Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Luftschlösser zum Einstürzen bringen

27.01.2020. Die SZ fragt angesichts fortschreitender Bildoptimierung, wer eigentlich definiert, wie die Welt aussehen soll. taz und Berliner Zeitung lernen wieder die Kunst am Bau zu schätzen. Die Nachtkritik verfolgt in München Christopher Rüpings Kampf gegen die Misanthropie in elf Runden. Die Zeit bewundert die Zärtlichkeit in Greta Gerwigs Neuverfilmung des Klassikers "Vier Schwestern". Im Standard plaudert Rammstein-Musiker Flake über seine seligen Ostberliner Punkzeiten.

Traktiert mit einem rauen Rosshaarlappen

25.01.2020. Fasziniert streifen die Kunstkritiker durch Edward Hoppers Seelenlandschaften in der Fondation Beyeler: Die FAZ erkennt Hoppers magischen Realismus, die NZZ trifft auf lethargische Trump-Wähler. Taika Waititis Hitler-Farce "Jojo Rabbit" teilt die Filmkritik: Fragwürdig, meint der Filmbulletin, die Jungle World lernt das wenig beachtete Pop-Deutschland der Nazis kennen. Die taz lernt von Hildur Guðnadóttir, wie aus einem kleinen Düdüdü Musik wird. Und die Feuilletons verabschieden mit Gudrun Pausewang eine der letzten mahnenden Stimmen in der Literatur der alten Bundesrepublik.

Fröhlich zerdieselnde Kreuzfahrtschiffe

24.01.2020. Die Welt feiert mit Lizzo und Billie Eilish die neuen weiblichen Popstars. Die SZ porträtiert den Pianisten Alexandre Tharaud als Nomaden, der Freunde mit Flügeln sucht. Zeit online freut sich, dass auch die neue Star-Trek-Serie dem Pazifismus verpflichtet bleibt. Die FAZ fragt: Müssen Theaterbauten so teuer und das Personal so billig sein?

Man kommt, wenn es brennt

23.01.2020. Nach nicht einmal einem Jahr werfen Sasha Waltz und Johannes Öhmann die Intendanz des Berliner Staatsballetts hin. Ist es überhaupt eine Art, nach so kurzer Zeit das Handtuch zu schmeißen, fragt empört der Tagesspiegel. Die schaudernden Filmkritiker lassen sich von Ladj Ly die "Wütenden" in den Pariser Banlieues erklären. Die NZZ hörte melodische Milde in Reinkultur mit Wolfgang Rihm und Sol Gambetta. Und: die Feuilletons würdigen den großen Architekten Gottfried Böhm an seinem Hundertsten.

Sie sind wirklich sehr rüde

22.01.2020. Malis Rapper sind Rebellen, stellt die NZZ klar, keine Griots, die den Herrschern Loblieder singen. Die taz wagt sich vor ins "Hereroland". FAZ und Welt erleben an der Pariser Oper das Ballett "Streik gegen die Rentenreform". Standard, FAZ und Welt vergnügen sich prächtig mit Taika Waititis poppiger Nazi-Clownerie "Jojo Rabbit", nur ZeitOnline mag nicht mitlachen. Und der Guardian hört betroffen von Ai Weiwei, dass die Deutschen noch immer alle Nazis sind.

So lacht der Sowjetmensch

21.01.2020. Die SZ blickt mit Martin Schoeller Überlebenden des Holocausts ins Gesicht. Die taz erinnert an die tragische Lebensgeschichte des Komponisten Philip Herschkowitz. Die NZZ diskutiert mit Nicolas Stemann die Sprengkraft der Kapitalismusverehrerin Ayn Rand. Süße Todessehnsucht genießt die FR mit "Tristan und Isolde" in Frankfurt, die NMZ erschauert dagegen unter knallhartem Stimmstahl. Tagesspiegel und Standard erkunden mit Ladj Lys Banlieue-Film "Die Wütenden" die Stimmung in Montfermeil.

Alphabet des Weltgeists

20.01.2020. Als Triumph des poetischen Schauspiels feiern FAZ und Nachtkritik Johan Simons' "Iwanow"-Inszenierung mit Jens Harzer. In der Berliner Zeitung ertasten Ingo Schulze und Charly Hübner den geistigen Körper Ernst Barlachs. In der FR verneigt sich Adonis vor Hafez, dem Abtrünnigen und Weintrinker. Die Zeit porträtiert die isländische Komponistin und Cellistin Hildur Gudnadóttir.

Literarischer Edelboulevard vom feinsten

18.01.2020. Die Welt feiert das Genre des Reverse Harem, in dem Frau sich eine Reihe Liebhaber hält. Außerdem empfiehlt sie, lieber Gide als Proust zu lesen. Die Junge Welt folgt der Pianistin Dina Ugorskaja in die Nicht-enden-Wollenden tiefen Pianissimotriller von Schuberts B-Dur-Sonate. Kunst als Dienstleistung, das praktizierten feministische Künstlerinnen mit "Maintenance Art" schon in den Siebzigern, lernt die SZ in einer Düsseldorfer Ausstellung. Dezeen bewundert die multifunktionale Unisex-Mode des finnischen Werkzeugherstellers Fiskars.

Flächige Ästhetiken

17.01.2020. Die SZ fragt, wem das geplante neue deutsche Fotoinstitut eigentlich dienen soll: allen deutschen FotografInnen oder nur den Düsseldorfern um Andreas Gursky? Die nachtkritik feiert Susanne Kennedys und Markus Selgs transhumanistisches Tanztheater "Underworld". Die NZZ bewundert die Gelassenheit der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Umso gereizter ist der Tagesspiegel, der den Jury-Präsidenten der Berlinale Jeremy Irons als alten, weißen Mann mit reaktionären Ansichten geißelt. Im taz-Interview will die Hiphop-Band Antilopengang auf gar keinen Fall aufs Land, wo es eh nur Faschos gebe. Der Standard meldet einen Aufstand des Chors an der Burg.

So betörende Naturschauspiele

16.01.2020. Migrantische Kunst bedeutet nicht automatisch mehr Diversität, warnt die Zeit. Die SZ sucht multifunktionale Möbel auf der Kölner Möbelmesse. Die FR fühlt in Makoto Shinkais Animationsfilm "Weathering With You" Sehnsucht nach dem Regen. Foreign Policy hört mongolischen Metal mit Kehlgesang und fragt sich, warum chinesische Bands so selten etwas Originelles hinbekommen.