"Wir handeln nicht mit Antiquitäten, wir handeln mit Trödel", sagt Herr Nakano zu Hitomi, die sich um eine Aushilfsstelle in seinem Laden bewirbt. Nakano, ein Herr alter Schule, liebt neben schönen alten Dingen auch schöne junge Frauen. Sein Trödelladen wird zum Treffpunkt von Menschen am Rande der Zeit: seine Freundin Sakiko, die ihn um ein Haar als Einsatz beim Glücksspiel verliert; seine Schwester Masayo, der mit Mitte fünfzig die große Liebe begegnet; und sein Angestellter Takeo, der sich in die neue Aushilfe Hitomi verliebt, doch zu schüchtern ist, ihr seine Zuneigung zu gestehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2009
Steffen Gnam schätzt die Autorin als Chronistin gesellschaftlicher Umbrüche. Wie Hiromi Kawakami in diesem Roman die Protagonisten im Mikrokosmos eines Tokioter Trödelladens in einem suggestiven Liebesreigen arrangiert, scheint ihm als Welterklärungsmodell zu funktionieren. Die Statik der Figuren um den Ladenbesitzer Nakano und die von Kawakami mit Bedeutung aufgeladene Dingwelt alter Nähmaschinen, Brieföffner etc. stehen für den Rezensenten in der Tradition japanischer Puppenspielästhetik. Über das im Strudel der globalisierten Moderne verlustig gehende "Retro-Universum" mit seinen Traditionen und die Anpassung der Hauptfiguren an ein Leben mit Internetanschluss berichtet Gnam mit spürbarer Sympathie.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.03.2009
Ludger Lütkehaus lässt sich von der Suggestivität und der zarten Komik von Hiromi Kawakamis jüngstem Roman gern in den Bann ziehen, auch wenn er betont, dass die japanische Autorin in ihrem Roman über den Trödelhändler Nakano und die Frauen in seinem Leben eigentlich nicht viel berichtet. Trotz einer veritablen "pornografischen Fantasie" und einer Szene, die direkt in der Unterwelt Tokios spielt, würden in diesem Buch nämlich nur "Belanglosigkeiten" erzählt, so der Rezensent. Die eigentlich fesselnden Figuren in diesem Roman seien die Frauen, die geradezu "tragisches Format" erlangen, wenn sie glücklos lieben, findet Lütkehaus. Und er ist überrascht und angetan, dass die Autorin sich nicht scheut, der zunächst scheiternden Liebesgeschichte der Erzählerin ein Happy End zu geben, wobei sie gleichermaßen "Pathos" wie "Banalität" vermeide. In der "Frauenliteratur" Japans ist Kawakami für den eingenommenen Rezensenten auf jeden Fall eine eigenständige Stimme, wie er lobt.
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