Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag

Bestens erprobte Kontrolltaktik

10.09.2019. In der NYRB zeigt J.M. Coetzee wenig Sympathie für die effiziente, aber inhumane Flüchtlingspolitik Australiens. In Magyar Narancs erinnert sich Bela Tarr an keinen einzigen Namen der 30 ungarischen Kulturminister seit 1978, der Name Peter Esterhazy aber bleibt. In La vie des idees prägt der Soziologe Rémi Lefebvre den Begriff der "désintermédiation". Osteuropa weiß, warum die Kultur des postsowjetischen Underground wieder angesagt ist. Die LRB lernt von Berthe Morisot, wie kindisch der Kampf zwischen Farbe und Linie ist.

Der Empfänger von Irinas Fußmassage

03.09.2019. In der New Republic hält Evgeny Morozov seinen Literaturagenten John Brockman eine Mail unter die Nase, in der Brockman ihn mit den schönen jungen Frauen in Jeffey Epsteins Umfeld für dessen Netzwerk anzuwerben scheint. Im Spectator erklärt Ivan Rogers, warum ein No-deal-Brexit kein Abschluss, sondern ein Anfang ist. Im New Yorker überlegt Sterling Ruby, wie man als Künstler eine Jeans bepreist. Der Merkur prescht durch vierzig Jahre DDR-Literatur. In Elet es Irodalom rühmt der siebenbürgische Dichter Imre József Balázs die rumänische Avantgarde-Literatur. Und in der New York Times warnt Neil Young: Gestreamte Musik macht uns krank.

Keine Ikone

27.08.2019. Der New Yorker fragt sich, wie weit die Schere zwischen Arm und Reich aufgehen kann. Das ungarische System belohnt die Dummheit, kritisiert Paul Lendvai in Elet es Irodalom. In Wired blickt Laurie Penny zurück auf ihre Zeit als Sci-Fi-Nerd in Oxford. In Novinky erklärt Petr Pithart, was für ihn Freiheit ist. The Atlantic versucht Aung San Suu Kyi zu verstehen.

Du wirst dich später schämen

20.08.2019. Im New Statesman wirft John Gray den liberalen Eliten vor, ihr eigenes Versagen auf die Dummheit der Wähler zu schieben. Die New York Times erinnert an den Beginn der Sklaverei in Amerika vor vierhundert Jahren. Die Businessweek blickt auf die seelische Verzweiflung im östlichen Montana. The Nation beklagt die gebrochenen Versprechen der kolumbianischen Regierung. Nicht einmal Ungarns Wissenschaft konnte ihre Autonomie verteidigen, seufzt HVG. In Novinky schreibt Regisseur Alexei German die Demokratie in Russland ab. Und Critic.de bringt Eckhart Schmidts Attacke auf die Münchner Filmbohème, die einer Liebeserklärung recht nahe kommt.

Abstrakte Modelle der Differenz

13.08.2019. In Lidove noviny erklärt der rumänische Schriftsteller Vlad Zografi, warum ein Physikstudium alle rationalistischen Illusionen beseitigt. Eurozine stellt eine dreiteilige Doku über rumänische Immigranten in Britannien vor. Der New Yorker versucht zu verstehen, was ein Rassist ist. La Regle du Jeu beschreibt den Bevölkerungsaustausch in Texas. Die New York Times lernt von dem Rohingya Futhu, dass es auch einen Genozid des Verstandes gibt. Und Le Monde diplomatique begreift, warum es in Tunesien so schwierig ist, das Erbrecht zu ändern.

Positiver Katastrophenfall

06.08.2019. Der Schriftsteller William T. Vollmann reist auf den Spuren Melvilles nach Französisch-Polynesien. Der Altphilologe Angelo Tonelli beschreibt die fernöstlichen Einfluss auf das antike Griechenland. Chaohua Wang ruft den Demonstranten in Hongkong mit Bruce Lee zu: Sei Wasser, mein Freund! Der Islamwissenschaftler François Déroche stellt Varianten des Koran vor. Georg Seeßlen porträtiert mathematisch hochbegabte Zikaden. Und Javier Marias erklärt, warum "nicht wissen zu wollen" eine Befreiung sein kann.

Daten des Horrors

30.07.2019. Im New Yorker erklärt John Lanchester die moderne Wirtschaft. Das tschechische Forum 24 berichtet von einer Kampagne gegen häusliche Gewalt in Russland, die den drastischen Hashtag "Ich wollte nicht sterben". In 032c erklärt der Philosoph Eugene Thacker den kosmischen Horror. Die NYRB erzählt, wie den Nazis vergeben wurde, wenn sie Raketen zum Mond bauen konnten. La vie des idees feiert die Geburt der Aufklärung aus Raubdruck, Urheberrechtsbruch und Illegalität. Die NYT schildert die Zerschlagung der Universität von Ankara.

Das Jahr ohne Sommer

23.07.2019. Das TLS taucht ein in die Farbenwelt der abstrakten Expressionistinnen. La vie des idees friert im Römischen Reich. Der New Yorker resümiert unser Automobilzeitalter. Eurozine erzählt, wie gut britische Anwälte mit der Unterdrückung der Presse verdienen. Der Guardian versteht die katholischen Philippiner nicht. The Atlantic dokumentiert den Einfluss Chinas auf deutsche Universitäten. In HVG würdigt Gaspar Miklos Tamas die ewig junge Agnes Heller.

Ist das Kunst oder schon Verbrechen?

16.07.2019. Der Guardian staunt über das Ausmaß der Korruption des ANC. In 168 ora findet der Kadar-Biograf György Földes die Gleichsetzung des Orban-Regimes mit dem Kadars etwas sehr bequem. In American Interest ruft der russische Autor Boris Akunin dem Westen zu: Helft der Ukraine! Respekt feiert die Präsidentin der Slowakei, Zuzana Čaputová, als neuen Havel. In der London Review wünscht sich Adam Tooze eine neue, europafreundlichere deutsche Regierung. Die New York Times porträtiert den russischen Künstler Pjotr Pawlenski.

Mr Xxx Stalin

09.07.2019. Mit einer Aktualisierung zu Raymond Geuss. Der Guardian erklärt, wie kinderleicht man in London sein Geld wäscht. Wie einfach eine grundlegende Ethik im Technologiesektor sein könnte, erklärt der Sci-Fi-Autor Ted Chiang in GQ. Literarni noviny möchte keine neue Mariensäule in Prag. In Literary Hub unterhalten sich Nadifa Mohamed und Aleksandar Hemon über den Blick des Migranten. The Point kommuniziert über Habermas. Pacific Standard beobachtet genetische Erweckungsversuche der amerikanischen Kastanie. Die NYT beobachtet Anzeichen von Leben in einem toten Schweinehirn.