Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2020 - Architektur

In der SZ macht sich Gerhard Matzig für die Architekturskizze stark, die auch durch KI nicht ersetzt werden könne.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.02.2020 - Architektur

Die Synagoge am Bornplatz im Grindelviertel, Hamburg, 1906. Foto: Wikipedia


Im Hamburger Grindelviertel soll die alte Synagoge, einst die größte in Nordeuropa, wieder aufgebaut werden, das ist beschlossen. Aber wie? Darüber ist jetzt ein Streit entbrannt, berichtet Till Briegleb in der SZ, denn die jüdische Gemeinde möchte mehrheitlich eine originalgetreue Rekonstruktion, die deutlich macht, dass Hitler nicht gewonnen hat. Miriam Rürup, Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, dagegen sähe das zu sehr nach "Schlussstrich" aus, sie plädiert daher für eine zeitgemäße Version. Aber dieser Streit zwischen "guter" (linker) Moderne und "schlechtem" (rechtem) Historismus ist unsinnig, erinnert Briegleb. Es "gab diese saubere Front niemals. Ein Großteil der 'modernen' Nachkriegsplaner stammte direkt aus dem Wiederaufbaustab von Albert Speer, und die wichtigsten Ahnherren der Moderne - von Mies van der Rohe über Le Corbusier bis zu Philip Johnson - haben allesamt intensiv mit dem Faschismus kollaboriert. Doch deren geistige Erben erklären heute immer wieder mit großem Aplomb ausgerechnet die Bewahrung historischer Qualitäten in der Baukultur als politisch rechts verdächtig."
Stichwörter: Synagoge Hamburg

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.02.2020 - Architektur

"Eine Stadt ist nur dann attraktiv, wenn ihr Kern bewohnt ist - und zwar dicht und von unterschiedlichen Menschen. Dafür braucht es auch billige Wohnungen", mahnt der Architekturhistoriker Vittorio Magnago Lampugnani in der NZZ und fordert mehr öffentlichen Wohnungsbau: "Neben ihrer unverändert wichtigen sozialen Aufgabe, einen ökonomisch geschützten Ort für das umfassende Wohl ihrer Bewohner zu schaffen, obliegt den kollektiven Wohnbauten eine zweite, nicht minder bedeutsame: die städtebauliche. Sie sind, Brinckmanns Axiom folgend, die Grundsubstanz der Stadt. Weit effektiver als die urbanen Monumente modellieren sie ihre Freiräume und bestimmen deren Bild. Hinter ihren scheinbar alltäglichen Putz- oder Backsteinfassaden verbirgt sich ein überreiches Spektrum typologischer, konstruktiver und architektonischer Varianten: vom geschlossenen Block zum offenen Hof, von der rhythmischen Kammbebauung zum räumlich vielfältigen Labyrinth."

Das Architekturbüro RKW+ plant eine Überbauung der Bahnstrecke, die sich durch Düsseldorf zieht, und möchte gleich einen ganzen Stadtteil darüber errichten. Klingt verrückt, ist aber eigentlich eine tolle Idee, meint Gerhard Matzig in der SZ. Nur leider lässt sich heute mit solchen Großprojekten kein Blumentopf mehr gewinnen: "Wo immer möglich wenden sich mittlerweile die Bewohner der Städte von den zu breiten Ausfallstraßen und den zu lauten Gleisarealen ab. Schiene und Straße: Einst gehörten sie zum Stolz der Stadt. Sie waren Garanten für den Anschluss an die Welt. Heute werden die Infrastrukturen, die eigentlich nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben, bestenfalls in Kauf genommen. Und schlimmstenfalls werden sie mit den Mitteln aus dem Arsenal der Trillerpfeifendemokratie bekämpft."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2020 - Architektur

Donald Trump möchte per Dekret alle Bundesbauten der USA zukünftig in einem "klassischen" Stil gestaltet sehen, stöhnt Gerhard Matzig in der SZ. Damit würden die aus der Kennedy-Ära stammenden Richtlinien aufgehoben, nach denen Architekten für die Gestaltung eines Gebäudes zuständig seien, nicht die Regierung: "Schon vor der Wahl in das mächtigste Amt der Welt war klar, dass der gelernte Immobilienspekulant Anhänger einer peinigend banalen Schwundstufe der Glitzermoderne ist. Mit Glas außen und zum Fremdschämen angeberischem Marmor innen. Als Trump, der die Baukunst angeblich verehrt, sie aber mit Design verwechselt, Ende der Neunzigerjahre aus dem Gulf and Western Building den über den Central Park aufragenden 'Trump International Hotel and Tower' machte, schrieb der amerikanische Architekturkritiker Herbert Muschamp vernichtend über die durch Trump aufgehübschte Fassade, nun habe ein respektabler Bau einen 'Partyfummel' übergezogen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.02.2020 - Architektur

Westferry Printworks von plp architects

Mit ihrem Antritt hat Boris Johnsons Regierung eine "Building Better, Building Beautiful commission" ins Leben gerufen, die für schönes und gutes Bauen in Britannien sorgen soll. Ach ja, stutzt Rowan Moore im Guardian, ist ja interessant: "Nicht einmal zwei Wochen später gab derselbe Robert Jenrick den Weg frei für ein milliardenschweres Entwicklungsprojekt namens Westferry Printworks in den Londoner Docklands, gegen die starken Einwände seines eigenen Planungsinspektors. Dieser, David Prentis, erklärte, die fünf Hochhäuser, von denen eines 44 Stockwerke hoch werden soll, zerstöre das Setting rund um die Tower Bridge und das Unesco-Weltkulturerbe von Greenwich. Das Projekt gefährde den Character und das Erscheinungsbild des Gebiets. Die Einbeziehung von 282 Sozialwohnungen bei insgesamt 1524 Wohneinheiten erreiche nicht den größtmöglichen vernünftigen Anteil."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.02.2020 - Architektur

Blick von der Dachterrasse der School of Science and Sport am Brighton College. Foto: Oma / Laurian Ghinitoiu


Der Internatscampus der englischen Eliteschule Brighton College (mehr dazu hier) ist ein altes Gemäuer mit spitzen Giebeln, dass die OMA-Architektin Ellen van Loon an Harry Potters Hogwarth erinnerte. Dennoch hat sie auf dem Gelände eine supermoderne, über hundert Meter lange School of Science and Sport errichtet, gekrönt von einer Dachterrasse mit 50-Meter-Sprintstrecke und Blick aufs Meer. Das ganze Gebäude ist voll verglast, man kann überall rein- und durchgucken, erfahren wir. "Es ist eine Schule für heute und für die Zukunft", meint dazu van Loon im Interview mit der NZZ. "All die Kinder, die hier ausgebildet werden, benutzen Social Media. Sie wachsen in einer anderen Zeit auf als der, in welcher diese Typologien geschlossener Gebäude entwickelt worden sind. Das wollten wir in unserem Gebäude auch abbilden. ...  sogar die Wand zum Lehrerzimmer ist voll verglast! Die Erwachsenen haben vielleicht mehr Schwierigkeiten als die Kinder, sich daran zu gewöhnen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2020 - Architektur

In der NZZ führt uns Sabine von Fischer in einem recht lyrischen Text zum nebelumhüllten Zürcher Bahnhof, um die neue Bebauung zu bestaunen. Auf der Südseite Hochhäuser, auf der Nordseite baut man mehr in die Weite: "Wie abgeschnitten enden die riesigen Blöcke auf halber Höhe, weit unter den Wolken, sogar unter dem tiefliegenden Nebel. Wie wird man sie wohl in fünfzig Jahren nennen? Vielleicht: die Stümpfe von Zürich. Sie sind im Verhältnis zu ihrer Umgebung enorm, aber nicht hoch genug, um Manhattan zu sein. Wer eine Sehnsucht nach Wolkenkratzern hat, soll also lieber doch nicht hierherkommen. Wer das Meer vermisst: Es ist nun hier, ein Gleismeer mit Uferpromenade."
Stichwörter: Zürich

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2020 - Architektur

Die von dem Architekten Hans Kollhoff am Berliner Walter-Benjamin-Platz eingelassene Inschrift mit einem Zitat des "antisemitischen Dichters" Ezra Pound soll voraussichtlich entfernt werden (Unsere Resümees) - der Antrag wurde von der Bezirksverordnetenversammlung mit der Mehrheit von Grünen, SPD und Linke eingebracht, meldet Marcus Woeller in der Welt und fragt: "Warum aber kommt ein Architekt überhaupt auf die Idee, ein solches Zitat in Stein zu meißeln? Als Kunst am Bau kann man es nicht sehen, dafür ist die Platte zu marginalisiert. Als intellektuelle Fußnote hält sie nicht einmal wissenschaftlichen Standards stand. Und als Erklärung dafür, dass Architektur wieder dem traditionellen Bauen folgen solle, ist Pounds Vers viel zu aufgeladen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.01.2020 - Architektur

In der NZZ schreibt Sabine von Fischer zum Tod des Architekten und Superstudio-Mitbegründers Adolfo Natalini.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.01.2020 - Architektur

Heute wird Gottfried Böhm, Architekt und erster Pritzker-Preisträger, hundert Jahre alt. Die Zeitungen würdigen das mit großen Artikeln und das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt widmet ihm eine Ausstellung. In der taz porträtiert Klaus Englert den Architekten: "Gottfried Böhm gehörte in der Nachkriegszeit zur jungen Architektengeneration der Bundesrepublik, die nach den Erfahrungen des megalomanen Bauens der NS-Zeit und den Bombenorgien der Alliierten nach einer Architektur suchte, die für einen Prozess der Heilung einsteht. Das zeigte sich unmittelbar nach dem Krieg, als er die 'Madonna in den Trümmern' in der durch Bomben zerstörten Kölner Kolumba-Kirche barg und um sie herum eine kleine Kapelle errichtete. Mit seinen zeltartigen Konstruktionsformen setzte er sich auch in Gegensatz zu seinem Vater Dominikus, der erdenschwere, steinerne Gebäude bevorzugte." In der FR schreibt Christian Thomas zu Böhm, in der SZ schreibt Gottfried Knapp, in der FAZ Patrick Bahners.

Die Zentrale Landesbibliothek am Halleschen Ufer in Berlin soll umgebaut werden, um modernen Ansprüchen zu genügen. Aber was genau bedeutet das, fragt sich Nikolaus Bernau und beugt sich für die Berliner Zeitung über die drei Vorschläge der Büros von Urban Catalyst, David Chipperfield und LK Argus. "Immerhin zeigen die Modelle genau, wohin nach dem Willen von ZLB, Bezirksamt und Senatskultur- und Senatsbauverwaltungen die Reise gehen soll: Zu einem auch baulich gewaltigen Kulturzentrum, das sich in seinen Proportionen eher an den hohen Wohnhäusern nördlich des Landwehrkanals als an die Mietskasernenstadt im westlichen Kreuzberg anschließt. Dabei ist das Raumprogramm für die ZLB unter ihrem Direktor Volker Heller bereits massiv zusammengestrichen worden - beim Wettbewerb für das dann am Tempelhof-Referendum gescheiterten Projekt waren 2013 noch 51 000 Quadratmeter gefordert worden."

Seit publik wurde, dass zahlreiche Architekten, Planer, Bauhistoriker und Museumsdirektoren in einem Offenen Brief die Berufung des SPD-Politikers Florian Pronold zum Gründungsdirektor der Berliner Bauakademie kritisierten (mit der Folge, dass ein Gericht die Überprüfung der Ausschreibung anordnete), überzieht Pronold Journalisten mit Klagen, berichtet im Tagesspiegel Falk Jaeger. Aber: "Die Fragen bleiben: Wie kann er sich pro domo bewerben, als einer, der das Projekt mit auf die Schiene gesetzt hat? Als einziger Politiker unter Fachleuten, wo ihn doch jedes einzelne der Mitglieder der Findungskommission nicht nur beiläufig, sondern sehr gut persönlich kennt?"