Große Lügen, kleine Lügen

Tod am Broadway und Blindgänger in Paris: Mord und Ratschlag mit Krimis von Carol O'Connell und Sophie Hénaff.

Arte hat eine Riesenchance verspielt

Auch wenn Arte keinen Dreh im Gaza und in Israel wollte: Das Kapitel in Gaza ist das beste in der Antisemitismus-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt". Von Thierry Chervel

BÜCHERSCHAU DES TAGES

Die Rolle des Schriftstellers und des Ichs

24.06.2017. Die FAZ freut sich über die Rückkehr Ralf Königs und durchsteht mit Konrad und Paul das Älterwerden, Andropause und die Verringerung des Hodenvolumens. Unbedingt lesen, meint die taz zu J.D. Vance' "Hillbilly-Elegie" über die Deklassierung der weißen Arbeiter in den USA. Auch Philip Bloms Geschichte der Kleinen Eiszeit "Die Welt aus den Angeln" hat sie sehr beeindruckt. Und die SZ liest amüsiert, wie Fritz J. Raddatz einst Max Frisch auf den Leib rückte.

EFEU - DIE KULTURRUNDSCHAU

Unverschämt euphorisch

24.06.2017. Total fasziniert blickt der Guardian auf Dekadenz und Flamboyanz in der Weimarer Kunst, der die Tate Liverpool eine große Ausstellung widmet. In der Welt erklärt Jan Wagner, warum er Gedichte nicht am Monitor verfassen kann. Die NZZ blickt mit De Stijl auf eine Welt reiner Formen und Farben. Spex feiert die Südstaatenband Algier, die dem Krach Empathie und Solidarität einbläut. Und die Nachtkritik erlebte mit Ersan Mondtags NSU-Stück "Das Erbe" die Kapitulation der Kunst vor dem echten Leben.

9PUNKT - DIE DEBATTENRUNDSCHAU

Dynamik des Widerspruchs

24.06.2017. Zum Jahrestag des Brexit-Referendums schwankt der Guardian zwischen Hoffnung und Resignation. Die FAZ erinnert daran, dass die vom IS zerstörte Al-Nuri-Moschee in Mossul einst eine Kirche verdrängte und schon im 12. Jahrhundert zum Dschihad aufrief. Der Bundestag fordert die Einsetzung eines UN-Sonderbeauftragten zum Schutz von Journalisten, freut sich der Tagesspiegel. Und die NZZ erklärt, warum Jörg Baberowski als rechtsradikaler Rassist bezeichnet werden darf, ohne einer zu sein.

MEDIENTICKER

Enzyklopädie für unerschrockene Leser

23.06.2017. Aktualisiert: Kulturrat fordert Bundeskulturministerium - Hauptquelle Fernsehen: Jeder zweite Deutsche vertraut den Nachrichten - Der Medien-Overkill: Überall Kohl - Terror, Angst & die Medien: Von Anschläge erzählen -  Ethikrat-Konferenz: Wer trägt die Verantwortung für autonome Systeme? - Theater-Nachtkritiken aus Mannheim & München - Die Erfindung der Pressefotografie & Die fotografierte Ferne - US-Mythos: Der immerwährende Summer of Love + Der Jazz ist ziemlich akademisch geworden.

IM KINO

Ich komme zu Euch als Mythos

22.06.2017. Ein Zentralwerk des Afrofuturismus kommt wieder in die Kinos: Sun Ras von John Carney inszenierte trippige Polit-Space-Opera "Space is the Place". Roger Ross Williams baut in seine Dokumentation "Life, Animated" Zeichentrickelemente unterschiedlicher Herkunft ein; die Kluft zwischen Kino und Leben bleibt freilich unüberbrückbar. Von Lukas Foerster, Fabian Tietke.

MAGAZINRUNDSCHAU

Das Kühne und das Delikate

20.06.2017. Hlidaci pes lässt sich erklären, warum in China so viele Menschen hingerichtet werden, die vorher gesundheitlich bestens betreut wurden. The New Republic würdigt das souverän entworfene Selbstbild Georgia O'Keefes. Der Spectator stellt drei weitere Genies weiblicher Selbstdarstellung vor. Der Guardian plaudert mit dem Propheten des Anthropozän, dem britischen Philosophen Timothy Morton. Das New York Magazine erkundet die neuen Datenbanken der Gelüste. Die LRB sucht nach Gründen für den erstmals wieder steigenden Hunger in der Welt. Feminismus als derber Slapstick - ein Fortschritt, findet der New Yorker.

MORD UND RATSCHLAG

Große Lügen, kleine Lügen

16.06.2017. Was ist härter: Showbiz oder das Herz von Detective Kathy Mallory? In ihrem neuen Roman "Es geschah im Dunkeln" bringt Carol O'Connell einen echten Killer von einer Kriminalkomödie am Broadway heraus. Sophie Hénaff besingt mit ihrem Krimi "Kommando Abstellgleis" die Blindgänger von Paris. Von Thekla Dannenberg.

REDAKTIONSBLOG - IM ENTENTEICH

Arte hat eine Riesenchance verspielt

15.06.2017. Der Arte-Chef Alain Le Diberder kritisierte, dass Sophie Hafner und Joachim Schröder für ihre Antisemitismus-Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" nach Israel und in den Gaza-Streifen gegangen sind. Aber gerade das Kapitel über den Gaza-Streifen ist das beeindruckendste des Films. Und noch etwas: Wozu haben wir eigentlich einen deutsch-französischen Sender? Von Thierry Chervel.

POST AUS LOS ANGELES

Next Big One

14.06.2017. In Kalifornien sollte ein Erdbeben-Frühwarnsystem eingerichtet werden. Nun droht Donald Trump, die Gelder zu streichen. Die kostbare Minute, die man nutzen könnte, um einen Fahrstuhl zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen, wird eingespart. Von Sascha Josuweit.

ESSAY

Solothurn - Softpunk

07.06.2017. Zum 39. Mal bietet Solothurn die Kulisse für das einzige dreisprachige Literaturfestival der Schweiz, die Solothurner Literaturtage. Ich war dort, um die Probe aufs Exempel zu machen: Wie steht es tatsächlich um die junge deutschsprachige Literatur und ihr Verhältnis zur Fiktion? Ist sie wirklich so postpost, so mut- und fantasielos, so Ich-voll, wie ich kürzlich behauptet habe? Von Charlotte Krafft.