9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Mit seinem Quietscheentchen

20.09.2018. Die New York Times weiß, warum Ian Buruma bei der New York Review of Books heftigen Ärger bekommen hat, aber nicht, ob er aus freien Stücken ging. In Brüssel eröffnet das Afrikamuseum neu, das einst gebaut wurde , um die blutige belgische Kolonialgeschichte zu feiern und nun ein ganz neues Konzept hat. SZ und politico.eu berichten. Und Bülent Mümay schildert in der FAZ das Leben unter einem Autokraten, der sich ein Flugzeug im Wert von 500 Millionen Euro "schenken" lässt, während die Arbeiter an der Baustelle des Großflughafens nicht mal bezahlt werden.

Der reine Krieg ist einer, der nicht mehr endet

19.09.2018. In der Welt erklärt Sineb El Masrar die Nöte des muslimischen Mannes. Der Richter Malte Engeler erklärt in Netzpolitik, warum man von Facebook nicht die Einhaltung von Grundrechten verlangen kann und dann irgendwie doch. In der taz diskutieren vier SchriftstellerInnen über Chance und Verheißung eines linken Populismus - aber Tanja Dückers beißt nicht an.

Maximale Toleranz

18.09.2018. Die NZZ sucht nach Ursachen für die Lähmung der Gesellschaft in Polen. In einem gleichen sich die klassischen Parteien und die AfD, findet Necla Kelek im Redaktionsnnetzwerk Deutschland: Beide haben kein Konzept für Integration. Im Standard knüpft sich Samuel Schirmbeck die Linke und den Islam vor. In der taz sucht ein linker Brexit-Gegner nach Argumenten.  Und Lokaljournalismus in Deutschland ist doch eher unkritisch, hat eine Studie in Trier herausgefunden.

Genau wie ein normales Wasserstoffatom

17.09.2018. Im Perlentaucher kritisiert Wolfgang Ullrich den Missbrauch von Urheberrechten als Kontrollinstrument. Politico.eu schildert das Denken der "No-Deal-Jakobiner", während sich die Brexit-Verhandlungen einem möglichen Kompromiss nähern. Der Guardian beleuchtet in zwei Artikeln  die russische Häme bei der Inszenierung der mutmaßlichen Skripal-Mörder. Le Monde entdeckt eine lange vergessene Art der Fortbewegung: zu Fuß gehen.

Das gesamte Hellfeld

15.09.2018. Bellingcat und ein Kiezblog aus Brooklyn zeigen, dass das Internet nicht nur Fake News, sondern auch Wahrheit produzieren kann, zum Beispiel über Russland und seine engsten Freunde. Der Integrationsforscher Aladin El-Mafaalani erklärt im Interview mit der taz, was er mit dem "Integrationsparadox" meint. Bei den Salonkolumnisten fühlt sich der Historiker Jan C. Behrends von der antifaschistischen Rhetorik einiger Redner im Bundestag eher abgestoßen. So schlecht steht es um die schwedische Demokratie nicht, erklärt Aris Fioretos in der Welt.

Revolution ohne Farbe

14.09.2018. Masha Gessen informiert im New Yorker über den Pussy-Riot-Aktivisten Pjotr Wersilow, der wohl vergiftet wurde und im Krankenhaus liegt. Chefärzte, die ein zweites Mal heiraten, entlässt die Katholische Kirche, Priester, die Kinder missbrauchen, nicht, wundert sich die Welt. Künstler wollen auf Kuba auch ohne staatliche Registrierung Kunst machen, berichtet die NZZ. Aung San Suu Kyi rechtfertigt laut taz die Gefängnisstrafen für zwei Reporter, die zu den Massakern an Rohingya berichteten.

Nur noch einzelne Wörter

13.09.2018. Das EU-Parlament hat gestern für Uploadfilter und Leistungsschutzrecht gestimmt. Zugunsten der Kulturindustrie "werden Prinzipien über den Haufen geworfen, ohne die das Internet nie seine heutige Bedeutung erlangt hätte", schreibt die EU-Abgeordnete Julia Reda. FAZ und Bild sagen (aus urheberrechtlichen Gründen geschwärzt). Das Marta Herford bleibt wacker und fordert in einer Konferenz: "Gebt endlich die Bilder frei!" Und im Guardian prangert George Monbiot eine der schlimmsten Abzock-Industrien der Gegenwart an - die wissenschaftlichen Verlage.

Wo weltliche Träger rar sind

12.09.2018. Der CSU-Politiker Manfred Weber kann nicht EU-Kommissionspräsident werden, solange er einen Schutzschild vor Viktor Orban hält, schreibt der Politologe Jan-Werner Müller in der SZ.  In Zeit online fordert auch die Europaabgeordnete Judith Sargentini Sanktionen gegen Ungarn - über das heute im EU-Parlament debattiert wird. Abgestimmt wird dort auch über die umstrittene Urheberrechtsreform, die Wyclef Jean in Politico kritisiert. In der FAZ rotieren Thilo Sarrazin und sein Kritiker Rainer Hermann. Und der Guardian fragt: Wo ist Fan Bingbing?

Auch wie ein Schrotthaufen

11.09.2018. Morgen wird im EU-Parlament ein zweites Mal über die Urheberrechtsreform mit den strittigen Punkten Leistungsschutzrecht und Uploadfilter abgestimmt. FAZ und Welt fahren nochmal alle Geschütze auf, um die widerspenstigen Abgeordneten umzustimmen. Bei boingboing schildert Cory Doctorow, wie nach dem Gesetz Verlinken geht. Buzzfeed hat herausgefunden, wie die Medien Klicks bekommen: mit "clickbait" vom Ströer-Konzern. Politico.eu und taz analysieren das schwedische Wahlergebnis.

Die Biene und die Blume

10.09.2018. Jeremy Corbyn soll sich nicht auf seinen Antirassismus berufen, meint Howard Jacobson im Jewish Chronicle - denn der Antisemitismus sei eigentlich kein Rassismus. Die taz berichtet über einen Streit der Feministinnen bei den Grünen. Im Guardian verteidigt Chantal Mouffe ihre Idee eines Linkspopulismus. Die FAS sammelt Protestnoten von AutorInnen gegen die Entlassung der Rowohlt-Verlegerin Barbara Laugwitz.