Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Überfluss an unverbrauchter Zeit

06.10.2026. Am 90. Jahrestag der Schlacht in der Cable Street offenbarte sich der endgültige Bruch der Allianz zwischen Linken und Juden, notiert Times of Israel. In Eurozine träumen Daniel Cohn-Bendit und Claus Leggewie von einem Dienstjahr für alle jungen europäischen Frauen und Männer. Der Guardian berichtet von Morden an Menschen mit Albinismus in Madagaskar, deren Augen besonders begehrt sind. Seit mehr als hundert Jahren wird der Untergang des Abendlandes beschworen, beruhigt in HVG der ungarische Historiker Balázs Ablonczy.

Stürzt die kreative Klasse?

29.09.2026. In Quillette kritisiert der amerikanische Historiker Jeffrey Herf eine kanadische Ausstellung über die Nakba, die den Anteil der Palästinenser am Geschehen verschweigt. The Ideas Letter porträtiert den Jazzpianisten Randy Weston, der sich als Afrikaner in Amerika begriff. Harper's besucht die panamaische Stadt Bajo Chiquito, die vom Migrantenboom in die USA profitiert hat. Apricitas Economics untersucht den Einfluss von KI auf die Kulturindustrie. Der New Yorker lernt von William Hitchcock, wie die USA unter Franklin D. Roosevelt antifaschistisch wurden.

Obsession statt Gefühle

22.09.2026. Izabella Tabarovsky, Expertin für die Geschichte des linken Antizionismus, erkundet in Tablet, welchen Anteil Kurt Waldheim an der Dämonisierung Israels in der UN hatte. Verstka besucht nahe Moskau eine von Putin errichtete folkloristische Kopie Russlands. New Lines erzählt wie der marokkanische Staat für die Fußball-WM reihenweise Wohnhäuser abreißt. Critic.de stellt Yasuzo Masumura vor, eine rätselhafte Figur der japanischen Nouvelle Vague. Der New Yorker watet in Israel durch den Sumpf des Qatargate-Skandals.

Hand in Hand mit der Liebe

15.09.2026. Swetlana Alexijewitsch spricht in Meduza über "Menschen der Kriegskultur".  Der New Yorker porträtiert den Trump-Gesandten Jared Kushner als Virtuosen des Win-Win. Aber auch Donald Trump Jr. geht es bestens - er ließ sich laut Propublica seine Hochzeitsfeier von einem Putin-Vertrauten bezahlen.  Elet es Irodalom begleitet die Regierung Peter Magyars nun doch mit einiger Skepsis. In der London Review of Books schwärmt Literaturwissenschaftler Colin Burrow über Gedichtbesprechungen der amerikanischen Kritikerin Helen Vendler.

Früher oder später erlischt das Licht

08.09.2026. Die LRB erklärt,  warum eigentlich das Militär in Pakistan regiert. In der NYT fragt der Palästinenser Ahmed Fouad Alkhatib, warum die Linke die Hamas liebt. László F. Földényi findet das Licht bei Péter Nádas. Bei Dekoder denkt die belarusische Schriftstellerin Volha Hapeyeva über Identität nach. In The Nation erklärt der linke US-Demokrat Abdul El-Sayed, warum er sich um den Kapitalismus sorgt. Der New Yorker denkt über Klasse, Kultiviertheit und Charme nach.

Zwischen einem Petaflop und einem Exaflop

01.09.2026. Newlines begibt sich in gut belüfteten unterirdischen Kammern auf die Suche nach den geheimen Goldvorräten des Islamischen Staates. Außerdem erzählt New Lines die grausame Geschichte der Unterdrückung der Jesiden. Der New Yorker besucht Susan Te Kahurangi King, Neuseelands berühmteste Künstlerin, die sich durch Zeichnungen von Menschen mit Schweinegesichtern ausdrückt. Novaja Gazeta Europe berichtet von russischen Familien, die die falschen Leichen ihrer im Krieg gestorbenen Söhne zugeschickt bekamen. Modisch ist, wer den besten Fake besitzt, lernt der Dlf. Und Eurozine lernt, wie aufwändig es wird, dass vollständige menschliche Konnektom zu kartieren.

Speziell für Teenager-Mädchen zum Verweilen

25.08.2026. Iran heuert weltweit "billige Kriminelle" an, um Exil-Iraner zu bedrohen oder zu töten, berichtet der New Yorker. Eurozine erklärt, wie geschlechtersensible Stadtplanung funktioniert. Art Spiegelman im Guardian und Jan-Werner Müller im Merkur blicken auf die verheerende Zerstörung der Demokratie unter Trump. Bei Hlidaci Pes erinnert der tschechische Historiker Prokop Tomek an die Beteiligung der DDR am Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei. Und New Lines reist in eines der größten Ölfördergebiete Südsudans, eine wichtige Zufluchtsstätte für Sudanesen, in der das Wasser von giftigen Schwermetallen kontaminiert ist.

Um die 50 000 Zivilisationen

18.08.2026. Dekoder stellt den belarusischen Schriftsteller Uladsimir Karatkewitsch vor, dessen Bücher 42 Jahre nach seinem Tod in Belarus verboten werden. Foreign Affairs fordert die Vereinten Nationen auf: Hört auf die afghanischen Frauen. Das lyrische Ich ist immer eine Konstruktion, erinnert die Autorin Krisztina Tóth in Elet es Irodalom, auch in der Autofiktion. Eurozine erklärt den Zusammenhang zwischen Blutwurst und Botox. Der New Yorker erzählt eine Geschichte von Kuru, Kolonialismus und Kannibalismus, von Päderastie ganz zu schweigen.

Wir sind bei lebendigem Leib verrottet

11.08.2026. Wer Opfer zum Kotzen findet, sollte vielleicht nicht Katholik werden, denkt die LRB nach Lektüre von J.D. Vances "Communion". Dekoder widmet sich dem belarusischen Kino. The Atlantic sieht Freud gerettet - durch neueste Technologien. Der New Yorker besuchte den russischen Gulag für gefangene Ukrainer. Le Grand Continent entdeckt die fabelhafte Dichterin Zuzanna Ginczanka. Wired staunt, wie sich die radikale Rechte Argumente des Unabombers zu eigen macht.

Harte Arbeit ist nutzlos

04.08.2026. Für eine Supermacht steht China auf ganz schön wackeligen Füßen, meint der New Yorker mit Blick auf die geplatzte Immobilienblase. Die Novaja Gazeta Europe blickt bang auf die große Zahl russischer Veteranen. Die London Review denkt am Beispiel der Höhlenmalereien von Chauvet über Sprache und Kunst nach. In Grand Continent erklärt Roberto Saviano, wie leicht die Mafia in Europa Geld wäscht. Die New York Times fürchtet, dass ein einziger Investor die ganze KI-Blase zum Platzen bringt.
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