Stichwort

Rote Armee

Rubrik: Essay - 6 Artikel

Fretwurst, der Deutsche

Essay 17.09.2010 […] Siedler ins besetzte Polen. 1945 sind sie wieder zurückgekommen. Sie hatten Glück." Im Tagebuch des ungarischen Juden Sandor Marai heißt es über eine Begegnung im Frühjahr 1945 auf der Flucht vor der Roten Armee: "Auf der Landstraße gesellt sich jemand zu mir. Er ist aus Lajosmizse geflohen und bereut es nun sehr. 'Ich bin auf die Propaganda hereingefallen', sagt er. Ich beruhige ihn, dass er bald heimkehren […] an ungarische Flüchtlinge aus Transsilvanien verteilt wurde, die vor den Rumänen hatten fliehen müssen, schritt die bereits installierte Provisorische Ungarische Nationalregierung in dem von der Roten Armee eroberten Debrecen zur Enteignung der großen deutschen Minderheit. Die Zwecke blieben dieselben, ebenso die ausführenden Beamten, die eben noch im Auftrag der mit Deutschland kollaborierenden ungarischen […] Wolgadeutschen, folgen würde. Man habe ihm dort eine gehobene Stelle in Aussicht gestellt. Meine Mutter nickte. Saratow haben die deutschen Truppen nie erreicht. Mein Dank geht an die Soldaten der Roten Armee. Meinem deutlich ältereren Schwiegervater war Hitler zuwider. Seine Briefe dokumentieren das eindrucksvoll. Vor dem Sündenfall bewahrte ihn das nicht. Er hatte in den 1920er-Jahren in Leipzig einen […] Von Götz Aly

Hitlers Kinder? Eine Antwort auf Götz Aly

Essay 25.03.2009 […] werden, wurde mit dem Titel "Hitlers und Maos Söhne" bereits die Figur der Generationenabfolge als Erklärungsansatz bemüht. (4) An dieses Muster knüpfte auf dem Höhepunkt der von der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) im Herbst 1977 ausgelösten Sicherheitskrise eine Autorin an. Es war die britische Publizistin Jillian Becker, die die ebenso provokative wie griffige Formel "Hitlers Kinder" ins R […] vermeintlichen revolutionären Subjekt führte zur Entstehung zahlreicher K-Gruppen und zur Bildung verschiedener pseudoproletarischer Parteien. Auch die im Mai 1970 erfolgte Gründung der terroristischen Rote Armee Fraktion (RAF), deren Mitglieder sich zynisch als "Leninisten mit Knarre" verstanden, muss in diesem Zusammenhang gesehen werden. Die bewaffnete Kaderorganisation, die in den Jahren darauf wie keine […] Von Wolfgang Kraushaar

Die schönen Dreißigjährigen

Essay 09.06.2005 […] der "Räuber" von edlen Terroristen in Banditen? Es geht dabei nicht um das 18. oder 19. Jahrhundert, sondern um die jüngste Vergangenheit, etwa Ulrike Meinhof und Andreas Baader und ihre linke Rote Armee Fraktion. Außerdem: Wann hört der Marquis von Posa aus "Don Carlos" auf, vom Fürsten die Gewährung der Gedankenfreiheit zu erbitten und sich von der deutschen Unfähigkeit zum revolutionären Protest […] treiben. Doch auch das ist nicht mehr möglich, weil sämtliche Ideologien der Revolte verschlissen und in Museen, multimedialen Ausstellungen und Kult-Hauskapellen verwahrt wurden. Selbst für die Rote-Armee-Fraktion gab es eine eigene Ausstellung in Berlin, wo man sich bis vor kurzem die Kassiber der zu lebenslanger Haft verurteilten Terroristen sowie Dokumente über die Entführung (und Ermordung) des […] Von Adam Krzeminski

So viele Kriege wie Nationen

Essay 06.04.2005 […] auf der anderen Kollaborateure, die diesen unterstützten, und auf der dritten schließlich die passive Mehrheit, die zu überleben versuchte. Das Reich lag zwar in Trümmern, doch für viele von der Roten Armee besetzte Länder bedeutete das Ende des Krieges nicht Frieden, sondern ihnen wurden sowjetische Hegemonie, Bürgerkrieg und Regierungen, die sich auf sowjetische Panzer stützten, aufgezwungen. Im […] roten Fahne, im Hintergrund die Ruinen von Budapest und an den Seiten jubelnde Ungarn - ohne eigene staatliche Symbole. Diese Inszenierung der Dankbarkeit der befreiten Völker wurde in allen von der Roten Armee besetzten Gebieten vervielfältigt, und der auf einen Sockel gesetzte T34-Panzer wurde zu dem Denkmal der Befreiung - und der militärischen Präsenz der UdSSR. Nicht nur der Panzer, auch die geradezu […] gewesen zu sein, als ob Hitler kein Österreicher gewesen wäre und ihn 1938 nicht Massen von Österreichern bejubelt hätten. Auch die DDR hielt sich für das neue, bessere Deutschland, befreit von der Roten Armee und regiert von Antifaschisten, die das Dritte Reich in Konzentrationslagern oder in der Emigration überstanden hatten. Auf diese Weise war der Nationalsozialismus lediglich eine Irrperiode der deutschen […] Von Adam Krzeminski