Herausgegeben von András B. Hegedüs und Manfred Wilke. Nach dem Tod Stalins im März 1953 war seinen Erben bewußt: Um die Kontinuität der kommunistischen Parteiherrschaft zu sichern, mußten umgehend Reformen durchgeführt werden, deren wichtigste die Beendigung des willkürlichen Massenterrors war. Hinzu kam eine Wirtschaftskrise, die ökonomische und gesellschaftliche Reformen notwendig machte. Die politischen und wirtschaftlichen Reformen der neuen, "kollektiven" Führung in der Sowjetunion einschließlich der Neuordnung der Außenbeziehungen des Landes bildeten die Voraussetzungen für die Experimente in der DDR und in Ungarn, mit denen die kollektive Führung die Veränderungen der sowjetischen Politik nach außen trug. Die komparatistisch angelegten Untersuchungen des Bandes konzentrieren sich auf die Entstehung, Implantierung und Folgen des "Neuen Kurses", mit dem die sowjetische Führung nach Stalins Tod die Lage in der DDR und in Ungarn konsolidieren wollte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.08.2001
Die vergleichende Studie über den Volksaufstand am 17.Juni 1953 in der DDR und die Revolution in Ungarn im Jahr 1956 stellt nationale Geschichte modellhaft in den Kontext der europäischen Geschichtsschreibung, meint Udo Scheer, der voll des Lobs ist für den von András B. Hegedüs, Lehrer am Institut für Gesellschaftsgeschichte an der Universität Budapest, und Manfred Wilke, Mitbegründer des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin, herausgegebenen Sammelband. Zwar seien die Ereignisse bereits ausführlich und weitreichend von anderen Wissenschaftlern dokumentiert worden, doch der Rezensent sieht die besondere Qualität dieser Studie in ihrer Einordnung der beiden Aufstände in das Gefüge des sowjetimperialen Machtanspruchs. In aller Deutlichkeit könne man hier nachlesen, wie die Großmachtinteressen der Sowjets die Selbstbestimmung und Souveränität der DDR und Ungarns über Jahrzehnte verhinderten. Nur eines weiß Scheer zu korrigieren: Nicht 18 Menschen wurden in der DDR nach dem Aufstand standrechtlich erschossen, der Rezensent ist sich sicher, dass es 21 waren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2001
Karl Wilhelm Fricke zeigt sich recht angetan von diesem Band, in dem die sowjetische Politik nach Stalins Tod gegenüber Deutschland und Ungarn verglichen wird. Dabei ergeben sich, wie der Leser erfährt, überraschend viele Parallelen zwischen beiden Ländern: so etwa der "Einsatz früherer Moskau-Emigranten als Schlüsselfiguren in den jeweiligen Parteiführungen", die mit Nachdruck betriebene Durchsetzung der Planwirtschaft, die "Kollektivierung der Landwirtschaft ohne Rücksicht auf die Volksernährung" oder die Aufrüstung in beiden Ländern und der intensive Einsatz von Geheimpolizei. Aber auch Unterschiede in beiden Ländern werden nach Fricke hier deutlich aufgezeigt. Großes Lob äußert der Rezensent über die Quellenarbeit, besonders was die ungarische Revolution betrifft. Hier hätten die Autoren bisher unveröffentlichtes Material aus russischen und ungarischen Archiven für ihre Untersuchungen herangezogen. Nicht zuletzt betont Fricke die gute Gliederung und Lesbarkeit des Bandes, doch hätte er sich mehr editorische Sorgfalt gewünscht. Auch das Fehlen einer Bibliografie findet der Rezensent bedauerlich.
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