Stichwort

Polen

Rubrik: Magazinrundschau - 34 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 3
Magazinrundschau 15.01.2021 […] Der britische Historiker Timothy Garton Ash spricht im Interview mit  Tamás Fóti u.a. über die fragwürdige Position Ungarns und Polens nach dem vermeintlich schlechten Kompromiss über den EU-Haushalt, sowie die Verantwortung Deutschlands für die Erosion der Rechtstaatlichkeit bei den östlichen Nachbarn. "Es ist inakzeptabel, dass Länder, die innerhalb der EU sind und diese nicht verlassen, die EU erpressen […] erpressen. Verglichen mit Britannien ist der Unterschied zum Himmel schreiend, wenn wir die sehr magere Übereinkunft betrachten, die London mit dem Brexit bekam und was Ungarn und Polen mit dem überaus vorteilhaften Kompromiss erreichten. Insbesondere ist das Verhalten Deutschlands problematisch im Hinblick darauf, dass Berlin sehr enge, überwiegend wirtschaftliche Beziehungen mit Ungarn pflegt. Ich […]
Magazinrundschau 23.11.2020 […] die Ohnmacht der staatlichen Verwaltung in Polen gegenüber der Kirche aufzeigte. Ganz Polen erfuhr dadurch, dass der engste Mitarbeiter des Papstes Johannes Paul II., sein persönlicher Sekretär, der emeritierte Krakauer Erzbischof und Kardinal Stanisław Dziwisz, aktiv an der Vertuschung von Pädophiliefällen beteiligt war. Die Sendung hat eine große und in Polen bisher nie dagewesene Debatte über den Beitrag […] Seit einem Monat, seit dem Beschluss des Verfassungsgericht über ein verschärftes Abtreibungsverbot, finden in Polen die größten gesellschaftlichen Proteste seit 1989 statt, und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern auch in der Provinz. Die Soziologin Ludmiła Władyniak spricht in ihrem Beitrag von einem nie gesehenen Werteaufruhr. "Die katholische Kirche als traditioneller Hauptakteur des polnischen […]
Magazinrundschau 11.06.2020 […] über das Sterben kleiner Buchhandlungen in Polen - und engagierte Bemühungen, dem etwas entgegenzusetzen. Die Voraussetzungen sind denkbar schwierig: "Im Jahr 2019 haben 61 Prozent der Polen kein einziges Buch gelesen." Immerhin kaufen sie etwas mehr, als sie lesen: "Im gleichen Jahr haben laut Picodi 63 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer im Polen wenigstens ein Buch gekauft." Das geschieht […] erstmals im ganzen Land die "Lange Nacht der Buchhandlungen", bei der etwa dichterische Silent Discos oder eine 24-stündige gemeinsame Proust-Lektüre stattfanden. Krakau ist übrigens die einzige Stadt Polens, die sich für den Erhalt der traditionellen Buchhandlungen einsetze. […]
Magazinrundschau 11.05.2020 […] Reden, etwa am Holocaust-Gedenktag, in denen er Polen eine Mitschuld gab am Zweiten Weltkrieg und den Hitler-Stalin-Pakt zu einer Angelegenheit russischer Selbstverteidigung umdeutete. Im Interview mit New Eastern Europe sieht der polnische Politikwissenschaftler Ernest Wyciszkiewicz darin einen weiteren Versuch, einen Keil zwischen die EU und Polen zu treiben, jetzt wo die Warschauer Regierung im […] Europas eh nicht besonders viel Ansehen genießt: "Aus Russlands Sicht ist Polen nicht dankbar genug für die Beendigung der deutschen Besatzung durch die Rote Armee. Wir sehen den Tag des Sieges, den 9. Mai, nicht im selben positiven Licht wie die Sowjets es in der Vergangenheit taten oder der russische Staat es heute tut. Für die Polen war das Ende des Zweiten Weltkriegs natürlich eine Befreiung von der […] des Krieges spielte, ausgeblendet. In Wahrheit erlebte Polen zwei Besatzungen: die deutsche im Westen und die sowjetische im Osten. Russland hat beschlossen, diese unangenehme Tatsache herunterzuspielen und den Fokus auf die frühen dreißiger Jahre zu legen: die Kooperation westlicher Mächte mit Hitler, das Münchner Abkommen von 1938 und Polens berüchtigte Annexion eines kleinen Teils der Tschechoslowakei […]
Magazinrundschau 16.04.2020 […] polnischen Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Agnieszka Zuk über die immer umfassendere Machtergreifung der PiS-Partei und der ihr nahestehenden katholischen Organisation "Ordo Iuris" über ein Polen, das sich nach 1989 so hoffnungsvoll geöffnet hatte und das sich in großen Teilen bis heute dem Westen zugehörig fühlt. Der Hauptwiderstand, so Zuk, kommt von Frauen, denn sie sind von den extrem v […] ng von Genderfragen, die nicht nur die reproduktiven Rechte der Frauen und die Gewalt in der Ehe, sondern auch um die Rechte der sexuellen Minderheiten betreffen. So haben die Politiker des freien Polen ihre symbolischen Schulden bei der katholischen Kirche bezahlt, die eine wesentliche Rolle bei der Mobilisierung der polnischen Gesellschaft gegen das kommunistische Regime spielte." […]
Magazinrundschau 11.03.2019 […] Agata Araszkiewicz und Agata Czarnacka blicken in einem aus Esprit übernommen Text auf die Situation der Frauen in Polen, die sich nicht erst unter der nationalkonservativen PiS-Regierung gravierend verschlechtert hat: "Tatsächlich sind die politischen Auseinandersetzungen um Frauenrechte das wichtigste Merkmal der polnischen Transformation. Die Transformation - in Bezug auf individuelle Rechte und […] (vor allem nicht der Rechte von Frauen und Minderheiten). Die Freiheit des Einzelnen verkümmert - moralisch und exitenziell." Außerdem: Man könnte zwar glatt glauben, dass viele Russen, Ungarn und Polen gerade ganz verrückt nach Abschottung in jeder Richtung sind, doch Julia Sonnevend meint, dass jedem Osteuropäer eine Art postsowjetische Angst vor Grenzen und Autoritäten in die DNS geschrieben sei […]
Magazinrundschau 30.07.2018 […] '" Elisabeth Zerofskys Geschichte liest sich zu Anfang ein bisschen wie "Polen für Anfänger", aber sie ist trotzdem lesenswert. Es geht vor allem um die Geschichtspolitik der Gerechtigkeitspartei, und die kleine Geschichte über das Mokotow-Gefängnis zeigt zeigt einmal wieder, wie düster und komplex die jüngste Geschichte Polens ist: "Die Gerechtigkeitspartei, deren Programm ein Kapitel über 'Identität […] Unter ihnen waren Gruppen, die mit Untergrundorganisationen liiert waren, die von der Exilregierung nicht anerkannt wurden, sie waren häufig rechtsextreme Antisemiten, die ein judenfreies Polen wollten. Hätte Polen nach 1945 seine Unabhängigkeit erlangt, hätte die Regierung wohl viele von ihnen vor Gericht gestellt, einige auch, weil sie Zivilisten ermordet hatten, darunter ethnische Weißrussen und […]
Magazinrundschau 13.07.2018 […] An einer scheinbar kleinen Geschichte zeigt Matthew Luxmoore das Ausmaß nationalistischen Furors in Polen: Luxmoore erzählt vom Schicksal der kommunistischen "Dankbarkeitsdenkmäler", die überall in Polen nach dem Krieg errichtet wurden, und des unentwegten Kommunisten Jerzy Tyc der geduldig ein Denkmal nach dem anderen restaurieren will, während die PiS-Partei genau die gegenteilige Politik betreibt […] führt regelmäßig zu Szenen mit Schaulustigen, die das traurige Ende dieser Denkmäler, die auch Male einer Besatzung und eines totalitären Regimes waren, auf Handys festhalten. "In diesem November wird Polen die Hundertjahrfeier seiner Wiedergeburt als eigenständiger Staat im Jahr 1918 feiern, der auf mehr als ein Jahrhundert der Teilung durch imperiale Mächte folgte. Die PiS-Partei will einen neuen polnischen […] polnischen Staat verkörpern, der von allen Relikten kommunistischer Herrschaft gereinigt ist und setzt nun eine ganze Reihe antisowjetischer Helden auf die Sockel. Russland ist erregt. Es beschuldigt Polen, gemeinsame Kooperationsabkommen zu brechen, die in den 1990er Jahren geschlossen wurden und die auch den Schutz und die Erhaltung historischer Stätten einschlossen. Aber während der Kreml mit Vergeltung […]
Magazinrundschau 26.06.2018 […] Die neue Ausgabe von Osteuropa untersucht, ob es sich bei Polen und Ungarn wirklich noch um illiberalen Demokratien handelt - oder schon um liberale Autokratien. Einiges steht auch online. Piotr Buras und Zsuzsanna Vegh rekonstruieren zum Beispiel en detail, wie sich Polen und Ungarn auf einen antieuropäische Kurs verlegt haben, obwohl weder Jaroslaw Kaczyński noch Victor Orbán mit einer EU-kritischen […] Auch Europa als Wertegemeinschaft hat an Attraktivität eingebüßt. War das westliche, liberale Gesellschaftsmodell nach 1989 Inbegriff der Moderne und damit unumstrittenes Ziel der Transformation in Polen und Ungarn, wird es heute kritischer beäugt. Kaczyński und Orbán nutzen das Unbehagen am Neoliberalismus und der Offenen Gesellschaft, das sich in Teilen der Gesellschaft artikulierte, um das Ziel der […] 'Europäische Utopie' als ein 'postkulturelles, postzivilisatorisches und postidentitäres Konglomerat von Kräften und Prozessen'. Dort das alte, schwache Westeuropa, hier die neuen selbstbewussten Länder Polen und Ungarn - dieses dichotomische Bild verbreiten die Regierungen auf allen Kanälen." […]