Morgensterne

In Schönheit sterben mit Gerhard Richter, sich lebendig lachen mit Adolf Endler. Arno Widmanns Nachttisch.

Fürs betuchte Klientel

Schafft sich "neue Adelsgesellschaft der Kunst" ein Fotoinstitut in Düsseldorf? Von Peter Truschner

Gemeinsamer Nicht-Ort

Ladj Lys "Die Wütenden", ein moderne Version von Victor Hugos "Elenden",  und Taika Waititis neuer Film "Jojo Rabbitt". Im Kino

ESSAY

Machen wir aus unseren Identitäten kein Gefängnis!

27.01.2020. Wo Menschen sich einander entfremden, werden Identitätsfragen bedeutsamer. Auch Identitätsfragen, die wir im vereinten Deutschland lange für erledigt gehalten haben. Die allermeisten Westdeutschen sehen sich als Deutsche, nicht als Westdeutsche. Ein Großteil der Ostdeutschen hingegen versteht sich heute vor allem als ostdeutsch. Eine Rede über das Zusammenleben in Deutschland. Von Wolfgang Schäuble. Mehr...

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Sorglos unglücklich

27.01.2020. Voller Wehmut, aber auch hingerissen hält die FAZ Tomi Ungerers letztes Kinderbuch "Dies und das" in den Händen. Empfehlen kann sie auch Jugendbücher über das jüdische Leid unter der deutschen Okkupation Norwegens. Die SZ folgt Tommy Wieringa tapfer in die Tristesse europäischer Männerbefindlichkeit und verabschiedet umso freudiger mit Charlotte Wiedemann die "Weiße Dominanz". Der DlfKultur liest berührt Eddy de Winds Erfahrungsbericht "Ich blieb in Auschwitz". Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Luftschlösser zum Einstürzen bringen

27.01.2020. Die SZ fragt angesichts fortschreitender Bildoptimierung, wer eigentlich definiert, wie die Welt aussehen soll. taz und Berliner Zeitung lernen wieder die Kunst am Bau zu schätzen. Die Nachtkritik verfolgt in München Christopher Rüpings Kampf gegen die Misanthropie in elf Runden. Die Zeit bewundert die Zärtlichkeit in Greta Gerwigs Neuverfilmung des Klassikers "Vier Schwestern". Im Standard plaudert Rammstein-Musiker Flake über seine seligen Ostberliner Punkzeiten. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

England ohne London

27.01.2020. Der neue Antisemitismus ist nicht neu, sagt der Autor Natan Sznaider in der taz. Als er in den Siebzigern zur Schule ging, war's eher noch schlimmer. Im Standard fragt der Autor Yishai Sarid, wie ein künftiges Gedenken an Auschwitz ohne Zeitzeugen aussehen soll. In der NZZ spricht die in Deutschland lebende iranische Künstlerin Parastou Forouhar über die Lage im Iran. Die FAS berichtet über Verwerfungen im Musikmarkt: Die Künstler hätten gern einen größeren Anteil der Streaming-Einnahmen -  und zwar von der Musikindustrie. Und außerdem: Diese Woche ist wirklich Brexit. Mehr...

IM KINO

Gemeinsamer Nicht-Ort

22.01.2020. Gavroche heißt jetzt Issa: Ladj Ly liefert mit seinem vulkanischen Banlieue-Drama "Die Wütenden" die moderne Version von Victor Hugos großem Aufstandsroman "Les Misérables". Taika Waititis neuen Film "Jojo Rabbitt" muss man nicht unnötig problematisieren: wenn der Film eine Sache richtig gut macht, ist es seine eigene Blödheit hinter der frischen Brise gut gemachter Unterhaltung zu verstecken. Von Thekla Dannenberg, Patrick Holzapfel. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Wow, das ist ein Verb

21.01.2020. The Nation recherchiert im korruptionsgeplagten Haiti. Im New Statesman wundert sich John Gray nicht über die Wahlniederlage Labours. In Elet es Irodalom beschreibt der Dichter Gábor Kálmán sein Leiden beim Schreiben von Prosa. Harper's erlebt in Brasilien den Heiligen Krieg zu evangelikalen Christen konvertierter Drogengangster. Cosmopolitan erzählt, wie Amish-Gemeinden den sexuellen Missbrauch von Kindern verschleiern. Die New York Times begibt sich vor die Linse der Lieblings-Überwachungskameras amerikanischer Bürger. Mehr...

FOTOLOT

Palast fürs betuchte Klientel

20.01.2020. Letztlich hatte man gehofft, dass die von Wolfgang Ullrich skizzierte "neue Adelsgesellschaft der Kunst", in der sich die Spitzen von Kunst, Politik und Wirtschaft die Ressourcen diskret untereinander aufteilen, doch nicht so weit gehen würde, den langjährigen deutschen Topverdienern der Fotografie in NRW ein Fotoinstitut zu spendieren und 83 Millionen an Steuergeld zukommen lassen. Offensichtlich umsonst. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Mit Vehemenz

17.01.2020. Der Westen, hört man oft, könne anderen Kulturen nicht "seine Werte aufzwingen" und solle daher aufhören, andersartige politische Systeme zur Demokratie "bekehren" zu wollen. In Wirklichkeit aber sind es autoritäre Regimes wie die des Iran, Chinas und Russlands, die ihrer eigenen Bevölkerung ebenso wie anderen Völkern mit Gewalt ihre "Werte" aufzwingen. In diesen Ländern regen sich Demokratiebewegungen, die der Westen nicht im Stich lassen sollte. Von Richard Herzinger. Mehr...

VORGEBLÄTTERT

Marion Messina: Fehlstart

16.01.2020. Marion Messina erzählt in ihrem Debütroman von einer jungen Jurastudentin, die dem elterlichen Arbeitermilieu in der französischen Provinz entflieht und an der neoliberalen Realität scheitert. Mit Wut, Witz und soziologischer Schärfe zerlegt Messina Paris und die Illusionen einer resignierten Generation. Lesen Sie hier einen Auszug aus Messinas Roman "Fehlstart". Mehr...

IM KINO

Er blickt, sitzt und wartet

15.01.2020. Elia Suleiman ist in seinem Film "Vom Gießen des Zitronenbaums" seine eigene - stumme - Hauptfigur, die in Nazareth, Paris und New York von Palästina träumt. Wolfgang Büld und Reinhard Klooss mischen den DDR-Klischees in "Go Trabi Go 2 - Das war der wilde Osten" noch etwas Kapitalismusgroteske bei. Von Nicolai Bühnemann, Ekkehard Knörer. Mehr...

BÜCHERBRIEF

Zwischen Folie und Amour

13.01.2020. Maren Kames zündet ein poetisches Feuerwerk mit David Bowie und Friedrich Schiller, Dorota Maslowska rappt rhythmisch, rau und unbändig über das Leben in Warschauer Plattenbauten, Tim Flannery entfaltet ein funkelndes Panorama der ersten 100 Millionen Jahre Europa und Ulrich Pfisterer erdet Raffael. Dies alles und mehr in unseren besten Büchern des Monats Januar. Mehr...

FOTOLOT

Nicht auf Dauer angelegt

08.01.2020. Für Berlin war das Kunst- und Fotojahr 2019 eher ein trauriges. Namhafte Galerien haben geschlossen, die musealen Institutionen erschöpfen sich in Routine, die Art Berlin schließt ihre Tore, der Kunstmarkt ist hier quasi inexistent, in der ganzen deutschen Kunstszene  gibt es einen Trend zu Musealisierung und Bürokratisierung, vorangegetrieben durch eine mutlose Kulturpolitik, die die größten Summen nur mehr in Gebäude und festes Personal investiert. Aber es gibt Grund zu Optimismus: Es kann nur besser werden. Von Peter Truschner. Mehr...

INTERVENTION

Peter Handke: Fossil und Pionier

19.12.2019. In Wahrheit ist das Gerede von der unberührbaren Autonomie des Ästhetischen Ausdruck einer Untertanenmentalität. Deren Vertreter werfen sich ersatzweise vor dem großen Schriftsteller in den Staub, für den die moralischen Standards von Normalsterblichen nicht gelten sollen. Rückblick auf die Debatte um Peter Handke, die den literarischen Geniekult deutscher Prägung endgültig diskreditierte. Von Richard Herzinger. Mehr...

FOTOLOT

Wenn man sich nur traut

17.12.2019. Über Lisa Barnard, eine Fotografin auf der Jagd nach Gold. Über "Rosetta", einen Kometen und Xavier Barral, einen zu jung verstorbenen Verleger. Und über einen Fotografen, der selbst einschlug wie ein Komet, Masahisa Fukase. Drei Fotobücher zu Weihnachten. Mehr...

ESSAY

Glücksversprechen

08.12.2019. Nicht nur, dass es in vielen dieser Geschichten schneit. Bei Posy Simmonds, Chris Ware, Max Cabanes und Riad Sattouf mischen sich einige Welten, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie können dazu beitragen, das Weihnachtsfest unterhaltsamer zu gestalten. Eine Comic-Kolumne Von Stefanie Diekmann. Mehr...

INTERVENTION

Keine Sucht nach uns

02.12.2019. Eine "Widerstandssäule" mit der Asche ermordeter Juden? Bei mir lösen die Philipp Ruchs Aktionen stets eher einen physischen Widerwillen aus. Mich stört die Nekrophilie, das Kapern realer Leichen für ästhetische Zwecke. Man könnte es die Gunther-von-Hagenisierung der allerjüngsten Avantgarde nennen. Von Thierry Chervel. Mehr...

ESSAY

So müssen wir es kitten

20.11.2019. Man (und frau) kann der Sprache Gewalt antun. Und eine gewalttätige Sprache kann zu physischer Gewalt führen. Die ins Extrem getriebene Genderisierung und Political Correctness in der Sprache und die sprachliche Enthemmung, die auf Verletzung, ja Vernichtung einer Person zielt, sind Komplementärphänomene. Zu bekämpfen sind beide im Namen der Zivilität. Von Jochen Hörisch. Mehr...

ESSAY

Niemandsrechte mit Ewigkeitsklausel II

18.11.2019. Individualrechte sind, Eigentums- und Freiheitsrechte voran, als Mittel der Selbstbehauptung Einzelner gegen andere, gegen Gemeinschaft, gegen Gesellschaft und gegen Ansprüche des Staates ausgelegt. Da kommt so schnell keine Achtung für das Gemeinsame auf. Wer die Klimakrise bewältigen will, muss die Systemfrage stellen. Die Idee der "Commons" weist den Weg: Mieten oder pachten ja, besitzen nein. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

ESSAY

Handkes Serbien

07.11.2019. Peter Handke war schon vor dem Nobelpreis ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller. Aber ein Tag im Leben Handkes war doch besonders: Am 8. April 2013 erhielt er in Belgrad gleich drei Auszeichnungen. Die Preise, seine Laudatoren und die Autoren und Politiker, die ihn auszeichneten, erlauben einen unheimlichen Blick auf Handkes Serbien. Von Vahidin Preljevic. Mehr...

ESSAY

Die Spur des Irrläufers

25.10.2019. Man soll Peter Handke bitte genau lesen, sagen Eugen Ruge und Thomas Melle. Gut, dann sei er hier nochmal gelesen und in den Kontext gestellt. Vielleicht schauen die Handke-Verfechter dann auch mal aus ihrer Lektüre auf und nehmen die Fakten zur Kenntnis. Handke idolisierte die gleichen rechtsextremen Kriegsverbrecher wie später Andres Breivik und Brenton Tarrant. In einer extremistischen Postille relativierte Handke noch im Jahr 2011 den Genozid von Srebrenica. Von Alida Bremer. Mehr...