Endlich lässt sich dieses Meisterstück der zweiten Wiener Moderne für alle erleben, jubelt Ulf Meyer für Monopol, denn Josef Franks Villa Beer ist aufwendig restauriert worden und ab dem 8. März für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Eleganz des Gebäudes überzeugt auch hundert Jahre später: "Ohne dogmatische Strenge hat Frank einen fließenden Raum über versetzte Ebenen gestaltet - mit Konzertflügel auf einer Empore als sozialem und musikalischem Zentrum des Hauses. Die offene Raumfolge führt entlang eines japanischen Teeraums mit Bullaugenfenster zu den Schlaf-Räumen und Bädern der Bauherrenfamilie. Edle Materialien treffen in der Villa auf nüchtern beige, doppelgeschossige Wände, die nur durch die dekorativen, gemusterten Stoffe, die Frank selbst entworfen hat, einen farbigen Akzent bekommen. Sie werden bis heute von der Firma Svenskt Tenn gefertigt."
Auch Andreas Kilb, ebenfalls FAS, verschlägt es den Atem: In der Berliner James-Simon-Galerie sind in der Ausstellung "Gebaute Gemeinschaften" nun die erst vor gut dreißig Jahren entdeckten Funde von Göbekli Tepe zu sehen - die ältesten bislang gefundenen steinernen Gemeinschaftsbauten der Menschheit: "Die 'Sonderbauten', wie die Wissenschaftler sie vorsichtig nennen, dienten offensichtlich keinen Wohnzwecken. Ihre fensterlosen Räume waren mit Reliefs und Skulpturen geschmückt, einige der T-Stelen sind mit angedeuteten menschlichen Armen und Gesichtern versehen. An den Wänden standen Steinbänke, auf denen sich Zuschauer einer Zeremonie niederlassen konnten, und auf einem Ritzrelief, das im zentralen Raum der Ausstellung gezeigt wird, sind tanzende Körper zu erkennen." Für die FAZ bespricht Uwe Ebbinghaus die Ausstellung.
Ab April tritt Brigitte Franzen die Nachfolge von Annemarie Jaeggi als Direktorin des Bauhaus-Archivs an. Im Tagesspiegel-Gespräch mit Nicola Kuhn erklärt sie, dass sie sich künftig besonders der Rezeption des Bauhauses in der DDR zuwenden will und wie sie es mit den Angriffen durch die AfD hält: "Ich fand die schlichte Wiederholung von Argumenten, die wortgenau von den Nationalsozialisten benutzt wurden, um das Bauhaus aus Dessau zu vertreiben, banal und zugleich entlarvend. Diese Argumente sollen an einer weichen Stelle einhaken, dem Kulturbereich als Ganzen. Nur steckt keine Banalität dahinter, sondern eine faschistoide Partei, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere Idee vom Leben angreift. ... Meine klare Antwort darauf lautet, dass man sich nicht einschüchtern lässt."
In der FAZ ärgert sich Matthias Alexander über die Auswahl der zwanzig Kandidaten für den Preis des Deutschen Architekturmuseums. Alexander findet hier "wenig Überzeugendes", dafür ein klares Muster: "Sie sollten ein Wohngebäude planen, dessen Bauherren Wert auf Gemeinschaftsflächen und flexible Grundrisse legen und einen Materialmix aus Sichtbeton und Holz zu schätzen wissen. Neuerdings ist auch Blech wieder sehr angesagt, sei es in Form von Wellen oder Trapezen. Wer dann noch in der Lage ist, alte Bausubstanz in das Projekt zu integrieren, darf sich einer Nominierung ziemlich sicher sein. Wer aber ein Bürogebäude, ein Einfamilienhaus, eine Fabrik oder gar einen Bau für militärische Zwecke entwirft, sollte sich keine Hoffnungen machen. All diese Gebäudetypen tauchen in diesem Jahr auf der Shortlist nicht auf, und auch in den vorangegangenen Jahren waren sie unterrepräsentiert."
Neue Wege in der Asylpolitik: auch dazu kann die Architektur etwas beitragen, lernt SZler Thomas Kirchner bei einem Besuch im niederländischen Oisterwijk. Entworfen vom renommierten Architekturbüro OMA entsteht dort eine neue Unterkunft für Asylbewerber. Der Bau ist als praktischer Widerspruch gegen die im Land kursierende harsche Anti-Migrations-Parolen geplant - und lässt die Asylbewerber näher an den Rest der Gesellschaft heranrücken: "Das Asylzentrum liegt in einem Waldgebiet, etwas abseits von Oisterwijk. Es wird nun bei laufendem Betrieb umgebaut und erhält neue Wohnbereiche, eine Schule, Sporthalle, ein Mehrzweckgebäude sowie Büros und Magazine, während der alte Bestand abgerissen wird. Alle Einrichtungen und Plätze sollen auch den Stadtbewohnern zur Verfügung stehen, etwa zum gemeinsamen Kochen. Ziel ist, die Integration zu befördern. Bisher waren die Migranten unter sich, umgeben von einem Zaun, der ebenfalls weg soll."
How much is the Fischmarkt? In Sydney 836 Millionen Dollar, so Barbara Barkhausen, die für die NZZ das vom dänischen Architekturbüro 3XN entworfene Gebäude besucht. Die Vergleiche zum Opernhaus sind ihr zufolge vielleicht ein bisschen bemüht, aber hübsch ist der Bau schon, er ist bedeckt von einem "riesigen, elegant geschwungenen Holz- und Aluminiumschirm, der sich über dem Wasser ausbreitet - halb schützende Welle, halb schimmernde Fischhaut. Das 230 Meter lange, wellenförmige Dach aus 594 aus Brettschichtholz gefertigten Balken und 407 Dachkassetten ist mit seinen 2500 Tonnen das größte seiner Art auf der südlichen Hemisphäre. Und es sieht aus, als hätte jemand die Oberfläche eines gigantischen Barramundi in weiß-silberne Schuppen zerlegt und dann sanft über die Bucht drapiert."
Wie man sich "auf sehr grundsätzliche Weise" mit der Geschichte eines Ortes auseinandersetzt, kann Ulf Meyer (FAZ) im Louisiana Museum im dänischen Humlebæk sehen. In der Ausstellung "Memoryscapes" zeigt das Museum Arbeiten des japanischen Architekten Tsuyoshi Tane und der chinesischen Architektin Xu Tiantian. Beiden sei gemeinsam, dass sie sich bei ihren Entwürfen "archäologische, anthropologische und geologische Fragen stellen". "Tanes Entwurf für das neue Imperial Hotel in Tokio ist in der Schau in allen Details zu studieren: Es werden sogar einige Original-Bauteile, die aus dem Vorgängerbau von Wright gerettet werden konnten, in Humlebæk ausgestellt. Die Backsteine und Oya-Tuffsteine mögen nur eine kleine Trophäe sein, die sich vom einstigen Grand Hotel erhalten hat, aber selbst in einem einzelnen Stein zeigt sich Wrights Meisterschaft, mit den Mitteln der Ornamentik eine protomoderne Architektur zu erzeugen, die fast jedermann einnimmt."
In der SZ berichtet Alexander Menden über das Dortmunder Büro Gerber Architekten, das für die Stadt Riad den größten innerstädtischen Park der Welt, den King Salman Park, entworfen hat.
Rettet die Kirchen, ruft Klaus Englert in der taz. Von 45.000 deutschen Kirchenbauten werden bald bis zu 50 Prozent obsolet und vom Abriss bedroht sein, so Englert. Dabei könnte und sollte man die Räume weiter nutzen. Deshalb wird das Festival "Manifesta 16 Ruhr" im nächsten Sommer zwölf profanierte oder entwidmete Kirchen bespielen und damit die ursprüngliche Bedeutung der Kirche als Versammlungsort wiederbeleben: "Denn historisch wurden in Kirchenbauten neben Gottesdiensten auch kulturelle Veranstaltungen, Versammlungen und Märkte abgehalten. Sie wurden wörtlich als ekklesia (griechisch: 'Versammlung', 'Versammlungsplatz', 'Gemeinde'; lateinisch ecclesia: 'Volksversammlung') wahrgenommen."
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