Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Wenn sich ein Infizierter nähert

31.03.2020. Der New Statesman zeichnet unsere Zukunft im Bio-Überwachungsstaat. Elet es Irodalom und 168 ora staunen über die Selbstentmachtung des ungarischen Parlaments. Die London Review blickt in das Loch, in dem Mexiko-Stadt bald verschwinden könnte. Vanity Fair starrt auf die blutgetränkte Wüste, die Brasilien zu werden droht. Robin Detje stiert im Merkur in den Abgrund einer Abteilungssitzung der SPD. A2 ergibt sich der Virokratie, vorausgesetzt sie ist befristet.

Die gefesselte Schönheit

24.03.2020. In der NYRB stellt Tim Wu klar: Überwachungskapitalismus gabs schon vor Facebook, Fake News vor Twitter und effiziente Werbung schon vor Google. Außerdem empfiehlt Coco Fusco Kubaphilen zwei neue Romane für ein Leben nach Fidel. La vie des idees staunt über die Fortschritte der Bio-Informatik. The Atlantik starrt auf die Trümmer des öffentlichen Dienstes in den USA. Der New Yorker feiert den nackten Houdini. In der NYT erklärt Werner Herzog, warum seine Generation einzigartig ist.

Fröhlich vom einen zum anderen

17.03.2020. Der New Yorker blickt nach Bolivien, wo Interimspräsidentin Jeanine Áñez nach der Flucht von Evo Morales die "Bibel zurück ins Amt holen" will. In Magyar Narancs kritisiert András Veres das neue Curriculum in Ungarn. La vie des idees stellt Fernando Rosas Geschichte des Faschismus in Portugal vor. Die London Review macht einen Knicks vor Japans abgedanktem Kaiser Akihito. The Quietus kämpft für sein Recht auf Zukunft in der Kultur. Die NYT porträtiert den hinreißenden, von Depressionen geplagten Musiker Francis Farewell Starlite.

Echter Modernismus wäre das Quadrat

10.03.2020. Der Tod hat keinen Bachelor, lernt die NYRB von Anne Case und Angus Deaton. In Novinky plädiert Anna Durnová für die Trennung von Fakten und Emotionen. The Nation erinnert an die frühen Sechziger, als während der Anpo-Proteste ein Drittel aller Japaner gegen die USA demonstrierten. Der New Statesman flicht einen Kranz für George Orwells erste Frau Eileen O'Shaughnessy. Der New Yorker trotzt den Überwachungskameras mit einem Jammer Coat von Coop Himmelblau. Bloomberg begutachtet das Harry-Potteresque Flair britischer Eliteschulen in Übersee. The Cut hat die Nase voll vom zuckrigen Millennial Style.

Parteimitglieder an die Front

03.03.2020. Die LRB beobachtet die chinesischen Behörden beim Wok werfen. Outlook India wüsste gern, wo die Politiker aller Parteien waren, als in Neu Delhi Muslime massakriert wurden. Der New Yorker stellt das supermoderne Müllentsorgungssystem Südkoreas vor. Wired stellt das altmodische Bankraubsystem Nordkoreas vor. A2larm lässt sich erklären, was der Wahlsieg von Igor Matovičs Mitte-Rechts-Partei OľaNO für die Slowakei bedeutet. Und Bernard-Henri Lévy sichtet Geister in Donezk.

Ein Hang zum dekorativen Verschmuddeln

25.02.2020. The Atlantic staunt über die Paradoxie totaler Transparenz in China. Slate.fr fürchtet, dass die Lager für die Uiguren zu Brutstätten des Coronavirus werden. Die NYRB sucht eine posttraumatische Zukunft in der Literatur. Epd Film untersucht die Entwicklung des Actionhelden. Der Guardian beobachtet das Anwachsen des Hindu-Nationalismus in Indien. Elet es Irodalom fragt, was Victor Orban noch sagen muss, bis EU und EVP aufwachen. Die New York Times hofft auf etwas so Krasses wie Klassenkampf bei den Internetgiganten.

Erde ohne uns

18.02.2020. The Atlantic studiert die Desinformationsstrategien der Trump-Kampagne in den sozialen Medien. Die London Review studiert mit Homer die Wirkung der Lüge. Eurozine sieht die alten Medien versagen. Im Spectator verkündet der Autor Joseph Buttum das Ende des Romans. The Quietus findet eine Ahnung des Spirituellen in der Welt von William Friedkins' vierzig Jahre altem Serienmörderthriller "Cruising". In Novinki erklärt der slowakische Philosoph Lukáš Likavčan die verschiedenen Konzepte von unserem Planeten. Die Washington Post erzählt, wie gut CIA und BND zusammen spionieren.

Phänomen der positiven Gestimmtheit

11.02.2020. Wired stellt Vikram Chandras Granthika vor, eine Software für die Beziehungen von Romanfiguren. La vie des idees schwelgt im Lektüreglück einer multiperspektivischen Geschichte Europas. Ceska pozice taucht ein ins Universum der tschechischen Künstleravantgarde Devětsil. Auch ein Literaturstipendium produziert keine Bücher, die der Macht gefallen, meint Lajos Parti Nagy in 168 ora . Der New Yorker unterhält sich mit Judith Butler über Gewalt.

Lasst den Himmel Kartoffeln regnen

04.02.2020. Gilt das Kriegsvölkerrecht auch für die USA, fragt sich der New Yorker. Himal taucht ein in die Welt der tamilischen Heirat. Der Merkur spürt mit Marx und Heike Geißlers "Saisonarbeit" dem Mechanismus der Entfremdung nach. Resent Advisor versinkt in Space Music und anderen Klangnebeln. Die ungarischen Magazine berichten über den Streit um einen üppig ausgestatteten neuen Literaturpreis. Die LRB schluckt eine in Salzwasser getunkte Vitaminpille. The Baffler arbeitet bei einem Pfandleiher.

Der feudale Calculus

28.01.2020. Adam Tooze erklärt in der NYRB, wie das moderne Unternehmensrecht vor allem den Reichsten dient. Wired zeigt am Beispiel eines früheren Trolls, wie man Diskussionen gegen Rechte gewinnt. Bloomberg heftet sich an die Fersen eines Anti-Tesla-Trolls. Schade, dass die Literaturzeitschrift Literarni noviny plötzlich chinesische Propaganda verbreitet, meint Aktualne. Der New Yorker blickt in die 1930er, um über die Zukunft der Demokratie nachzudenken.