Stichwort

Berlin

Rubrik: Berlinale Blog - 6 Artikel

Yo Dicker! Sebastian Schippers 'Victoria' (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2015 […] Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Victoria" von Sebastian Schipper erzählt die Geschichte einer atemlosen Berliner Nacht - oder legt es doch darauf an, in genau diesen Worten nacherzählt zu werden. Ein leinwandfüllendes Flackern eröffnet den Film: im pulsierenden Licht des Stroboskops tanzt die Titelheldin Victoria. Auf der Straße vor dem Club begegnet die junge Spanierin nachher vier Jungs, die sich […] darf in einem Film, der sich mehr als zwei Stunden nimmt, nicht auch einmal nichts passieren? So strampelt "Victoria" sich redlich ab, Intensitäten in Serie zu produzieren, vermittelt erst durchs Berliner Milljöh und dann - spoiler alert! - durch jäh einbrechende Genrekinogewalten. Die generische Gewalt funktioniert mitunter sogar ganz gut, das authentische Milieu ("Yo Dicker!") hingegen gar nicht […] Von Nikolaus Perneczky

Ein Wunder von einem Film: Ramon Zürchers 'Das merkwürdige Kätzchen' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2013 […] "Wenn die Wunde so riecht, wie sie aussieht, würde ich den Geruch mögen." Oder auch: "Falsch geschrieben ist jedes Wort lustig." Räume: Fast der gesamte Film spielt in einer Altbauwohnung, wie es in Berlin Tausende gibt: weiße Wände, hohe Fenster, ein recht enger Flur, eine recht enge Küche, ein recht enges Badezimmer, dazu einige auch nicht besonders geräumige weitere Zimmer. Schon die drei Menschen […] diese Elemente in ihrer Materialität sichtbar zu machen, ohne sie gleich wieder in eine Erzählmaschine einzuspannen, die sie zwangsläufig verformt, zurichtet. Nicht, dass Ramon Zürcher, Absolvent der Berliner Filmhochschule dffb (Projektbetreuung, das würde man nicht unbedingt denken: Bela Tarr), die Dinge einfach so zeigen würde, wie sie sind. Auch Zürcher verformt, allerdings nach seinen eigenen Regeln: […] Von Lukas Foerster

Big in Berlin: Shah Ruhk Khan in 'Don - The King is Back' (Berlinale Special)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012 […] Bollyproduktionen weit wegbewegt (kurios in diesem Zusammenhang eine Walzerszene beim Berliner Charitykongress - ob derart steif reguliertes Tanzgebaren im Gegensatz zur körperlichen Entfesselung des Bolly-Tanzes beim heimischen Publikum wohl witzig wirkt, fragt man sich dann doch sehr amüsiert) und stattdessen Berlin spekulativ auf seine Actionpotenziale abfragt (dass dies im vergangenen Berlinalejahr […] wie James Bond, nur eben kriminell. Der Plan, der ihn in "Don - The King is Back" erst freiwillig ins Gefängnis, von dort geschwind wieder hinaus und über Zwischenstation in Zürich schließlich nach Berlins Mitte verschlägt, verfolgt einen simplen, wie waghalsigen Zweck: Die Druckplatten für die Euroscheine sollen der Deutschen Zentralbank spektakulär entwendet werden. Der Plan freilich hat derer unw […] Von Thomas Groh

Spricht chorisch Vitruvisches: Jaume Collet-Serras 'Unknown'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2011 […] Zeichen in einer Weise durcheinanderfliegen, dass nicht nur dem Kenner Berlins, das hier nach Frankensteinart in die Repräsentation übergeht, Hören und Sehen vergeht. Warum die Oberbaumbrücke auf dem kürzesten Weg vom Pariser Platz Richtung Tegel liegt, wissen die Götter. In der anderen Ökonomie dieses Films freilich, der Berlin vor allem - und schlagt micht tot, aber es gelingt von Mies bis Henselmann […] Von Ekkehard Knörer

Bewältigt Kindheitstraumata: Tamara Trampes 'Wiegenlieder' im Panorama

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010 […] sich und ihrer Kindheit, andere schweigen - mit Tränen in den Augen. Es ergibt sich ein Potpourri aus Porträts und Einzelschicksalen rund um das Thema Kindheit. Inklusive Liebeserklärung an die Stadt Berlin. Der Film steht und fällt mit seinen Protagonisten, unter denen einige besondere Originale hervorstechen. Wie zum Beispiel die kleine Mila, die sehr selbstbewusst und altklug erklärt, warum es ihr […] Protagonisten und hält, froh über eine Reaktion der Betroffenen, immer munter die Kamera drauf. Wenig Feingefühl und Originalität beweist die Regisseurin auch bei den Aufnahmen, die die Stadtkulisse Berlins mit lauter werdenden Müttern zeigt. Noch unangenehmer ist aber die klangliche Seite des Filmes, wenn man anderen Menschen beim Singen zuhören muss und sich schnell das Gefühl von Fremdscham einstellt […] Von Anna Steinbauer

Patrone für Patrone: Thomas Arslans 'Im Schatten'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2010 […] Häuserfassade, blickt sich um und macht sich schließlich auf den Weg in einen Berliner Gangsterfilm. Trojan, gerade aus dem Gefängnis entlassen, betritt zunächst einen Hausflur, dann eine Wohnung, bald darauf eine weitere, er wartet in Straßencafes, er besorgt sich ein Auto, ist damit auf Berliner Straßen und in Berliner Parkhäusern unterwegs, bezieht ein Hotelzimmer mit denkbar unglamouröser Aussicht […] Die Titelsequenz liegt über einem Straßenzug in Berlin Mitte. Ampeln und Leuchtreklamen dominieren das Bild und werfen bunte Schlieren, die nahelegen, dass die Kamera hinter einer Glasscheibe positioniert ist. Danach, in kurzer Folge, drei Einstellungen von Trojan (großartig in seiner körperlichen Präsenz: Misel Maticevic, zuletzt unter anderem in den beiden tollen Dominik-Graf-Filmen "Eine Stadt wird […] beobachtet ihn dabei: Patrone für Patrone. Und genau wie Can die Drogenpakete anschließend verkauft, wird Trojan die einmal geladene Waffe auch benutzen. Bis zum vorletzten Akt bleibt der Film in Berlin, hauptsächlich in den Westbezirken. Arslan verfährt in "Im Schatten" mit dem Raum wie in "Der schöne Tag" mit der Zeit: Es geht um eine synthetische Totalität, die vor allem in der Montage entsteht […] Von Lukas Foerster