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Eine kritische Edition des Erstdrucks der »Oden« Friedrich Gottlieb Klopstocks, der sich 2021 zum 250. Mal jährt.Der Druck der Klopstock«schen »Oden«, der 1771 bei Bode in Hamburg erschien, ist die erste vom Autor selbst besorgte Sammlung seiner Gedichte. Für die beiden Bände der von Göschen herausgebrachten Werkausgabe (1798) überarbeitete Klopstock diese Sammlung und ergänzte sie um weitere Texte. In der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg hat sich ein Handexemplar des Erstdrucks mit eigenhändigen Änderungen erhalten, von denen viele in den späteren Druck eingeflossen sind. Die…mehr

Produktbeschreibung
Eine kritische Edition des Erstdrucks der »Oden« Friedrich Gottlieb Klopstocks, der sich 2021 zum 250. Mal jährt.Der Druck der Klopstock«schen »Oden«, der 1771 bei Bode in Hamburg erschien, ist die erste vom Autor selbst besorgte Sammlung seiner Gedichte. Für die beiden Bände der von Göschen herausgebrachten Werkausgabe (1798) überarbeitete Klopstock diese Sammlung und ergänzte sie um weitere Texte. In der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg hat sich ein Handexemplar des Erstdrucks mit eigenhändigen Änderungen erhalten, von denen viele in den späteren Druck eingeflossen sind. Die kritische Edition bietet eine vollständige Faksimilierung des Handexemplars, eine Transkription der redigierten Verse auf der der Abbildung gegenüberliegenden Seite sowie einen konstituierten Text des Redaktionsstandes, der eine Zwischenstufe der Werke von 1771 und 1798 widerspiegelt. Die Darstellung ermöglicht, die Änderungen der Gedichte mit einem Blick zu erfassen und erleichtert eingehende Analysen. Allgemeine Tendenzen der Überarbeitung sowie Einzelheiten der Publikationsgeschichte werden in einem Nachwort erläutert.Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) war wohl der bekannteste deutsche Dichter des 18. Jahrhunderts. Neben dem Versepos »Der Messias« gehören die Oden-Ausgaben zu seinen berühmtesten und wirkungsmächtigsten Werken.
Autorenporträt
Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803) war wohl der bekannteste deutsche Dichter des 18. Jahrhunderts. Neben dem Versepos »Der Messias« gehören die Oden-Ausgaben zu seinen berühmtesten und wirkungsmächtigsten Werken.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Rezensent Steffen Martus liest Friedrich Gottlieb Klopstocks von Marit Müller als Faksimile herausgegebenes Handexemplar der Oden mit Spannung. Was der Autor zwischen der Ausgabe von 1771 und der Ausgabe letzter Hand alles mit dem Text anstellte und bedachte, lässt sich laut Martus mittels Klopstocks handschriftlicher Änderungen auf dem Druck nun "im Kontext" erkennen. Leider fehlt Martus ein "engagiertes" Nachwort, das den Text einem breiteren Publikum schmackhaft machen würde, wie er glaubt, und einen der "aufregendsten Lyriker" überhaupt. Klopstocks Feilen an Syntax, Metrik und Semantik, das Müller dem Leser laut Martus erschließt, erscheint dem Rezensenten jedenfalls alles andere als monoton.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 12.01.2021

Grenzen des Sagbaren
Nachrichten vom Verbesserungsästhetiker: Klopstocks Handexemplar der "Oden" als Faksimile

Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow befinden sich mit ihrem "geliehenen" Lada noch nicht lange auf dem Weg in die Walachei, als sie in einen Feldweg einbiegen, der vor einem Weizenfeld endet. Über einem "fernen Kirchturm" entladen sich Blitze. Wolken jagen über die Szene und kommen "wie eine Walze" auf die beiden Ausreißer zu: ",Independence Day' sagte Tschick."

Was sich hier vor einem gewaltigen Gewitter abspielt, wiederholt eine Szene, die 240 Jahre zuvor bei einem bereits abklingenden Gewitter stattfand - in beiden Fällen nach einer denkwürdigen Party. Wo Maik und Tschick ihr Außenseitertum zelebrieren, drohte damals die Liebe Werthers zu Lotte alle Konventionen zu verletzen. Und wo Wolfgang Herrndorf in "Tschick" mit Verweis auf einen Wolfgang-Emmerich-Blockbuster klarmacht, dass hier zwei Menschen auf einer Wellenlänge liegen, weil sie sich Anspielungen auf die Popkultur ihrer Zeit nicht erklären müssen, verwies Johann Wolfgang Goethe auf einen "vergötterten" Dichter: "Sie stand auf ihrem Ellenbogen gestüzt und ihr Blik durchdrang die Gegend, sie sah gen Himmel und auf mich, ich sah ihr Auge thränenvoll, sie legte ihre Hand auf die meinige und sagte - Klopstock!"

Goethe rechnete 1774 fest damit, dass alle Leserinnen und Leser, die sich für die Gefühlsstürme eines selbstmörderisch Liebenden interessierten, auch verstanden, dass Werther und Lotte in diesem Moment nur Klopstocks Gewitter- und Weltraum-Gedicht "Die Frühlingsfeier" im Sinn haben konnten. Drei Jahre zuvor hatte der Dichter des "Messias" endlich eine eigene Ausgabe seiner Oden vorgelegt. Bis dahin waren einzelne Texte in Zeitschriften erschienen oder kursierten handschriftlich in unterschiedlichen Formaten und unautorisierten Drucken, die nicht nur korrupte Texte, sondern häufig auch Gedichte enthielten, die gar nicht von Klopstock stammten. Lange schon hatte er über eine Edition nachgedacht. Einerseits aber nutzte Klopstock gezielt die Publikations- und damit auch Kommunikationsmöglichkeiten aus, die sich im empfindsamen Literaturbetrieb seiner Zeit boten, und da diente die Verbreitung der Oden jenseits des offiziellen Buchmarkts einer ganz bestimmten privat-intimen Autor-Leser-Bindung. Andererseits achtete er strikt auf die Bedeutungshierarchie seiner Werke: Als sein Hauptgeschäft verstand er stets das große Bibelepos "Der Messias", das seit 1748 in Fortsetzungen erschien; an zweiter Stelle rangierten für ihn die Geistlichen Lieder. Die Oden mussten warten, bis sie mit einer Buchpublikation an der Reihe waren.

Diese Hierarchie, die mit einer vormodernen Ordnung der Dinge noch eng verknüpft war, befand sich genau zu dem Zeitpunkt im Umbruch, als Klopstock seine Oden-Ausgabe endlich veranstaltete. Im legendären Sturm-und-Drang-Jahrgang der "Frankfurter Gelehrten Anzeigen", an dem sich auch Goethe beteiligte, orakelte 1772 der Rezensent: "wir überlassen es unsern Lesern zur Überlegung, ob nicht eine Zeit bei der Nachwelt möglich ist, daß das Rad der Dinge da stehenbleibt, wo es heißt: Klopstock, der größte lyrische Dichter der Neuern, schrieb auch den Messias." Diese Zeit war bereits angebrochen, und auch Klopstock zollte dieser Entwicklung Tribut, als er die finale Werkausgabe 1798 eben nicht mit dem "Messias", sondern mit zwei Bänden Oden eröffnete.

Einer der aufregendsten Lyriker

Zwischen der Ausgabe von 1771 und der Ausgabe letzter Hand, auf die der Verbesserungsästhetiker Klopstock bei ausreichend Lebenszeit gewiss noch eine Ausgabe "des letzten Fingers" hätte folgen lassen, lag ein schwer zu durchschauender Überarbeitungsprozess. Das wichtigste Dokument dieser Texttransformation, Klopstocks Varianten in seinem Handexemplar der Ausgabe von 1771, hatte vor einigen Jahren bereits die maßgebliche historisch-kritische Klopstock-Edition der "Werke und Briefe" ausgewertet. Nun aber kann man die Veränderungen, die Klopstock in einer rund zwei Jahrzehnte dauernden Reflexion erwogen hat, an der von Marit Müller herausgegebenen Edition seines Handexemplars im Zusammenhang und im Kontext sichten. Je nach Interesse steht das maßstabgetreue Faksimile des Drucks von 1771 mit den handschriftlichen Änderungen zur Verfügung, die "standgetreue" Transkription sämtlicher geänderter Stellen sowie der konstituierte Text, der sich aus der letzten Überarbeitungsstufe ergibt.

Tatsächlich handelt es sich nicht um einen Arbeitsverlauf, den man sich als zielgerichtete Verbesserung vorstellen darf, und dies schon deswegen nicht, weil die Varianten des Handexemplars nur zu einem Teil in die finale Oden-Fassung eingegangen sind. Dort finden sich zudem eine ganze Reihe neuer Varianten. Bei den Eintragungen im Handexemplar handelt es sich um "Zwischenstufen" mit zum Teil unklarem Status, die - wie man aus unterschiedlichen Schreibarten und -werkzeugen schließen kann - in mehreren Phasen zustande kamen.

Während die Herausgeber der historisch-kritischen Ausgabe von einem weiteren Handexemplar ausgingen, das dann - in Einzelteile zerlegt, versandt und im Druckprozess gleichsam verbraucht - die Grundlage für die Fassung der Oden von 1798 bot, bezweifelt Marit Müller mit guten Gründen, aber ohne letzte Sicherheit diese mutmaßende Rekonstruktion. Überhaupt fällt auf, wie dezidiert skeptisch sich Müller gegenüber der historisch-kritischen Ausgabe verhält, obwohl sie ausführlich auf deren Bestände zurückgreift. Aus der Perspektive interessierter Leser dürfte es aber nicht weiter erheblich sein, ob Klopstock verschiedene Frakturen gewählt hat oder wie genau das Missing Link zwischen den Druckfassungen von 1771 und 1798 geschlossen wurde, solange nicht klar ist, was dabei auf dem Spiel steht und inwiefern solche divergierenden "Befunde" für die "Deutung" relevant sind. Man hätte sich ein interpretatorisch engagierteres Nachwort gewünscht, zumal bei einer Ausgabe, die bei hervorragender Ausstattung preislich sensationell günstig daherkommt, damit durchaus ein größeres Publikum ansprechen könnte - und die diese Aufmerksamkeit auch verdient hätte, denn Klopstock zählt zu den aufregendsten Lyrikern überhaupt.

Vertrauen auf den Weltenschöpfer

Nie zuvor und selten danach hat es ein Dichter gewagt, die deutsche Sprache so unter Spannung zu setzen, die Möglichkeiten der Syntax, Zeichensetzung, Wortstellung und -bedeutung in einer Weise auszunutzen, die auch deswegen unerhört war, weil Klopstocks metrische Experimente vor allem eines vermeiden wollten: Gleichklang und Monotonie. In der programmatischen Ode "Lehrling der Griechen", die Klopstock auf das Jahr 1747 datierte und die damit zeitlich am Anfang des lyrischen Werks steht, muss sich der Leser sechzehn Verse lang gedulden, bis der erste Satz nach vielen Verschlingungen und einer Folge immer neu sich anhebender und senkender Schwünge endet. Jenes Vertrauen auf den Weltenschöpfer, das Klopstock in seiner Lyrik besingt, wird hier im Vollzug auch dem Leser abverlangt, mit dessen zu schnellen Sinnerwartungen der Autor immer wieder spielt, um dieses Bedürfnis dann überreich zu befriedigen.

Marit Müllers Befunde zu den Bearbeitungstendenzen im Handexemplar sind gerade angesichts der lyrischen Erkundung maximaler Spielräume besonders aufschlussreich: Manchmal ändert Klopstock Satzzeichen oder fügt sie hinzu, so dass sich syntaktische Strukturen einfacher erkennen lassen, manchmal tilgt er aber gerade solche Hilfestellungen; einige Veränderungen in den Strophenschemata, die Klopstock den Gedichten beigefügt hat, machen metrische Einheiten deutlicher, genau dadurch steigt dann bisweilen die Spannung zwischen dem abstrakten Modell und der konkreten sprachlichen Realisierung. So passt es dann auch gut ins Bild, dass wir es häufig mit "unsicherem Text" zu tun haben: mit Fällen, in denen sowohl der Drucktext als auch die handschriftliche Verbesserung durchgestrichen sind, mit Varianten, die gleichberechtigt nebeneinanderzustehen scheinen, oder mit Markierungen, die lediglich den Überarbeitungsbedarf anzeigen, ohne schon einen Vorschlag dafür zu unterbreiten. Wenn man wie Klopstock die Grenzen des Sagbaren ausweitet, fällt die Entscheidung für die richtige Formulierung zwangsläufig immer schwerer.

Es zählt zu den historischen Rätseln, warum gerade jener Dichter der erste Kultautor der deutschen Literaturgeschichte wurde, der seinem Publikum ästhetisch das maximale Gegenteil der unterhaltsamen Knallbonbon-Kunst von "Independence Day" zugemutet hat. Goethe jedenfalls hielt bereits dreizehn Jahre nach der Erstausgabe der "Leiden des jungen Werthers" die Klopstock-Stelle seines Romans für erläuterungsbedürftig und vermerkte in der überarbeiteten Fassung von 1787, dass hier eine bestimmte Ode gemeint sei. Es ist daher umso bemerkenswerter, dass Herrndorf die Geschichte von Maik und Tschick noch ein zweites Mal in der Szene mit Werther und Lotte spiegelt: Die beiden liegen im Gras, schauen in die Sterne "mit ihrer unbegreiflichen Unendlichkeit" und sinnieren über fremde Welten, in denen sich Insekten einen Kampf um die Vorherrschaft im Universum liefern.

Dass Herrndorf damit zentrale Motive der "Frühlingsfeier"-Ode aufgreift, ist das eine. Die eigentliche Magie des literarischen Moments aber macht aus, dass er die Blickchoreographie der Liebenden wieder aufnimmt, die sich auf Klopstock zubewegt, so dass man den Dichter noch immer mitgemeint finden darf: "Und dann drehte ich mich zu Tschick, und er guckte mich an und guckte mir in die Augen und sagte, dass das alles Wahnsinn wäre, und das stimmte auch. Es war wirklich ein Wahnsinn."

STEFFEN MARTUS

Friedrich Gottlieb Klopstock: "Handexemplar der Oden (1771)". Kritische Edition.

Hrsg. von Marit Müller. Wallstein Verlag, Göttingen 2020. 308 S., geb., 49,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Es gibt Bücher, die wahrhaftig den Gang der deutschen Literaturgeschichte verändert haben. Dazu gehören Klopstocks 'Oden'« (Die Literarische Welt, 03.10.2021) »Die Arbeit Müllers ist (...) für die Klopstock-Forschung von erheblicher Bedeutung, macht sie doch eines der wenigen handschriftlichen Zeugnisse des Dichters (...) in einer überzeugenden editorischen Interpretation allgemein zugänglich.« (Gunter Martens, Hölderlin Jahrbuch 42, 2020-2021) »Der (...) Edition ist mit Dank und Wohlwollen zu begegnen, weil sie den Lyriker Klopstock als beharrlichen 'Spracharbeiter' in einer sehr anschaulichen Weise in Erinnerung ruft.« (Stefan Elit, Arbitrium, Ausgabe 40(2022), Nr.1)