Magazinrundschau - Archiv

Al Hayat

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Magazinrundschau vom 13.03.2007 - Al Hayat

Muhammad al-Haddad fragt angesichts der internationalen Besorgnis über das Elend in Darfur: "Warum sehen wir nicht den gleichen Eifer bei der Lösung des Problems in Gaza? Warum interveniert die internationale Gemeinschaft nicht wenigstens mit Beobachtern, um das Leid der Zivilisten zu mildern? Warum wird der Sicherheitsrat nicht aktiv, um die Angelegenheit zu diskutieren, die Angreifer zu kritisieren und um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln? Warum schweigt die Welt über die Verhältnisse, in denen Kindern Milch und Medikamente vorenthalten werden? Hierbei handelt es sich um eine Politik, die mit zweierlei Maß misst, die einer gerechten Sache abspricht, gerecht zu sein."

Die Kritik am Konfessionalismus ist nur allzu oft selbst vom Konfessionalismus inspiriert, schreibt Yassin al-Haj Salih. Dies mache die Sammlung von Karikaturen, die im aktuellen Heft der Beiruter Zeitschrift al-Adab zum Thema Konfessionalismus erschienen ist, deutlich: "In unterschiedlicher Weise sagt derjenige, der in diesen Karikaturen spricht: 'Ich bin kein Anhänger des Konfessionalismus, aber die anderen sind dies und jenes!' Wir verstehen sofort, dass diese Anderen einer anderen Konfession angehören als der, der spricht. Und 'dies und jenes' sind unveränderliche Eigenschaften dieser Anderen. (...) Die Anhänger des Konfessionalismus sind Angehörige einer anderen Konfession, oder sie sind eine andere Konfession. So sind wir alle und jeder Einzelne gegen den Konfessionalismus - und gegen eine andere Konfession."

Magazinrundschau vom 30.01.2007 - Al Hayat

Das Verhältnis der arabischen Welt zu den USA steht im Mittelpunkt der Sonntagsbeilage. Warum genießen die USA in Osteuropa breite Sympathien, während sie in den arabischen Ländern auf Ablehnung stoßen, fragt der von 1980 bis 1996 in Syrien inhaftierte Dissident Yassin al-Haj Salih: "Während die USA in Osteuropa die Liberalen gegen das sowjetische Lager förderten, unterstützten sie im Nahen Osten die konservativen und radikalen islamischen Regime und Strömungen. Damit halfen die USA erst jenen 'Terror' zu säen, für dessen Bekämpfung im nun schon fünf Jahre andauernden amerikanischen Krieg die arabische Welt mehr zahlt als alle anderen. Während der Kalte Krieg überall auf der Welt Ende der 1980er Jahre zu Ende ging, währten die sicherheitspolitischen, gedanklichen und politischen 'Regime' dieser Epoche in unserer Region noch bis zum September 2001 fort. Um dann von einer quasi-imperialistischen Politik abgelöst zu werden. Es ist nicht ohne Bedeutung, dass sich die neue amerikanische Politik gegenüber dem Nahen Osten um den Kampf gegen den Terror dreht, mit allem, was dies an militärischen und sicherheitspolitischen Prioritäten mit sich bringt. Dagegen steht die Globalisierung im Mittelpunkt der amerikanischen Politik gegenüber Asien und Europa."

Wahid 'Abd al-Majid sieht die gemäßigten Strömungen in der arabischen Welt in einer Zwickmühle zwischen zwei wenig attraktiven Alternativen: dem Projekt eines "neuen Nahen Ostens" der USA auf der einen Seite und dem "islamischen Nahen Osten" des Irans auf der anderen: "Es scheint, als seien die Staaten und Völker der Region der große Preis in diesem Ringen."

Weiteres: Muhammad al-Haddad fragt anlässlich des Besuches von Ahmadinedschad in Venezuela, Nicaragua und Ecuador nach dem Stand der revolutionären Bewegungen in Südamerika. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände im Libanon, Palästina und Irak sind für Muhammad Abu Rumman Anlass, an die Notwendigkeit einer Trennung von Religion und Politik zu erinnern.

Magazinrundschau vom 16.01.2007 - Al Hayat

Mit Verbitterung nahm so mancher die Holocaust-Konferenz in Teheran vor wenigen Wochen zur Kenntnis. Der Schriftstellerin Ghalia Qabbani ging es ähnlich. Für sie ist es unbegreiflich, dass arabische Intellektuelle sich mit Rechtsextremen wie dem Briten David Irving solidarisch zeigen: "Angesichts der Debatte um den Holocaust und um die holocaustleugnende Konferenz in Teheran frage ich all jene, die sich über diese Veranstaltung erfreut zeigten: Was gewinnen die Araber dadurch, dass sie den Holocaust leugnen - oder dadurch, dass sie diejenigen unterstützen, die den Holocaust leugnen? Eine solche Leugnung ist für die palästinensische Sache von keinerlei Nutzen. Es ist im Gegenteil für die Araber besser, die Haltung derer zu unterstützen, die den Holocaust nicht leugnen, die aber gleichzeitig die Politik Israels kritisieren und den Vorwurf erheben, Israel würde den Holocaust an der palästinensischen Bevölkerung wiederholen."

Angesicht der Vorstellung, die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal könnte die Wahlen in Frankreich gewinnen, gerät Muhammad al-Haddad ins Schwärmen: "Die zweite Französische Revolution".
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Magazinrundschau vom 09.01.2007 - Al Hayat

In der wöchentlichen Beilage Tayyarat beschäftigen sich mehrere Kommentare mit der Hinrichtung Saddam Husseins. Die Kritik ist einhellig. Die libanesische Autorin Dalal al-Bizri bedauert es vor allem, dass die Chance vertan wurde, die Wahrheit über das verbrecherische Regime festzustellen: "Saddam Hussein hätte als blutiger Diktator ein gerechtes Verfahren verdient gehabt - nicht wegen der Idee der Gerechtigkeit als solcher... Aber ein gerechtes Verfahren wäre wichtig gewesen, angesichts all der Unterdrückten, die in diesem Prozess nicht vorkamen; wichtig, um die Geschichte von lebenden Zeugen in allen Details zu dokumentieren. Der Prozess gegen Saddam war nicht gerecht. Er beschränkte sich auf die Fälle 'al-Dajil' (ein Ort, in dem 1982 über 140 schiitische Dorfbewohner getötet worden waren) und 'Anfal' (die Bombardierung der Kurden im Nordirak). Nur von den Opfern dieser beiden Verbrechen war in dem Prozess die Rede. Die vielen anderen Opfer kamen nicht vor."

Ähnlich argumentiert der irakische Journalist Falih Abd al-Jabbar. Die Niederlage Justitias, die sich in dem Verfahren und in der Hinrichtung Saddam Husseins ausdrücke, bedeutet nichts anderes, als "dass der Eintritt des Iraks in eine neue Epoche weiter auf sich warten lässt. [?] Statt als Gesetzesbrecher erscheint der gehängte Präsident der Außenwelt als Opfer."

Auch der syrische Autor und Dissident Yassin al-Haj Salih sieht eine Chance vertan. Statt eine Epoche der Gesetzesherrschaft zu begründen, bedeutete die Hinrichtung eine Rückkehr im "Geiste der Rache und Vergeltung" zu einem Klima, für das Saddam Hussein ein Symbol war.

Magazinrundschau vom 03.10.2006 - Al Hayat

Die Zeitung Al Hayat zählt zu den renommiertesten arabischsprachigen Tageszeitungen. Mit Redaktionssitz in London genießt Al Hayat eine Unabhängigkeit, die sie deutlich von der zahlreichen Konkurrenz in arabischen Hauptstädten unterscheidet. Aber auch diese Unabhängigkeit hat Grenzen: Al Hayat befindet sich im Besitz eines Mitgliedes des saudischen Königshauses - kritische Stimmen gegenüber der saudischen Herrscherfamilie finden sich daher nur selten. Ein Forum für die kritischen Stimmen der Zeitung bietet vor allem die Beilage Tayyarat ("Strömungen"), die jeden Sonntag erscheint. Politische Analysen stehen hier neben Beiträgen zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten.

In der Ausgabe vom 24. September 2006 stand - wie in vielen anderen arabischen Zeitungen auch - die Regensburger Vorlesung des Papstes im Mittelpunkt. Es äußert sich zum Beispiel die libanesische Soziologin Dalal al-Bizri, die sich der Kritik an der Papstrede anschließt, um dann einen kritischen Blick auf die arabische Kultur zu werfen: "Um einem Waffenstillstand etwas näher zu kommen, bräuchte es nicht mehr als einen Blick auf uns selbst: Wie oft haben auch wir das Christentum und andere Religionen schlecht gemacht - in allen Phasen unserer Kulturgeschichte und wie auch immer wir uns selbst in unterschiedliche Strömungen aufgliederten! Vor kurzem noch waren wir mit dem Streit zwischen Sunniten und Schiiten beschäftigt, jetzt zwischen Christen und Muslimen. Gott allein weiß, welche Form der 'Andere' morgen annehmen, gegen welchen 'Anderen' sich unsere Feindseligkeit morgen richten wird!"