Stichwort

Milan Kundera

Rubrik: Essay - 4 Artikel

Die Matrix und ihre Feinde

Essay 17.06.2013 […] salis spricht Hans Belting in diesem Zusammenhang von einer "aufgeklärten Idolatrie".[47] In eine ganz andere Richtung, die einer parodistischen "Umbesetzung" (würde Hans Blumenberg sagen), weist Milan Kunderas Ableitung des Starkultes aus dem Auserwähltheitsbedürfnis, wenn die imaginäre Exklusivität des narzisstischen Performers die symbolische Exklusivität des religiösen Adepten ablöst.[48] Das mosaische […] 1997, S. 279. [46] Peter Sloterdijk: "Gottes Eifer", a.a.O. S. 211. [47] Hans Belting: "Idolatrie heute". In: "Der zweite Blick", hrsg. von Hans Belting und Dietmar Kamper, München 2000. [48] Milan Kundera: "Die Langsamkeit", München 1995, S. 50f. [49] Theodor Reik, a.a.O., S. 217. [50] Peter Sloterdijk: "Anthropologische Aufklärung", a.a.O. […] Von Daniele Dell'Agli

Kampf des Gedächtnisses

Essay 01.04.2009 […] Auseinandersetzung über die Abgründe der kommunistischen Vergangenheit. Auch prominente Schriftsteller, die für die Freiheit kämpften, hatten Leichen im Keller - wie der große tschechische Romancier Milan Kundera, der am 1. April seinen 80. Geburtstag feiert. "Der Kampf des Menschen gegen die Macht ist der Kampf des Gedächtnisses gegen das Vergessen", so lautet der Appell Kunderas in seinem "Buch vom Lachen […] Freiheit, in denen weiter gefochten wurde um Unabhängigkeit, Loyalität, Treue, und Wahrhaftigkeit. Doch vor Verrat, Lüge und Enttäuschung waren sie weder im privaten noch im politischen Feld gefeit. Milan Kundera, 1929 in Brünn geboren, trat kurz nach Kriegsende in die KP ein, die ihn 1950 ausschloß und ihn 1956 wieder in ihren Schoß aufnahm. Nach dem Krieg schlug er sich als Student, Arbeiter und Jazzmusiker […] und ihre Verführbarkeit. Umso befremdlicher war im vergangenen Jahr seine Reaktion auf die Veröffentlichung eines Polizeidokuments, aus dem sein eigene Fehlbarkeit zu entnehmen ist. Danach soll Milan Kundera 1950 einen Kurier des amerikanischen Geheimdienstes, Miroslav Dvoracek, an die Polizei verraten haben. Das ist das Ergebnis einer Recherche des Historikers Adam Hradilek, einem Mitarbeiter des Prager […] Von Ulrike Ackermann

Die tschechische Interpretation des Kommunismus

Essay 10.12.2008 […] teidigung" (wie im Titel eines Buchs meines Vaters, "Kruhova obrana") Milan Kunderas durch die Generation meines Vaters überrascht und die Argumente, mit denen er unterstützt wurde. Das hat mir die Vergangenheit - meine eigene eingeschlossen - in einer neuen Persepektve gezeigt. Auch mein Vater Milan Simecka, der Milan Kundera gut kannte, war ein überzeugter Kommunist in den frühen Fünfzigern und […] (Wir übernehmen diesen Essay mit freundlicher Genehmigung aus der tschechischen Zeitschrift Respekt. D.Red.) In dem Sturm, den der Artikel "Der Verrat des Milan Kundera" (hier die englische Übersetzung) in Respekt auslöste, war eine Stimme am lautesten und klarsten zu hören: Es war die Stimme der tschechischen Schriftsteller und Intellektuellen, die um 1930 geboren sind, die Generation meines Vaters […] nicht viel Raum für die Geschichte des "banalen Bösen". Es waren Schriftsteller, die es auf sich nahmen, diese schreckliche Praxis in ihren Romanen zu interpretieren. Mehr als alles andere ist Milan Kunderas Verteidigung eine Verteidigung der ästhetischen Interpretation der Geschichte, die nicht gestört werden soll durch peinliche Details, die die banale, unliterarische Seite des Lebens zeigen. Die […] Von Martin M. Simecka

Der Besitzer des Schlüssels

Essay 15.10.2008 […] wurde von einem jungen Studenten denunziert. Um Haaresbreite entging Dvoracek dem Todesurteil und verbrachte vierzehn Jahre im Gefängnis. Heute lebt er in Schweden. Der Mann, der ihn verriet, heißt Milan Kundera und lebt heute in Frankreich. Kunderas schriftstellerisches Werk hat Generationen von Lesern auf der ganzen Welt beeinflusst. Drei Fragen sind deshalb angebracht. Erste Frage: Hatte er das […] nicht der Held dieser Geschichte mit ihren an die antike Tragödie gemahnenden Schlingen. Der Held ist Miroslav Dvoracek, ein Mann, der in die Schlacht ging gegen das "totalitäre Universum" - um Milan Kunderas Formulierung zu verwenden. Er weiß bis zum heutigen Tag nicht, wer ihn verriet, er hat mit seinen Kindern nicht einmal über seine vierzehn Jahre im Gefängnis gesprochen. Iva Militka, in deren Zimmer […] Von Martin M. Simecka