Perlentaucher-Autor

Nikolaus Perneczky

Nikolaus Perneczky, geboren 1982 in Wien, hat Filmwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin studiert, wo er heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist; daneben verstreute Filmkritiken (perlentaucher, Cargo) und Programmarbeit im Kuratorenkollektiv The Canine Condition: http://www.thecaninecondition.net/. Sein unregelmäßig bewirtschaftetes Blog findet sich hier: http://kinolaus.blogspot.com/. Lebt und arbeitet in London und Berlin.
Stichwort: Forum 2012 - 4 Artikel

Heute noch zu sehen: Emin Alpers 'Beyond the Hill', Kiko Goifmans 'Look at me again' und Zoé...

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2012 Emin Alpers Erstlingsfilm "Tepenin Ard? - Beyond the Hill" (Forum) beginnt vielversprechend enigmatisch. Ein alter Patriarch verteidigt sein Anwesen in den anatolischen Bergen gegen Nomaden, die ihre Tiere auf sein Weideland führen. Der Kleinkrieg zwischen dem alten Mann, der mit einem seiner Söhne und dessen Familie in einer Talsenke lebt, und den angeblichen Aggressoren, tobt schon eine ganze Weile, als der zweite Sohn zu Besuch kommt. Geschickt relegiert der Film die wahrgenommene Bedrohung ins Off, hinter den Hügel, wo die Nomaden sich aufhalten sollen. Sie sind jedoch nie direkt zu sehen, sondern lediglich in der Phantomgestalt von Gegenschüssen aus dem umliegenden Gebirge, unauffällige Landschaftsaufnahmen jeder für sich, die sich nach und nach zu einer Triangulation des Geschehens im Tal addieren, und so die Frage aufwerfen, wessen Betrachterstandpunkt sich hier mitteilt. Es ist zu bedauern, dass Emin Alper den Konflikt am Ende zur Implosion bringt, indem er die Nomaden als selbstgemachtes, gleichsam kollektiv halluziniertes Feindbild offenbart. Alles betörend Rätselhafte an "Tepenin Ard?" wird so gebändigt zur - allzu didaktischen - politischen Allegorie der türkischen Kurdenpolitik an der ungenau definierten anatolischen Außengrenze. Die umständlich plumpe Tagline des Films: "Scapegoating may unify, but could you control the… Von Nikolaus Perneczky

Unterkörperfixiert: Tea Lim Kouns 'Snake Man' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2012 Alles beginnt mit einem halbstündigen Prolog, der nach sozialem Realismus aussieht - ein trunksüchtiges Ekelpaket von einem Mann, seine geschundene, aber wunderschöne Frau und das gemeinsame Kind in einer ärmlichen Hütte am Waldesrand -, wäre da nicht die sprechende Schlange, mit der die Frau in Abwesenheit ihres brutalen Gatten eine Liebesbeziehung anfängt. Es sei zwar eine Schlange, schaltet sich an dieser Stelle ein Erzähler ein, der Sex aber allemal besser als mit ihrem Mann. Bald kommt der Gehörnte der Schlange auf die Schliche und hackt ihr den Kopf ab. Als er im Zorn dann auch seine schwangere Frau richtet, indem er ihr den Unterleib aufschneidet, quillt eine ganze Schlangenbrut aus ihrem Uterus. Nur eine von ihnen überlebt und verwandelt sich, etliche Jahre später, in den Schlangenmann. Von Nikolaus Perneczky

Fantasieambitioniert: Anja Salomonowitz' 'Spanien' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2012 "Spanien", der Titel von Anja Salomonowitz' Spielfilmdebüt ist ein Täuschungsmanöver. Filme, die die Namen ferner, glückversprechender Orte in sich tragen, dann aber in Wien und Umgebung spielen, partizipieren in der Regel an demselben (nennen wir es das "österreichische") Gefühl, so dehnbar diese Gestimmtheit im Einzelnen auch sein mag - vom Melancholischen ("Indien") übers Schicksalhafte ("Antares") bis zum Dystopischen ("Der siebte Kontinent"). Von Nikolaus Perneczky
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