9punkt - Die Debattenrundschau

Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Diese Links-Rechts-Sache

19.07.2019. Amerikanische Medien diskutieren weiter über Trumps Rassismus, Israel und die Krise der Institutionen, die die Extreme profitieren lässt. In der SZ fordert die Literaturagentin Elisabeth Ruge, dass der 20. Juli zum Feiertag gemacht wird. In der FAZ widerspricht der Historiker Rainer Eckert dem Soziologen Detlef Pollack: Die Bürgerrechtsbewegung habe sehr wohl entscheidende Verdienste um den Mauerfall.

Guck mal nach wegen des Feuers

18.07.2019. Zeit und taz bringen Dossiers zum Jahrestag des 20. Juli: Wie einsam das verlorene Häuflein der Widerständler war, ergibt sich aus beiden - und wie wenig Anerkennung sie in der Bundesrepublik bekamen. Viele Zeitungen finden: Die Hohenzollern haben lange genug in der preußischen Geschichte mitgeredet, und dies mit durchaus zweifelhaftem Ergebnis. Die New York Times bringt einen Riesenartikel zum Brand von Notre Dame, die näher vorm Zusammenbruch stand als bisher bekannt.

Unvermeidlicher Konflikt

17.07.2019. Welt-Autor Thomas Schmid ist froh über die Wahl Ursula von der Leyens zur Kommissionspräsidentin: Die EU bleibt handlungsfähig. Amerikanische Medien diskutieren über Trumps rassistische Tweets. Klar ist er ein Rassist, schreibt David Remnick in der New York Times. Und die Extreme werden durch den Streit gestärkt, schreibt David Brooks ebendort. Eine moderne Stadtpolitik nutzt den Bobos und schadet der Peripherie, konstatiert der Standard bei einem Paris-Spaziergang.

Die republikanische Schmerzgrenze

16.07.2019. Die Hohenzollern wollen nicht nur Schlösser und Gärten und Kunstwerke zurück, um herrlich leben zu können, sondern auch über die preußische Geschichte mitreden - die FAZ ist dagegen. Die Republik stimmt der These zu, dass sich die NZZ der AfD andiene, aber einer bestimmten. Die taz feiert die neuen Pasionaras des politischen Engagements. Netzpolitik hat jetzt einen Eindruck davon "wie gefährlich der Verfassungsschutz ist".

Evident und eklatant

15.07.2019. Flugscham reicht nicht, meint die taz, wie steht's um Gehorsam? Das EU-Parlament ist demokratisch nicht legitimiert, den Kommissionspräsidenten zu bestimmen, sagt Heinrich August Winkler in der NZZ. Rigidität ist in der Flüchtlingspolitik nur um den Preis der Dehumanisierung zu haben, warnt Richard Herzinger in der Welt. Im Wall Street Journal denkt Ayaan Hirsi Ali über Ilhan Omars Äußerungen zu Israel nach. In der SZ ist die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann von Libra begeistert. Wenn die Idee nur nicht von Facebook wäre!

Die Freiheit, frei zu sein

13.07.2019. Europas Ultras werden nicht nur von Russland finanziell unterstützt, sondern auch von Amerikas religiöser Rechten, berichtet die NYRB. Der Guardian fragt, ob die fünf Milliarden Dollar, die Facebook wegen des Cambridge-Analytica-Skandals zahlen muss, eine Strafe oder ein Gefallen sind. Die FAZ beobachtet, wie Frankreich investigative Journalisten kujoniert. Die SZ erinnert an die Französische Revolution, in der NZZ hält Pascal Bruckner allerdings den Hass auf die Reichen für ein Überbleibsel der Aristokratie.

Grenzen der Unterlassung

12.07.2019. Die Financial Times sagt Goodbye "zu einem Britannien, wie wir es einst kannten".  In der FAZ blickt der Soziologe Detlef Pollack auf den Mauerfall zurück und stellt fest: Nicht die Kirchen oder die Bürgerrechtler brachten die DDR zu Fall. Im Tagesspiegel antworten Museumschefs auf Vorwürfe, ihre Bestände seien schlecht gelagert. Laut Netzpolitik plädiert Tim Wu für eine Zerschlagung von Facebook. Und Vorsicht bei Bettgesprächen: Google hört mit.

Vielfältige Intriganz

11.07.2019. Buzzfeed berichtet von einem Treffen zwischen der Lega Nord und Putin-Funktionären - ein erster materielle Beweis, dass die Russen rechtsextreme Parteien in Europa heimlich finanzieren wollen. Die Stadt Weimar hat ein Problem: Ausgerechnet die AfD könnte den Kulturausschuss leiten - und Weimar wird dieses Problem nicht als einzige Stadt im Osten haben, fürchtet die FAZ. Und der Tagesspiegel schließt aus einem "Religionsmonitor" der Bertelsmann-Stiftung: "Die Deutschen sind tolerant - nur nicht gegenüber dem Islam."

Angemessene Steuerung der jährlichen Ergebnissituation

10.07.2019. Die AfD ist das große Thema heute in den Zeitungen: Die Welt  zeigt, wie die Partei die grassierende Unzufriedenheit in den Neuen Ländern ausnutzt. SZ und Zeit online beobachten das Auftrumpfen des rechtsextremen Flügels der Partei - in Erwartung seiner Wahlerfolge im Osten. Die FR findet es ok, wenn Waffenexporte von linken Regierungen vorangetrieben werden. Die taz findet es nicht ok, wenn Zeitungen Politiker wie Friedrich Merz und Sigmar Gabriel als Kolumnisten anbieten. Von den Honoraren ganz zu schweigen.

Ohne reine Lehre halt

09.07.2019. In einem sind sich die erhabenen Führer der muslimischen Welt aus Iran, Saudi Arabien, Türkei und Pakistan einig wie ein Mann, konstatiert Foreign Policy: in ihrem Schweigen zur Lage der Uiguren. In emma.de attackiert der Charlie-hebdo-Karikaturist Laurent Sourisseau Jakob Augstein, der genau bestimmen will, wen man karikieren darf und wen nicht. Die Frau im Sozialismus war nicht gleichberechtigt: Sie durfte sogar mehr Lasten tragen, ganz wie ein Lastesel, erinnert sich Kateryna Botanova in der NZZ. Und die SZ geht dahin, wo die geraubte Kunst vermodert.