Stichwort

Kriegsende

Rubrik: Essay - 7 Artikel

Zwei Tage im Mai

Essay 13.05.2016 […] nd spielte der 8. Mai in den ersten vier Jahrzehnten nach dem Krieg als besonderer Gedenktag noch keine Rolle. Eine Rede des Präsidenten Heinemann zum 8. Mai 1975 blieb ohne Resonanz. Das mag aus heutiger Perspektive überraschen, aber dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen herrschten in West- und Ostdeutschland während des Kalten Krieges gegensätzliche Geschichtsnarrative. Weil der Tag in der DDR als […] von welchem Standpunkt man auf sie schaut. Tatsächlich hatte der 8. Mai als Freudentag der Befreiung während des Kalten Krieges diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs eine ganz andere Bedeutung. In Frankreich wurde der 8. Mai als Tag des Sieges der Alliierten seit Kriegsende kontinuierlich gefeiert. Im Gedenkkalender Englands spielt allerdings nach wie vor der 11. November 1918, der Tag des Sieges […] Piraten wollen mit ihrem Antrag deutlich machen, "dass für Hass und Gewalt in Berlin kein Platz ist" und verknüpfen die Erinnerung an die Gewaltgeschichte des Krieges mit der Pflicht, sich für diejenigen einzusetzen, "die heute bei uns Schutz vor Krieg und Vertreibung suchen". Der 8. Mai hat es in sich. Er war aus verschiedenen Gründen schon immer ein in sich widersprüchlicher Gedenktag im transnationalen […] Von Aleida Assmann

Die rhapsodische Kamera

Essay 05.02.2014 […] konfliktträchtige "transsilvanische" Konstellation mag dazu geführt haben, dass sein Jurastudium zunehmend durch ethnologische und kunstgeschichtliche Interessen überlagert wurde, und es ihn nach Kriegsende dorthin verschlug, wo man lernen konnte, Distanz zu einer realgeschichtlich zwischen Nationalismus und Stalinismus zerriebenen Gegenwart zu gewinnen: an die Hochschule für Bühnen- und Filmkunst von […] Antonionis und Bergmans. Jancsós dritter Spielfilm "Igy Jöttem" (So kam ich, 1965) erzählt indirekt von diesem umwegigen, mehrfach verzögerten und gebrochenen Werdegang anhand der Geschichte eines bei Kriegsende auf seinem Heimweg zwischen die Fronten geratenen Jugendlichen, der abwechselnd die ethnische und die politische Identität wechseln muss, um überhaupt überleben zu können. Zugleich gibt "So kam ich" […] Von Daniele Dell'Agli

Wacht auf, schlafende Mehrheiten für eine Vertiefung der Europäischen Union

Essay 23.03.2007 […] e Adenauer, de Gasperi und Schumann angetrieben hat: Nie wieder Krieg zwischen den Nationalstaaten, die sich in zwei Weltkriegen zerfleischt hatten, natürlich die Einbindung Deutschlands, das den Krieg angezettelt hatte und mit dem monströsen Verbrechen der Judenvernichtung belastet war. Dass EU-Länder noch einmal gegeneinander Krieg führen könnten, erscheint unvorstellbar. Und der gewachsene gemeinsame […] die Bürger in einem Referendum darüber abstimmen, ob die Europäische Union künftig einen direkt gewählten Präsidenten, einen eigenen Außenminister und eine eigene Finanzbasis bekommt. dpa: Bei Kriegsende waren Sie 15 Jahre jung, aber alt genug, um die verheerenden Folgen von verblendetem Nationalismus noch aus eigener Anschauung mitzuerleben. Jetzt feiert die Politik 50 Jahre Römische Verträge - […] Von Matthias Hoenig

"Getrauert habe ich mächtig"

Essay 31.07.2006 […] so viel als Honorar bekommen, wie für das Lebensnotwendigste reichte. Speer sagte mir, die Steuern wären so hoch, die würden alles verschlingen, ich sollte die Honorare bis nach dem Krieg stehen lassen, aber nach dem Krieg waren sie weg. Die 100.000 Reichsmark, die meine Frau dennoch hat sparen können, haben wir, als wir aus Berlin fliehen mussten, in Starnberg an der bayerischen Hypothekenbank deponiert […] Fehlen einer Idee. Deshalb waren Sie ja so wenig widerstandsfähig gegen alle möglichen Einflüsse von außen. Nach dem Krieg haben Sie dann plötzlich wieder abstrakte Sachen gemacht. Ich habe nach dem Ersten Weltkrieg abstrakte Sachen gemacht im Sog der Erschütterung des verlorenen Krieges, als das Menschenbild nichts mehr zu sagen hatte. An der Akademie in Düsseldorf, wo ich studierte, hat man mich für […] aber dann ist es eben nicht richtig, wenn Sie sagen, dass Sie nach dem Krieg das gleiche gemacht haben wie unter Hitler, nämlich Heroen. Sehen Sie mal, ich hätte ja nie so viele Heroen gemacht, wenn ich nicht die Reliefs für den großen Bogen in Berlin hätte machen müssen. Das war doch das Denkmal, das für die deutschen Krieger aller Zeiten als Ehrung gedacht war, da war ich also eingespannt in einen […] Von Andre Müller

Über das Kriegsende, das keines war

Essay 04.05.2005 […] dachte: nach den Waffen singen die Musen. Er ist es, weil er sich nichts dachte. Er brauchte sich auch nichts denken. Am 8. Mai 1945 war der Krieg nämlich keineswegs zu Ende und museumsreif. Es ist unser eurozentrisches Gedächtnis, das den 8. Mai als Ende des Krieges feiert. In Asien wurde weiter gekämpft. Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki fielen erst Monate später. Für viele - nicht nur unter […] Nazi-Deutschland erst dann den Krieg erklärten, als es in Polen einmarschierte. Das tat es zusammen mit der Sowjetunion. Die beiden wollten sich - alten Traditionen folgend - Polen teilen. Was läge näher, als am 8. Mai 2005 mit Adam Krzeminski daran zu erinnern, dass von den Kriegsteilnehmern in Europa nur Deutschland, Polen, England und die USA während der sechs Jahre des Krieges nicht die Seiten gewechselt […] Beispiel, dass die sowjetische Armee während des Krieges viermal durch Polen zog - gehören zum historischen kleinen Einmaleins des zu vereinenden, des sich vereinigenden Europa. Wer von Zahlen spricht, kommt in den Verdacht, aufrechnen zu wollen. Darum darf es nicht gehen. Es muss möglich sein, erzählen zu können, aufzuschreiben, was war. Nun, da der kalte Krieg vorüber ist, ist auch der zweite Weltkrieg […] Von Arno Widmann

So viele Kriege wie Nationen

Essay 06.04.2005 […] Weltkrieges wechselten außerdem nur Großbritannien und die USA während des Krieges nicht die Front, was nicht heißt, dass sie nicht ihre Haltung zu Polen änderten. Übrigens wechselten mit Ausnahme Polens die meisten in den Krieg verwickelten Länder faktisch die Seiten. Vor allem Frankreich, das sich unter der Vichy-Regierung aus dem Krieg zurückzog und damit das deutsche Rüstungspotenzial erheblich vergrößerte […] Abgrund gezogen, das während des Krieges gelitten und nach dem Krieg die Hölle der Vertreibungen aus dem Osten und die Rache der Sieger erdulden musste. Zum Glück hätten die Angelsachsen die Bedeutung Deutschlands als Damm gegen den Kommunismus erkannt und in der Bundesrepublik eine Demokratie aufzubauen erlaubt. Die Vergangenheit ist vorbei, es lebe die Zukunft. Der Krieg blieb auch ein Mythos der familiären […] ersten Blick wurde der Krieg zwischen 1939 und 1945 zum einzigen Gründungsmythos der Europäischen Union oder vielmehr der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und später der EWG. Die Einigung Westeuropas sollte die beste Lehre sein, die man aus der Katastrophe des Krieges gezogen hatte. Ihren Kern bildete die Versöhnung und Zusammenarbeit der beiden Hauptverlierer jenes Krieges - (West-)Deutschlands […] Von Adam Krzeminski