Perlentaucher-Autor

Richard Herzinger

Richard Herzinger war Redakteur der Zeit und Korrespondent für Politik und Gesellschaft der Welt und Welt am Sonntag. Später arbeitete er als Publizist in Berlin (hier seine Seite "hold these truths"). Die Kolumne, die Richard Herzinger für die ukrainische Zeitschrift Tyzhden schrieb, erschien seit einigen Jahren zeitgleich im Perlentaucher. Herzinger starb im Oktober 2025.
Bücher von Richard Herzinger finden Sie hier.
109 Artikel - Seite 1 von 10

Düsteres Zeitalter

Intervention 03.09.2025 Die demokratische Zivilisation im Ganzen ist dramatisch bedroht. Während die hergebrachten Eliten der Rechtsstaaten ausgelaugt und schwach erscheinen, halten sich autokratische Regimes von Venezuela bis Nordkorea zäh an der Macht. Die USA unter der Herrschaft des Trumpismus fallen als demokratische Führungs- und Schutzmacht aus. Im Inneren verwandelt das Trump-Regime die USA zielstrebig in ein autoritäres System. Internet und KI drohen zu Instrumenten eines mit modernsten Mitteln ausgestatteten Irrationalismus zu werden. Von Richard Herzinger

Schillernder Verlierer

Intervention 12.08.2025 Vor 85 Jahren holte Ramon Mercader mit dem Eispickel aus und zertrümmerte Leo Trotzki, der im mexikanischen Exil als eine Art streng überwachter Sektenguru lebte, den Schädel. Seinen Mythos zertrümmerte er nicht,. Trotzki wurde zur Projektionsfigur einer romantischen Linken, die hoffte, einen Totalitarismus ohne Opfer oder zumindest ohne die graue Anmutung des Stalinismus errichten zu können - Trotzki selbst übrigens hatte sich von seinem "Roten Terror" nie distanziert. Von Richard Herzinger

Die Illusionsblase

Intervention 01.08.2025 Wie wenig die Aufarbeitung der Vergangenheit, auf die Deutschland so stolz ist, tatsächlich gefruchtet hat, sieht man Äußerungen zwar wenig bedeutender, aber omnipräsenter Köpfe Ole Nymoen, der glaubt, man könnte sich mit russischer Besatzung einfach arrangieren. Was sich als pazifistischer Standpunkt geriert, ist Ausdruck von Wohlstandsegoismus. Nymoen steht für eine Jugend, der eingeredet wurde, der ewige Friede sei erreicht - und die die Folgen dieser Saturiertheit wird ausbaden müssen. Von Richard Herzinger

Nicht ohne Erfolge

Intervention 15.07.2025 Ob ein "Regime Change" im Iran möglich ist, ist die eine Frage. Die andere Frage ist, wie über die vergangenen Interventionen des Westens in Afghanistan, dem Irak und Libyen gedacht wird: Ist deren  Bilanz überhaupt so gänzlich verheerend, wie es meist dargestellt wird? Wer das behauptet, suggeriert, dass das Fortbestehen monströser Diktaturen wie der Saddams im Irak, der Taliban in Afghanistan und Gaddafis in Libyen dem heutigen Zustand vorzuziehen gewesen sei, hätten diese doch immerhin zur "Stabilität" in der Region beigetragen. Das kommt jedoch einer Verharmlosung dieser Regime gleich, die zu den gefährlichsten der neueren Geschichte zählten. Von Richard Herzinger

Angriff auf Taiwan

Intervention 22.05.2025 Ermutigt von Trump, der die Ukraine fallen lässt, seine Alliierten verhöhnt und mit Putin poussiert, fühlt sich China inspiriert, Taiwan zu überfallen. Denn angesichts der exzessiven Aufrüstung, die das chinesische Regime betreibt, ist zu bezweifeln, dass es sich bei der Unterwerfung der Insel auf nichtmilitärische Mittel beschränken wird. Eine autoritäre Macht, die wie China eine solch gewaltige Militärmaschinerie aufbaut, braucht früher oder später einen realen Krieg. Von Richard Herzinger

Wie kaum eine andere Stimme

Intervention 09.05.2025 Am 6. Juni jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag von Thomas Mann. Seine politischen Schriften verdienen eine neue Lektüre. Man muss nur das Wort "deutsche" durch "russische" und das Wort "Nationalsozialismus" durch "Putin-Regime" ersetzen, um die unheimliche Aktualität der Feststellung Manns zu erkennen, dass "deutsche Forderungen im Munde des Nationalsozialismus niemals dem Frieden, sondern ausschließlich der Machterhöhung und der Verbesserung der Kriegsaussichten gelten", und dass man daher "mit ihrer Erfüllung nicht dem Frieden, sondern dem Krieg" dient. Von Richard Herzinger

Warnung vor dem Pazifismus

Intervention 26.03.2025 Gerade in Deutschland genießt die Idee des Pazifismus bis heute hohe Wertschätzung. Doch tatsächlich hat der Pazifismus bereits im 20. Jahrhundert überwiegend eine verheerende Rolle gespielt. Denn eine konsequente pazifistische Einstellung ließ sich nur unter Ausblendung der Frage durchhalten, wie man sich gegen Mächte unbewaffnet wehren soll, die die Vernichtung anderer Völker betreiben, wie dies heute bei Putins Russland der Fall ist. Kleine Erinnerung an einen Teufelspakt mit moralischem Antlitz. Von Richard Herzinger
1|2|3|4|5|6|7|8|9|10