Im Nebel unser Irrtümer

Über die Frauen der Soli- darnosc, Iris van Herpens 3-D-Haute-Couture und die Ausbeutung des Weltalls. Die Magazinrundschau

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Der perfekte Ecce-Homo-Moment

25.09.2017. Die SZ lernt von David van Reybrouck, dass gegen Populismus nur mehr demokratische Partizipation hilft, nicht weniger. Karl-Heinz Roth und Hartmut Rübner erinnern sie daran, dass Deutschland bei Griechenland in der Schuld steht. Zum andächtigen Genießen empfiehlt sie Hilary Mantels Roman "Der Hilfsprediger". Die NZZ steht mit Jonas Lüschers "Kraft" nackt und einsam im Silicon Valley. Und die FAZ schippert mit Davide Morosinottos "Mississippi-Bande" stromabwärts.

MEDIENTICKER

Wo bleibt das Wir?

25.09.2017. Ungewollte Transparenz: FAZ-Redakteure plaudern & das Mikro ist schon an - Holtzbrincks Buchverlage: Metadaten in ONIX: "Spart Kosten und Zeit" - Laudatio von Alexander Skipis
Erich-Maria-Remarque-Preisträgerin Asli Erdogan - Öffentliches Geld, öffentliches Wissen: Warum Konstanzer Professoren gegen ihre Uni klagen - Nach der Wahl: Das Panik-Orchester & die Bild-Zeitung als  Stimmungskanone der AfD + Interviews mit Ingo Schulz & Herfried Münkler.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Solange es freie Wahlen gibt

25.09.2017. Diese Wahl ist ein Schock: Die AfD wird in den Bundestag einziehen und war wieder einmal stärker, als die Umfragen es anzeigten. Wie umgehen mit der Partei? Nicht vergessen, dass diese Sieger eigentlich Loser sind, meint Jan Feddersen in der taz. Aber es gibt eine Kontinuität zur Nazizeit, meint Micha Brumlik ebenfalls in der taz. Die AfD gewinnt sehr viel Macht durch Mitarbeiterzahl und Infrastruktur im Bundestag, mahnt Vice. Und es sind ziemlich üble Finsterlinge darunter, zeigt der Tagesspiegel. Und der Freitag ergeht sich in historischen Verschwörungstheorien, die zeigen, dass auch Linke ausflippen können. Zumindest einer macht sich Hoffnung: Orhan Pamuk in der FAZ, in diesem Fall aber für die Türkei.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Konkrete Poesie unter konkreten Umständen

25.09.2017. Am Berliner Ensemble hat Oliver Reese seine Intendanz mit Brechts "Kaukasischem Kreidekreis" gestartet: Die Nachtkritik sah einen mozärtlichen Elefanten tanzen. Die SZ freut sich, dass in Berlin noch gutgelauntes Theater möglich ist. Der Tagesspiegel ätzt gegen Kultursenator Klaus Lederer, der mit der Besetzung die Volksbühne zur Eventbude verkommen lasse. Der Standard ließ sich beim Steirischen Herbst Asche, Lava und Knochen auf Porzellantellern servieren. Und die NZZ lernt von Manon, sich von der Zeit zu befreien.

IM KINO

Halbseiden-abgründiger Sexappeal

21.09.2017. Neu startet Joseph Cedars "Norman", mit einem dezent überagierenden Richard Gere, der auf den vornehmsten Straßen New Yorks auf Beute geht. Harun Farockis Essayfilm-Hauptwerk erzählt eine Geschichte "Zwischen zwei Kriegen", aber keine lineare. Der Film ist am 16.09. im Berliner Kino Arsenal zu sehen. Von Lukas Foerster, Sebastian Markt.

MAGAZINRUNDSCHAU

Im Nebel unser Irrtümer

19.09.2017. In A2 stellt Filmemacherin Marta Dzido die Frauen in der Solidarnosc-Bewegung vor. Linkiesta porträtiert den Kandidaten der Cinque Stelle für das Amt des Premiers, den 31-jährigen Luigi Di Maio. Der Guardian erzählt, wie Luxemburg die Ausbeutung des Weltalls vorantreibt. In El Espectador denkt Hector Abbad über die Möglichkeiten Gesichtserkennung nach. Der New Yorker bewundert die phantastischen 3-D-Haute-Couture Iris van Herpens. Die LRB feiert die bislang beste Filmdoku über den Vietnamkrieg vor.

VIRTUALIENMARKT

Unzählige Bruchlinien

04.09.2017. Noch nie hatten einzelne private Akteure so viel Macht in der Öffentlichkeit wie - GAFA: Google, Amazon, Facebook und Apple. Ihre Geschäftsbedingungen kommen Gesetzen für eine Community gleich. Aus dieser Macht erwächst eine Macht zur Zensur. Zeit für ein Gespräch! Von Rüdiger Wischenbart.

VORGEBLÄTTERT

Marie Luise Knott: Dazwischenzeiten

28.08.2017. Welche Erschütterungen erfuhren die vier Künstler Erwin Piscator, Karl Wolfskehl, Bertolt Brecht und Paul Klee im Jahr 1930? Wie reagierten sie auf eine Krise, deren politisches, ästhetisches, moralisches und ökonomisches Ausmaß 1930 nur zu erahnen war? Hier ein Auszug aus Marie Luise Knotts Essayband "Dazwischenzeiten" zu Bertolt Brecht.

ESSAY

Verschollen im Echoraum

24.08.2017. Die alle Umtriebe im Sonnenstaat Kalifornien überschattende Fatalität eines über kurz oder lang die großen Städte verwüstenden Big One nimmt einzig die Gegenkultur von Minimal und Ambient Music mit enervierender Gelassenheit auf sich. Wer sich mit Jordan de la Sierra Richtung Asien treiben lässt, der gerät leicht in eine postapokalyptische Trance. Zur Wiederentdeckung von Jordan de la Sierras "Gymnosphere - Songs of the Rose". Von Daniele Dell'Agli.

VOM NACHTTISCH GERÄUMT

Gespickt mit Manieren

17.08.2017. Ein kreisendes Etwas auf weißer Leinwand, die Kunst der Fuge mit Glatze, Ost-West-Konflikte in New York und deutsche Gepflogenheiten. Arno Widmann hat Bücher vom Nachttisch geräumt. Von Arno Widmann.

FOTOLOT

Ausschnitt urbanen Lebens

31.07.2017. Michael Wolf rückt scheinbar nebensächliche Details in den Vordergrund und gibtihnen dadurch eine symbolische Bedeutung innerhalb eines größeren Zusammenhangs - das macht ihn zu einem der bedeutendsten Fotokünstler der Zeit. In Arles ist eine Retrospektive zu sehen. Von Peter Truschner.