schinkel-Pavillon-Performance-Reihe "Disappearing Berlin".

Besprochen werden Peter Eötvös' Oper "Angels in America" am Staatstheater Braunschweig (taz), die Strauss-Oper Ariadne auf Naxos" am Deutschen Nationaltheater in Weimar (nmz), die "Opera for Sale" an der Neuköllner Oper in Berlin (taz) und die Uraufführung von Andrew Schneiders Choreografie "Remains" mit dem Ensemble Sasha Waltz & Guests (FAZ).
Stichwörter: Corona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.03.2020 - Bühne

Szene aus Mario von Mayenburgs "Die Affen". Foto: Arno Declair

Das Festival Internationale Neue Dramatik (FIND), das am Mittwoch mit der Premiere von Marius von Mayenburgs Stück "Die Affen" an der Berliner Schaubühne eröffnen sollte, wurde wegen Corona abgesagt. Das Stück selbst wurde gezeigt, aber nur im kleinen Saal der Schaubühne, berichtet Katrin Bettina Müller in der taz. "Eine vermüllte Erdkugel hing dann über der Bühne, darunter saß ein trauriger Mann. Es war der Schauspieler Robert Beyer, der an diesem Abend erst einen Ehemann spielt, der mit seiner Frau (Jenny König) zunächst nicht mehr redet, dann ihr gegenüber eine wütende Rede hält, über die Unvernunft des Menschen, der seine Umwelt zerstört. Eine weitere Frau (Genji Rykova) und ein weiterer Mann (Mark Waschke) mischen sich ein, streiten sich um die beste Strategie, in einem Nationalpark im Kongo nach Öl zu bohren und die Politik auf ihre Seite zu bringen. Sie überbieten sich in zynischen Tricks. Und man weiß, dass alle diese Verbrechen schon verübt wurden. Das hält man nicht aus."

Auch SZ-Kritikerin Christine Dössel ist nicht überzeugt: "Nun erwartet ja niemand gleich eine Affengaudi, aber ein bisschen mehr Satire, Komik, Biss, mehr von dem sonst bei Mayenburg oft überschäumenden Groteskhumor wären schon gut gewesen. Diesmal ist es dem Autor mit seinem Thema bitterernst, und da er sein Stück selber inszeniert, was hier eher kontraproduktiv ist, bekommt der ganze Abend diesen Anstrich: bitter und ernst. Nur leider ist das auch: fad und zahm." Nachtkritiker Christian Rakow hörte nur "eine thesenstrotzende Sammlung von Exkursen", Ulrich Seidler (Berliner Zeitung) ging es nicht besser. Schade um das Komödienpotenzial des Stücks, bedauert im Tagesspiegel Christine Wahl.

Weiteres: Die Salzburger Osterfestspiele sind abgesagt, meldet der Standard. Besprochen werden außerdem Leonie Böhms Inszenierung von Büchners "Leonce und Lena" (hier als "Leonce und Leonce" am Schauspielhaus Zürich (nachtkritik), "the.heldenplatz.thing" mit dem Bernhard Ensemble im Wiener Off-Theater (Standard) und Bellinis "Norma" an der Staatsoper Hamburg (nmz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2020 - Bühne

Tja, viel zu berichten ist hier nicht, in Zeiten der Coronakrise. Viele Theater haben ihre Aufführungen abgesagt. Listen findet man bei der neuen musikzeitschrift und (nur für Berlin) im Tagesspiegel.

Was bleibt: Volker Hagedorn porträtiert für die Zeit die amerikanische Sopranistin Nicole Chevalier. Besprochen werden Philip Glass' Kammeroper "In der Strafkolonie" in Gera (nmz), Tom Stoppards "Leopoldstadt" in London (NZZ) und Sonja Trebes' Inszenierung von Hans Gáls Oper "Die heilige Ente" am Theater Heidelberg (FAZ).
Stichwörter: Chevalier, Nicole

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.03.2020 - Bühne

Tennessee Williams' "Glasmenagerie" mit Isabelle Huppert am Théâtre de l'Odéon in Paris

Großes Theaterglück hat SZ-Kritiker Joseph Hanimann gleich dreimal in Paris erlebt: Peter Handke und Yasmina Reza am Théâtre de la Colline fand er ganz superb, herausragend aber auch Isabelle Huppert in Tennessee Williams' "Glasmenagerie" im Odéon: "Laura huldigt ihren Glasfigürchen im Käfig ihrer Schizophrenie und springt, wenn sie sich mal unter ihrer Wolldecke hervortraut, katzenhaft über die Anrichte der Küche. Die narrativen Einlagen in diesem 'Memory Play' hat der Regisseur auf ein Minimum reduziert. Statt ihr die schließlich doch noch gelungene Flucht aus der Ferne zu erzählen, tanzt Tom mit seiner Schwester Laura am Ende zu Barbaras Lied vom 'Aigle noir', dem schwarzen Adler, durch die Wohnstube. Dieses kurze Glück bleibt mit seiner tiefen Traurigkeit als großer Theatermoment in Erinnerung."

Weiteres: Die Nachtkritik meldet, welche Bühnen im deutschprachigen Raum bis auf Weiteres geschlossen bleiben, der Tagesspiegel verschafft einen genaueren Überblick für Berlin.

Besprochen werden Giuseppe Verdis selten gespielte Oper "I Masnadieri" an der Bayerischen Staatsoper in München (die Laszlo Molnar in der FAZ als das reinste Sängerfest bejubelt) und David Bowies "Lazarus"-Musical in Gießen (FR).