Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2020 - Architektur

Werk 12, München, 2019, MVRDV. Foto: Ossip van Duivenbode


Bewohnbare "Dschungel" auf Dächern entdeckt Niklas Maak (FAZ) bei den niederländischen Architekten von MvRdV, denen die Berliner Architektur Galerie derzeit eine Ausstellung widmet: "Immer wieder haben sie es geschafft, Bautypologien zu entwickeln, wie sie die Welt noch nicht gesehen hatte - zuletzt 2014 mit ihrer 'Markthal' in Rotterdam, die auf den ersten Blick das ist, was der Name verspricht, nämlich eine Markthalle, aber gleichzeitig auch ein Wohnbau mit 230 Apartments. Das Dach dieser vierzig Meter hohen, hundertzwanzig Meter langen Markthalle ist nämlich ein Hochhausriegel, der sich auf spektakuläre Weise rückwärts wie eine halbe Röhre über den Markt krümmt, als wollte er beweisen, dass auch Häuser Yoga machen können."

Nach zahlreichen Architekten-Ideen (Unsere Resümees) soll Notre-Dame nun also originalgetreu wieder aufgebaut werden. In der FR atmet Christian Thomas auf, dass die "rabiaten und vollkommen enthemmten Vorschlägen von Architekten, die mit der gotischen Kirche nicht nur Lästerliches, sondern mit einem meisterlichen Bauwerk auch Liederliches vorhatten" damit vom Tisch sind.

In der SZ weiß Joseph Hanimann Genaueres: "Wie weit die Originaltreue beim Wiederaufbau des Dachs gehen wird, ob ausschließlich Eichenbalken wie im Mittelalter oder doch auch einige zeitgemäße Materialien zum Einsatz kommen, muss eine künftige Studie klären. Priorität hat vorerst der Abschluss der Räumungsarbeiten. Die Entfernung des vom Brand über dem Kirchenschiff verbogenen Baugerüsts soll im Herbst vollendet sein. Dann können Gewölbe und Mauern stabilisiert werden."

Weiteres:In einem sehr schön bebilderten Artikel würdigt Lydia Pyne (Hyperallergic) die irische Architektin Eileen Gray, der die New Yorker Bard Graduate Center Gallery derzeit eine Online-Ausstellung widmet. In der taz empfiehlt Ronald Berg die Streamingreihe "Kino Siemensstadt" im Berliner Projektraum Scharaun, die 16 Positionen zu Architektur und Städtebau zeigt.
Stichwörter: Notre Dame, Mvrdv

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2020 - Architektur

In der SZ amüsiert sich Gerhard Matzig über Münchens teuerstes Haus, das an der Pienzenauer Straße bei der Isar gebaut werden soll: 1.168 Quadratmeter Wohnfläche für 38,3 Millionen Euro, das sind schlappe 32.791 Euro den Quadratmeter, rechnet der Redakteur, der dann doch nachdenklich wird. Der Bauherr will nämlich ein "schönes Haus" bauen. Aber was ist das, fragt sich Matzig. Bisschen klassizistische Architektur reicht jedenfalls nicht: "Die Persönlichkeiten, wodurch die neuen alten Villen auch zum Wohl des städtischen Lebens glaubhaft belebt werden könnten, sind allerdings rar. Zur Erinnerung: In die ebenfalls am Herzogpark gelegene, nur fassadenweise rekonstruierte Villa von Thomas Mann zog vor Jahren ein Finanzmensch. Wo Thomas Mann seine Bibliothek pflegte, pflegte der Finanzmensch eine Sammlung von Schuhen. Die riesige Villa, außen Nobelpreisträgerhabitat, innen Wellnesswohnen, blieb ohne Bezug zur Stadt. Das Haus strahlt nichts aus. Es ist eine leere Hülle mit geliehener Bedeutung. Wenn [Immobilienmakler] Oliver Herbst von Villen im Herzogpark erzählt, die von indischen Industriellen an russische Oligarchen weitergereicht werden, stiftet das wenig Zutrauen."

Pflegen einen umfassenden Designansatz, der Landschaft, Energie und Umwelt mit Design verbindet: Snøhettas Hotel in Svartisen, Norwegen. Foto © Snøhetta/Plompmozes


Besprochen wird eine Ausstellung mit Entwürfen des norwegischen Architekturbüros Snøhetta im Berliner Aedes Architekturforum (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2020 - Architektur

Die Niemeyer-Sphere in Leipzig. Foto: Superslogman/Wikipedia unter cc-Lizenz


In Leipzig eröffnet die Tage das Restaurant eines Kranherstellers, für das Oscar Niemeyer noch kurz vor seinem Tod 2012 den Entwurf lieferte: eine Kugel auf dem Dach des Kantinengebäudes. Peter Richter hat es für die SZ besucht und steht staunend in den Wolken über Leipzig: "Wie bei den beiden Yin-und-Yang-artigen Formen, aus denen ein Tennisball zusammengefügt ist, greifen hier Kuppelteile aus klassisch geweißtem Niemeyer-Beton und solche aus geodätischen Buckminster-Fuller-Dreiecken mit Glas ineinander: Es ist ein überraschendes Gipfeltreffen eines süd- und eines nordamerikanischen Räumebiegers auf dem Boden von Leipzig-Plagwitz. ... Der zweigeteilte Innenraum der Kugel birgt unten eine kleine Bar, wo sich mit Blick durch die Glasdreiecke auf die Niemeyer-Straße beobachten lässt, wer als Nächstes eintrifft. Dann geht es mit dem Glas in der Hand über eine geschwungene Treppe nach oben, wo die Tische stehen und schließlich eine gewölbte Schiebetür, als wäre es das Haus eines James-Bond-Schurken, auf die Dachterrasse führt. Man schaut dort tatsächlich wie durch eine Sonnenbrille in den Himmel".
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2020 - Architektur

Die Sanierung des Gebäudes des Frankfurter Schauspiel- und Opernhauses scheint vom Tisch, nun wird über einen Neubau diskutiert, weiß Shirin Sojitrawalla in der taz. SPD-Kulturdezernentin "Ina Hartwig hat sich von Anfang an für den Verbleib von Schauspiel und Oper im Herzen der Stadt ausgesprochen. Kultur gehöre in die Innenstadt, ließ sie verlauten. Anfang Juni brachte sie dann einen neuen Vorschlag ins Spiel. Demnach könnte das Schauspiel am jetzigen Standort und die Oper unweit davon, an der oberen Neuen Mainzer Straße, neu gebaut werden. Die beiden Häuser würden sich dann gemeinsam mit dem Jüdischen Museum, der Komödie, den Dependancen des Museums für Moderne Kunst und des Weltkulturenmuseums bis zur Alten Oper zu einer Art Kulturmeile verbinden."

Weiteres: Ebenfalls in der taz plädiert Anna Joss, neue Chefin des Hamburger Denkmalschutzamtes im Gespräch mit Petra Schellen für den Erhalt brutalistischer Bauten: "Es braucht noch viel Einsatz, bis es genauso selbstverständlich ist, solche Bauten zu erhalten wie Gründerzeithäuser, die früher auch einmal flächendeckend abgerissen werden sollten."
Stichwörter: Frankfurter Oper

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2020 - Architektur

Wie "lebenswerter, nachhaltiger und gesünderer" Städtebau funktioniert, lernt Robert Kaltenbrunner in der FR bei dem dänischen Architekten Jan Gehl, der mit seinem Büro "Gehl Architects" "unauffällige", aber "wirkunsgvolle" Konzepte für Innenstädte entwickelt. Gehl setzt "auf die Verknüpfung von eher kurzen Wegen, die die unterschiedlichen Orte des Lebensalltags - Wohnung, Arbeitsplatz, Geschäfte, Schule, Kneipe, Sportstudio, Kino - zusammenführt. Denn diese feinmaschige, lebenspraktische Funktionalität ist essentiell für die lebenswerte Stadt. Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert hat er den Hebel an diesem neuralgischen Punkt angesetzt - und war damit seiner Zeit weit voraus. Der Umbau Kopenhagens begann im November 1962, als die erste Straße der Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt wurde."

In der Berliner Zeitung beschwört Nikolaus Bernau den Glamour der alten Warenhäuser, wie ihn einst das Wertheim-Kaufhaus an der Leipziger Straße versprühte: "Alfred Messel plante den Bau mit seinen gotisch anmutenden Pfeilerfassaden, grandiosen Lichthöfen und dem immensen Materialluxus. Berlins neue Einkaufs-Kathedrale war sofort eine europäische Sensation, ein Konsumtempel, wie ihn Deutschland bis dahin gar nicht kannte, der in Europa allenfalls in London und Paris seinesgleichen hatte, in den USA in New York, Boston und Chicago. (…) Kaiser Wilhelm II. ließ hier eine Sonderverkaufsstätte seiner Majolika-Fabrik Cadinen einrichten, der Teppichsaal lockte die Sammler aus ganz Europa an und im Café traf sich die Frau von Welt. Gleichzeitig, das war der Clou an diesen Häusern generell und am Wertheim speziell, konnte man hier auch ziemlich billig Spitzenbordüren, einen Kochtopf oder Unterwäsche erwerben."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2020 - Architektur

Im Guardian unterhalten sich die britische Architektin Elsie Owusu und der Architekturstudent Shawne Adams über den latenten Rassismus in der britischen Architekturszene. Adams berichtet: "Es fühlt sich so an, als ob der Rassismus jetzt nicht so offenkundig ist, aber er ist immer noch eingebettet in die Art und Weise, wie wir in der Architektur unterrichtet werden - nur die Le Corbusiers und Frank Lloyd Wrights werden besprochen, niemals die schwarzen Architekten wie Paul R Williams [ der bahnbrechende afroamerikanische Architekt, der in seiner 50-jährigen Karriere 3.000 Gebäude entworfen hat]. Die indigene Volksarchitektur schwarzer und ethnischer Minderheiten wurde immer als primitiv und unentwickelt angesehen, aber jetzt erkennen wir, dass sie viel nachhaltiger sein kann als die Art und Weise, wie wir Materialien in der westlichen Welt verwenden."

In der FAZ befürwortet Niklas Maak die Pläne von Johann König und Anton Brandlhuber, den Berliner Mäusebunker und das Hygieneinstitut zum "kulturellen Zentrum" umzugestalten: "Würde man tatsächlich beides, Wissenschaft und Künste, hier als unterschiedliche Formen der Forschung am Menschen zusammenbekommen (etwa das eine im Hygiene-Insitut und das andere im Mäusebunker) - dann würde ironischerweise ausgerechnet in einem ausgedienten Bau jener Betonmoderne, die im Zentrum Berlins der Rekonstruktion des Berliner-Schlosses weichen musste, das gelingen, was dort immer schwieriger zu realisieren scheint."

Weiteres: Ausgehend von einem Plagiatsvorwurf gegen den Architekten Frank Bahrow, er habe die Treppe im Bühnenbild von Christoph Waltz' Fidelio-Inszenierung in Wien von einem Architekturstudenten kopiert, denkt Sabine von Fischer in der NZZ ein wenig grundsätzlicher über Treppen nach. Besprochen wird die Ausstellung "Sight Seeing" in der Kunsthalle Emden (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.06.2020 - Architektur

Die Ideen zum Erhalt des Berliner Mäusebunkers und des Hygieneinstituts werden konkret (Unsere Resümees), meldet Birgit Rieger im Tagesspiegel: "Der Berliner Galerist Johann König und der Architekt Arno Brandlhuber möchten beide Gebäude zum neuen 'kulturellen Zentrum' Berlins ausbauen.  Das schlugen sie in einem Ende Mai an den Charité-Vorstand, den Berliner Kultursenator und den Regierenden Bürgermeister adressierten offenen Brief vor: 'Lasst uns übernehmen - Wir nutzen um.'" Außerdem bestätigte eine Untersuchung des Landesdenkmalamts inzwischen die Denkmalwürdigkeit beider Gebäude, so Rieger weiter.
 
Vor einigen Wochen hatte der ehemalige SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder in der Zeit gefordert, die Skulpturen und Reliefs am Berliner Olympiastadion zu entfernen (Unser Resümee). Man muss schon zwischen Architektur und Politik unterscheiden können, antwortet ihm nun in der Welt Dankwart Guratzsch und warnt: "Während die stehen gebliebenen Monumente in ihrem Heroismus und martialischen Gestus immer komischere, zeitfremdere Züge annehmen, bleiben die beseitigten wie Untote lebendig." Er befürwortet die Pläne des Architekten Volkwin Marg, der das Stadion bereits 2004 sanierte: "Marg plädiert für die Erhaltung der Bautengruppe und ein Dokumentationszentrum vor Ort. Mit seinem Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner hat er dem Stadion ein transluzentes Dach hinzugefügt und unter der 'Führerloge' eine ökumenische Andachtskapelle eingebaut, die innen mit dem Vaterunser in allen Sprachen und außen mit dem Luther-Text aus dem Matthäusevangelium beschriftet ist."

Besprochen wird eine Ausstellung im Atelier Kirchner mit Fotografien aus 110 Jahren Leben in einem Schöneberger Mietshaus (Tagesspiegel).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2020 - Architektur

Wehmütig blättert Oliver Wainwright in einem toll bebilderten Guardian-Artikel in Mohamed Elshaheds Architekturführer "Cairo since 1900", der ihm vor Augen führt, wie viele Gebäude in Kairo in Folge von Präsidentschaftswechseln abgerissen, nie fertiggestellt oder nie begonnen wurden: "Die Auswahl der Gebäude zeigt eine schwindelerregende Vielfalt von Stilen, die im Laufe des Jahrhunderts großzügig verwendet wurden und von aufeinanderfolgenden politischen Führern und ihrem Wunsch, das Vorherige zu überschreiben, gefördert wurden. Da sind die verzierten neomamlukischen Gebäude der frühen 1900er Jahre (oft von europäischen Architekten entworfen, die in Kairo arbeiteten und versuchten, 'kontextuell' zu sein); die kühnen Experimente mit internationalem Modernismus und Brutalismus in den 1950er und 60er Jahren unter Präsident Nasser; die erneute Suche nach Identität in den 1970er Jahren mit der Wiederbelebung der Volkssprache, gefolgt von aufgeblasenen postmodernen Strukturen in altägyptischen Kostümen. Schließlich gibt es eine Handvoll Sci-Fi-Fantasien, die das Reißbrett nie verlassen haben."

Fast wäre Sabine von Fischer die bauliche Veränderung, die die Architekten Herzog und de Meuron am Basler Stadtcasino vorgenommen haben, gar nicht aufgefallen - so "subtil" erscheint ihr der Eingriff. Das neu gestaltete Foyer erstrahlt allerdings in "neobarocker Fülle" und auch die Änderungen an der Fassade sind auf den zweiten Blick erkennbar, schreibt sie: "Die Fassade des Stadtcasinos hat sich unglaublich nah an die Barfüsserkirche herangeschoben, vielmehr: Sie hat sich verdoppelt. Aber diese neue Eingangsseite versucht nicht, die historische Fassade in einer Rekonstruktion zu klonen. Wer noch genauer hinschaut, entdeckt die gefügten Bretter, die erst durch Farbe zu Stein werden. Die ursprüngliche Steinfassade nämlich, restauriert nach allen Regeln der Kunst, steht nun im Foyer. Das Haus hat sich ausgedehnt, verdoppelt sozusagen."

In der FAZ berichtet der Wirtschaftshistoriker Kim Christian Priemel vom geplanten Abriss des Y-Blocks im Osloer Regierungsviertel, dem fast zehnjährige Proteste und Debatten über "finanzielle und sicherheitspolitische, historische und stadtplanerische Erwägungen" vorausgingen. Einst von dem Architekten Erling Viksjo als Symbol eines modernen, "einigen, demokratischen und wohlfahrtsstaatlichen" Norwegens errichtet, überschrieb Anders Breiviks Attentat im Jahr 2011 den Erinnerungsort des Regierungsbezirks, so Priemel: "Das Symbol nationaler Einheit und eines breiten Wertekonsenses teilte sich fortan den geografischen Raum mit jenem Fanal für Bürgerkrieg und Ausdruck mörderischer Intoleranz, das der Rechtsterrorist geplant hatte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2020 - Architektur

Bild: Raimund Abraham. Universal House, 1967. Print, koloriert. Privatsammlung. MAK/Georg Mayer

Bauen war ohnehin nicht die Sache des Architekten Raimund Abraham, vielmehr drückte er seine "Sehnsucht nach dem Raum" in Skizzen und Collagen aus, weiß Wojciech Czaja, der sich für den Standard die Ausstellung "Angles und Angles" im Wiener Museum für angewandte Kunst angesehen hat: "Während Abrahams spätes Werk vor allem eine Huldigung an Metrik, Materialität und Maschinenästhetik ist, die 2001 im 85 Meter hohen Austrian Cultural Forum in New York gipfelte, wirken seine frühen Skizzen, die den Schwerpunkt der Mak-Ausstellung bilden, wie die utopischen Träume von Hans Hollein, Archigram und Coop Himmelb(l)au. Da werden Bälle in der Landschaft platziert, da werden städtische Infrastrukturen in einer schlauchartig um sich greifenden Megabridge gebündelt, da werden die Funktionen des Bauens und Wohnens prototypisch auf ein einziges, kugelrundes Universal House reduziert."
Stichwörter: Abraham, Raimund

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.06.2020 - Architektur

Wer wirklich "klimagerechten, nachhaltigen Städtebau" will, muss Baugesetze ändern, die Architektenausbildung neu konzipieren und Neubau nur noch in Ausnahmefällen genehmigen, fordert Dankwart Gurtatzsch in der Welt. Stattdessen müsse der Baubestand weiterentwickelt werden, schreibt er: "In Österreichs Hauptstadt Wien wird zurzeit die gesamte Innenstadt mit ihrer historischen Gebäudepracht einer solchen unfreiwilligen Verjüngungskur unterzogen. Wiens Altstadt wächst um durchschnittlich zwei Etagen über die alten Traufhöhen empor, und die Lösungen sind zum Teil von solcher Unbedarftheit und gestalterischen Banalität, dass der Liebhaber der Stadt die Zeit herbeisehnt, in der die Architekten wieder beherrschen, was sie doch über Jahrhunderte so gut konnten: das Bestehende weiter zu denken und zu veredeln, statt es zu entstellen. Und dennoch: dieser gigantische Stadtumbau wird den Klimazielen und der Ästhetik viel eher gerecht als alle fassadenmörderischen Dämmungsprogramme zusammengenommen."

Was wird aus den Innenstädten, wenn der Online-Handel den Einzelhandel verdrängt hat, fragt sich Gerhard Matzig in der SZ: "Sind beispielsweise Wohnungen dort denkbar, wo Läden aufgegeben werden? Bedingt. Das Wohnen sollte zwar zurückkehren in die dafür meist zu teuren Innenstädte. Aber das perfekt ineinandergreifende System, das die europäische Stadt auszeichnet, also: oben wird gewohnt (Privatraum) und im Erdgeschoss (öffentlicher Raum) wird gelebt, würde verarmen."

Weiteres: Nachdem das Landesarbeitsgericht die "vorläufige Untersagung der Besetzung" von Florian Pronold als Direktor der Bauakademie (Unser Resümee) bestätigt hat, muss die Ausschreibung wiederholt werden, meldet Ralf Schönball im Tagesspiegel: "Damit haben die beiden Kläger, der Architekt Philip Oswalt und Oliver Elser, Kurator des Deutschen Architektur-Museums, die sich selbst um den Posten beworben hatten, die Besetzung mit Pronold verhindert. Kein Erfolg hatte Elser damit, ein Urteil zu erwirken, dass der Direktorenposten mit keinem außer ihm selbst besetzt werden darf."