Stichwort

Schwarze Hefte

Rubrik: 9punkt - 15 Presseschau-Absätze
9punkt 16.04.2015 […] Der Antisemitismus, der sich in Martin Heideggers unlängst veröffentlichten "Schwarzen Heften" offenbart, hat das Fach aufgeschreckt. Für den Philosophen Manfred Geier ist Heideggers Antisemitismus allerdings ein Missverständnis, das er in der SZ auszuräumen versucht: "Es war keine rassistische oder antisemitische Grundhaltung, keine menschenverachtende Gewaltfantasie, kein kriegerischer Eroberungswillen […] fundamental war", hält ihm jedoch Cord Riechelmann in der taz entgegen. "Deshalb ist es schlicht obszön, jetzt in liberal sich gebenden Magazinen einen Satz lesen zu müssen, in dem es heißt, die "Schwarzen Hefte" belegten bei Heidegger einen "Antisemitismus über das bisher bekannte Maß hinaus"." […]
9punkt 12.04.2014 […] Geist) angesehen werden müsse. Ist es überhaupt dasselbe, die bloße Simulation eines Menschen zu bestrafen?" Wie soll man Martin Heidegger noch lesen, fragt die NZZ nach der Veröffentlichung der Schwarzen Hefte und bittet drei Philosophen um Antwort. Uwe Justus Wenzel stellt die antisemitischen Passagen ausführlich vor. Jedenfalls kann man Heidegger durchaus noch lesen, meint dann Günter Figal, man müsse […] an Heidegger, zum Beispiel die nach der Tragfähigkeit seiner Aristoteles-Interpretation oder die nach seinem Beitrag zur Phänomenologie, können ohne Berücksichtigung der - bisher bekannten - "Schwarzen Hefte" gestellt und diskutiert werden." Dieter Thomä sieht das ganz anders: "Kann man Steine aus Heideggers Werk herausbrechen, die für sich Bestand haben, Edelsteine ohne hässliche Kehrseite? Ich denke […]
9punkt 15.03.2014 […] Micha Brumlik versucht nach Lektüre der "Schwarzen Heften" in der taz zu ergründen, was Heidegger zu seinem durch und durch nationalsozialistischen Denken brachte, das über Anpassung und Opportunismus weit hinausging: Heidegger wollte mit der gesamten biblischen Tradition und dem ganzen begrifflichen Denken der Philosophie seit Platon ausfräumen, das er mit dem Judentum verband, meint Brumlik. "Diese […] Entfaltung der Subjektivität in die reine Rationalität'. Beider aber könne sich das 'internationale Judentum', so Heidegger 1941, 'bedienen'. " In der Berliner Zeitung sieht Dirk Pilz in den "Schwarzen Heften" Heideggers ganze politische und moralische Dummheit: "Den Vulgärnationalsozialisten warf er eine 'hirnlose Berufung' auf Hitlers 'Mein Kampf' vor. Es gab für ihn augenscheinlich auch eine hirnvolle: […] sich dafür interessieren, wie nahe philosophisches Denken und geistige Verwahrlosung beieinanderliegen können. Andernfalls droht das Heideggersche Werk im Ganzen dereinst von dem Schwarz der 'Schwarzen Hefte' wie von einem Schwarzen Loch verschluckt zu werden." […]
9punkt 13.03.2014 […] "War Martin Heidegger Antisemit? Die Antwort lautet spätestens von heute an: ja", schreibt Jürgen Kaube in der FAZ nach Lektüre von Heideggers abgrundtief "Schwarzen Heften", die jetzt vorliegen: "Wer einer ganzen 'Rasse' nicht nur Eigenschaften wie 'Bodenlosigkeit', 'Weltlosigkeit' und 'rechenhafte Begabung' zuschreibt, sondern das 'Weltjudentum' auch als handlungsfähiges Kollektiv wahrnimmt, das […] Motiv für Heidegger allerdings nicht gewesen, so Kaube weiter, aber dafür muss er für unsere Zwecke allzu weit ausholen. Thomas Assheuer meint dagegen in der Zeit: "Die Judenfeindschaft in den Schwarzen Heften ist kein Beiwerk; sie bildet das Fundament der philosophischen Diagnose." […]
9punkt 23.01.2014 […] Die im März erscheinenden "Schwarzen Hefte" Martin Heideggers haben bereits reichlich Wirbel wegen antisemitischer Äußerungen ausgelöst. Das bislang verschollen geglaubte Heft von 1945/46 lag bei dem Literaturprofessor Silvio Vietta in Heidelberg, dessen Mutter Dory ein Verhältnis mit Heidegger hatte, berichten Alexander Cammann und Adam Soboczynski in der Zeit. Falls der kurze Auszug das Knackigste […] so die Zeit-Autoren, war das Lehrverbot eben keine "Frage der politischen Moral, denn Demokratie und Faschismus sind Teil ein und derselben Seinsvergessenheit, für die er an früherer Stelle der Schwarzen Hefte besonders die Juden verantwortlich macht." […]