Die Staatsgewalt will Keile

Erich Plamondons "Taqawan" über den großen Lachskrieg und Denise Minas Glasgow-Krimi "Götter und Tiere". Mord und Ratschlag.

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Küssen verboten

27.11.2020. Die FAZ lässt sich von Hans Hipp in die Welt der Wachszieher und Votivgaben einführen. Die FR beneidet Joe Biden um seine Schmerzensmann-Qualitäten und um seinen Ghostwriter. Längst überfällig findet die SZ die Anthologie mit kritischen Texten der Schwarzen Botin. Und Dlf-Kultur blickt mit Martin Schäuble einer finsteren Post-Corona-Zeit entgegen.  Mehr...

EICHENDORFF21

Elena Ferrante empfiehlt

06.03.2020. Elena Ferrante hat für bookshop.org ihre vierzig liebsten Autorinnen zusammengestellt. Wir haben die Liste gern für Eichendorff21.de übernommen. Klassiker sind wiederzuentdecken, etwa von Ingeborg Bachmann oder Elfriede Jelinek, aber auch moderne Werke wie Mieko Kawakamis "Brüste und Eier" oder Sheila Hetis "Mutterschaft". Stöbern Sie durch unsere neue Liste und lernen Sie die Frau, die sich hinter Ferrante versteckt, über ihre Lektüren kennen.
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FOTOLOT

Große stochastische Multiprojektilität

27.11.2020. Welchen Sinn hat der Deutsche Fotobuchpreis, wenn er dem Publikum so gut wie unbekannt ist? Sollte man ihn nicht besser in "Fotobuchpreis der Stuttgarter Hochschule für Medien" umbenennen? Wie auch immer: einige FotografInnen wurden zurecht ausgezeichnet und dürfen sich freuen, andere eher zu Unrecht und dürfen sich ebenfalls freuen. Ein kleiner Streifzug. Von Peter Truschner. Mehr...

MEDIENTICKER

Emotionen & Antisemitismus

27.11.2020. Was die Verlagsbranche von Netflix lernen kann - Digitales Großprojekt: Bertelsmanns Digitalportal - Simon & Schuster: US-Autoren kritisieren Übernahme - Vom Dandy zum Sokrates: Clare Carlisles Kierkegaard-Biografie - TV-Tipp: "Das Verhör in der Nacht" & ein Gespräch mit Daniel Kehlmann - "Autistic Disco": Lars Eidingers spezieller fotografischer Blick. Mehr...

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Leider nur sehr eingeschränkt erreichbar

27.11.2020. Der Tagesspiegel fragt, warum das Spandauer Rathaus in Berlin nicht tätig wird, während ein Privathaus von Scharoun verschandelt wird. Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller setzt ihren Schnutendeckel ab und liest auf einer Parkbank, erfahren wir aus der SZ. Die taz schwelgt in Liebes- und Todessehnsucht mit der Musicbanda Franui. Die FAZ stellt die Künstlerin Therese aus dem Winckel vor, die selbst glaubte, dass Frauen besser nicht genial sein sollten. Mehr...

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Viren sind nie Elefanten geworden

27.11.2020. "Ich muss mir die Augen mit Atemschutzmasken bedecken, um einzuschlafen", schreibt der Hongkonger Demokrat Joshua Wong in einem Mail-Interview, das die Welt mit ihm führte - in seiner Gefängniszelle wird das Licht nicht ausgemacht. Die AfD ist die stärkste Arbeiterpartei, konstatiert das DGB-Blog Gegenblende mit dem Soziologen Klaus Dörre. Und die oberste Bundesrichterin und christliche Fundamentalistin Amy Coney Barrett funktioniert wie vorgesehen und stimmt für Gottesdienste in Corona-Zeiten, berichtet die New York Times. Aktualisiert: Der neue "Arbeitskreis Digitale Publisher" protestiert. Mehr...

IM KINO

Das bisschen Licht

25.11.2020. Arnaud Desplechin erzählt in "Roubaix, une lumière" von einem sinnlosen Mord an einer alten Frau im armen und grauen Norden Frankreichs. Ben Wheatleys Remake von Daphne du Mauriers "Rebecca" setzt weniger auf Grusel als auf sentimentale Umdichtung. Von Rajko Burchardt, Thekla Dannenberg. Mehr...

MAGAZINRUNDSCHAU

Dann bin ich fertig mit dem Denken

24.11.2020. Der New Yorker lernt von Zimmermann Mark Ellison die Intelligenz des Körpers schätzen. Die London Review liest haitianische Geschichte von haitianischen Autoren. Lidove noviny stellt die tschechische Künstlerin Olga Karlíková vor, die Töne zeichnete. Elet es Irodalom nimmt teil am Forum der Liebe. In The Nation fragt Pankaj Mishra, warum afroamerikanische Intellektuelle so wenig internationale Solidarität zeigen. Africa is a country erzählt die Geschichte Äthiopiens. The Atlantic schildert das Drama hinter der Diskussion um die Abtreibung behinderter Föten. Mehr...

INTERVENTION

Medien am Tropf?

23.11.2020. 220 Millionen Euro will die Bundesregierung den Zeitungen geben. Eine einseitige Subventionierung, um die Zeitungen im Wahlkampf bei Laune zu halten, wäre ein Skandal, gegen den sich Online-Publisher wehren sollten. Was wir eigentlich brauchen, ist eine Selbstverständigung über die demokratische Öffentlichkeit in digitalen Zeiten. Von Thierry Chervel. Mehr...

MORD UND RATSCHLAG

Die Staatsgewalt will Keile

16.11.2020. Erich Plamondon erzählt in "Taqawan" mit allen Mitteln der Poesie vom großen Lachskrieg, als die kanadische Regierung den Indianern verbieten wollte, in ihrem Reservat mit Netzen zu fischen. Denise Mina legt in "Götter und Tiere" die Arterien des Verbrechens frei, die Glasgow durchziehen. Von Thekla Dannenberg. Mehr...

INTERVENTION

Teufel, die sich als Engel verkleiden

13.11.2020. Die SZ hat Monika Maron vorgeworfen, viele ihrer Aussagen hätten "die Grenze zum völkischen Denken mühelos überschritten". Erstaunlich, wie eindeutig sich die KritikerInnen von SZ, FAZ und taz plötzlich gegen "rechts" positionieren. Neulich hat die SZ noch Peter Handke verteidigt, der sich ostentativ mit völkischen Kriegsverbrechern solidarisierte. Von Anja Seeliger. Mehr...

ESSAY

Eva hinter Gittern, im Sträflingsanzug, mit Victory-Zeichen

13.11.2020. Die Frauen, die im Sommer 2020 unverhofft die politische Bühne und später die Straßen und Plätze von Belarus betraten, sind in mehrfacher Hinsicht symbolhaft. Ihr Aufstand ist eine Auflehnung gegen Lukaschenkos Patriarchat, in dem Frauen dazu bestimmt sind, Kinder zu gebären und in der Küche am Herd zu sein. Ihr Aufstand steht aber auch für das Erwachen der Nation - einer vermeintlich "schwachen Frau", die ihre eigene Courage neu entdeckt. Ein Vorabdruck aus dem Buch "Belarus! Das weibliche Gesicht der Revolution". Von Marina Scharlaj. Mehr...

INTERVENTION

Ein neuer Multilateralismus

13.11.2020. Donald Trump hat auch in Europa antiliberalen Kräften massiven Auftrieb gegeben. Ohne eine funktionierende Demokratie in den USA haben auch die europäischen Demokratien kaum eine Überlebenschance. Joe Bidens Idee eines "Gipfels der Demokratien" ist zu begrüßen. Von Richard Herzinger. Mehr...

TAGTIGALL

mit höhlen und zickzacknähten

11.11.2020. "Mad Ireland hurt you into poetry", schrieb Auden über Yeats: "Narr Irland quälte dich zur Dichtung", übersetzte Ernst Jandl. Gedichte ereignen sich inmitten der Gefangenschaft unserer Tage und doch in einem Raum fernab von Politik und Gesellschaft. Wer braucht Lyrik, obwohl sie nichts bewirkt? Zwei Beobachtungen Von Marie Luise Knott. Mehr...

INTERVENTION

Potenziale realisieren

11.11.2020. Joe Biden und Kamala Harris haben sich in ihren ersten, weltweit beachteten Reden große Mühe gegeben, mit einer Stimme zu sprechen, und doch hat Biden eine "republikanische", Harris eine "demokratische" Rede gehalten. Dem einen ging's um "opportunities", der anderen um "possibilities". Keine Finesse, sondern Symptom eines gespaltenen Landes. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...

FOTOLOT

Seit dem Wirken der Puritaner

09.11.2020. Die These, dass Annie Leibovitz, Gregory Crewdson oder Andreas Gursky einen "neoliberalen Ralismus" bedienen und eine marktförmige Fotografie repräsentieren, ist eigentlich nicht neu, wird aber in Jörg Colbergs Buch "Photography's Neoliberal Realism" als neu präsentiert. Unangenehm ist, wie aus der an sich fälligen Kritik an diesen Fotografen die Versatzstücke der heutigen akademisch-korrekten Diskurse nur so herauspurzeln. Von Peter Truschner. Mehr...

ESSENZEN

Geruchlich ziemlich anders

29.10.2020. 1934 verpasste Caron seinem ersten speziell den Herren gewidmeten Duft den Zusatz "pour homme", und das Trugbild "Herrenduft" war geboren. Inzwischen sind die Gendergrenzen auch bei den Düften wesentlich unschärfer geworden. Paul Divjak widmet den Herrenparfums ein ganzes Buch - und begibt sich auf die Suche nach dem Animalischen. Mehr...

EICHENDORFF21

Für die Meinungsfreiheit

21.10.2020. Am 16. Oktober 2020 hat ein islamistischer Attentäter den Lehrer Samuel Paty enthauptet, weil er mit seinen Schülern über Meinungsfreiheit diskutiert hatte. Der Mord fand in den Tagen des Prozesses um das Charlie-Hebdo-Massaker und um den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt statt. Er zeigt, dass der islamistische Extremismus in Europa nach wie vor aktiv ist. Nach dem Charlie-Anschlag sind einige Bücher von Überlebenden erschienen, die ihr Trauma aufarbeiten und einige Reflexionen über den Terror in Frankreich und Europa. Eine Auswahl.
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ESSAY

Terra X antwortet nicht

01.10.2020. Es gibt hervorragende Tier-, Natur- und Georeportagen in den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber warum muss jede Landschaft mit aufgedonnerten Streichertapeten zugekleistert, jede Spannungslücke mit psychagogischen Klangmodulen gefüllt und jedes Beute schlagende Tier von gezupften Bässen in einen Mörder verwandelt werden? Das entwertet nicht nur die Reportagen, sondern derealisiert auch unser Bild vom nichtmenschlichen Leben auf der Erde. Und es verschenkt die einzigartige Chance des virtuellen Tourismus. Von Daniele Dell'Agli. Mehr...