Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.02.2021 - Architektur

Im Tagesspiegel blickt Bernhard Schulz betrübt auf Berlins zugiges Kulturforum, für das sich auch zur anstehenden Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie keine städtebauliche Lösung abzeichnet. In der SZ lässt Gerhard Matzig seine Gedanken von Putins Villa zu den Geschmacklosigkeiten deutscher Eigenheime und Baby Schimmerlos fliegen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.02.2021 - Architektur

Die neue Moynihan Hall der Penn Station. Foto: SOM Architekten


Mit großer Begeisterung spaziert Christian Zaschke für die SZ durch die unterirdische, einst so bedrückende Penn Station in New York, die um eine 1,6 Milliarden Dollar teure neue Halle erweitert wurde und jetzt zumindest in Sachen Schönheit der großartigen Central Station Konkurrenz macht: Die Architekten von Skidmore, Owings & Merrill haben "riesige Stahlträger freilegen lassen, die das Deckengewölbe halten" und Glas dazwischen gespannt: "Diese Dächer machen klar, worauf es hier im Gegensatz zu dem unterirdischen Bau ankommt: aufs Licht. Entstanden ist eine nahezu perfekte Verbindung aus alter Substanz und moderner Architektur. Allein der Kunst [von Kehinde Wiley, Stan Douglas und Elmgreen & Dragset] wegen lohnt sich ein Besuch ... Der Blick geht in diesem Gebäude wieder nach oben. Das wäre zu allen Zeiten ein großer Wurf gewesen, aber dass die Moynihan Train Hall inmitten der Pandemie eröffnet wurde, wirkt wie eine Ermutigung, ein Hinweis auf eine Zeit, in der das Reisen nicht nur wieder möglich ist, sondern eine Freude sein kann. [Der NYT-Architekturkritiker Michael] Kimmelman schrieb kürzlich: 'New York hat sich nach Rezessionen und Rückschlägen immer zurückgekämpft, indem es die großen Träume träumte.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.02.2021 - Architektur

Mit seiner Forderung nach Begrünung städtischer Häuser weckt der Architekt und Ingenieur Rudi Scheuermann, der auch die Schau "Einfach Grün" im Frankfurter  DAM kuratierte, bei FAZ-Interviewer Niklas Maak Ängste, die Frankfurter Wolkenkratzer könnten bald so aussehen, als hätte man ihnen grünen Vollbärte angeklebt: "Im Moment haben wir in Hochhausstädten bis zu zehn Grad höhere Temperaturen als im Umfeld. Wenn man ein Fünftel jeder Gebäudeseite begrünen würde, könnten wir tatsächlich die Überhitzungseffekte in den Städten ausgleichen... Am besten wäre es für die Natur natürlich, wenn wir gar nicht bauten - aber wir bauen eben, und deshalb geht es darum, den Schaden zu begrenzen und mit Begrünung zur Verdunstungskühlung, zur Feinstaubfilterung und zur akustischen Dämpfung beizutragen."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.02.2021 - Architektur

Superstudio, Gli Atti Fondamentali, Vita (Supersuperficie), Viaggio da A a B, 1971 © Superstudio. Photo : Cristiano Toraldo di Francia

In der New York Times freut sich James Imam über die Ausstellung "Superstudio Migrazioni" im Brüsseler Kunstzentrum Civa, die an die Pioniere des italienischen Kollektivs Superstudio erinnert. Superstudio wollte in den siebziger Jahren die Menschen aus der Architektur befreien. Alles, was das Superstudio machte, resultierte aus der Unzufriedenheit mit der Uniformität moderner Architektur, in der die Mitglieder des linken Kollektivs ein Instrument des Kapitalismus sahen, der die Menschen um ihre Macht brachte, ihre Individualtät und Freiheit raubte. Manchmal karikierten sie den Status quo oder überzeichneten ihn, manchmal imaginierten sie eine utopische Zukunft. Die Foto-Montagen der Serie 'Continuous Moments' zeigen einen Monolithen, der die Wüste zerschneidet, den Grand Canyon überspannt und über den Hudson River ragt, um Lower Manhatten sein eigenen Raster aufzudrücken. Die unaufhaltbare Bewegung dieser Form durch natürliche und städtische Landschaften erscheint als Warnung vor der Dumpfheit, die klare moderne Linie erzeugen und unkontrollierte Expansion."
Stichwörter: Superstudio

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2021 - Architektur

Entwurf für das Parlament von Benin. Bild: Kéré Architekt

Dezeen zeigt tolle Entwürfe des Architekten Francis Kéré für das neue Parlamentsgebäude in Benin, das Identität und Demokratie zum Ausdruck bringen soll: "Das Beniner Parlament, das in der Hauptstadt Porto-Novo gebaut werden soll, wird sein Gewicht an die Spitze verlagern, in der Form jener Baumkronen, die den Menschen Raum und Schatten spenden. Der Entwurf soll eine Hommage an die Palaverbäume sein - die seit Gegenrationen westafrikanischen Communities als offene Orte für Zusammenkünfte und Entscheidungen in der Gemeinschaft dienen."

Blätterwerk in allen Lagen. Foto: DAM

Amazon will sein zweites Headquarter in Arlington als bewaldete Spirale in den Himmel schrauben, und liegt damit voll im Trend zur begrünten Architektur, den Stefano Boeri mit seinem Bosco verticale in Mailand angestoßen hat. Schön anzusehen ist das, auch wertsteigernd, gibt Sabine von Fischer in der NZZ zu, aber ganz bestimmt nicht nachhaltig! Botanische Expertise gebe es dagegen in der Schau "Einfach grün - Greening the City" des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt: "So wirksam mit Blätterwerk geschmückte Fassaden im Kleinen das Mikroklima regulieren, so bescheiden bis sogar negativ fällt die Bilanz fürs Weltklima aus: Die CO2-Reduktion, die Pflanzen durch Fotosynthese je bewirken könnten, machen die teilweise langen Transportwege der Gräser, Sträucher und Bäume zunichte. Gar noch nicht eingerechnet, dass manche der grünen Zöglinge in den engen Betontrögen frühzeitig verwelken, obwohl aufwendige Bewässerungs- und sogar Tageslichtsysteme sie am Leben erhalten sollen. Die Versprechen von vollem Blätterwerk in allen Lagen sind oft so gekonnt in Szene gesetzt, dass das Auge sich freut und der Verstand aussetzt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.02.2021 - Architektur

Gern nimmt India Block auf Dezeen in den innovativen Pavillons Platz, die bei den diesjährigen Toronto Winter Stations prämiert wurden. So lässt sich die soziale Distanz während der Pandemie gut überstehen, meint sie, etwa im Entwurf des deutschen Teams Heidundgriess. Sie haben "ihren Pavillon so gestaltet, dass er wie eine Computerladeanimation aussieht. Es heißt 'Throbber', nach dem technischen Namen für animierte Grafiksoftware, die zeigt, dass etwas geladen oder gepuffert wird, beispielsweise das von Apple verwendete Regenbogen-Windrad. 'Throbber' wird zehn regenbogenfarbene Sitzabteile haben, die durch Seitenwände voneinander getrennt sind, sodass die Menschen in sozialer Distanz sitzen können, während sie auf das Ende der Pandemie warten."
Stichwörter: Pandemien

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.02.2021 - Architektur

Weil Hamburg der Raum für Wohnungen ausgeht, dürfen im Norden keine Einfamilienhäuser mehr gebaut werden, und in Architekturforen grassiert jetzt die Angst, dass der Deutschen liebste Wohnunform bald ganz verboten werden könnte, berichtet Niklas Maak in der FAZ. Vielleicht gäbe es bessere Alternativen als ein Verbot, meint Maak, aber ökologisch sinnvoll wäre es durchaus: "Mittlerweile muss es ein 180-Quadratmeter-Massivhaus mit Schottergarten und zwei BMW-SUVs im Doppelställchen sein; der Grad des persönlichen Wohlbefindens wird in Deutschland nicht erst seit Corona in privat okkupierbaren Quadratmetern bemessen. Allein von 1998 bis 2013 stieg der Wohnflächenverbrauch pro Kopf von 39 auf 45 Quadratmeter; in den neuen Bundesländern stieg der Wohnflächenkonsum seit der Wiedervereinigung um 74 Prozent an. Das hat Folgen für die Zersiedlung der Landschaft: Täglich werden in Deutschland über siebzig Hektar - also rund einhundert Fußballfelder - für Siedlungs- oder Verkehrszwecke überbaut."

Apropos: Der Guardian bringt eine fantastische Fotostrecke zur Wohnungsnot in Britannien um 1970.
Stichwörter: Einfamilienhäuser, Corona

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2021 - Architektur

Halle statt Diele: Wohnung im Zürcher Eichbühlquartier. Foto: Fiederlang Habersang Architekten

Unter Bauherren geht der Trend schon länger zu kleinen Wohnungen, weiß Sabine von Fischer in der NZZ und ahnt, dass wir uns alle darauf werden einstellen müssen. Wichtigste Regel: "Der Schnitt einer Wohnung muss so gut sitzen wie ein Kleid; anschmiegsam für die Gemütlichkeit und mit Spielraum für die Bewegung." Die Architekten vom Büro Fiederling Habersang zeigen ihr mit dem Entwurf für die Rautihalde im Zürcher Eichbühlquartier, wie es gehen könnte: "Das Einsparen des Flurs ist im Zug der Trendwende zu kompakteren Grundrissen beinahe zum Normalfall und manchmal zum Knorz geworden. Fiederling Habersang nahmen die Wohnlichkeit ernst und adaptierten die Diele so als Zentralraum, dass sie der Wohnung eine Mitte und auch Ruhe verleiht: An der Decke fasst ein Fries den Raum. Nur ist es kein verzierter Stuck, sondern gegossener Beton, der die Haustechnik kaschiert. Und am Boden wechseln die Terrazzoplatten die Farbe und bringen eine verhaltene Ornamentik in den Raum. Die Anmutung einer Gründerzeitwohnung schwingt mit, Bodenheizung und Doppelverglasung inklusive. Die Patina ergibt sich dann mit den Jahren."
Stichwörter: Fiederling Habersang

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.01.2021 - Architektur

Der Wahnsinn der Titan-Wolkenkratzer wird bald an sein Ende kommen, ist sich der amerikanische Architekt und Umweltpionier James Wines sicher. Aber auch die nachhaltige Architektur wird sich verändern müssen, sagt er im NZZ-Gespräch mit Sabine von Fischer: "Mir geht es um das Verschmelzen von Kunst und Architektur. Als ich vor zwanzig Jahren das Buch 'Green Architecture' schrieb, gab es viele Publikationen über umweltfreundliche Technologien. Aber es gab keine über das eine fehlende Element: die Erscheinung der Gebäude und wie sehr dieser Faktor ihren ökologischen Wert erhöht. Kunst und Öko-Design gehören zusammen, die Idee des Gebäudes wird selbst zum Gegenstand der Kunst. Der Punkt war damals wie heute: Die Menschen wollen niemals ein ästhetisch minderwertiges Gebäude in ihrer Nähe, auch wenn es Thermoglas, Photovoltaikzellen, rezyklierte Materialien und emissionsfreie Teppichböden hat. Wir müssen Ökologie als ein Gesamtsystem respektieren."
Stichwörter: Wines, James

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2021 - Architektur

170 Kilometer Herrschervision: The Line in der arabischen Wüste. Bild: Promo Neom

Geradezu absurd erscheinen Niklas Maak in der FAZ die Pläne des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für die 170 Kilometer lange Bandstadt "The Line" (siehe unsere Resümees am Samstag). Und nur mit Kopfschütteln kann er quittieren, dass diese Reißbrettvision einer Stadt, die "wie ein Schlag mit dem Herrscherschwert" in der Landkarte sitze, als soziales und ökologisches Projekt verkauft wird: "Das kann man - wie auch die Ankündigung, niemand müsse sich in Zukunft mehr als zwanzig Minuten von seinem Zuhause entfernen - als Versprechen oder als Drohung lesen. Neom kündigt den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung an. Jemand, der sich nur fortbewegen kann, wenn er zu Fuß unterwegs ist oder selbstfahrende Autos beziehungsweise vernetzte Schnellzüge nimmt, ist leicht verfolgbar. Niemand kann hier in seinen Wagen springen, volltanken und in der Wüste oder den Bergen verschwinden. Die Stadt als ein Ort, an dem man anonym sein, untertauchen, verschwinden kann, ist hier Geschichte. Die ökologische Optimierung bringt auch eine deutlich bessere Überwachbarkeit der Bürger mit sich."