9punkt - Die Debattenrundschau

Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Der schreckliche Adolf Hitler

03.08.2021. Die Karibik ist Paradies und Hölle zugleich, schreibt Hans Christoph Buch in der NZZ.  Der Antisemitismus ist ein Rassismus, sagte der israelische Außenminister Jair Lapid und löste damit eine heftige Debatte aus, berichtet die FAZ. Der Holocaust ist einer unter vielen, schreibt der Literaturproessor Silvio Vietta in der Wiener Zeitung. Der New Statesman zeigt, wie Google und Co. die Forschung über sich gleich selbst finanzieren. Und Robin DiAngelo erzählt in einem Interview, wie sie entdeckte, dass sie weiß ist.

Wo eine Dame fluchte

02.08.2021. Die taz ruft "Laschet uns beten" und leuchtet die erzkatholischen Hintergründe des CDU-Kanzlerkandidaten aus. In starke-meinungen.de erklärt Alan Posener, warum er A. Dirk Moses für einen Israelhasser hält.  In der NZZ analysiert der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse den Niedergang der großen Volksparteien. In der FAZ staunt Livia Gerster, welcher Zauber bloßen Wörtern in den neuesten Ideologien innewohnt. Das Verfassungsblog fragt, was man ab jetzt zitieren darf und zu welchem Preis.

Allzu sehr im eigenen Soziotop

31.07.2021.
Aktualisiert: Die Welt attackiert Monika Grütters und das Auswärtige Amt, die dem BDS-Anhänger Bonaventura Ndikung das Haus der Kulturen der Welt übergaben. Angela Merkel hinterlässt den folgenden Bundesregierungen auch ein paar Probleme: Ihr Regierungsstil qua Küchenkabinett ist eines davon, schreibt Terri Langston in der Welt, die Abhängigkeit von China ist ein anderes, meint Timothy Garton Ash im Guardian. In der FAZ beteuert die scheidende Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, dass sie nicht für das in ihrer Amtszeit Gebaute verantwortlich ist. In der taz spricht Sergej Lebedew über die russische Technik der Giftmorde.

Dinge, die nicht entstehen

30.07.2021. "Wir haben nicht verdient, geopfert zu werden!", ruft der kubanische Schriftsteller und Regimegegner Ángel Santiesteban in der FAZ an die Adresse all der Kuba-Romantiker im Westen. Die SZ staunt, dass die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher es schafft zu gehen, ohne dass einer bemerkte, dass sie da war. Nach dem Iran will nun auch die Türkei die sozialen Medien regulieren, berichtet Bülrent Mümay in der FAZ. Selten war ein deutscher Wahlkampf so "öde", notiert die NZZ.

Es war keine Frage von rechts oder links

29.07.2021. Warum interessiert sich der westliche Feminismus eigentlich so wenig für die so weiblich geprägte belarussische Opposition, fragt Alice Bota in der Zeit. Ebenfalls in der Zeit antwortet Götz Aly der Ethnologin Brigitta Hauser-Schäublin, die von einem legitimem Erwerb des Luf-Bootes sprach. Egal welche Debatte: In Deutschland kann man sich eigentlich immer darauf verlassen, dass es um "Schuld" geht, diagnostiziert Reinhard Mohr in der Welt. Margaret Sullivan fordert in der Washington Post ein neues Selbstverständnis von Big Journalism: Weg von der "falschen Äquivalenz". Und in Polen wird Journalismus abgeschafft, konstatiert Gabriele Lesser in der taz.

Das trotzdem Erreichte

28.07.2021. Genozidleugnung ist in Bosnien-Herzegowina für strafbar erklärt worden - aber dafür musste der Hohe Repräsentant der internationalen Gemeinschaft Valentin Inzko seine "Bonn Powers" nutzen, berichtet die taz. Bei libmod.de analysiert der Historiker Martin Schulze Wessel Wladimir Putins geschichtspolitische Essays. In den Blättern erklärt Meron Mendel, wie sich mit Israelhass Differenzen kitten lassen. Und der "Palandt" wird laut SZ nun demnächst "Grüneberg" heißen - der Verlag C.H. Beck verabschiedet sich von den titelgebenden Nazis in seinen Kommentarwerken.

So aufgeladen, so zentral

27.07.2021. Die Krise in Tunesien ist ein Zeichen, schreibt Dominic Johnson in der taz: "Von Iran über Nigeria bis Brasilien zittern die Mächtigen, sobald die Pandemie außer Kontrolle gerät." Die taz berichtet auch über das blutige Sisi-Regime in Ägypten. China benutzt westliche Medienleute und Prominente, um seine Menschenrechtsverstöße in Xinjiang zu beschönigen, notiert die Politologin Mareike Ohlberg im Tagesspiegel. Stefan Laurin weist bei den Ruhrbaronen einige faktische Fehler in Per Leos Buch "Tränen ohne Trauer" nach. Und Edward Snowden rät von Iphones ab.

Das Trauma in großer Einsamkeit

26.07.2021. Durch "Nord Steam 2" hat die Ukraine für den Westen an Wert verloren, fürchtet Andrej Kurkow in der FAZ - Krieg wird dadurch wahrscheinlicher. Die Publizistin Cinzia Sciuto wehrt sich ebenfalls in der FAZ gegen die Formulierung, dass Kindern bei der Geburt ein Geschlecht "zugewiesen" wird. Der in den USA lehrende Politologe Minxin Pei hält es in der NZZ für unwahrscheinlich, dass China die USA technologisch überholt - zu rigide ist die ideologische Kontrolle. Jürgen Zimmerer sieht das Humboldt Forum in der Berliner Zeitung als Denkmal eines "Diskurses eurozentrischer Beharrung". Alan Rusbridger verteidigt in der Daily Mail die Pressefreiheit.

Im Rhythmus der Normalität

24.07.2021. In der taz bricht Norbert Mappes-Niediek eine Lanze für Osteuropa, das nicht nur rückständig und homophob sei, sondern auch Solidarität verdiene. Außerdem huldigt sie der hartnäckigen Staatsanwaltschaft von Bologna, die auch nach 41 Jahren das Bombenattentat von 1980 weiterverfolgt. Die Welt wirft Per Leo eine Arroganz der späten Geburt vor. Die SZ vermutet, dass auch die Einsamkeit aus Menschen gefährliche Spinner macht. Und: Alfred Biolek ist tot, dem Deutschland nicht nur die gepflegte Plauderei verdankte, sondern auch die Monty Pythons.

Von A nach B ohne Datenspuren

23.07.2021. Die FAZ und der Perlentaucher kommen auf die kubanischen Unruhen zurück. Was wird siegen: "Patria o muerto" oder "Patria y vida"? Impfgegner sind keine "Dissidenten" betont Karl-Markus Gauß in der SZ. Auf Zeit online halten die Wirtschaftsethiker Thomas Beschorner und Martin Kolmar eine Impfpflicht für ethisch zu rechtfertigen. Die FAZ stellt den französischen Politologen Pierre-André Taguieff vor, der schon seit vierzig Jahren über die "Neue Rechte", Rassismus und Antisemitismus von rechts bis links forscht. Zeit online zeigt am Beispiel Indien, wie die Spyware "Pegasus" genutzt wird, um die Opposition auszuhorchen.