Herausgegeben von Werner Schiffauer, Gerd Baumann, Riva Kastoryano und anderen. Am Beispiel von Jugendlichen aus türkischen Einwandererfamilien wurde hier untersucht, wie der Prozess der politischen Enkulturation in Frankreich, England, den Niederlanden und in Deutschland abläuft. Dazu wurden ethnologische Feldforschungen an Schulen in Berlin, Rotterdam, London und Paris durchgeführt. Dabei stand die Frage im Vordergrund, wie der sozialisatorische Prozess aussieht, durch den ein Individuum die geistigen Vorstellungen und Verhaltensmuster erlangt, die erforderlich sind, um als Mitglied einer Kultur mitzuwirken.
Zentrales Thema dieser Post-Pisa-Studie ist, was Staat und Schule in England, Holland, Frankreich und Deutschland bereit sind, für Eingliederung von "Ausländerkindern" und für die Vermittlung der Werte der Mehrheitsgesellschaft, zu tun. Laut Hans-Volkmar Findeisen macht das Ergebnis wenig Hoffnung. Die Studie fördert einige "Paradoxien" zu Tage und scheint Findeisen aus diesen Gründen besonders lesenswert. Im "liberalen England" führt der Wettkampf um Ressourcen zu einer "interkulturellen Neidkultur", in Holland werden interkulturelle Probleme im Schulalltag kleingeredet, Frankreich glänzt mit "rationalistischen und laizistischen Prinzipien", die pragmatisch Identitätsunterschiede an Schulen verbietet, beispielsweise Kopftücher, mit dem Effekt, dass die Jugendlichen um so dramatischer nach "Identitätsmarkern" schreien, fasst Findeisen zusammen. Weiterhin entnimmt der Rezensent der Studie, dass die Integration über den Weg der einheitlichen "Wertegemeinschaft" eine pragmatische und "sinnvoll festgelegte" Integration des "Ausländernachwuchses" in Deutschland verhindert. Den heimlichen Verdacht, dass Partizipationskonzepte "erst die Minderheiten schaffen", die sie eigentlichen integrieren wollen, findet Findeisen in der Studie bestätigt.
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