Alem Grabovac

Die Gemeinheit der Diebe

Roman
Cover: Die Gemeinheit der Diebe
Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446279384
Gebunden, 240 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Mely KiyakSmilja kommt als jugoslawische Gastarbeiterin nach Deutschland. Ihr Leben ist von Akkordarbeit in der Fabrik und den Gewaltausbrüchen ihres Partners Dušan geprägt. Als Dušan stirbt, gerät Smiljas Welt einmal mehr aus den Fugen. Nacht für Nacht hört sie ihn im Schrank klopfen und sucht Erlösung bei einem Wunderheiler. Gemeinsam mit ihrem Sohn Alem, den sie als Kind in eine deutsche Pflegefamilie gegeben hat, ringt sie um Fragen nach Herkunft und Heimat, Schuld und Vergebung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.04.2024

Für Rezensentin Marlen Hobrack verpufft Alem Grabovacs Roman ohne größeren Effekt. Er erzählt in autofiktionaler Manier die Geschichte seiner Mutter, die in den 1960er Jahren aus Kroatien nach Deutschland, Hessen, immigriert, wo sie wegen der harten Fabrikarbeit ihren Sohn Alem in eine Pflegefamilie gibt. Als Thema findet Hobrack das interessant, denn die Arbeiterinnenbiografie sei immer noch unterrepräsentiert, und wie der Autor dabei die Immigration in die "Männerwelt der Fabrik" miterzähle, gefällt ihr. Allerdings fehlt ihr ein wenig literarische Finesse: Viele gute Motive würden "liegen gelassen", mal erzähle der Autor zu wenig (wie im Fall der interessanten Figur des antisemitischen Pflegevaters), mal zu viel (wie bei einer witzigen Situation auf dem Einbürgerungsamt, deren Witz dann aber erklärt wird); und auch dadurch, dass alle Figuren über weite Strecken perfektes Hochdeutsch sprechen, wolle der Roman nicht richtig an "Fahrt aufnehmen". Ein spannendes Thema, dem in Grabovacs Roman allerdings wenig Leben eingehaucht wird, vermittelt die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.04.2024

Rezensent Ulrich Noller ahnt, dass Alem Grabovac mit seinem Roman den Schmerz vertreiben will, das Trauma, ohne die leibliche Mutter aufgewachsen zu sein, die als alleinstehende Frau und "Gastarbeiterin" in Deutschland keine Chance hatte, sich um ihr Kind zu kümmern. Darüber hinaus schärft der Text den Blick auf das Anwerbeabkommen und seine Folgen und setzt der Mutter des Autors ein Denkmal, meint Noller. Eine Story, wie sie eigentlich nur das Leben schreiben kann, findet er.

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