Magazinrundschau - Archiv

Letras Libres

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Magazinrundschau vom 19.03.2013 - Letras Libres

Aus Anlass der Legalisierung von Marihuana in den amerikanischen Bundesstaaten Washington und Colorado, zeichnet Ioan Grillo nach, wie sich der Ruf der "weichen" Droge in den USA verändert hat: "Während in den 80ern viele Amerikaner Drogen als das Problem Nummer eins ansahen, mit dem das Land konfrontiert war, sind die neuen Generationen eher besorgt über die Wirtschaft, die Staatsausgaben, die Kriege und andere Angelegenheiten. Viele beklagen sich über die hohen Kosten die es bedeutet, so viele Menschen wegen Drogen ins Gefängnis zu bringen, insbesondere im Fall Marihuana: Die Vereinigten Staaten geben jährlich mehr als 40 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Drogen aus." Selbst von den Kirchen käme inzwischen grünes Licht. So zitiert Grillo den rechten Prediger Pat Robertson: 'Es ist schockierend, wie viele jungen Leute im Gefängnis enden und so zu Kriminellen werden, nur weil man sie im Besitz einer kleinen Menge dieser illegalen Substanz aufgefunden hat.'"
Stichwörter: Washington, Marihuana

Magazinrundschau vom 18.09.2012 - Letras Libres

Am 7. Oktober wird in Venezuela gewählt. Der Publizist Moisés Naím, der Anfang der 90er Jahre venezolanischer Handels- und Industrieminister und Geschäftsführender Direktor der Weltbank war, analysiert die Schwierigkeiten, die der aussichtsreichste Oppositionskandidat Henrique Capriles im Falle eines Sieges über Hugo Chávez zu erwarten hätte: "Paradoxerweise hat ausgerechnet die starke Staatsfixierung während der Regierung von Hugo Chávez (seit 1998) zu einer extremen Schwächung des Staates geführt, der selbst grundlegende Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Ein gravierendes Problem ist auch die völlige Unterwerfung der Judikative unter die Exekutive und das Militär, nicht einmal im Chile Pinochets war diese so weitgehend. Chile ist andererseits ein Beispiel dafür, wie es im Verlauf eines friedlichen Übergangsprozesses im Anschluss an das Ende der Diktatur gelingen konnte, einen zumindest halbwegs verlässlichen Rechtsstaat wiederherzustellen. Hoffen wir, dass Venezuela ein weiteres positives Beispiel in diesem Sinne sein wird."

Magazinrundschau vom 14.02.2012 - Letras Libres

Ars criticandi: Der Schriftsteller Javier Sicilia, der sich seit einiger Zeit mit bewunderungswürdigem Mut der mexikanischen Drogenmafia entgegenstellt, und der Publizist - und Letras Libres-Herausgeber - Enrique Krauze führen ein überaus reizvolles Streitgespräch über Krauzes neues Buch Redeemers (mehr hier) und die Bedeutung neuer libertärer Bewegungen wie der Indignados oder Occupy: "Ich halte deren Botschaft sehr wohl für anarchistisch-utopisch", meint Krauze, "und das ist auch sehr gut so. Doch im politischen Leben ist der Anarchismus unmöglich. ('Wir haben ihn nicht verdient', wie Borges gesagt hat.) Die Bedeutung des Anarchismus ist eine moralische. Ich ziehe jedoch die sanfte Version des Anarchismus vor: den Liberalismus. Dieser besteht vor allem in einer Haltung: in der Bereitschaft, zu argumentieren, statt anderen etwas aufzuzwingen; zu beweisen und zu begründen, statt möglichst laut zu schreien. Im Kern steht der Liberalismus nicht für den Willen zur Macht, sondern für den Wunsch, zu wissen. Er glaubt nicht an den Glauben, sondern an die objektive Wahrheit. Deshalb ist die natürliche Grundlage des Liberalismus nicht die Liebe - die sich, wie Sicilia selbst sagt, 'nicht verwalten lässt' -, sondern die Toleranz, die ihrerseits in radikaler Achtung der menschlichen Person besteht, der Menschlichkeit des anderen, dessen, was dieser ist und denkt."
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Magazinrundschau vom 17.01.2012 - Letras Libres

Angel Jaramillo unterhält sich mit dem legendären New Yorker Journalisten und Schriftsteller Pete Hamill, der lange Zeit in Mexiko City gelebt hat: "Man darf die zivilisatorische Wirkung von Tragödien nicht unterschätzen: Seit dem 11. September 2001 sind die Leute in New York nach meinem Eindruck viel freundlicher geworden. Und auch die Gewalt hat seither deutlich abgenommen. (?) Was zurzeit in Mexiko passiert, wirkt allerdings, als wäre der Marquis de Sade dabei, einen Mafiafilm zu drehen. Schlimm ist aber auch, was es über unsere beiden Gesellschaften sagt: Ich finde es unerträglich, dass bloß damit Charlie Sheen oder Paris Hilton immer genug Kokain zur Verfügung haben, so viele Unschuldige auf der anderen Seite der Grenze sterben müssen. Alle, die hier in den USA immer damit angeben, wie viel Kokain sie konsumieren, sollten ­- und das meine ich nur teilweise als Witz - nach Mexiko geschickt und dort wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden. Und trotzdem wäre es grundfalsch, angesichts der Exzesse des Drogenkriegs zu übersehen, dass es in Mexiko einen großen gesellschaftlichen Fortschritt gibt und auch die Demokratie dort stärker wird. Mexiko ist sicher nicht vollkommen, aber dennoch besser denn je."

Magazinrundschau vom 13.12.2011 - Letras Libres

Der argentinische Schriftsteller Martin Caparros freut sich diebisch über seinen Kindle, den "Robin Hood unter den Büchern": "Es gibt Gegenstände, die so vollkommen sind, dass wir nicht auf die Idee kommen, jemand könnte sie erfunden haben: Jahrtausendelang war die Treppe die beste Möglichkeit, um von Ebene x auf Ebene y zu gelangen. Das Buch ist die Treppe für Texte: Seit über 500 Jahren ist es die vollkommene Form, um Wörter zu speichern und zu verbreiten. Heute gibt es allerdings auch Aufzüge - wer in den 38. Stock will, denkt bestimmt nicht als erstes an eine Treppe. Dabei hat der Kindle gar nichts Zukünftiges: Er ist die radikale Gegenwart des Buches und das will etwas heißen: Während ein Kühlschrank heutzutage gleichzeitig als Fernseher dienen soll, ein Telefon als Fotoapparat und ein Laptop als Weltersatz, beharrt ein Kindle stur darauf, dass er einzig und allein zum Lesen da ist. Den letzten Zweifel hieran hat mir neulich ein kleiner Süßigkeitenverkäufer im Zug ausgetrieben: Sehnsüchtig betrachtete der Junge - mit verdrecktem Gesicht, mehreren Zahnlücken und strubbeligem Haar - meinen Kindle: 'Geil, Alter, ein Computer. - Nein, das ist ein Buch. - Ach so (tief enttäuscht), ein Buch.'"

Magazinrundschau vom 17.11.2009 - Letras Libres

Der argentinische Schriftsteller Cesar Aira hält wenig von offizieller Leseförderung: "Ich glaube, die Literatur ist für die Gesellschaft nicht besonders wichtig. Im Gegenteil, ich glaube, die Literatur war immer schon etwas für eine Minderheit, für ein ganz paar Leute. Und ich finde, was die Literatur angeht, sollte man in seiner Wahl völlig frei sein. Viele meiner Kollegen verkünden lautstark, Literatur müsse einen verbindlichen Charakter haben, man müsse die jungen Leute dazu bringen, dass sie lesen. Mir gefällt das nicht. In unserer Gesellschaft wird allmählich so gut wie alles zur Pflicht - lassen wir es den Leuten doch freistehen, ob sie sich mit Literatur beschäftigen oder nicht. Es sollen die lesen, die Lust dazu haben. Das wird ihnen viele glückliche Augenblicke in ihrem Leben bescheren, aber auch wer nicht liest, kann sehr glücklich sein. Leseförderung ist in der letzten Zeit sehr in Mode gekommen, es gibt sogar Stiftungen zu diesem Zweck. Mein Verdacht ist, dass diejenigen, die für gutes Geld dort arbeiten, niemals lesen. Wir, die wirklichen Leser, neigen viel weniger dazu, das Lesen zu propagieren. Vielleicht, weil wir gelernt haben, dass es die freieste Tätigkeit ist, die man überhaupt ausführen kann."
Stichwörter: Aira, Cesar, Geld

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - Letras Libres

Der Schriftsteller Rafael Gumucio vermisst in der spanischsprachigen Literatur die Streitlust des vor fünf Jahren verstorbenen chilenischen Autors Roberto Bolano: "Vielleicht sollten wir all der Sympathie und gegenseitigen Wertschätzung unter den jungen lateinamerikanischen Schriftstellern misstrauen. Sie entstammen verschiedenen Ländern und Ethnien, aber doch fast alle der gleichen sozialen Schicht, den gleichen Schulen, Postgraduiertenkursen, haben die gleichen Väter und Freunde. Die für die Entstehung von Literatur notwendige Anzahl von Monstern lässt sich unter ihnen jedenfalls nicht entdecken. Dabei spricht nichts dafür, dass bessere Bücher entstehen, wenn alles ruhig ist und die Kritiker ihre Autoren verwöhnen und liebhaben. Die Geschichte der Literatur erzählt vielmehr genau das Gegenteil: Kämpferische Auseinandersetzungen zwischen Autoren, untereinander oder mit ihren Kritikern, sind keineswegs bloß unangenehme Episoden, die zeigen, wie schlecht die Menschen doch eigentlich sind, sondern die fruchtbare Grundlage, aus der gute Literatur erst hervorgeht."

Magazinrundschau vom 13.05.2008 - Letras Libres

"Ideen für die Linke" lautet der Themenschwerpunkt der aktuellen Ausgabe von Letras Libres. Der bekannte venezolanische Publizist und Ex-Marxist Teodoro Petkoff spricht im Interview über den Unterschied zwischen der "autoritären" und der "demokratischen" Linken Lateinamerikas: "Venezuela ist ein untypischer Fall. Die Linke ist hier auf anderem Weg an die Macht gelangt als in den übrigen Ländern Lateinamerikas. Chavez gelang dies trotz bzw. mithilfe eines gescheiterten Militärputsches. Die traditionelle, organisierte Arbeiterschaft konnte Chavez allerdings nicht für sich gewinnen; dafür aber eine Gruppe, die man für unorganisierbar gehalten hat: die 'städtischen Armen', also Langzeitarbeitslose, arme Hausfrauen, Gelegenheitsarbeiter, Straßenverkäufer, Kleinkriminelle etc. Zum Glück hat er sich aber, wenigstens bis jetzt, als unblutiger Utopist gezeigt. Wie ist das möglich? Er kann sich seine Experimente erlauben, weil er über einen solchen 'Scheißhaufen' Geld verfügt: Wir 27 Millionen Venezolaner werden dieses Jahr 70 Milliarden Erdöl-Dollars einnehmen. Damit kann Chavez locker all seine Phantasien ausleben."
Stichwörter: Geld, Venezuela, Lateinamerika

Magazinrundschau vom 11.12.2007 - Letras Libres

Auch in Mexiko wird diskutiert, ob Islam und Demokratie vereinbar seien. Moderiert von dem Journalisten Jesus Silva-Herzog Marquez sollten zu diesem Zweck in Monterrey Ayaan Hirsi Ali und der pakistanische Ex-Diplomat und derzeitige Leiter des Center for International Relations der Boston University Husain Haqqani (homepage) auf öffentlichem Podium aufeinandertreffen - aus Sicherheitsgründen konnte Ayaan Hirsi Ali zuletzt doch nur per Videokonferenz von Washington aus an dem Gespräch teilnehmen. Ali: "Ein erster Beweis für die Unvereinbarkeit von Islam und Demokratie ist die Tatsache, dass ich heute nicht persönlich bei dieser Diskussion anwesend sein kann." Haqqani: "Ich glaube, die Frage 'Sind Islam und Demokratie vereinbar?' ist falsch formuliert, weil sie alles auf eine theologische Frage reduziert. Die Frage muss vielmehr lauten: 'Warum gibt es im Großteil der islamischen Welt keine Demokratie?' Dies lässt sich empirisch untersuchen, es ist eine politische Frage, eine soziologische Frage."

Leon Krauze berichtet "aus einem neuen Land": Zum ersten Mal präsentierte sich (fast) die komplette Kandidatenrunde der amerikanischen Demokraten im (Vor)Wahlkampf auf Spanisch - "kein Risiko, sondern ein Privileg", wie Hillary Clinton dem Publikum in Miami versicherte. "Derweil sahen sich die üblichen Verdächtigen unter den anwesenden Journalisten, lauter angelsächsische Veteranen, irritiert an: das lautstarke Gelächter und die munteren Gespräche ihrer Latino-Kollegen machten es ihnen schwer, ihre Eindrücke schriftlich festzuhalten."

Magazinrundschau vom 23.10.2007 - Letras Libres

Der Schriftsteller Gabriel Zaid zählt die wichtigsten Irrtümer auf, die mit dem Begriff der Kultur verbunden werden: "Der Glaube, wir seien keine Tiere, oder wir seien nichts anderes als Tiere; der Glaube, alles sei bereits erfunden, oder man könne von allen Erfindungen absehen und 'bei Null anfangen'; der Glaube, alle Traditionen seien zu respektieren, oder keine einzige; der Glaube, früher sei alles besser gewesen, oder in der Zukunft werde alles besser sein; der Glaube, alle Experimente seien gefährlich, oder kein Experiment sei gefährlich; der Glaube, Kultur dürfe oder könne kein Geschäft sein, oder sei ein Geschäft wie jedes andere."