Die historische Stadt mit ihren räumlichen und emotionalen Qualitäten ist wieder zu einem Leitbild für die Gestaltung der Stadtzentren geworden. In seiner breit angelegten Studie zeigt der Kunsthistoriker und Stadtforscher Gerhard Vinken, dass die Altstädte weniger authentische Zeugen vergangener Epochen und Lebensweisen sind, als vielmehr Produkt des modernen Städtebaus. Am Beispiel von Basel und Köln zeichnet der Autor detailliert nach, wie die altstädtischen Viertel im Rahmen der Stadterneuerung und der damit einhergehenden räumlichen Differenzierungsprozesse zu historischen Vierteln umgestaltet werden. Sanierung heißt dabei zum einen die Umsetzung der neuen sanitären, sozialen und baupolizeilichen Standards, vor allem aber eine fortwährende vereinheitlichende und historisierende Gestaltung, die in ihrem Ausmaß noch immer unterschätzt ist. Die so geschaffenen Sonderzonen sollen städtische Identität und Kontinuität verbürgen: eben jene Qualitäten, die aus den Funktionsräumen der Moderne verdrängt worden sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.08.2010
Von wegen Altstadt, von wegen Heimat. Wie sich das Altstadtbild weniger aus der Identität eines intakten Gemeinwesens, denn aus unseren Bedürfnissen und der Opposition zum Neuen speist, kann Robert Kaltenbrunner in diesem, wie er findet, lesenswerten wie lesbaren Band des Kunsthistorikers Gerhard Vinken nachlesen. Die Altstädte von Basel und Köln sieht der Rezensent fortan frei von Sentimentalität auch als Produkte modernen Städtebaus. Und Heimat als etwas, dessen Teil wir immer schon sind. Den dialektischen Analysen des Autors sei Dank.
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