9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Gerade ziemlich zugekokst

18.05.2019. Ein Video, das wie inszeniertes Material aus einem Polit-Thriller aussieht, demaskiert den FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und stürzt die österreichische Regierung in eine schwere Krise: Kanzler Kurz will mit Strache nicht mehr arbeiten. SZ und Spiegel haben recherchiert, und es kursieren Gerüchte. In der NZZ erklärt die Soziologin Cornelia Koppetsch, warum die kosmopolitische Linke zum Feindbild so vieler Wähler geworden ist. "Soziale Medien wie Twitter unterlaufen die Gewaltenteilung", schreiben die Politolog*innen Jorinde Schulz und Rainer Mühlhoff in der taz , und fordern ein Amt für Kontrolle.

Entscheidungen in 8 bis 30 Sekunden

17.05.2019. "Die Demokratie ist in Gefahr in der westlichen Welt. Sie ist besonders in Gefahr in Österreich." Der Standard druckt Daniel Kehlmanns Dankrede für den Anton-Wildgans-Preis, in der er Sebastian Kurz direkt attackiert. taz und Zeit online betrachten die willkürlichen Sperrungen bei Twitter und anderen Netzen vor den Europawahlen. Auch in Deutschland wird jetzt über ein Kopftuchverbot an Grundschulen diskutiert, berichtet Zeit online.

In der Kartause regnet es durchs Dach

16.05.2019. Alabama hat ein Abtreibungsgesetz beschlossen, das Ärztinnen 99 Jahre Gefängnis androht - wir binden einen Kommentar Stephen Colberts ein. "The Movement", Steve Bannons groß angekündigtes europäisches Netzwerk, ist ein Flop, berichtet die taz. Die NZZ interviewt Bannon trotzdem. Zeit online kritisiert die immer schärferen Sperrungen sozialer Netze, die Angst haben, extremistische Propaganda zu verbreiten. Die NZZ erinnert an die Vertreibung arabischer Juden.

Heiter plappern

15.05.2019. Es gibt keine Korrelation zwischen dem Aufstieg der Rechtspopulisten und dem Niedergang der Sozialdemokratie, schreibt Cas Mudde im Guardian. Im Atlantic widerlegt Benny Morris die amerikanische Politikerin Rashida Tlaib, die die Palästinenser als indirekte Opfer des Holocausts darstellte. In der FAZ fordert der Pro 7-Vorstand Conrad Albert einen Medienfonds. taz und Handelsblatt informieren eine Bahlsen-Erbin über die Geschichte der Zwangsarbeit.

Nullsummenspiel in der Endlosschleife

14.05.2019. Die NZZ erzählt, wie Ägyptens Staatschef Abdelfatah al-Sisi  gesellschaftliche Harmonie erreichen will. Die taz erzählt, wie die SZ Harmonie zwischen Print und Online erreichen will. In der Welt erklärt Roberto Saviano, dass Europa nicht ein Problem mit Flüchtlingen, sondern mit sich selbst hat.   Die Welt beleuchtet auch den aktuellen Zustand der Debatte, der alles andere als harmonisch ist. Und in Polen ist laut politico.eu die Harmonie mit der Kirche gefährdet.

Manierismen einer alten Elite

13.05.2019. In Polen löst ein Film über sexuellen Missbrauch in der Kirche Aufsehen aus - wir betten ihn ein. In seinem Blog erinnert Hubertus Knabe an den Schriftsteller Jürgen Fuchs, der vor zwanzig Jahren gestorben ist und der von der Stasi mit schändlichsten Mitteln verfolgt worden war.  Im Observer erklärt Nick Cohen, wie man die Briten verführt, indem man sich als Charakterkopf gibt. Große Empörung löst in den sozialen Medien ein Artikel Rainer Hanks aus der FAS  aus, der Greta Thunbergs Interventionen mit den Kinderkreuzzügen des Mittelalters vergleicht.

Ja, das wäre unangenehm

11.05.2019. taz und Welt bringen Deniz Yücels Verteidigungsschrift, die eigentlich eine Anklage gegen Tayyip Erdogan ist. In der NZZ ist Alan Rusbridger überzeugt: Die Menschen brauchen Journalismus nur dann, wenn er hilft, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Im Journalist setzt Julia Bönsch dagegen auf das feministische Projekt des effizienten Workflows. Der Guardian fragt, wann die Linke eigentlich die Großzügigkeit im Denken verloren hat. Und der Tagesspiegel fragt, ob Craft Beer nicht eigentlich nach Seife schmeckt.

Das Problem mit den lästigen Menschenrechten

10.05.2019. Als das Bundesverfassungsgericht entschied, ein "drittes Geschlecht" anzuerkennen, rechnete es mit 160.000 Menschen in Deutschland, die als "divers" gelten können. In Wirklichkeit sind es wohl eher 1.600, hat die Zeit recherchiert. Die FAZ feiert Susanne Schröters Kopftuchkonferenz als "Markstein bei der Rückbesinnung der Universitäten auf ihre intellektuellen Prinzipien". Welt-Autor Thomas Schmid erinnert an die Gründung der "Fasci italiani di combattimento" vor hundert Jahren. Der Guardian berichtet von der Angst der chinesischen Regierung vorm 4. Juni.

Diese europäische Spezialität

09.05.2019. FR, taz und Zeit befassen sich mit den Rechtspopulisten vor den Europa-Wahlen. Es ist ja schon vieles vergesellschaftet, und zwar zu Recht, schreibt Gerd Koenen in der Zeit mit Blick auf Kevin Kühnerts Forderungen. Die Uebermedien staunen unterdessen über die Welt, die sich von VW sozusagen freiwillig vergesellschaften lässt. Libération berichtet über die immer drastischere Politik gegen Abtreibung in amerikanischen Bundesstaaten. In der NZZ erzählt die Osteuropa-Historikerin Ekaterina Makhotina, wie die Sowjetunion den Krieg verdrängte.

Versandbeutelklammern und dergleichen

08.05.2019. FAZ-Kolumnist Bülent Mümay weiß, warum Tayyip Erdogan die Istanbuler Wahlen anficht: Weil er hier sein gesamtes Machtsystem aufgebaut hat. Aber die Istanbuler verlieren die Hoffnung auf Wahlen nicht, ist sich die taz sicher. In der FR erklären Victor Schiering und Önder Özgeday vom Verein Mogis, warum auch die Beschneidung von Jungen keine Petitesse ist und genauso bekämpft werden sollte wie weibliche Genitalverstümmelung. In der FAZ fordert der Medienwissenschaftler Hermann Rotermund freie Rundfunkratswahlen.