Aus dem Amerikanischen von Gerlinde Schermer-Rauwolf, Robert A. Weiß und Bernhard Jendricke. Coco Chanel, die Verkörperung des guten Geschmacks, eine Nazi-Agentin? Hal Vaughan erzählt von der dunklen Seite der einflussreichsten Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts. Wie geschah es, dass aus dem Waisenkind Gabrielle Chasnel die mondäne Coco Chanel wurde? Und was brachte sie dazu, sich als Agentin für die deutsche Abwehr anwerben zu lassen? Anhand zahlreicher Dokumente und bisher nicht veröffentlichten Archivmaterials präsentiert Hal Vaughan erstmals die Verstrickung Coco Chanels mit der Nazi-Besatzungsmacht.
Zwei neue Bücher über Coco Chanel hat Rezensentin Anna von Münchhausen gelesen, doch während sie Justine Picardies Biografie noch Positives verlauten lassen kann, legt sie Hal Vaughans Agentensaga ziemlich schnell beiseite. Selbst dass Chanel Sympathien für die Nazis hegte und durch antisemitische Tiraden auch bewies, will Münchhausen so nicht gelten lassen. Schließlich verstieß auch in den englischen Kreisen, in denen Chanel verkehrte, der Antisemitismus nicht gegen die Etikette! Aber vor allem seine Geschichte über Chanel als Agentin, die in Spanien angeblich im Auftrag der Nazis mit England über einen Separatfrieden verhandeln haben soll (Operation "Modellhut") erscheint ihr arg Operettenhaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2011
Kein Leben als Doppelagentin, wie der Autor dieser Biografie es gerne hätte, hat Coco Chanel in den Augen Ingeborg Harms' gelebt, sondern eher ein Doppelleben als Modekarrieristin und Liebhaberin. Das ist einem Ex-Geheimdienstoffizier wie Hal Vaughan natürlich zu wenig und so durchforstet er die Archive nicht nur um die labyrinthische Vita CCs zu komplettieren, wie Harms nahelegt, sondern um dem Ganzen ein bisschen 007-Pfiff zu verleihen. Harms findet das mal atemraubend, mal pittoresk, so wenn Chanel mit Cocteau gleich neben Goebbels und Göring im Ritz speist. Eine klassische Vichy-Figur, meint Harms, das war Chanel wohl doch.
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