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20.09.2022. In Africa is a Country denkt die Historikerin Shobana Shankar über den Begriff "Black Asia" nach. In First Things erklärt der Islamwissenschaftler Shadi Hamid, wann der Islam eine Religion der Vernunft sein wollte. In der Boston Review fragt der Historiker Faisal Devji, ob der Kult der Beleidigung nicht ein Produkt des Neoliberalismus ist. Der New Yorker lässt sich von einer Himbeertorte mit Hula-Hoop-Reifen verführen. In Qantara erinnert der Historiker Christopher Silver an die gemeinsame Musikgeschichte auf Vinyl von Juden und Muslimen im Maghreb. Pro Publica lernt, dass Sklavenhandel noch sehr real ist.

Africa is a Country (USA), 14.09.2022

Nach einer Reihe von Angriffen auf afrikanische Studenten in Neu Delhi 2017, erklärte Tarun Vijay, Leiter der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe Indien-Afrika und ehemaliger BJP-Abgeordneter in einem Interview mit Al Jazeera, dass dies nichts mit Rassismus zu tun habe, weil Inder per se nicht rassistisch sein könnten. Als Beleg verwies er auf die zum Teil sehr dunkelhäutigen Bewohner der südlichen Provinzen Indiens. Damit löste er eine große Debatte in beiden Ländern aus, berichtet der Politologe Zachariah Mampilly von der City University New York, der sich aus diesem Anlass mit der ebenfalls in New York lehrenden Historikerin Shobana Shankar über ihr neues Buch "An Uneasy Embrace. Africa, India and the Spectre of Race" unterhalten hat. Die Sache wird noch komplizierter durch die Tatsache, dass sie viele Nordinder als "weiß" betrachten, viele Dalit als "schwarz" und viele Afrikaner Ghandi als Rassisten betrachten, was zu dem vielgeteilten Hashtag #GandhiMustFall führte. Dennoch findet Shankar den Begriff "Black Asia" in vieler Hinsicht produktiv, auch wenn er von einem Teil der Südasiaten abgelehnt wird: Er hilft zum Beispiel bei dem Versuch, amerikanische Gerichte dazu zu bewegen anzuerkennen, dass rassifizierte Ungleichheit - etwa wenn indische Arbeiter von anderen Indern in den USA wegen ihrer Kaste diskrimiert werden - "in den heutigen Einwanderungs- und Arbeitssystemen eingebettet ist. Diese Versuche sind radikal, weil sie deutlich zeigen, dass südasiatische Versklavungssysteme keine Relikte der Vergangenheit sind, sondern durchaus in der Lage sind, modernisiert zu werden, ja sogar in der bevölkerungsreichsten 'Demokratie' der Welt, Indien, ausgebrütet und von dort aus in die westlichen liberalen Volkswirtschaften exportiert werden. Wenn ich von radikal spreche, meine ich nicht, dass diese Versuche gänzlich neu sind: Teile der afrikanischen Diaspora in Amerika haben schon lange vor diesen Prozessen aufgedeckt, wie Sklaverei, Kastendenken und Rassismus auf dem afrikanischen Kontinent wirken und die heutigen Migrationsmuster prägen - insbesondere in der Diaspora der Flüchtlinge, der Menschen ohne Papiere und der Asylsuchenden."

Weitere Artikel: Der französische-madagassische Autor Ari Gautier erzählt, welche Bücher ihn beeinflusst haben - von "The Palm-wine Drinkard" des nigerianischen Autors Amos Tutuola über "Gouverneurs de la rosée" des haitianischen Autors Jacques Roumain bis zum Roman "L'Interférence" des "größten modernen Dichters Afrikas", des madagassischen Autors Jean-Joseph Rabearivelo. Wamuwi Mbao stellt den südafrikanischen Dichter Don Mattera vor, der im Juli starb. Und der Religionswissenschaftler Terje Østebø beschreibt den Einfluss des Salafismus auf die äthiopischen Muslime.