Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Steroid für die Historie

14.09.2019. Die Welt erliegt mit Abel Gance dem Rausch der Bewegung. Die SZ sieht auf den Bildern Robert Franks, wieviele Jahrzehnte Europa von Amerika einst trennten. Der Freitag lernt von Videokünstler Klaus vom Bruch, was ironische Verschiebung bedeutet. Standard und Nachtkritik lassen sich in Ulrich Rasche Wiener "Bakchen"-Inszenierung sehr tapfer von Faschos anbrüllen. ZeitOnline fürchtet die Rückkehr der Bombast-Videos der neunziger Jahre. Und bisher gibt es nur Meldungen: György Konrad ist gestorben.

Unter Gepauke, Gefiedel und Kunstnebel

13.09.2019. Die Welt gesteht ein, dass ein halbes Jahrhundert DDR-Kunst nie ganz verstanden werden wird. Rüdiger Suchsland ist in Artechock schockiert, dass sich der Chef der hessischen Filmförderung Hans Joachim Mendig mit dem AfDler Jörg Meuthen hat fotografieren lassen. Im Standard erklären Martin Kusej und drei Mitarbeiter, warum das Burgtheater künftig mehrsprachig (aber mit Obertiteln) ist. Die FAZ ist enttäuscht vom Auftritt der simbabwischen Schriftstellerin Petina Gappah beim Berliner Literaturfestival.

Das Glutamat der Dichtung

12.09.2019. Die FAZ bestaunt in Angoulême Castelbajacs Röcke für Snoopy und andere ikonische Outfits für Comicfiguren. In der taz erklärt Albert Serra, warum Nacktheit im Kino so viel agressiver ist als im Theater. In der Zeit erklärt Anselm Kiefer, warum man ihn nur mit Gewalt in einer Ausstellung mit Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke zusammenbringt. Die SZ erklärt, warum das neue Berliner Museum des 20. Jahrhunderts schon vor Baubeginn drei mal so teuer ist wie geplant. Die Musikwelt trauert um Daniel Johnston und seine Dämonen.

Partisan des Persönlichen

11.09.2019.  Die Kritiker trauern um den Schweizer Fotografen Robert Frank, der den Amerikaner ein neues Bild von sich gab. Der Guardian besichtigt Sozialwohnungen in New York, die demnächst 3.600 Dollar Miete im Monat kosten werden. Die FAZ möchte Nike Wagner lieber nicht im Mondschein begegnen. Und trotz #MeToo würde ZeitOnline die Antike nicht abschaffen.

Von der Bühne gefegt

10.09.2019. Die SZ fragt, warum die simbabwische Schriftstellerin und Präsidentenberaterin Petina Gappah das Berliner Literaturfestival eröffnet. Der Guardian taucht in das moralische Universum des Malers William Blake. Standard und Artechock kauen noch am Silbernen Löwe für Roman Polanskis "J'accuse". taz und Tagesspiegel ärgern sich, dass Frank Castorfs Provokationen in der Deutschen Oper tatsächlich aufgehen.

Im Scherbenregen

09.09.2019. Auf ein geteiltes Echo stößt das neue Bauhaus-Museum bei den Kritikern: Die FAZ moniert die steife Vorhangfassade, die SZ freut sich über die grandiose Einladung an die Stadt. Konsterniert reagieren die Kritiker auf den Goldenen Löwen für Todd Phillips' düstere Comichelden-Verfilmung "Joker" in Venedig. In der NZZ attackiert Thomas Schütte die Museen zu riesigen Krematorien, die mit seiner Kunst befeuert würden. Und die Nachtkritik jubelt über Karin Beiers Inszeneirung von Schostakowitschs "Nase" in Hamburg. 

Himmelfahrt für wenig Geld

07.09.2019. Ein Triptychon des Schmerzes sah und hörte die nachtkritik bei der Ruhrtriennale in Kornél Mundruczós "Evolution". Im Tagesspiegel denkt Frank Castorf über die Schönheit des Katholizismus nach. Die Welt erkennt am Fall des Yann Moix, das der uralte Dreyfus-Antisemitismus in Frankreich nie ganz überwunden wurde. Der Tagesspiegel besucht eine Ausstellung chinesischer Medienkunst. Die taz begibt sich mit dem neuen Album von Devendra Banhart in den Tanzbereich zwischen René Magritte und Groucho Marx.

Demagogie der Bilder

06.09.2019. Die FR erliegt in Venedig der Liebe des chinesischen Regisseurs Yonfan für den französischen Schwarzweißfilm. Die NZZ fragt sich, ob Antisemitismus im Literaturbetrieb nur noch verkaufsförderndes Spektaktel ist. Die SZ skizziert die Probleme bei Bewahrung postmoderner Architektur, die der Denkmalschutz selbst schuf. Die FAZ schwärmt von 13 DDR-Malern. Der Standard feiert die Malerin Maria Lassnig. Zeit online hört die Musik eines Untoten.

Im Kapuzenpulli, ohne Make-up, ohne Hairstyling

05.09.2019. Der Tagesspiegel würdigt die biblischen Dimensionen der Maradona-Doku von Asif Kapadia. Die FAZ schlendert durch Ulrike Ottingers Ausstellung "Paris Calligrammes" - eine Hommage an die deutsche Buchhandlung "Calligrammes" in der Pariser Rue du Dragon. Die Welt nennt sechs gute Gründe, warum Rembrandt immer noch absolut modern ist. In der NZZ versichert der Manager Simon M. Ingold: Die Kunst mag im Zeitalter der Digitalisierung an Bedeutung verloren haben, mit der Automatisierung wird sie sie zurückgewinnen. Die Mode- und Fotografenwelt trauert um Peter Lindbergh.

Ich will ja niemanden vollschwafeln

04.09.2019. In der taz setzt Milo Rau eine Revolte der Würde auf den Spielplan für Süditalien. Die New York Times lässt sich im New Museum von Mika Rottenbergs das eigene Energiefeld verändern. In der FAZ verteidigt Michael Haefliger die Schleifung des Lucerne Festivals. Tagesspiegel und Presse sitzen gähnend im zweiten Teil von Stephen Kings "Es"-Verfilmung. Geschickte Kitsch-Tarnung oder vorgetäuschter Tiefgang? Freitag und SZ schwanken zu Wandas Album "Ciao".