Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Man phantasiert sich einen Leser zusammen

19.01.2019. Takis Würger und kein Ende: SZ, taz und Welt erklären noch einmal die vernichtenden Kritiken ihrer Kollegen. Das wahre Problem ist die Literaturkritik, die sich zu sehr für den Leser interessiere, klagt in der FAZ der Schriftsteller Michael Lentz. Vergesst das Bauhaus, die eigentliche Zukunftsmetropole der Zwischenkriegsjahre war das Neue Frankfurt, rufen die ArchitekturkritikerInnen in SZ, FAZ und FR. Und die TheaterkritikerInnen kehren nur wenig entspannt aus Susanne Kennedys dystopischer Wellness-Welt an der Volksbühne zurück.

Glück ist schlecht

18.01.2019. Die Musikkritiker feiern mit James Blake Leib und Äther. In der Zeit erinnert sich Claus Peymann an Einar Schleefs Furor, der auch mal blutige Wunden schlagen konnte. Die Filmkritiker loben die Integrität von Nadine Labakis libanesischem Straßenkinder-Drama "Capernaum". Die Möbeldesign-Branche ist männlich dominiert und auch ansonsten ziemlich gestrig, stellen SZ und Zeitmagazin fest. Und Hyperallergic staunt über Jean Jacques Lequeus protosurrealistische Architekturzeichnungen von Genitalien. 

Sie haucht, rollt, hetzt durch Text

17.01.2019. FAZ und SZ freuen sich über den Ernst-von-Siemens-Preis für die bewegten Hörlandschaften der Komponistin Rebecca Saunders. Die Berliner Zeitung erinnert daran, dass das Bauhaus auch Theater konnte, woran uns heute vor allem amerikanische Künstler erinnern. Der neue "Maria Stuart"-Film ist feministisch ganz auf der Höhe der Zeit, loben die Filmkritiker. Die NZZ wandert auf den Spuren Arthur Schnitzlers durch Wien. Und: die Feuilletons trauern um Kinderbuchautorin Mirjam Pressler.

Die Performativität eines Eis

16.01.2019. Hyperallergic feiert die melancholische Absurdität in den Skulpturen von András Böröcz. Die SZ gibt sich dem Totalen Tanztheater hin. Die NZZ bewundert die überflüssig-notwendige Schönheit der Häuser in Hollywood. Die Welt berichtet, dass Jonas Kaufmann nicht mehr in der Elbphilharmonie singen will, weil ihm die Akustik zu schlecht ist. In der FAS warnt Michael Moore davor, Donald Trump nicht ernst zu nehmen. Sein neuer Film "Fahrenheit 11/9" kommt bei den Kritikern dennoch nur mäßig an.

Gut möblierte Ratlosigkeit

15.01.2019. Zum Bauhaus-Jubiläum erklärt der Architekturtheoretiker Philipp Oswalt in der taz: Nicht vom Bauhaus kamen die relevanten Beiträge zum modernen Bauen, sondern von der Sozialdemokratie. Außerdem dechiffriert die taz die Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Lorraine O'Grady. In Beat Furrers neuer Oper "Violetter Schnee" kriecht der SZ   kosmische Kälte den Rücken hoch. Die NZZ blickt auf Japans junge Autorengeneration. Der Freitag spürt die Faust von Samuel Fuller in den neuen Berliner Gangster-Serien.

Im Dickicht irrationaler Wünsche

14.01.2019. Die FAZ hätte sich ein Bauhaus-Jubiläum gewünscht, das auch an die abgründigeren Seiten der Kunstschule erinnert. Der FR geht in die Knie vor den herrschaftlichen Imponiergesten der Mykener. Die NZZ erkundet die Schönheit japanischer Keramik. Perfektes Handwerk erlebt die SZ in Robert Ickes Inszenierung von Arthur Millers "Hexenjagd" in Basel. Und im Dlf Kultur fordert Maxim Biller von der Literaturkritik echte Argumente oder wenigstens richtiges Bauchgefühl.

Katzenhaftigkeit und vorsichtige Intelligenz

12.01.2019. "Stella" ist doch die Wunscherfüllung deutscher Literaturkritik, nimmt die Literarische Welt Takis Würger vor seinen Kritikern in Schutz. Die FAZ versucht derweil Michel Houellebecq mit H. P. Lovecraft zu verstehen. Artechock rauft sich mit Blick auf die Harmlosigkeit der Longlist zum Deutschen Filmpreis die Haare. Die NZZ lernt von Ferdinand Försch, wie man mit Schrottplatz-Instrumenten die Neue Musik herausfordert. Und Hyperallergic begibt sich auf die Suche nach dem verschwundenen "Salvator Mundi".

Ausbeutung der Vergangenheit

11.01.2019. Der Standard staunt im Wiener Dommuseum, wie gut die Passion Christi und feministische Körperpolitik zusammenpassen. Gibt es nicht mehr als fünfzehn Autoren, die man auf den großzügig subventionierten deutschen Bühnen spielen kann, stöhnt die FAZ. Die Filmkritiker erliegen der Sinnlichkeit schöner Bauernmädchen bei der Landarbeit in Marine Francens Debütfilm "Das Mädchen, das lesen konnte". Die Literaturkritiker stürzen sich auf Takis Würgers "Stella". Und die Welt reist durch die poppigen Berliner U-Bahnhöfe von Rainer Gerhard Rümmler.

Höllisch einfach

10.01.2019. Die Filmkritiker bestaunen atemlos das kleine, somnambule Glück der späten DDR in der Verfilmung von Ingo Schulzes Roman "Adam und Evelyn". Der Tagesspiegel fürchtet eine Re-Stalinisierung von Polens Filmindustrie und applaudiert einer Ausstellung über DDR-Pop in Frankfurt/Oder. Die NZZ gibt sich den Polyrhythmen der Jazzmusikerin Luzia von Wyl hin. Die FAZ feiert das Wunder von Münster, einen Altar der Comic-Künstlerin Anke Feuchtenberger.

Das Tschirpen der Vögel im Dschungel

09.01.2019. Die FAZ berichtet, dass Norman Foster in New York die nächste Stufe in Kampf der Wolkenkatzer zündet. In der SZ mahnt der Schauspieler Jürgen Holtz zu einer Demut, die ihr Talent nicht verkauft. Über das Gebaren der Schwedischen Akademie kann die SZ nur noch den Kopf schütteln. Die taz beobachtet, wie Netflix jetzt auch den Filmmarkt in Nigeria aufrollt. Der Standard wiegt sich zu den Avantgarde-Metal-Klängen des indonesischen Duos Senyawa. Die Berliner Zeitung vermisst Heiner Müller.