Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 19.01.2016 - MicroMega

Giona A. Nazzaro erzählt die Geschichte des iranisch-kurdischen Filmregisseurs Keywan Karimi, der trotz einer Abmilderung seines Urteils immer noch von Gefängnis bedroht ist: "Alles begann für den Regisseur mit dem Filmprojekt 'Writing on the City': ein Film, der die zahlreichen Wandlungen der Islamischen Republik von der Revolution im Jahr 1979 bis zur Wiederwahl des Präsidenten Achmadinedschad im Jahr 2009 über abgefilmte Graffiti auf den Mauern von Teheran erzählt. Am 14. Dezember 2013 taucht die Polizei in seinem Haus auf und beschlagnahmt Karimis elektronische Ausrüstung. Er verbringt zwei Wochen in absoluter Isolation im Gefängnis..." Nach acht Gerichtsterminen "wird er zu zwei Jahren Gefängnis und neunzig Peitschenhieben wegen 'Beleidigung des Islams' verurteilt. Später wird dieses Urteil auf sechs Jahre Gefängnis und 223 Peitschenhiebe erhöht." Durch internationalen Druck, so Nazzaro, beläuft sich das Urteil nur mehr auf zwei Jahre Gefängnis - nun seien die Kräfte bündeln, um auch diese Strafe noch abzuwenden.

Magazinrundschau vom 10.11.2015 - MicroMega

In diesen Tagen erscheint Emiliano Fittipaldis Buch "Avarizia" über das Finanzgebaren des Vatikans. Etwas großsprecherisch, als sei er Bernstein und Woodward in einer Person, erzählt er in Micromega, wie er in römischen Restaurants seine "Deep throats" traf, unter anderem einen hohen Würdenträger, der ihm von einem jungen Priesteranwärter aus seiner Bekanntschaft präsentiert wird. Er solle mit dem Auto kommen, nicht mit der Vespa, wird ihm vor dem Treffen gesagt: "Als die beiden den Kofferraum ihrer weißen Limousine öffnen, verstehe ich, dass das ein guter Rat war. Darin stecken große schwere Ordner voller Geheimdokumente aus der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, aus der Vatikanbank, aus Katasterämtern und Unterlagen von Wirtschaftsprüfern, die für die internen Untersuchungen im Vatikans gearbeitet haben: 'Ich gebe dir das, weil Franziskus Bescheid wissen soll. Er soll wissen, dass der Vatikan in Rom Immobilien im Wert von 4 Milliarden Euro besitzt und dass dort keine Flüchtlinge wohnen, sondern ein Sack voll VIPs und Begünstigte, die lächerliche Mieten zahlen. Er soll wissen, dass die Stiftungen für Ratzinger und Wojtyla so viel Geld einkassiert haben, dass sie heute 15 Millionen Euro zu verwalten haben. Er soll wissen, dass eine Menge Kardinäle in Wohnungen von 400, 500, 600 Quadratmetern leben. Plus Penthouse und Dachterrasse."

Magazinrundschau vom 06.10.2015 - MicroMega

Der Blogger Asif Mohiuddin aus Bangladesch hat in Ferrara einen nach Anna Politkowskaja benannten Preis erhalten. Liest man seine Preisrede in Micromega, kann man nur konstatieren, das er ihn verdient hat: Von 84 Bloggern auf einer "!Hitlist" der Islamisten sind in diesem Jahr neun ermordet worden. Er selbst wurde mit einer Machete angegriffen: "In Bangladesch sind 89 Prozent der Menschen muslimisch. Bangladesch hatte sich von Pakistan als ein laizistisches Land abgesetzt, aber nach und nach ist es immer massiver islamisiert worden, vor allem durch das System der Madrasa, der islamischen Schulen, über die ich sehr häufig schreibe. Diese Schulen produzieren Jahr für Jahr Millionen Fanatiker." Der junge Filmemacher Shaheen Dill-Riazhat vor einigen Jahren eine bemerkenswerte Dokumentation zum Thema Madrasa in Bangladesch gemacht, "Korankinder", mehr hier.
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Magazinrundschau vom 08.09.2015 - MicroMega

Mario Sesti setzt sich in Micromega interessant mit der Dramaturgie der neueren anspruchsvollen Fernsehserien auseinander und kommt dabei auch auf das italienische Beispiel "Gomorra" nach Roberto Saviano zu sprechen (gerne würde man die Serie auch hierzulande sehen!): "Die ganze Serie ist angelegt wie eine riesige Ouvertüre. Wer sie bis zum Schluss gesehen hat, weiß, dass sie zu ihrem Beginn zurückkehrt, wie ein Orgelpunkt, der vom Protagonisten Marco Damore gesetzt wird, wie eine musikalische Struktur, die am Ende auf den Einzelnen hinausläuft. Wie Saviano erklärt hat, gibt es aus dieser Szenerie kein Entrinnen. Die Erzählung des Manns hat keinen moralischen Kontrapunkt, es gibt keinen Widerspruch gegen das kriminelle Schicksal, keinen narrativen Gegengesang, der etwa die Institutionen oder den Staat ins Spiel bringt." Bei den Romanischen Studien gibt es einen langen, eher akademischen Artikel über die Serie.

Magazinrundschau vom 17.03.2015 - MicroMega

Mit Skepsis, aber auch Optimismus beobachtet Annamaria Rivera die Fortschritte für tunesische Frauen. Gewalt gegen Frauen wird in Tunesien immer stärker thematisiert, wie sie an dem Fall Mariams (Name geändert) schildert, der in ganz Tunesien heftige Debatten auslöste - Mariam wurde von zwei Polizisten vergewaltigt, während ein Dritter ihren Freund zwang, sie mit Geld aus dem Bankautomaten freizukaufen. "Als Mariam dann den Mut hatte, ihre Vergewaltiger anzuklagen, wurde sie zur Schuldigen gemacht. Sie war es nun, die wegen Verstoßes gegen die Sittlichkeit angeklagt wurde (damals waren noch die Islamisten an der Regierung). Aber es gab dann eine so große Mobilisierung von feministischen Gruppen und Menschenrechtsorganisationen, dass die Anklage gegen sie fallen gelassen wurde und statt dessen die beiden Polizisten zu sieben Jahren und ihr Komplize zu zwei Gefängnis verurteilt wurden. Und das nur anderthalb Jahre nach dem Zeitpunkt der Tat. Ich sage "nur", weil ich an die Fristen der italienischen Justiz denke, besonders bei sexueller Gewalt."

Magazinrundschau vom 24.02.2015 - MicroMega

Es ist nicht einfach, in Italien den Säkularismus durchzusetzen, schreibt Michele Sasso von L"Espresso in Micromega, ganz besonders nicht an an Schulen: "Auf den wöchentlichen Religionsunterricht zu verzichten, dürfte eigentlich kein Problem sein und erst recht nicht zu Diskriminierungen führen. Dieses Recht ist in Gesetzen, Gerichtsurteilen, Ministerialerlässen verankert - aber es wird nicht angewandt. In Instituten, die mit den Insignien der Republik geschmückt sind, wird das recht auf den Alternativunterricht häufig verweigert oder eingeschränkt und bringt Schülern und Familien Ärger." (Die Illustration entnehmen wir MicroMega.)

Magazinrundschau vom 13.01.2015 - MicroMega

Aus Anlass des Todes von Francesco Rosi bringt Micromega ein wehmütiges Gespräch, das Curzio Maltese im Jahr 2012 mit dem Regisseur geführt hat: "Kino, das war eine sehr tief empfundene, wichtige kulturelle Aktivität. Ich merke es, wenn sich Leute an Filme erinnern. Sie erinnern sich auch an Dinge, die nicht leicht waren. "Christus kam nur bis Eboli" war kein leichter Film, den man nur zur Unterhaltung sehen wollte. Da ging man hin, um über eine zurückgebliebene Gesellschaft nachzudenken, Süditalien, die untere Hälfte des Landes. Es war nicht nur mein Verdienst, sondern vor allem das Carlo Levis, der dieses Meisterwerk geschrieben hatte. Damals hat man solche Filme noch gewollt... Viele hatten überlegt, das Buch zu verfilmen, De Sica, sogar Rossellini, dann Visconti, aber sie gaben auf. In dieser Zeit fing man an, von den Filmen "Plots" zu verlangen. Bei mir gab"s keinen Plot, es gab einen großen Schauspieler, Gian Maria Volonté. Er spielte eine großartige Persönlichkeit, die es schaffte, sich an der Kultur Süditaliens zu messen, das von der anderen Hälfte des Landes so gut wie vergessen war."

Magazinrundschau vom 28.10.2014 - MicroMega

Vor zehn Tagen kam es zum historischen Händedruck zwischen Wladimir Putin und Matteo Salvini, dem aktuellen Chef der Lega Nord. Giovanni Savino erklärt in MicroMega, dass dieser feierliche Moment keineswegs Zufall war - sondern Ausdruck einer geplanten Wende der Lega Nord zu einem offen bekannten Rechtsextremismus und zugleich weiterer Beleg, dass Putin zur Kristallisationsfigur der Rechtsextremen in Westeuropa wird: "Die Russophilie Salvinis ist keineswegs Frucht eines bloßen politischen Kalküls, sondern eine Debatte, die im Lager der Lega seit mindestens einem Jahr andauert und zur Eröffnung einer "Associazione culturale Lombardia-Russia" geführt hat. Sie soll... vor allem die Ideen des eurasistischen Ideologen Alexander Dugin weiterverbreiten. Seit Februar 2014, als der Verein offiziell startete, werden Schriften Dugins regelmäßig auf der Site lombardia-russia.org veröffentlicht, und der Gelehrte war am 4. Juli Gast einer Konferenz des Vereins."

Magazinrundschau vom 20.10.2014 - MicroMega

Valerio Gigante veröffentlicht einen kundigen und recht kritischen Hintergrundtext zur Bischofssynode, mit der Papst Franziskus Anstöße zur Reform familienrechtlicher Direktiven der katholischen Kirche geben wollte. Dass wiederverheiratete Geschiedene nach wie vor zur Kirche gehören, wie der ungarische Kardinal Erdö betonte, ist für Gigante eine bloße Binsenwahrheit: "In Wirklichkeit zeichnet sich durch die Erklärung Erdös nur noch deutlicher die extreme Zweideutigkeit ab, die auch die Synode insgesamt charakterisiert: Es gibt eine Menge Sperenzchen, Erklärungen, die Neuigkeiten, Wenden, Revolutionen verkünden, viele Kommissionen, Debatten, Studien zur Vertiefung von Fragestellungen, aber wenige, sehr wenige Antworten auf die Probleme, die die Gegenwart aufwirft und auch der katholischen Kirche stellt."

Magazinrundschau vom 09.09.2014 - MicroMega

Ein bisschen akademisch, aber dennoch hochaktuell mit Blick auf Italien und Frankreich liest sich Alessandro Mulieris Interview mit der Demokratietheoretikerin Nadia Urbinati, die in ihrem neuen Buch "Democrazia sfigurata - Il popolo fra opinione e volontà" (das zugleich auf Englisch in der Harvard University Press erscheint) unter anderem über die Gefährdung von Demokratie durch den Populismus nachdenkt. Sie weigert sich dabei, zwischen Rechtspopulismus à la Berlusconi und Linkspopulismus à la Chavez unterscheiden: "Der Populismus ist Ausdruck eines extremen Denkens von der Mehrheit her, und das macht die Unterscheidung zwischen Links- und Rechtspopulismus irrelevant. Sie tut einfach nichts zur Sache, denn in der Form ist der Populismus stets gleich. Übernehmen sie die Macht, tun beide Populismen das gleiche. Der Populismus ist antiliberal und erträgt keine Minderheiten." Die Machtübernahme schildert Urbinati so: "Populismen nutzen demokratische Verfahren nur auf dem Weg zur Selbstbehauptung - mit dem Ziel zu siegen. In einem zweiten Moment versuchen populistische Führer ihre Ideen rundheraus durchzusetzen und eine Koinzidenz zwischen Staatsmacht und diesen Ideen herzustellen."