Magazinrundschau - Archiv

Rolling Stone

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Magazinrundschau vom 08.10.2013 - Rolling Stone

Folkliebhaber wissen, dass der Song "The Lion Sleeps Tonight", mit dem die Tennieband The Tokens 1962 einen Welthit hatte, auf "Wimoweh" von Pete Seeger und seinen Weavers basiert. Weniger bekannt ist jedoch, dass "Wimoweh" wiederum von dem Song "Mbube" abgeleitet ist, der 1939 von der südafrikanischen Band Solomon Linda and The Evening Birds aufgenommen wurde. Anhand der bekanntesten Melodie, die jemals aus Afrika kam, erzählt Rian Malan in einem 13 Jahre alten Text, den longform jetzt online gestellt hat, ein faszinierendes und zeitlos beispielhaftes Stück räuberischer Popmusikgeschichte: "Vor langer, langer Zeit, trat ein Zulu an ein Mikrofon und improvisierte eine Melodie, die um die 15 Millionen Dollar einspielte. Dass Solomon Linda davon nichts abbekam, war wohl unvermeidlich. Er war ein Schwarzer im von Weißen regierten Südafrika, und seinen amerikanischen Genossen erging es kaum besser. Robert Johnsons Beitrag zum Blues blieb weitgehend unbelohnt. Leadbelly verlor die Hälfte seiner Veröffentlichungsrechte an seine weißen 'Förderer'. Led Zeppelin klauten 'Whole Lotta Love' von Willie Dixon. Alle Musiker waren kleine Fische in der Nahrungskette der Popmusik, aber Schwarze waren besonders angreifbar, und Solomon Linda, ein ungebildeter Wanderarbeiter aus einem wilden und rückständigen Land, war völlig wehrlos gegen versierte Raubfische."

Hier das Original von Solomon Linda and The Evening Birds:



Magazinrundschau vom 10.09.2013 - Rolling Stone

Alexander Zaitchik porträtiert den 32-jährigen Barrett Brown, dem 105 Jahre Gefängnis drohen, weil er einen Link auf ein vom FBI mitgeleaktes Dossier gesetzt hat. Er kommt aus einer dieser schrägen Familien, die es nur in Amerika zu geben scheint, und die die interessantesten, verstörendsten Außenseiter zu produzieren scheinen. Brown, der seit seiner Teenagerzeit ein gravierendes Drogenproblem hat, ist kein Hacker, war aber einer der Sprecher von Anonymous. Er hat außerdem als Journalist für Vanity Fair, Daily Kos, McSweeney's, die Huffington Post und den Guardian geschrieben. 2011 setzte er einen Link auf die Dokumente des Stratford-Hacks, in deren Tiefen einigen tausend Kontodaten verborgen waren, die Brown weder bemerkt noch interessiert hatten. Dies wurde ihm zum Verhängnis: "Was an Browns Fall am meisten besorgt macht, ist die Verbindungslosigkeit zwischen seinem Verhalten und der angeklagten Straftat', sagt sein Verteidiger Ghappour. "Er hat einen öffentlich erreichbaren Link kopiert und gesetzt der öffentlich zugängliche Daten enthielt, die er in seiner Eigenschaft als Journalist durchsucht hat. ... Browns Fall ist ein Paradebeispiel für die Pressefreiheit in diesem neuen Jahrhundert, wo Hacks und Leaks uns einige Einblicke geben in die Technologien und Methoden eines zunehmend privatwirtschaftlich organisierten Sicherheits- und Überwachungsstaates. Brown hat versucht, diese Einblicke zu erweitern. Er tat das, indem er eine Gruppenuntersuchung in die Welt privater Sicherheitsverträge anführte, eine 56-Milliarden-Dollar-Industrie, die 70 Prozent des amerikanischen Geheimdienstbudgets umfasst."

Magazinrundschau vom 03.09.2013 - Rolling Stone

Senator Ron Wyden hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt: Der einstige Unterstützer des Patriot Act zählt nun zu den zentralen Kritikern von dessen intransparenten Methoden. Janet Reitman hat sich mit dem NSA-kritischen Politiker unterhalten: "Die digitalen Technologien haben sich so rasant ausgebreitet, dass wir es noch nicht immer nicht völlig begriffen haben. ... Wir sitzen hier mit Computern in unseren Taschen, mit Smartphones, mit der Möglichkeit, die Leute rund um die Uhr überwachen zu können. Das sind Probleme von äußerster Relevanz. Und die Amerikaner haben ein Anrecht auf eine echte Debatte darüber, wie wir mit dem verfassungstechnischen Spagat zwischen Freiheit und Sicherheit umgehen. Es fällt wirklich schwer, sich irgendetwas auszumalen, was für unser Land und seine grundlegenden Werte wichtiger sein könnte. Und ich denke, was die Leute heute schützen wird, sind neue Gesetze, um diesen allgegenwärtigen, immer weiter um sich greifenden Überwachungsstaat zu bremsen. Und wenn wir das jetzt nicht tun, wenn wir nicht begreifen, dass dies tatsächlich ein einzigartiger Moment in der Geschichte von Amerikas Verfassung ist, wird es unsere Generation auf ewig bedauern."
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Magazinrundschau vom 23.07.2013 - Rolling Stone

In Amerika ist eine Debatte über das neue Cover des Rolling Stone ausgebrochen. Es zeigt den jüngeren der beiden Boston-Attentäter, Dschochar Zarnajew, in einem träumerischen, fast poetischen Bild. Nicht zuletzt weil der junge Mann inzwischen eine riesige Fangemeinde hat, fanden viele das Bild täterverherrlichend und geschmacklos. Die Reportage von Janet Reitman widerlegt diesen ersten Eindruck gründlich. Das Bild zeigt Zarnajew genau so, wie ihn alle, die ihn gekannt haben, beschreiben: als sanften, träumerischen Golden Boy, dessen Radikalisierung niemand bemerkt hat. ""Ich fragte ihn, wo er herkommt, und er sagte: Tschetschenien. Und ich: Tschetschenien, willst du mich verarschen?", erzählt Larry Aaronson, Zarnajews Nachbar und Geschichtslehrer. "Ich sagte: Mein Gott, wie bist du mit dem ganzen Stress fertiggeworden? Und er sagte: Larry, deshalb sind wir nach Amerika gekommen, und was für ein Glück, dass wir ausgerechnet nach Cambridge gekommen sind!" Er liebte die Stadt, die Schule, die ganze Kultur und war dankbar für ihre Annehmlichkeiten. Das hat mir so an ihm gefallen: Er war das typische Kriegskind, das alle Angebote nutzte, die unsere Welt zu bieten hatte, um sein Leben neu zu gestalten. Und er war bildschön", fügt Aaronsen hinzu." Die Reportage ist aber vor allem lesenswert, weil Reitman doch verschiedene Risse in Zarnajews glatter Oberfläche aufzeigen kann.

Magazinrundschau vom 28.05.2013 - Rolling Stone

Auch der Rolling Stone ist vom grassierenden Daft-Punk-Fieber befallen. Für eine tolle Homestory haben die sonst zurückgezogen von der Öffentlichkeit werkelnden Musiker hinter den Roboter-Masken, Thomas Bangalter und Guy-Manuel De Homem-Christo, Jonah Weiner einen Besuchstermin in ihrem von allerlei popkulturellen Ephemera gezierten Pariser Studio gewährt. Dabei erfährt Weiner nicht nur, dass die stets gut maskierten Musiker ganz unbehelligt mit der Pariser Metro fahren können, sondern auch, warum die von der Elektro-Szene allseitig gefeierten Disco-House-Pioniere mit heutiger, rein elektronischer Musik mittlerweile ihre Probleme haben und ihr Album deshalb mit echten Musikern eingespielt haben: "Die Idee bestand darin, den eigenen Sound bei intakt bleibender DNA zu überarbeiten und die Nachfolger noch zu übertrumpfen. 'Die heutige elektronische Musik befindet sich in einer Identitätskrise', sagt Bangalter. 'Man hört einen Song: Doch wessen Track ist er? Es gibt keine Signatur. Jeder, der elektronische Musik macht, verfügt über die selben Werkzeugkästen und Blaupausen. Man hört sich das an und denkt, das kriegt jeder auf einem iPad hin.' Er schüttelt sich. 'Wenn jeder die Tricks kennt, ist die Magie dahin.' Dann zeigt mir Bangalter ganz nebenbei etwas Magie. Er stöpselt einen Oszillator in den mächtigen Synthesizer und ein stechendes Dröhnen erklingt. Er geht auf die Knie, verbindet mit einem Kabel einen Aus- mit einem Eingang, dreht einen Knopf einen Millimeter weit. Kratzende Verzerrungen zerstrubbeln die Kanten des Signals. Er fummelt noch ein bisschen weiter und das Dröhnen schlägt um in einen hypnotischen Schluckauf, dann weiter in fett stampfende House-Music. Bangalter strahlt wie ein Kind über einem Chemiebaukasten."

Auf Youtube lernen wir unterdessen, wie man am besten zur ersten Single "Get Lucky" tanzt:

Magazinrundschau vom 05.03.2013 - Rolling Stone

Der Rolling Stone bringt eine Reportage von Sabrina Rubin Erdely über vergewaltigte und missachtete Frauen, wie man sie aus den Tiefen einer islamistischen Hölle erwartet. Doch Erdely schildert die Zustände in der amerikanischen Armee. Hier werden Vergewaltigungen nicht nur entweder überhaupt nicht oder sehr milde bestraft, man hat auch eine hohe Perfektion darin entwickelt, dem Opfer die Schuld zuzuschieben. "Der ehemalige Sergeant Myla Haider, die drei Jahre lang in einer Abteilung zur Aufklärung von Straftaten gearbeitet hatte, entdeckte, während sie Vergewaltigungsanzeigen untersuchte, dass Kollegen 'verächtlich' auf solche Anzeigen reagierten. Die Einstellung war: Sie lügt bestimmt. In unserem Job ging es hauptsächlich darum, die Wahrheit aus ihr herauszukriegen und herauszufinden, warum sie so voller Scheiße war', sagt Haider, die schockiert war über eine Atmosphäre, in der man so offen skeptisch gegenüber Vergewaltigungen war. 'Die Leute sagten unter sich: Echte Vergewaltigungen geschehen fast nie. Ich habe nicht eine echte Vergewaltigung gehabt, das ist doch alles Blödsinn.'" (Die NYT bestätigt in einer eigenen Reportage diese Zustände)

Magazinrundschau vom 09.10.2012 - Rolling Stone

Sabrina Rubin Erdely schildert in einer ausführlichen Reportage die Hintergründe eines gescheiterten Bombenanschlags einiger so grundnaiver wie radikalisierter Occupy-Aktivisten in Cleveland unter der Anleitung eines FBI-Informanten, der der zuvor orientierungslos agierenden Gruppe den Anschlag allerdings offenbar regelrecht einflüsterte: "Und es handelte sich dabei nicht um irgendeinen Informaten, sondern um einen zuckersüß daherredenden Ex-Knacki, einen unverbesserlichen Gesetzesbrecher, der noch zusätzliche Anzeigen einheimste, während er schon auf der Gehaltsliste des FBI stand. Von Anfang an nährte die Regierung die destruktiven Tagträume der Jungs, ermunterte sie bei jedem Schritt und gab ihnen den Mut und die Werkzeuge, um ihre 'Fight Club'-artige Sprücheklopferei in die Realität umzusetzen. Beobachtet man, wie sich diese Verschwörung unter den Fittichen des Informanten entwickelt hat, so sieht man fünf junge Männer, die mit gewaltigem staatlichen Aufwand von rebellischen Idealisten zu terroristischen Teufeln geformt werden. Diese Entwicklung hat deutlich den Beigeschmack dessen, was man einst 'in die Falle locken' nannte. Und doch, sagt der frühere FBI-Agent Michael German, hätte das FBI noch vor dem 11. September die Idee, terroristische Verschwörungen mitanzuschieben, um sie dadurch zu entschärfen, als lachhaft abgetan. 'Doch was einst als eine für den Notfall vorgesehene Methode gerechtfertigt wurde, hat sich zu einem als normal angesehenen Bestandteil der regulären Arbeit der Strafjustizbehörden gewandelt.'"

Magazinrundschau vom 15.05.2012 - Rolling Stone

Als der "Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act" verabschiedet war, ein Gesetz, das Anleger besser vor Finanzhaien schützen soll, wischten sich amerikanische Abgeordnete den Schweiß von der Stirn und dachten, uff, geschafft. Von wegen. Matt Taibbi erzählt in einer für den Nichtamerikaner erst etwas drögen, dann aber doch sehr spannenden Reportage, wie die Lobbyisten das Gesetz Stück für Stück unterminieren: "Gesetze entwerfen ist ein schwieriger Prozess. Aber Gesetze verwässern? Sie mit Prozessen und Kommentaren und Kommittees strangulieren? Gar nicht schwierig, wie es aussieht. ... Menschen können ihre Stimme abgeben oder sich für Proteste und Wahlen zusammentun, aber echte Menschen - sogar engagierte Profis - werden irgendwann müde, ein Labyrinth von wiederstreitenden Emotionen zu durchlaufen oder sich durch tausende von Seiten über swaps-execution facilities und NRSROs zu lesen. An fünf Tagen die Woche kämpfen sie für ihre Sache, vielleicht auch an sechs, aber am siebten Tag schauen sie sich ein Baseballspiel an statt noch einmal den Morast höllischer Akronyme zu durchwaten. Nur Geld wird nie müde."

Magazinrundschau vom 01.05.2012 - Rolling Stone

Michael Hastings schreibt eine spannende Reportage über Geschichte und Auswirkungen von Dronen, die es mehr denn je gestatten, punktuelle und als kriegerische Auseinandersetzungen klassischen Zuschnitts kaum mehr bezeichenbare Militäreinsätze durchzuführen: "Für eine neue Generation junger Draufgänger unterscheidet sich die Erfahrung, eine Drone zu steuern, kaum mehr von den Videospielen, mit denen sie aufgewachsen sind. Anders als traditionelle Piloten, die ihre Sprengladung physisch zum Ziel transportieren, töten die Dronenoperatoren ohne je ihre Basis zu verlassen mit einem bloßen Knopfdruck - ein Rückzug, der allein dem Zweck dient, die Sensibilität dafür, was es heißt, ein Menschenleben zu nehmen, herabzusenken (der Slangausdruck im Militärjargon für einen Mensch, der von einem Droneneinsatz getötet wurde, lautet "Insektenspritzer", da dessen Leiche im grünlich-verrauschten Videobild an ein totgeschlagenes Insekt erinnert)."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe: Jann S. Wenner unterhält sich ausführlich mit Barack Obama über vier Jahre Präsidentschaft im Rückblick und die kommende Wahlkampfkampagne.

Magazinrundschau vom 24.01.2012 - Rolling Stone

In einem ausführlichen Interview gibt Wikileaks-Gründer Julian Assange, der in England unter Hausarrest steht, Auskunft über seine gegenwärtige Situation. In einem Teil des Interviews geht es um die Versuche der amerikanischen Regierung, Teile journalistischer Informationsbeschaffung als Spionage zu werten und unter Strafe zu stellen. Danach wäre selbst Watergate-Journalist Bob Woodward in den Knast gewandert. Assange erklärt: "Leute wie Seymour Hersh, Dana Priest und Bob Woodward sagen ständig zu ihren Quellen: 'Hey, wie steht?s damit, haben Sie was darüber gehört? Ich habe erfahren, dass bei einem Luftangriff in Afghanistan ein Haufen Zuvilisten getötet wurden - haben Sie irgendwelche Einzelheiten und können sie diese mit einem Dokument belegen?' All das würde nach der Interpretation des Pentagon als Verschwörung zur Spionage erklärt." Journalisten rät er deshalb zu konservativen Recherchemethoden. "Wenn man kein Experte für elektronische Überwachung ist oder keinen solchen Experten kennt, muss man sich von Internet und Handys fernhalten. Und wirklich einfach wieder die alten Methoden nutzen: Notizblock und Leuten was ins Ohr flüstern."