Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.05.2022 - Architektur

"Bravourös gemeistert", applaudiert Gerhard Matzig in der SZ dem Bregenzer Architekturbüro Dietrich / Untertrifaller, deren Neubau des TUM Campus im Olympiapark München am Montag eröffnet wird. Der Bau überzeugt durch "Raumklugheit und Formschönheit" - und viel Holz: "Vor allem aber ist es den Architekten und Landschaftsarchitekten außen gelungen, ein enormes Raumprogramm verträglich in ein Parkensemble von Rang einzubetten. Fast wie eine weitere Intarsie. Klug ist es auch, die zeichenhaft organische Olympia-Architektur nicht durch eigene Organik zu karikieren. Die orthogonale, selbstbewusste, aber zugleich angemessen zurückhaltend auftretende Campus-Architektur passt gut zum Ganzen. Der Bau, klar strukturiert, ist eigenständig und dient doch dem Umfeld."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.05.2022 - Architektur

Das Haus von Luis Barragán in Mexiko Stadt. Foto: Ymblanter unter cc-Lizenz, 2014


Jahrzehntelang saß die Barragán Foundation im schweizerischen Birsfelden auf dem Nachlass des großen mexikanischen Architekten Luis Barragán. Gewiss, sie erforscht sein Werk gewissenhaft, publiziert aber so wenig, dass das Erbe Barragáns der Öffentlichkeit kaum mehr zugänglich war, berichtet Laura Weißmüller in der SZ. "Und deswegen ist es eine wichtige Nachricht, dass das Barragán-Archiv - was 13 500 Zeichnungen, Pläne und Dokumente umfasst sowie eine etwa gleich große Fotosammlung und eine Reihe von Modellen, Möbeln und Objekten - in das Vitra Design Museum überführt wurde und damit zum ersten Mal dem Publikum zugänglich gemacht wird. 'Wir möchten das Zentrum des Barragánismus sein,' sagt der Archivar Matthias Pühl, der sich nun mit dem Nachlass, mit Archiv-Anfragen und der Digitalisierung beschäftigen wird." Also auf nach Weil am Rhein, wo die Reproduktionen der fantastisch farbigen Bauwerke Barragáns vorerst allerdings noch "überwiegend in Schwarzweiß" in einem Schauraum betrachtet werden können.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.05.2022 - Architektur

So ein klägliches Ende hat das Format IBA nicht verdient, seufzt Danwart Guratzsch in der Welt nach zehn Jahren Internationaler Bauausstellung in Heidleberg. Kein einziges Bauprojekt sei fertig geworden, die wichtigsten seien nicht einmal angefangen, weder Stadt noch Universität hätten sich wirklich engagiert: "Dass das Land Baden-Württemberg nicht die Chance gesehen hat, mit einer beispielhaften Städtebauinitiative in Heidelberg das Gesicht der oft beschworenen neuen Wissensgesellschaft mitzuformen, zeugt über den unmittelbaren Anlass hinaus noch von etwas anderem: vom gänzlichen Verlust der Zuversicht, dass Architektur und Städtebau heute überhaupt noch einen wesentlichen Beitrag zur Gesellschaftsgestaltung leisten könnten. Das ist jedoch kein Heidelberger und kein badenwürttembergisches Problem, sondern fast schon ein globales, zumindest aber ein deutsches."
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.05.2022 - Architektur

Günther Behnischs Olympiastadion mit Frei Ottos Dach Foto: Jorge Royan/Wikimedia CC BY-SA 3.0

In der NZZ huldigt Katharina Matzig dem Münchner Olympiastadion, mit dessen schwingendem Zeltdach Günter Behnisch und Frei Otto vor fünfzig Jahren der Stadt eine Ikone vermachten: "Der antike Dreiklang von Schönheit, Nützlichkeit und Festigkeit, mit dem die Qualität von Bauwerken zu werten ist, entstammt jedoch der Vergangenheit. Der Rang des Münchner Olympiaparks wiederum, der dieses Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, verdankt sich visionärem Mut, unerschütterlichem Glauben und statischem Irrsinn."

Weiteres: Ulf Meyer besichtigt für die FAZ das neue Museum für die Sammlung de Alvear in Cacéres in der Extremadura. In der SZ wundert sich Gerhard Matzig tatsächlich, dass das neue Aldi-Hauptquartier in Essen nicht so unförmig, schmucklos und trist geraten sei wie die typischen Discounter-Filialen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2022 - Architektur

Kevin Hanschke hat für die FAZ eine Ausstellung im Tschechischen Kulturzentrum Berlin besucht, die von Bau und Rezeption der 1979 eröffneten Botschaft der ČSSR, ein Monument des tschechischen Brutalismus, erzählt. "Allein die technische Gestaltung war für die damalige Zeit spektakulär: Auf einer Grundfläche von 48 mal 48 Metern ruht der Würfel aus verdunkeltem Glas, Granit, Stahl und Beton auf Pfeilern. Fünf Geschosse mit abgeschrägten Ecken sind über dem Eingangssockel aufgetürmt und mit kupfergetönten Glasscheiben verkleidet, in denen sich die gegenüberliegenden Plattenbauten spiegeln. Die geometrische Außenhaut mit den Glaskapseln trägt zur skulpturalen Gesamtwirkung bei. Diese äußere Erscheinung steht im Kontrast zum farbigen Design im Inneren, das von Glas- und Textilkunstwerken sowie Einbaumöbeln geprägt ist. Hinzu kommt die durchgängige Nussbaumverschalung, die an böhmische Burgen erinnert. Es gibt kreisrunde Bars, orangefarbene Teppiche und Toiletten- und Telefonkabinen mit Schiebetüren aus Milchglas."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.05.2022 - Architektur

Neues Dorfzentrum von Adept für Aabenraa. Foto: Haans Joosten


Dass gute Architektur auch den immer verwaisteren Dörfern auf dem Land neues Leben einhauchen können, zeigt SZ-Kritikerin Laura Weißmüller die Ausstellung "Schön hier", die das Deutsche Architekturmuseum in einer alten Scheune im Freilichtmuseum Hessenpark aufgebaut hat. Neu gestaltete Dorfzentren können den Bevölkerungsrückgang aufhalten, lernt sie. "Das Rathaus von Meck Architekten in Maitenbeth schafft das mit seinem Sitzungssaal, der sich zum Dorfplatz hin komplett öffnen lässt. In der Schweiz hat das Büro LVPH Architectes dagegen ehemals leer stehende Häuser in der Mitte der Ortschaft Cressier so umgebaut, dass sie im Erdgeschoss nun Gemeinschaftsräume bieten und darüber unterschiedlich große Wohnungen. Und in Dänemark schuf das Büro Adept mit großzügigen Geste eine ringförmige Sitzskulptur, die zum Treffpunkt der Bewohner von Aabenraa avancierte. Krapfen statt Donut ist die Devise, wenn es gilt, dem Flächenfraß am Dorfrand Einhalt zu gebieten und die dümpelnden Dorfkerne zu reaktivieren."

Besprochen wird die Ausstellung "station urbaner kulturen", die an ein Beteiligungs- und Umgestaltungsprojekt des Architekten Lucien Kroll in der Plattenbaulandschaft von Berlin-Hellersdorf erinnert, in der nGbK Hellersdorf (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.04.2022 - Architektur

Zwischen der Potsdamer Garnisonskirche, die seit 2017 wieder aufgebaut wird und dem Rechenzentrum soll ein weiteres Gebäude entstehen, meldet Julia Hubernagel in der taz: "Der Architekt Philipp Oswalt, der sich jahrelang gegen den Bau des Kirchturms eingesetzt hat, hält das für eine gute Idee. 'Der Kirchturm hat keinen Nutzwert, dieses bauliche Symbol braucht daher einen Kommentar', meint er und fürchtet: Bliebe die Fläche frei, so würde die Diskussion darüber, ob nicht auch noch das Kirchenschiff wiederaufgebaut werden solle, niemals enden."

Für die NZZ flaniert Philipp Meier durch Dresden, stets auf der Hut, sich von den Illusionen der Stadt täuschen zu lassen: "Frauenkirche, Zwinger, Residenzschloss und Semperoper bilden das Ensemble einer Residenzstadt längst vergangener Zeiten. Anachronistisch wirkt der Hang der einstigen Kurfürsten zu maximaler Prachtentfaltung. August der Starke vollendete die Veredelung Dresdens zum vielgerühmten Elbflorenz. Von seiner Prunksucht zehrt die Stadt heute noch. Der Wille zur schillernden Illusion, diesem barocken Laster, ist geblieben."
Stichwörter: Garnisonkirche, Dresden

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.04.2022 - Architektur

Zimmer im Wilmina in der Kantstraße. Foto: Grüntuch und Ernst Architekten


In der FAZ begeistert sich Michael Mönninger für den Umbau des ehemaligen Gerichtsgefängnisses an der Berliner Kantstraße, das die Architekten Grüntuch & Ernst in ein Hotel- und Ausstellungszentrum verwandelt haben. Ein "funkelndes Stadtjuwel" ist es geworden, versichert Mönninger. "Um die Wucht der meterdicken Mauern, düsteren Korridore und engen Durchgänge zu mildern, schälten die Architekten alles heraus, was den Lichteinfall behinderte. Radikal an die Substanz gingen sie bei den Zellenfenstern, die nun den Eindruck erwecken, als sei hier die Kunst ins Leben getreten, die der amerikanischer Bildhauer Gordon Matta-Clark seit 1960 beim gewaltsamen Zerschneiden von Altbauten praktiziert hatte. Mit Einverständnis des Denkmalamtes ließen die Bauherren die knapp hundert Oberlichtfenster in den Zellen mehr als doppelt so groß aufbrechen; Bauarbeiter schnitten mit Diamant-Kettensägen die Laibungen bis auf Hüfthöhe herunter. Der Effekt ist umwerfend".

Besprochen wird Greg Woolfs Band "Metropolis" über Aufstieg und Niedergang antiker Städte (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2022 - Architektur

Gegen global austauschbare Schuhschachtelbauten plädiert Robert Kaltenbrunner in der FR für mehr Regionalismus in der Architektur und zwar in der Form der Tessiner Schule, die ortstypische, aber dezidiert moderne Bauten schuf und damit auch Beispiel gab für die Architektur in Graubünden, Südtirol und Vorarlberg: "Bruno Taut, eines unkritischen Historismus sicherlich unverdächtig, notierte 1905 in seinem Tagebuch: 'Wir Architekten gehen zur Tradition zurück. Weil wir einsehen, welche Geschmacklosigkeit durch das Opfern der guten alten Sitte im Bauen eingerissen ist.' Seine Konsequenz lautete: 'Darum wollen wir wieder an das gute Alte anknüpfen und daraus gutes Neues machen.' Daraus darf man folgern, dass die Auseinandersetzung mit den lokalen Gegebenheiten durchaus einen architektonischen Selbstfindungsprozess manifestiert. Mit Retro-Architektur hat das nichts zu tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2022 - Architektur

Meti-Schule von Anna Heringer und Eike Roswag in Bangladesh. Foto: Kurt Hoerbst


Schönheit und Ökologie gehen eher selten zusammen. In der Architektur kann das aber gelingen, versichert die Architektin Anna Heringer, die für ihre Schule aus Lehm in Bangladesch 2007 mit dem Aga-Khan-Architekturpreis ausgezeichnet wurde, im Interview mit Hannes Hintermeier (FAZ). Lehm ist der ideale Baustoff, meint sie. Er ist billig, fühlt sich wunderbar an und eignet sich hervorragend für smarte Städte: "Denken Sie an den hybriden Lehm-Betonbau des Ricola-Kräuterzentrums von Herzog & de Meuron. Dort ersetzen die Wände unheimlich viel Technologie, denn der Lehm übernimmt die Klimatisierung. Und er ist resilient, auch bei Cyberattacken und Stromausfall funktioniert er weiter. Die Suche der Industrie nach 'grünem' Beton ist überflüssig, eigentlich gibt es den schon." In Deutschland stehen allerdings oft die Bauvorschriften vor dem Bauen mit Lehm, so Heringer, "vor allem regiert hier die Angst vor möglichen Fehlern. Das hemmt, denn für Innovation muss man erst einmal mutig sein. Man müsste die Bauordnung einmal nach der Frage durchforsten: Welchen Lobbys nutzt sie?"

Exhibition View © Erik-Jan Ouwerkerk


Im chinesischen Jinyun gibt es um die 3000 Steinbrüche, die aus Sicherheits- wie Umweltgründen aufgegeben wurden, lernt Tagesspiegel-Kritiker Bernhard Schulz in einer Ausstellung der chinesischen Architektin Xu Tiantian im Berliner Architekturforum Aedes, wo er in eine Schlucht hinabsteigen muss um zu sehen, wie man den zerstörten ländlichen Raum wieder mit Leben füllen könnte: "Neun dieser bislang sich selbst überlassenen Ausschachtungen hat Xu Tiantian zu nutzbaren Räumen umgestaltet, um als Bühne, Konzertsaal, Versammlungsort zu dienen. Daher die Treppen und Podeste, besonders eindrucksvoll beim Steinbruch 'Bücherberg', der eine Art Freihandbibliothek aufgenommen hat, wobei das Tageslicht durch den nach oben schmaler werdenden Spalt zwischen den links und rechts aufragenden Felsmassiven fällt."