Illustriert von Nikolaus Heidelbach. Sommerzeit in den Zeitungsredaktionen der Stadt. Ein wahrhaft bedeutender Redakteur schreitet zur Zubereitung seiner Frühstückssemmel. Beilage: knackige Gurkerl. Als er hineinbeißt, spritzt ihm das Essigwasser direkt ins Auge. Das Geschrei ist groß, der Redakteur kurz vor der Erblindung! Der Zwischenfall zieht Kreise: Aus dem Missgeschick wird eine Kolumne, dann ein Thema für Leserbriefe, Interviews, schließlich eine öffentliche Debatte. Gurkerl werden verboten, Proteste formieren sich, die Redaktion spaltet sich in Lager.
Gleich zwei Bücher der Österreicherin Johanna Sebauer kann der überzeugte Kritiker Konstantin Ames entdecken: Packende Dialoge und gewitzte Medienkritik machen beide Bände aus. "Das Gurkerl" wurde 2024 in Klagenfurt ausgezeichnet und ist nun bibliophil herausgegeben und im Zuge dessen mit Zeichnungen von Nikolas Heidelbach versehen worden. Ames liest hier eine "bündige Medienzote", bei der Sebauer mit bewährten Kurzgeschichten-Mitteln arbeitet, unter anderem der größtmöglichen Eskalation kleiner Momente: Der Journalist Perkat reizt versehentlich seine Augen mit Gewürzgurkensaft, weil er zu gierig in eine ebensolche gebissen hat. In der "Saure-Gurken-Zeit" im Sommer wird das dann zur allgemeinen Problemlage hochgejazzt, was dem Rezensenten einiges über Empörungs-Journalismus und unsere Zeit verrät. "Geschwind dreckfrech", befindet er abschließend.
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