9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

England ohne London

27.01.2020. Der neue Antisemitismus ist nicht neu, sagt der Autor Natan Sznaider in der taz. Als er in den Siebzigern zur Schule ging, war's eher noch schlimmer. Im Standard fragt der Autor Yishai Sarid, wie ein künftiges Gedenken an Auschwitz ohne Zeitzeugen aussehen soll. In der NZZ spricht die in Deutschland lebende iranische Künstlerin Parastou Forouhar über die Lage im Iran. Die FAS berichtet über Verwerfungen im Musikmarkt: Die Künstler hätten gern einen größeren Anteil der Streaming-Einnahmen -  und zwar von der Musikindustrie. Und außerdem: Diese Woche ist wirklich Brexit.

Die Liebe zum Grundrecht

25.01.2020. Florian Illies verlässt nach nur einem Jahr den Rowohlt Verlag, die FAZ ruft zum Kehraus nach einer für alle peinlichen Party. Außerdem möchte die FAZ gern die Freiheit der Museen gegen die Ansprüche der Hohenzollern verteidigt wissen. In der Welt ruft Richard Herzinger zu mehr Kampfgeist in den Debatten auf. Auf ZeitOnline berichtet Hasnain Kazim allerdings von Todesdrohungen und Feindeslisten. Und die SZ warnt: Auch bei der Gesichtserkennung ist der größte Feind der Grundrechte mittlerweile die Bequemlichkeit der Bürger.

Klar, dass die Überschrift lizenzfrei bleibt

24.01.2020. Der 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - gestern offiziell in Yad Vashem gefeiert - steht im Zeichen unguter geschichtspolitischer Territorialkämpfe, beobachtet die taz, besonders mit Blick auf Wladimir Putins Äußerungen zum Zweiten Weltkrieg. In der Welt spricht Adam Krzeminski über die polnische Position. Die taz stellt das geplante neue Leistungsschutzrecht vor: Journalisten dürfen immerhin noch eigene Artikel zitieren. In der Welt geißelt Thomas Schmid die Unterwürfigkeit deutsche Bosse gegenüber China.

Der Reiz dieses Verfallsdenkens

23.01.2020. In der Welt zeigen zwei polnische Journalisten, wie Wladimir Putin die Geschichte fälscht. In der Zeit beschreibt der Politologe Jérôme Fourquet Frankreich nach vierzig Tagen Streik als vollends fragmentierte Gesellschaft. Der Guardian erzählt, wie der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Amazon-Grüner Jeff Bezos erpressen wollte.

Umgebaute Begriffe von Staatlichkeit

22.01.2020. In der Zeit online plädiert der Schweizer Forscher Urs Niggli  für Bio-Landwirtschaft - mit Gentechnik. Ilija Trojanow rät in der taz, in Fragen des Klimawandels nicht auf Optimisten zu hören. Die Ruhrbarone fragen, warum die europäischen Grünen die Erdogan-nahe SETA-Stiftung und ihren Begriff von "Islamophobie" so mögen. In der SZ warnt Katajun Amirpur vor Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Irans. Und Netzpolitik warnt: Clearview verstößt nicht unbedingt gegen den europäischen Datenschutz.

Narzisstische Raubtiere

21.01.2020. In politico.eu attackiert Mateusz Morawiecki, Polens Premierminister, die geschichtsrevisionistischen Äußerungen Wladimir Putins zum Hitler-Stalin-Pakt und wirft Stalin vor, dass er Auschwitz wesentlich früher hätte befreien können. Meedia zitiert aus einem offenen Brief der Belegschaft der Hamburger Morgenpost, die um den Bestand der Zeitung fürchtet. Im Guardian erinnert Frederick Forsyth an die missliche Rolle der BBC und der britischen Diplomatie im Biafra-Krieg vor fünfzig Jahren.

Gleichsam gereinigte Wesen

20.01.2020. Die New York Times erzählt, wie sich mit "Clearview" eine an China erinnernde Gesichtserkennung auch in Demokratien durchsetzen könnte. Alan Rusbridger bittet im Guardian darum, die Geschichte um Prince Harry und Meghan Markle im Kontext zu sehen: Und dieser Kontext ist die massive Abhöraffäre der britischen Boulevardmedien. Der SZ graut's vor der schwedischen Mode der "Normkritik": in Frage stellen, was normal ist, um es dann "integrierend" aufzulösen.

Nur privat mit ihrer Gefolgschaft

18.01.2020. Zeit online wirft einen Blick auf die deutsche Umsetzung des Leitungsschutzrechts: Verlinken dürfte demnächst schwierig werden. Emma spricht mit Naïla Chikhi über die "Studis gegen rechte Hetze". In der NZZ kritisiert der Historiker Wlodzimierz Borodziej die EU, die auf Wladimir Putins geschichtsrelativistische Äußerungen zum Hitler-Stalin-Pakt nicht reagiert. Die taz recherchiert zu den Vorwürfen gegen die Deutsche Welle. Und im Guardian mokiert sich Fintan O'Toole über die Brexiteers, die zum Brexit gern die Glocken des Big Ben schlagen würden - oder doch lieber nicht?

Dauerhaft beeinflussen und objektiver gestalten

17.01.2020. SZ und Zeit online interviewen den SPD-Abgeordneten Karamba Diaby, auf dessen Büro in Halle geschossen wurde. Migranten seien im Bundestag viel zu wenig repräsentiert, kritisiert er. Die Krise der SPD begann im Grunde schon mit der Gründung der Bundesrepublik meint Welt-Autor Thomas Schmid. In der FAZ erzählt der Physiker Marco Wehr, wie der Hirnforscher Nikos Logothetis nach Protesten von Tierversuchsgegnern das Max-Planck-Institut in Tübingen und Deutschland verließ. 

Identität als Gegenleistung

16.01.2020. In der Zeit verwahrt sich Hans Leyendecker gegen den Vorwurf, er sein  ein Relotius. Für den Historiker Eckart Conze in der SZ ist die Hohenzollern-Debatte Symptom eines neuen geschichtspolitischen Klimas. In der Welt überlegt der Politologe Daniel Dettling, wie die Demokratie wieder erlebbar gemacht werden kann. Die Zeit attackiert die Berichterstattung der FAZ über Yasemin Shooman.