Stichwort

Testament

Rubrik: Essay - 17 Artikel - Seite 1 von 2

Religion, Wahrheit und Gewalt

Essay 09.09.2013 […] normativen Eigensinns der Moderne kennt eine dominante Begründungsfigur, nämlich die Suche nach dem Ursprung. Das läuft dann so: Von einem der Attentäter des 11. September 2001, Muḥammad 'Aṭāʼ, wird ein "Testament" überliefert, in dem er seine geplante Tat ganz offensichtlich als Handeln im Auftrag Gottes deklariert. Man weiss, dass 'Aṭāʼ hier eine Deutung übernahm, die von dem palästinensischen Prediger 'Abdallāh […] dass sie alles Seiende ihrer Macht unterstellt und damit am Ende der Tage das Seiende vernichten will. Die epistemische Einrahmung von Weltdeutungen durch eine Wahrheitsordnung kann für das Neue Testament und für größere Teile des Tanakh vorausgesetzt werden. Sie dürfte auch schon Teile der Awesta bestimmt haben. Auf die buddhistischen Definitionen einer "absoluten Wahrheit" und einer konventionellen […] Von Reinhard Schulze

Die Matrix und ihre Feinde

Essay 17.06.2013 […] Religionen pauschal infrage zu stellen. Wenn so jemand sich Gedanken um den "Preis des Monotheismus" macht, eine Gewaltgeschichte, die von einer entsprechenden Geschichte der Gewaltrhetorik im Alten Testament vorbereitet wurde, und zu ihrer Ätiologie eine Dekonstruktion der Mosaischen Gesetzgebung aufbietet - dann muss man das nolens volens ernst nehmen. Dass er dies nicht als Theologe tut, bedeutet für […] der Abwiegelung sind dabei so originell wie nur irgend eine Passage aus dem Handbuch für Sonntagspredigten. So durften wir uns darüber belehren lassen, dass man in der Bibel, vor allem im Alten Testament, Belege für die ganze Vielfalt der unterschiedlichen Neigungen, Begabungen oder Dämonien des homo sapiens sapiens finden - vom Hohelied der Liebe bis zu den Liturgien des Massenmords. So what? Wogegen […] weil hochgradig des für Salomon typischen, sinnenfreudigen Polytheismus verdächtig); die Hetze gegen Heiden, Götzendiener und Abtrünnige zieht sich hingegen wie ein roter Faden durchs ganze Alte Testament (und wird an Intensität nur noch vom Koran überboten). Das zweite Entlastungsargument ist uns auch nicht unbekannt: die anderen waren auch nicht besser. Micha Brumlik bietet gar die "Megatötungen" […] Von Daniele Dell'Agli

Monotheismus der Treue

Essay 17.05.2013 […] ng zu menschlicher Intoleranz. Diese Intoleranz wird, das soll nicht aus dem Blick geraten, im Verhältnis 1000:3 von seiner erbarmungsvollen Liebe überwogen, deren bewegenden Ausdruck in beiden Testamenten Marcia Pally im letzten Teil ihres Beitrags ausbreitet. Ebenso wenig aber sollten wir vergessen, dass es diese Unterscheidung ist, die in der Perspektive der antiken und mittelalterlichen Apokalyptik […] s Gerd Althoff,[7] um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, welche Fülle gewaltlegitimierender Argumente die Päpste des 11. und 12. Jahrhunderts aus der Bibel und gerade aus Texten des Alten Testaments bezogen haben, um sich größere politische Macht zu verschaffen. Während das rabbinische Judentum diese Texte längst marginalisiert und durch symbolische Auslegungstechniken humanisiert hatte, berufen […] prominenteste Stelle der hebräischen Bibel im Blick habe (Ex 20.5; Dtn 5,9). [5] "Joseph und seine Brüder", Ausgabe in einem Band, Frankfurt 1964, 227. [6] Vgl. Kang Sa-Moon, "Divine War in the Old Testament and in the Ancient Near East", Berlin/New York, 1989; Th. v.d.Way, "Göttergericht und "heiliger Krieg" im Alten Ägypten", SAGA 4, 1992. [7] Gerd Althoff, "Selig sind, die Verfolgung ausüben. Päpste […] Von Jan Assmann

Respektabel, aber falsch

Essay 11.04.2013 […] Mongolen, Stuttgart 2004, S. 65. [10] W. Beyerlin (Hg.), Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, Göttingen 1985, S. 154. [11] E. Cancik-Kirschbaum, Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 2003, S. 70. [12] W. Beyerlin (Hg.) Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, Göttingen 1985, S. 214. [13] Odyssee, 22. Gesang, 415 f. [14] Homer, Die Odysse, deutsch von […] festzustellen: "In den letzten Jahrtausenden und Jahrhunderten wurde die Bibel schöngeredet, zur Allegorie erklärt, durch weniger gewalttätige Texte (bei den Juden der Talmud, bei Christen das Neue Testament) verdrängt oder diskret ignoriert. Und genau darum geht es. Die Empfindlichkeit gegenüber der Gewalt hat sich so stark verändert, dass religiöse Menschen ihre Einstellung zur Bibel heute unterteilen […] Von Micha Brumlik

Mose, der Politiker

Essay 09.04.2013 […] das folgende Schema zur Anwendung kommt: das Volk schließt mit Gott einen Bund - das halsstarrige Volk bricht den Bund - Gott hält seinem Volk trotzdem die Treue. Dieses Schema setzt sich im Neuen Testament fort und wird seitdem als die gute Nachricht von einem treuen, mitleidenden und barmherzigen Gott von Generation zu Generation weitergegeben. Man fragt sich ferner, was Sloterdijks Alternative zu […] Thomas Hobbes: Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates. Frankfurt 1976, 271. [11] Ebd., 280. [12] Ebd., 312. [13] Vgl. Joachim J. Krause: Der Bund im Alten Testament und bei Hobbes. Eine Perspektive auf den Leviathan. In: Politisches Denken. Jahrbuch 2005, 2005, 9-39. [14] Hobbes, Leviathan, 316, 317. [15] Ebd., 134. [16] Ebd. [17] Michael Walzer: Exodus and […] Von Rolf Schieder

Monotheismus ohne Mose?

Essay 07.03.2013 […] weder auf die Religionsgeschichte Israels noch auf die Theologie des (gesamten) Alten Testaments zu, sondern bezieht sich allenfalls auf die Mose-Überlieferung. Von der kann Witte (wie vorher schon z.B. Klaus Koch in seinem Aufsatz über den "Tod des Religionsstifters") zeigen, dass sie im Rahmen des Alten Testaments und der klassischen Epochen der israelitischen Religion und Literatur eher marginal war […] dem biblischen Monotheismus "manch eine Erzählung der Moseüberlieferung", wie z.B. die Geschichte vom Goldenen Kalb, "symbolisch verzerrt und klischeehaft als Beispiel für den Charakter des Alten Testaments als eines Buchs von Gewalt verhandelt wird." Natürlich dürfen solche Erzählungen, auch wenn sie keineswegs nur im Rahmen der Mose-Überlieferung vorkommen, nicht auf die Bibel als Ganzes hochgerechnet […] Von Jan Assmann

Von der Weisheit des Glaubens an den einen Gott

Essay 04.03.2013 […] jüngsten Monotheismusdebatte unter Ausblendung der Grundregeln historischer Kritik, aber auch der Wirkungsgeschichte, symbolisch verzerrt und klischeehaft als Beispiel für den Charakter des Alten Testaments als eines Buchs von Gewalt verhandelt werden. 1. Mose und der Monotheismus 1.1. Mosebilder Kennzeichnend für die kultur- und religionsgeschichtlich orientierte Monotheismusdebatte ist nach wie […] ng auf die Tora als Zentrum der Hebräischen Bibel und eine daraus folgende erst wirkungs- und forschungsgeschichtlich greifbare Reduktion der vielfältigen in der Hebräischen Bibel bzw. dem Alten Testament versammelten Theologien auf eine "mosaische Religion". Vor allem in weiten Teilen kulturwissenschaftlicher und öffentlicher Debatten wirken diese drei Faktoren noch stark nach. Differenzierte literarische […] n oder Joab. Die mutmaßlich ältesten literarischen und für die religionsgeschichtliche Profilierung Jahwes auswertbaren Texte finden sich in der israelitischen Kultlyrik, wie sie sich im Alten Testament in den sogenannten Königspsalmen (Ps 29; 47; 93-99) erhalten hat (vgl. Müller 2013) - nicht aber in der Moseüberlieferung, deren literarische Anfänge erst im ausgehenden 8. Jh. liegen und die ihre […] Von Markus Witte

Im Schatten des Sinai

Essay 21.02.2013 […] einem religiösen Notstandsrecht. Es scheint, die schwertführenden Leviten treten in die Nachfolge jener frühzeitlichen Heiligen Henker ein, deren überschriebene Spuren an mehreren Stellen des Alten Testaments in jüngerer Zeit - wie hypothetisch auch immer - entziffert werden konnten.[6] Den entscheidenden Aufschluß hinsichtlich der autoplastisch-volkspädagogischen Bedeutung des levitischen Gemetzels […] vorprägende Wirkung des Sinai-Geschehens für das Verständnis einer monotonen Serie von Episoden göttlichen Bestrafungshandelns und dessen Ergänzung durch zelotische Exekutionen, von denen das Alte Testament überquillt - bis hin zu den auto-genozidalen Vernichtungszügen des Judas Makkabäus gegen assimilationswillige Juden in der Zeit seleukidischer Hellenisierungpolitik. Auch wenn das alles nur überhitzte […] geschichten nicht abstreiten. [6] Hyam Maccoby, "Der Heilige Henker. Das Menschenopfer und das Vermächtnis der Schuld", Stuttgart 1999. [7] Klaus Koch, "Gibt es ein Vergeltungsdogma im Alten Testament?" (1955), in: K. K., "Gesammelte Aufsätze Band 1", Neunkirchen 1991, S. 65 ff. [8] 4 Moses 25, 4-5. Zum Motiv der Leichenaufhängung an Pfählen vgl. Gunnar Heinsohn, "Die Erschaffung der Götter. […] Von Peter Sloterdijk

Mose und der zornmütige Gott

Essay 06.02.2013 […] Assmann hat den Ausdruck "mosaische Unterscheidung" vorgeschlagen, um einen auffälligen Charakterzug der Religion des alten Israel zu benennen, oder genauer: der Religion, die in den Büchern des Alten Testaments ihren Niederschlag gefunden hat. Verschiedene Beiträge zur Debatte um die mosaische Unterscheidung entfernen sich weit vom biblischen Befund. Es wird dann beispielsweise über die Angemessenheit des […] Kirche gab es zunächst wenig Anlass, ein religiöses Strafrecht zu entwickeln. Für Gemeinden, deren Mitglieder aus dem Judentum kamen (und nicht aus dem Heidentum), belegt jedoch bereits das Neue Testament Ansätze eines Strafwesens. Nach dem Matthäusevangelium soll Jesus selbst die öffentliche Zurechtweisung von Sündern in der Gemeindeversammlung angeordnet haben - wobei unklar bleibt, an welche Art […] er ist der Schutzgott des mit ihm fest verbundenen, geradezu verbündeten Volkes. Das von Gott erlassene Gesetz gilt nicht für die ganze Welt, sondern allein für Israel. In der Spätzeit des Alten Testaments wird dieses Gesetz aufgezeichnet und in einem Katalog von zehn Geboten - dem Dekalog - zusammengefasst. Mit dem Gott des Nordreichs eng verbunden ist der Name des Mose; in der großen Offenbarungsdichtung […] Von Bernhard Lang

Monotheismus und Gewalt

Essay 29.01.2013 […] selbst zum Sprachrohr oder zum Schwert Gottes zu ernennen. Diese Differenz verhindert jede Anmaßung, in seinem Namen handeln zu können. " (S. 88) Dann legt sich aber die Frage nahe, warum im Alten Testament und in der weiteren Kirchengeschichte diese Differenz so oft und geradezu systematisch missachtet wurde. Damit sind wir zur Frage der "intrinsischen Gewalttätigkeit" zurückgekehrt, von der Schieder […] der Friedensfähigkeit und dem Gewaltpotential der Religionen" (2008) findet sich vor allem auf den Seiten 69-88. [4] Vgl. hierzu besonders Norbert Lohfink, "Gewalt und Monotheismus: Beispiel Altes Testament", http://www.sankt-georgen.de/leseraum/lohfink23.pdf (nicht im Druck erschienen). [5] "Moses the Egyptian", 1-22; "Moses der Ägypter", 17-43. [6] Neuausgabe Stuttgart 2010, mit einem Nachwort, in […] Von Jan Assmann