Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Ihre Dosis an Spannung

07.07.2020. Nicht Rassismus ist das Hauptproblem der USA, sondern das Kastenwesen, das darunter liegt, meint die New York Times. A2 überlegt, warum Frauen in Tschechien keine Feministinnen sein wollen. Der Independent erklärt, wie höhere Moral uns zu Rassisten machte. Das New York Magazine und der Journalist Matt Taibbi kritisieren die Feigheit von Journalisten, die vor Twitter-Mobs kneifen. En attendant Nadeau empfiehlt die Reportagen von Joseph Kessel. Der Guardian weiß, es gibt schlimmeres als Facebook: WhatsApp.

Perliges Neo-Champagner

30.06.2020. Die New York Times fordert die 40 Acres Land, die General Sherman 1865 den befreiten Sklaven versprochen hat. Der New Yorker verschluckt sich an einem Bad Mutha Clucka aus der Geisterküche. Die London Review of Books beobachtet, wie die WHO im globalen Mächtespiel zerrieben wird. El País nimmt Abschied von der Generation, die Spanien aufbaute. Novinky verteidigt Milan Kundera gegen seinen Biografen Petr Novák. Der New Statesman freut sich über die neue Politisierung britischer Fußballstars. Und in Règle du jeu schlägt Bernard-Henri Levy brüderlich die Hand ein.

Es begann in der Karibik

23.06.2020. Wer Statuen stürzt, schreibt nicht die Geschichte um, sondern die Erinnerung, stellt Richard Evans im New Statesman klar. Aber bitte nicht im Gestus der Taliban, erwidert Bernard-Henri Levy in La règle du jeu, und bitte nicht Victor Schoelcher! Der Rolling Stone feiert die Erfolge von Black Lives Matter als Mainstream-Bewegung.  Die New York Review of Books zeigt, wie ausgerechnet die amerikanischen Colleges zur Armutsfalle für Schwarze und Hispanics werden. Eurozine erinnert daran, dass mit dem Kolonialismus auch die Ausbeutung der Erde begann. Und die New York Times ahnt, dass sich der Mensch seine schlimmsten Krankheiten selbst schafft.

Rhetorik ist wichtig

16.06.2020. Der New Yorker lernt von David G. Marwell und Götz Aly, wie die Nazis sich ein alternatives Universum mit eigener Wissenschaft und Akademia erschufen. Die LRB denkt am Beispiel von Nazi-Deutschland und den USA über Kompensation für Unrecht nach. En attendant Nadeau erzählt von einem ganz speziellen 1968 in Polen. In Dalit Camera denkt Arundhati Roy über Rassismus nach. In Magyar Narancs weiß die Lyrikerin Orsolya Karafiáth: die Mehrheit steht nicht hinter den Mutigen.

Intervention im Raum

09.06.2020. New York Magazine und Atlantic analysieren den Rassismus in den USA. New Frame fragt, warum die Polizeigewalt gegen Schwarze in Südafrika auch nach der Apartheid fortbesteht. Places untersucht das Zusammenspiel von Architektur und Science Fiction im Nachkriegsjapan. Lidove noviny stellt die Fotografen Michael und seinen Vater Antonín Kratochvíl vor. In Elet es Irodalom fragt die Soziologin Mária Vásárhelyi, warum die ungarische Opposition Trianon den Rechten überlassen hat. Unherd findet antisemitische Klischees in der Populärkultur Britanniens.

50.000 Jobs in der Ölindustrie

02.06.2020. Die New York Times wirft  Schlaglichter auf den surrealen Niedergang der amerikanischen Wirtschaft. In 168 ora erzählt der Lyriker Dénes Krusovszky, dass er über den Vertrag von Trianon schreiben muss, will er staatliche Unterstützung. In der London Review staunt John Lanchester über die Arbeitsmoral Georges Simenons. In Atlantic sieht Anne Applebaum die amerikanische Demokratie von Wellen der Angst weggespült werden. En attendant Nadeau stellt die Kongregation Israël de Dios vor, die israelbegeisterte Indios in Peru gegründet haben.

Dostojewski wäre klarer gewesen

26.05.2020. In der New York Review of Books hält die Schriftstellerin Marilynne Robinson einen großen Abgesang auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. In HVG ist der Philosoph Gáspár Miklós Tamás entsetzt über die giftige Atmosphäre zwischen Ungarn und Rumänien. The Intercept erklärt die Strategien, mit denen evangelikale Trump-Anhänger gläubige Schwarze und Latinos vom Wählen abhalten wollen. In Nautilus erklärt der Erfinder Joe Jones, warum Roboter nie die Weltherrschaft übernehmen werden.

Gott hat mich zu Q geführt

19.05.2020. The Atlantic bringt eine tolle Reportage zu Verschwörungstheorien und ihren Fans. In Eurozine erzählt Enda O'Doherty vom herzlichen Hass zwischen den politischen Parteien Irlands. Der New Yorker sucht im Iran den Nachfolger von Ali Chamenei. Wired gruselt sich vor einer chinesischen Stimmmuster-Datenbank. Der Guardian gruselt sich vor einer westlichen Public-Private-Partnership zwecks Massenüberwachungen. Richtig geweint wird nur im Cinéma d'Auteur, behauptet La Regle du jeu. Elet es Irodalom geißelt den "Vulgärschmittismus" Viktor Orbans.

Ein Platschen im Südpazifik

12.05.2020. Die New York Times erklärt, warum die Republikaner gegen Briefwahlen sind. Die New York Review of Books und The Nation tauchen ein in die Schule der Anthropologie Franz Boas. Der New Yorker beobachtet einen Milliardär auf dem Weg in den Tongagraben. In Eurozine erklärt der polnische Politikwissenschaftler Ernest Wyciszkiewicz, wie Russland versucht, Polen zu einem Haupttäter des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben.

Aus dem Nachttopf von Sedna

05.05.2020. Corona ist alles, nur kein Gleichmacher, erkennt das New York Magazine. In Indien können Wanderarbeiter sich kaum vor Epidemien schützen, informiert La vie des idees. Erntehelfer in Deutschland auch nicht, kritisiert A2larm. Der New Yorker erklärt die Bedeutung von "Rauchmeldern" für Pandemien. Il Post forscht nach, warum gerade in der Lombardei so viele Menschen sterben mussten. Collector's Weekly bewundert die Rockkonzert-Plakate von Randy Tuten. Die LRB hält sich vor einem Grönlandhai die Nase zu.