Magazinrundschau - Archiv

L'Espresso

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Magazinrundschau vom 03.09.2013 - Espresso

Roberto Saviano erklärt in seiner stets lesenswerte Kolumne, wie Drogentransporte heute funktionieren. Anlass ist die Meldung, das zwei junge Mädchen aus Irland und UK in Peru festgenommen wurden. Sie waren auf Ibiza, wo sie in Diskotheken arbeiteten, angeheuert worden. "Sie sind jung und oft weiblich. Sie haben glatte Gesichter und keinerlei Vorgeschichte. Oft sind die Kuriere nicht mehr Lateinamerikaner, sondern Europäer - das ist weniger verdächtig. In diesem Fall haben sie allerdings den Stress nicht ausgehalten, sie waren nicht trainiert genug. Michaella McCollum und Melissa Reid sind auf dem Flughafen von Lima durch ihre Nervosität aufgefallen. Sie hatten Kokain im Wert von 2,3 Millionen Dollar in ihren Koffern, versteckt unter anderem in Kakaopackungen. Sie hatten nach Ibiza eingecheckt, von wo sie gekommen waren. Nun drohen ihnen 25 Jahre Gefängnis."

Magazinrundschau vom 06.08.2013 - Espresso

Roberto Saviano singt eine schöne Hommage auf die iranische Schwimmerin Elham Asghari, die sich in einem Youtube-Video bitter über die frömmlerischen Autoritäten ihres Landes beschwert: "Sie hat zwanzig Kilometer in weniger als sechs Stunden zurückgelegt. Aber nicht in leichter Badekleidung, wie man es sich vorstellen würde, sondern in einer sechs Kilo schweren Rüstung, einem 'Austronautenanzug', wie sie selbst sagt. Das Kostüm setzt sich aus einem Taucheranzug und einer Haube zusammen, kombiniert mit einem Kittel, der bis zu den Füßen geht und einem Schleier, der den Kopf umrahmt. Und trotz dieser unglaublichen Aufmachung haben ihr die iranischen Sportbehörden den Rekord aberkannt, weil ihr Kostüm noch 'zu gewagt' ist."

Magazinrundschau vom 16.07.2013 - Espresso

Roberto Saviano schreibt in seiner Kolumne über die tunesische Aktivistin Amina, die im Gefängnis sitzt, weil sie das Wort "Femen" auf eine Mauer gesprüht hat. Er kommentiert ein bekanntes Foto, das sie mit entblößtem Oberkörper zeigt: "Als ich das Foto mit Aminas nackten Brüsten, dem Buch und der Zigarette gesehen habe, sind mir vor allem das Buch und die Zigarette als symbolischer Bruch erschienen. Nicht nur der Körper der Frau gehorcht niemand anderem - weder den Männern der Familie noch irgendwelchen moralischen Regeln - das gleiche gilt für ihren Geist und ihr Verhalten. Was in anderen Breiten banal ist, macht Amina zu einer gefährlichen Kriminellen. Eine Zigarette zu rauchen und zu lesen, sind Gesten der Freiheit, die sich Amina gegen die herrschenden Regeln erlaubt hat."
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Magazinrundschau vom 21.05.2013 - Espresso

In der neuen italienischen Regierung arbeiten linke Politiker und Berlusconianer zusammen. In der italienischen Presse schreiben die Kolumnisten, dass die Linke nach "zwanzig Jahren Bürgerkrieg" gegen Berlusconi nun friedvollere Töne anschlagen solle. Der bekannte Publizist Marco Travaglio wehrt sich mit Händen und Füßen gegen diese neue Stimmung: "Diese und andere Lohnschreibersprüche beweisen nur eines: Zwanzig Jahre nach dem Beginn von Berlusconis Feldzug tun viele italienische Intellektuelle immer noch so, als wüssten sie nicht, wer Berlusconi ist. So auch die angeblichen Kämpfer des 'Partito democratico'. An dem Tag, als der Cavaliere wegen Steuervergehen in zweiter Instanz zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, erklärte Vizeminister Bubbico, dass der Spruch 'nichtig ist, solange er nicht in letzter Instanz bestätigt wurde'."
Stichwörter: Linke Politik

Magazinrundschau vom 25.03.2013 - Espresso

Grillo-Berater Gianroberto Casaleggio ist auch Autor eines programmatischen Internetvideos, "Gaia - The future of politics", dessen an Power Point gemahnende Bildsprache Marco Belpoliti in L'Espresso analysiert: Casaleggio sagt darin eine Apokalypse voraus, die die Erdbevölkerung auf eine Milliarde Menschen reduziert, bevor der im Besitz des Internets befindliche Westen die Kräfte des Bösen besiegt und eine Grassroots-Regierung ganz ohne Geheimgesellschaften und ein kollektives, per Netz kommunizierendes Bewusstsein installiert: "Wer ein solches Video realisiert, ist tief in der Kultur der siebziger Jahre verwurzelt und hat das apokalyptische Denken dieser zwischen Vergangenheit und Zukunft schwankenden Epoche zutiefst verinnerlicht und mit den Ideen verbunden, die sich in den achtziger und neunziger Jahren an den Personalcomputer knüpften. Das Anfangsbild mit dem azurblauen Planeten Gaia von James Lovelock als Hintergrund und das Schlussbild mit dem wie ein Planet rotierenden blauem Gehirn erinnern unweigerlich an Stanley Kubricks '2001'. Wähnt sich der Guru der Fünf-Sterne-Bewegung an den Schalthebeln von HAL 9000?"

Hier das (englischsprachige) Video:


Magazinrundschau vom 19.02.2013 - Espresso

Roberto Saviano denkt in seiner immer wieder lesenswerten Kolumne in L'Espresso über die Tabus des italienischen Wahlkampfs nach. "Nach Frankreich hat auch das britische Parlament Ja zur Schwulenehe gesagt. Auch wichtige Exponenten der Tories haben dem Gesetzesvorschlag zugestimmt. Da stellt sich natürlich die Frage, wann denn die italienischen Konservativen so liberal sein werden. Hier ist in den Wahldebatten weder von Schwulenehe, noch von Kindesoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare, noch von Adoptionen durch Singles die Rede gewesen. Auch über Sterbehilfe, die Zustände in den Gefängnissen und Legalisierung von Drogen wurde nicht gesprochen. Als sei die Eroberung 'neuer' Rechte weniger fundamental als die ökonomischen Themen. Aber das ist falsch."

Magazinrundschau vom 02.01.2013 - Espresso

In Scampia, einem heruntergekommenen Viertel im Norden Neapels, sind zwei Bomben explodiert. Zwei spielende Kinder auf der Straße wurden verletzt. Zuvor gab es einen Mord in einem Kindergarten, wo Kinder gerade Weihnachtslieder lernten. Die Taten werden mit der Drogenmafia in Verbindung gebachte. Roberto Saviano schreibt in L'Espresso einen empörten Kommentar über die Zustände in Scampia: "Einigen Kindern wird gar nichts gegönnt. Kein Platz um zu lernen, kein Platz um zu spielen. Die Verbrecherbanden haben die Hand auf alles gelegt, alle sind betroffen. Sie beherrschen das Leben ganzer Familien, vor allem in den Wohnburgen, vor denen Drogen gehandelt werden. Dort sind sie nicht mal mehr im Besitz der Haustürschlüssel, denn die müssen den Drogenclans für ihren Verkauf von Haschisch und Marihuana ständig zur Verfügung stehen. Damit sie im Fall einer Razzia verschwinden können. Sie haben Zäune und Gatter gebaut, die unüberwindlicher sind als in Gefängnissen. Sie wurden wieder abgerissen. Sie haben sie neu gebaut. Sie haben eine Kriegszone errichtet, in der niemand ruhig leben und sich bewegen kann."

Magazinrundschau vom 13.11.2012 - Espresso

In Rom ist gerade Filmfestival. Höchst beeindruckt berichtet Gianluca Di Feo über Luca Ferraris Dokumentarfilm "Pezzi", der die Drogenszene in der staubigen römischen Vorstadt Laurentino 38 schildert - ganz unsentimental, ohne Kommentare des Regisseurs, rau und grau: "Eine langsame und verzweifelte Ballade über Existenzen, die zwischen Drogen und Gefängnis leben, Frauen und Männer, die sich mit einem Leben ohne Hoffnung abgefunden haben. Das wird gleich am Anfang klar, wenn man die Hauptfigur kennenlernt, Massimo, genannt der 'Panter', der unter den Dächern des Plattenbaus seine Gefährtin küsst, ein Graffito mit einem Herzen an der Wand, und sich dann zum Tisch beugt und durch die Nase Kokain einzieht und sagt: 'Das hier ist Laurentino 38, hier spricht man nur von Koks.'"
Stichwörter: Plattenbau, Ferrari, Kokain

Magazinrundschau vom 06.11.2012 - Espresso

Porndemia: Mit eine Bilderstrecke weist L'Espresso auf eine Ausstellung in Turin hin, die sich mit pornografischen Motiven in der neuesten (und nicht ganz so neuen) Kunst befasst. Das Foto zeigt das Werk "Dildo e champagne" von Andrea Massaioli.


Stichwörter: Champagner

Magazinrundschau vom 10.07.2012 - Espresso

Der großartige Roberto Saviano plädiert in L'Espresso für eine Legalisierung der Drogen - zumindest der leichten - in Italien. Als Beispiel nennt er Länder wie Uruguay, die ihr Problem mit der Drogenmafias auf diese Weise bekämpfen wollen: "Wann verstehen wir endlich, wie dringlich diese Frage ist? Legalisierung heißt nicht Ermunterung zu Drogen, sondern Austrocknung der Märkte der Mafias. Das Abtreibungsgesetz machte einst allen illegalen Abtreibungen ein Ende. Auf die gleiche Art würde eine Politik der Legalisierung den Verbrechern Einnahmen entziehen. Maurizio Prestiere, Ex-Mafioso, der heute für die Polizei arbeitet, hat mir in einem Interview mal Folgendes gesagt: 'Mit all dem Hasch, den die linken Jugendlichen aus Neapel bei uns gekauft haben, finanzierten sie Wahlkämpfe der Mitte-Rechts-Parteien in unserer Provinz.'"