Blutrünstige Engel

Von Kinderpuffs und Schweinekonzernen: Mord und Ratschlag mit Krimis von Monika Geier und Hans Schefczyk.

Mit einem Royal Flush

Romane von Rachel Cusk und Christoph Hein, Sachbücher über Macron und den Liberalismus. Bücherbrief

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Ein jeweils anderes Ich

22.07.2017. Die FAZ folgt Martin Pye durch die Geschichte der Nordsee und lernt, Stürmen, Wikingern, Friesen und der Pest zu trotzen. Furios findet die Welt Mairtin O'Cadhains Roman "Grabgeflüster". Die SZ jubelt über den zynischen Witz und zarte Schönheit in Stefanie Sargnagels "Statusmeldungen". Und die NZZ liest Gedichte und Selbstversuche von Felix Philipp Ingold.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Mit bärenhafter Wucht und Weichheit

22.07.2017. Die Literarische Welt spricht mit Ismail Kadare über Literatur in totalitären Regimen. Der Tagesspiegel erlebt in Mailand in einem virtuellem Kunstprojekt von Regisseur Alejandro Inarritu die ganze Brutalität von Trumps Abschottungspolitik. Die SZ lässt sich von Elena-Ferrante-Übersetzerin Karin Krieger erklären, wie man die deutsche Sprache zum Schwingen bringt. Geteilter Meinung sind die Kritiker über Lotte de Beers "Moses in Ägypten" bei den Bregenzer Festspielen.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Jetzt soll's dem Autor an den Kragen gehen

22.07.2017. Die SZ fürchtet ein Aufziehen der wölfischen Demokratie: Polens Regierung zumindet hat und will schon keine Kontrolle mehr über sich. Der Standard fürchtet nicht nur um die polnische Justiz, sondern immer mehr auch um die Presse. In der taz spricht der türkische Modeschöpfer Barbaros Şansal über seine brutale Inhaftierung. In der NZZ drängt Liao Yiwu, Liu Xiaobos Witwe Liu Xia ausreisen zu lassen. In der Welt ärgert sich Elisabeth Ruge über das zähe und traurige Ausharren alter Männer. Ina Hartwig rät, sich an Menschen zu halten, die einem guttun.

MEDIENTICKER

Erschriebene Lesbarkeit

21.07.2017. Aktualisiert: Inspiration, Adaption, Plagiat im Kinderbuch - Regionalzeitungen: Auflagen-Minus von vier Prozent - Medienskepsis: Presse, Verlage & Journalisten nicht mehr ernstnehmen - Springer macht Werbung für Yücels Gefängnis -  Online-Kiosk im Test: "Blendle verramscht Spiegel, SZ & Co." - Großer Lauschangriff auf Leipziger Journalisten - Meisterbeleidiger Marx oder über das Vergnügen an superscharfen Sachen beim Lesen & Trinken + Antifeminismus: Claus Kleber interviewt Maria Furtwängler.

IM KINO

Filmische Fluiditäten

19.07.2017. Luc Besson lässt in seiner außerordentlich liquiden Comicverfilmung "Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten" Geschlecht und Spezies ineinanderfließen. Außerdem erinnern wir an den unlängst verstorbenen Meisterregisseur George A. Romero - mit einem Text zu "Knightriders", einen seiner wenigen nicht-Horrorfilme. Von Michael Kienzl, Karsten Munt.

ESSAY

Zwischen Deko und Diskurs

17.07.2017. Ein Schisma vollzieht sich in der Kunst: Werke für Kuratoren, die das Distinktionsbedürfnis der Diskurseliten, und Werke für den Markt, die das der Oligarchen befriedigen, spalten sich soweit ab, dass der gemeinsame Begriff Kunst nicht mehr zutrifft. Sicher wird das Schisma nicht so ablaufen, dass aus dem kalten Krieg ein heißer Krieg wird. Im Gegenteil hat man sich, je weiter man auseinanderdriftet, umso weniger zu sagen. Schließlich nimmt man sich gegenseitig kaum noch wahr. Von Wolfgang Ullrich.

MAGAZINRUNDSCHAU

Von der Weichheit der Jugend

18.07.2017. Der New Yorker begibt sich nach Colorado und stößt dort auf die unterschiedlichsten Trump-Anhänger und friedliche Geiger. In Open Democracy fordert der türkische Politologe Umut Ozkirimli etwas weniger Appeasement von seinen Kollegen gegenüber Erdogan. Gatt ist besser als Freihandel, lernt der Guardian. Was hat man mit der chinesischen Aufklärung gemacht, fragt La vie des idee. Harper's denkt über Macht und Raum nach. Food52 rühmt die unbesungenen Architektinnen der vegetarischen Küche Bengalens.

MORD UND RATSCHLAG

Blutrünstige Engel

17.07.2017. Typische Doppelbelastung: In Monika Geiers "Alles so hell da vorn" muss sich die Ludwighafener Kommissarin Bettina Boll nicht nur um den Mord an ihrem Kollegen kümmern, sondern auch um die Kinderhuren, die durch die Pfälzer Täler jagen. In "Das Ding drehn" erzählt Hans Schefczyk das Ende der Revolutionären Zellen als Räuberballade. Von Thekla Dannenberg.

REDAKTIONSBLOG - IM ENTENTEICH

Arte hat eine Riesenchance verspielt

15.06.2017. Der Arte-Chef Alain Le Diberder kritisierte, dass Sophie Hafner und Joachim Schröder für ihre Antisemitismus-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" nach Israel und in den Gaza-Streifen gegangen sind. Aber gerade das Kapitel über den Gaza-Streifen ist das beeindruckendste des Films. Und noch etwas: Wozu haben wir eigentlich einen deutsch-französischen Sender? Von Thierry Chervel.

POST AUS LOS ANGELES

Next Big One

14.06.2017. In Kalifornien sollte ein Erdbeben-Frühwarnsystem eingerichtet werden. Nun droht Donald Trump, die Gelder zu streichen. Die kostbare Minute, die man nutzen könnte, um einen Fahrstuhl zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen, wird eingespart. Von Sascha Josuweit.

ESSAY

Solothurn - Softpunk

07.06.2017. Zum 39. Mal bietet Solothurn die Kulisse für das einzige dreisprachige Literaturfestival der Schweiz, die Solothurner Literaturtage. Ich war dort, um die Probe aufs Exempel zu machen: Wie steht es tatsächlich um die junge deutschsprachige Literatur und ihr Verhältnis zur Fiktion? Ist sie wirklich so postpost, so mut- und fantasielos, so Ich-voll, wie ich kürzlich behauptet habe? Von Charlotte Krafft.