Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

2586 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 259

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2022 - Film

Eine neue Welle Biopics rollt auf uns zu, beobachtet Marion Löhndorf von der NZZ bei dem Blick auf die Startlisten und Produktionsbücher der Filmgesellschaften. "Elvis" war eben schon im Kino, demnächst befasst sich Netflix mit Marilyn Monroe, desweiteren folgen Filme über Robert Oppenheimer, Audrey Hepburn und Bob Dylan. Doch "jedes verfilmte Leben, egal, wie sorgfältig es der Figur folgt, enthält Deutungen, Straffungen und Hinzufügungen und arbeitet häufig an einer Legendenbildung mit, einer Heiligsprechung oder Verdammung. Die drei Generationen der Presley-Familie jedenfalls zeigen sich sehr einverstanden mit dem Mythos Elvis, den Luhrmanns Produktion ihrer Meinung nach glücklich fortschreibt. Berühmte Frauen, Frida Kahlo, Marilyn, Jean Seberg, Judy Garland, werden gern zu Märtyrerinnen stilisiert. Auch Olivier Assayas' kürzlich erschienener Film über Prinzessin Di, 'Spencer', lässt sich auf den Mythos seiner Figur ein, dabei ist er so schräg wie ein düster geratenes Stück Fan-Fiction."

Außerdem: Michael Ranze (FAZ), Daniel Kothenschulte (FR) und Irene Genhardt (Filmdienst) ziehen nach dem Filmfestival Locarno Bilanz (unser Resümee). Gina Lollobrigida (95) möchte in Italien für einen Sitz im Senat kandidieren, meldet Bert Rebhandl im Standard. In der Welt porträtiert Hanns-Georg Rodek den britischen Schauspieler Timothy Spall.

Besprochen werden die Netflix-Serie "Kleo" (FAZ) und das Buch "Queer Cinema Now" mit über 200 Texten zu queeren Filmen, darunter auch viele Kritiken von Perlentaucher-Autoren (Filmdienst).
Stichwörter: Biopic

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2022 - Film

Spielerisch und einvernehmlich: Júlia Murats "Regra 34" fordert heraus

Das Filmfestival von Locarno ist zu Ende - gewonnen haben vor allem: Frauen. Júlia Murats "Regra 34" gewann den Goldenen Leoparden für den besten Film, für die beste Regie ausgezeichnet wurde Valentina Maurel für ihren Film "Tengo sueños eléctricos". "Geballte Frauenpower", sagt dazu Anke Leweke im Dlf Kultur und stellt die Gewinnerfilme im einzelnen kurz vor. Murat fordert ihr Publikum heraus, schreibt Thomas Abeltshauser in der taz, etwa darin, "wie sie die BDSM-Kultur, in der spielerisch und einvernehmlich sexuelle Fantasien um Macht und Unterwerfung ausgelebt werden, direkt neben Aussagen missbrauchter Frauen stellt. Der Körper ist politisch in 'Regra 34' und Murats Film ist ein anarchisches und mutiges Zeichen des Widerstands im rechtsextrem regierten Brasilien und dessen extrem hoher Femizidrate. Bei aller Explizität verhandelt Murat klug Debatten über Gender, Rassismus und Dekolonialisierung, die in ihrer Heimat maßgeblich von der schwarzen Community vorangetrieben werden." Dieser Film "folgt einer Frau, die konsequent versucht, sich aller Regeln zu entledigen", hält Anke Leweke fest - diesmal allerdings im Tagesspiegel. "Es ist eine bewusste und selbstbestimmte Achterbahnfahrt. Und man muss als Zuschauerin entscheiden, ob man aufspringt."

Bei den Schweizer Kommentatoren regt sich derweil Unmut. Es ist der zweite Jahrgang des neuen künstlerischen Leiters Giona A. Nazzaro - und dessen Vorliebe für Thriller, Genre und andere grelle Filmarten lässt manche um die Zukunft des Festivals als gediegene Arthouse-Veranstaltung bangen. "Oft schauten wir in Locarno ein Drama, das irgendwie noch ein Krimi werden musste, oder erlebten übersteuerte Brutalität, die eher irritierend wirkte, als dass sie effektiv gewesen wäre", beschwert sich Pascal Blum im Tagesanzeiger: "Das avanciertere Kino musste man dieses Jahr regelrecht suchen." Es war der 75. Jahrgang des Festivals "und es sah alt aus", kommentiert Andreas Scheiner in der NZZ: Selbst Provinzfestivals haben eine höhere Stardichte und dann gab es zum Auftakt zynisches Geballer mit Brad Pitt: "Man kann einen Actionfilm auf der Piazza programmieren. Aber nicht diesen und nicht an diesem Abend. Wie man hörte, stieß der Brutalo nach dem Risotto-Empfang vielen Leuten sauer auf. ... Die einzig mögliche Erklärung, weshalb man sich für den Reißer entschieden hat: Man hoffte, Hauptdarsteller Brad Pitt würde kommen. Für die Deutschlandpremiere weilte er in Berlin, er hätte es nicht weit gehabt. Er ließ sich trotzdem nicht breitschlagen."

Außerdem: Marion Löhndorf (NZZ) und Daniel Kothenschulte (FR) schreiben Nachrufe auf die Schauspielerin Anne Heche. Besprochen werden Carla Simóns "Alcarràs" (Jungle World, Zeit, mehr dazu hier), Diana El Jeiroudis Dokumentarfilm "Republic of Silence" (Tsp), die Netflix-Serie "Kleo" (FAZ) und die Netflix-Vampirkomödie "Day Shift" mit Jamie Foxx (BLZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2022 - Film

Versuchungen und Verstrickungen: Valentina Maurels "Tengo sueños eléctricos"

Das Filmfestival von Locarno ist "ein Hafen für eine breite, eklektische Mischung aus Filmen und Kinematografien", berichtet Frédéric Jaeger auf critic.de. Im Wettbewerb stößt er mit Valentina Maurels "Tengo sueños eléctricos" auf einen "unheimlich intensiven Film" aus Costa Rica. Es geht um ein pubertierendes Mädchen zwischen zwei Eltern, die sich trennen. "Das Coming of Age wird sehr konsequent aus der Perspektive des Mädchens erzählt, samt allen Versuchungen und Verstrickungen, die in dem Alter naheliegend sind. Mit einer bewegten und bewegenden Handkamera stürzt uns der Film in die wechselhafte Gefühlslage der Protagonistin und antizipiert die Dramen, die sich abzeichnen. Besonders schön ist, wie sich dabei die unterschiedlichen Ebenen der Konflikte (Geld, Status, Poesie, Erotik) gegenseitig durchdringen und bedingen."

Valerie Dirk vom Standard berichtet von den Entdeckungen, die sich hier machen lassen - insbesondere seit das unmittelbare Konkurrenzfestival Venedig vor allem das US-Kino abfischt. "Altmeister Alexander Sokurow beweist, dass das Interesse an neuen, ungewöhnlichen Ästhetiken nicht an das Alter gebunden ist. In 'Skazka' (Fairytale) treffen Hitler, Mussolini, Churchill und Stalin digital aus Archivaufnahmen reanimiert in einem Hieronymus-Bosch-Höllenszenario aufeinander. Sie brabbeln herum, kommentieren die Uniformen der anderen, klopfen an Gottes Tor. Das ist großes Kino, bild- und tongewaltig, komisch und ambivalent. Sokurow kann mit seinem Anti-Propaganda-Film, auch wegen seiner tendenziell Putin-kritischen Haltung, als Favorit gelten. Der Ukraine-Konflikt hat sich hingegen kaum in das Festival eingeschrieben." Mit Sokurows Putinkritik ist es im übrigen aber auch so eine Sache: Andreas Scheiner spricht in der NZZ eher von einer "On-Off-Beziehung" zwischen dem Künstler und dem Präsidenten, der sich auch schon mal persönlich dafür einsetzt, dass der Regisseur seine Filme finanziert bekommt.

Weitere Artikel: Im Filmforum Bremen trauert Marco Koch angesichts leerer Regale in Warschau um das einst reiche DVD-Angebot in Polen, wo man dank englischer Untertitel tief eintauchen konnte in die polnische Filmgeschichte. Marc Hairapetian plaudert für die FR mit den Hauptdarstellern des neuen Kinderfilms "Der junge Häuptling Winnetou" (unsere Kritik). Philipp Stadelmaier schreibt für ZeitOnline einen Nachruf auf die Schauspielerin Anne Heche, die den Folgen eines Autounfalls erlegen ist. Besprochen wird Lav Diaz' auf DVD veröffentlichter Film "Batang West Side" (critic.de).
Anzeige

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2022 - Film

Die Supernase: Dépardieu ist Maigret

Erstmals seit sechzig Jahren gibt es einen neuen Maigret-Film. Die Vorlage? "Maigret und die junge Tote." Der Regisseur? Patrice Leconte. Der Hauptdarsteller? Gérard Depardieu, ausgerechnet. Wer den Film sehen will, wird in Deutschland allerdings nicht glücklich, sondern muss zum Beispiel nach Belgien ins Kino fahren, so wie die beiden Welt-Kritiker Christian Meier-Oehlke und Axel Rüth. Gesehen haben sie einen "Film von schlichter Schönheit und eine einzige Freude für jeden Simenon-Fan, eine Essenz aus knapp hundert Jahren Maigret, die Besichtigung eines Monuments." Und auch "Depardieu verkörpert die Essenz der Figur wie keiner vor ihm. 'Ich glaube gar nichts. Ich vermeide es sogar zu denken. Ich misstraue dem, was ich glaube', sagt Maigret-Depardieu über seine Methode."

Der frühere US-Actionstar Steven Seagal, der seit einigen Jahren die russische Staatsbürgerschaft hat, hat die besetzten Gebiete der Ostukraine besucht, meldet Andreas Scheiner in der NZZ: Seagal will dort eine Doku drehen, "welche die ganze Wahrheit des Krieges ans Licht bringen soll - Seagals Wahrheit. Das Kulturbüro der Duma habe das Unterfangen durchgewinkt, verlauten russische Medien. Wladimir Solowjow, Putins Hofpropagandist, dem 1 200 000 Menschen auf dem Chat-Dienst Telegram folgen, bewirtschaftet fleißig die Meldung von Seagals Besuch. ... Während sein früherer Actionfilm-Kollege Arnold Schwarzenegger mit einer beeindruckenden Videobotschaft den russischen Krieg verurteilte, macht Steven Seagal nun also Auftragsproduktionen für den Kreml."

Weiteres: Katrin Hillgruber berichtet auf Artechock von ihrem Treffen mit Matt Dillon, der beim Filmfestival von Locarno mit einem Preis für seine Lebensleistungen ausgezeichnet wird. Auf Artechock denkt Rüdiger Suchsland darüber nach, was einen "besten Film" auszeichnet, nachdem das British Film Institute aktuell wieder internationale Filmkritiker um Bestenlisten gebeten hat, um, wie alle zehn Jahre, die zehn besten Filme aller Zeiten zu ermitteln. Die Hollywood-Strahlemänner Ryan Gosling und Brad Pitt sind aktuell beide als Killer in derben Actionfilmen zu sehen: "Warum ballern Hollywoods bekannteste und erfolgreichste Männer so gern in ihren Filmen umher", fragt sich Martin Fischer entgeistert im Tagesanzeiger, "fühlen sie sich nicht ein bisschen lächerlich dabei?"

Besprochen werden Jordan Peeles "Nope" (FAZ, NZZ, Jungle World, mehr dazu hier), Carla Simóns Berlinale-Gewinner "Alcarràs" (SZ, mehr dazu bereits hier), Diana El Jeiroudis Dokumentarfilm "Republic of Silence" über Assads Syrien (taz), Mike Marzuks "Der junge Häuptling Winnetou" (Artechock, unsere Kritik hier), Isabelle Stevers Inzestdrama "Grand Jeté" (SZ, Artechock), der auf Netflix gezeigte Vampir-Film "Day Shift" mit Jamie Foxx ("die Ästhetik der Actionszenen könnte man Schichtschlachten nennen", schreibt Juliane Liebert in der SZ), die auf Amazon gezeigte Serie "A League Of Their Own" (FAZ), die auf Apple-TV+ gezeigte Doku-Serie "Five Days at Memorial - Inside the Storm" (taz) und "Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr" mit Timothy Spall (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2022 - Film

Angenehm unaufgeregt: Carla Simóns "Alcarràs"

Für "Alcarràs" hat Carla Simón in diesem Februar den Goldenen Bären der Berlinale erhalten - jetzt läuft ihr mit Laiendarstellern umgesetztes Drama über spanische Pfirsichbauern, die ihren Beruf kaum mehr ausüben können, auch regulär in den Kinos an. Die Regisseurin "präsentiert eine zutiefst entfremdete Welt und das obwohl die Arbeit auf der Plantage noch ganz händisch abläuft, kaum Technologie zwischen Mensch und Natur geschaltet ist", schreibt Jonas Nestroy im Perlentaucher. "Der Sommer und die sonnendurchfluteten Bilder des Films suchen keine Extreme, wollen weder mit flirrender Fieberhaftigkeit elektrisieren, noch die hitzebedingte Paralyse der Hundstage beschwören: Kein Überschuss an Bewegung, aber eben auch kein Stillstand." Das europäische Kino zeigt sich hier bestens in Form, schwärmt Andreas Kilb in der FAZ: "Wenn man sieht, wie Amazon, Netflix und die anderen Streamingdienste die globale Bilderproduktion unter sich aufteilen, fragt man sich manchmal, welchen Platz das europäische Kino in diesem Kartell der audiovisuellen Supermärkte in Zukunft einnehmen wird. Carla Simóns Film gibt darauf eine Antwort. Er passt in kein Serienformat, und er verweigert sich der Ästhetik des Laptops, in der sich ein erklärendes Bild ans andere reiht. Wer ihn sehen will, muss in ihn eintauchen. Er braucht die große Leinwand mehr als die Superheldenfilme." Auch Freitag-Kritiker Jens Balkenborg ist begeistert: "Simóns humanistischer, vor Leben berstender Film, in dem sich Erinnerung und Fiktion berühren, lässt an Regisseurin Chloé Zhao denken. ... . Jedes Paradies, davon erzählt Carla Simón mit angenehmer Unaufgeregtheit, bittersüßer Schönheit und Poesie, hat seine Halbwertszeit und muss irgendwann Neuem weichen. Und dass dieses Neue in Alcarràs eine gesellschaftliche Notwendigkeit ist, die nicht ohne (persönliche) Opfer zu bekommen ist, dass also die Ambivalenzen des Fortschritts aufgezeigt werden, ist nur ehrlich." Für Dlf Kultur hat Patrick Wellinski mit der Filmemacherin gesprochen.

Ganz große Bastelkiste: Jordan Peeles "Nope"


Auf Jordan Peeles neuen, erneut gesellschaftspolitisch tief unterlegten Horrorfilm "Nope" hatten wir an dieser und jener Stelle schon hingewiesen. Nach zwei Erfolgen liegt Hollywood dem afroamerikanischen Regisseur zu Füßen und nur "der Himmel ist die Grenze seiner Fantasie. Wortwörtlich", schreibt Tobias Kniebe in der SZ. Begeistert ist er davon nicht: "Die grenzenlose Freiheit nach einem Sensationserfolg - warum tut sie so vielen Filmemachern nicht gut? Jordan Peele ist da leider keine Ausnahme. Sein Budget erlaubt es ihm, die ganz große Bastelkiste aufzumachen und eine Art Hommage an den Steven Spielberg der 'Unheimlichen Begegnungen' zu inszenieren, da zeigt sich seine Begabung. Anders als sein Vorbild glaubt er aber offenbar, dass er auf starke Figuren und eine packende Geschichte verzichten kann, und dass man ihm schon verzeihen wird, wenn er dieselbe Sequenz immer wieder bringt, nur jedes Mal noch größer." Auch tazler Tim Caspar Boehme wird es an Absurditäten mitunter etwas viel: "Ein bisschen ungelenk didaktisch fügt sich das ins Ganze, überfrachtet es fast. Doch Peele gleicht dies umso stärker mit spektakulären Bildern aus." Auch Julia Lorenz von ZeitOnline hat gewisse Vorbehalte: "Trotz seiner Ideenfülle fühlt sich der 130 Minuten lange Film seltsam zerdehnt an, wie ein Gewaltmarsch durch die heiße Prärie, der einen irgendwann halluzinieren lässt." Für die FR hat Daniel Kothenschulte mit dem Regisseur gesprochen.

Besprochen werden Isabelle Stevers Inzestdrama "Grand Jeté" (Freitag, Tsp, taz), Mike Marzuks "Der junge Häuptling Winnetou" (Perlentaucher, FR, Welt), Jessica Beshirs auf Mubi gezeigter Film "Faya Dayi" (Tsp), Stephen Karams auf Mubi gezeigte Broadway-Adaption "The Humans" (SZ) und "Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr" mit Timothy Spall (SZ). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich in dieser Woche lohnen.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2022 - Film

Mit Exzentrik zum Ziel: "Nope"

Staunend kommt Standard-Kritiker Bert Rebhandl aus dem Kinosaal, in dem er gerade Jordan Peeles neuen Horror-Science-Fiction-Film "Nope" gesehen hat. Auf das Publikum wartet "ein visuelles Ereignis ersten Ranges. Aber auch ein intellektuelles", schwärmt er. Der Film spielt auf einer Pferdefarm im Niemandsland vor den Toren Hollywoods - und trotz einiger Western- und Horrorkreuzung in der Filmgeschichte "hat nie jemand versucht, ernsthaft den Geist von John Ford und Ed Wood mit gleichem Recht und gleicher Leidenschaft zu beschwören." Mit viel "Exzentrik" und noch mehr Zeit gelingt Peele "zu seinem Kernanliegen vorzudringen: eine Begegnung der dritten Art, die zu einem Medienereignis verhelfen soll. Beinahe könnte man meinen, dass Peele zu viele Fäden auslegt", doch "am Ende fügt sich das zu einem ganz großen Film zusammen, zu einer verwegenen Legende von Dingen, die Hollywood so von sich nie wissen wollte."

Außerdem: Regisseure laufen Sturm gegen den Tarifvertrag, den Verdi mit Netflix ausgehandelt hat, meldet Helmut Harting in der FAZ. Besprochen werden Kaspar Kasics' Doku-Porträt über die Feministin Erica Jong (TA), die Filme "Dreizehn Leben" und "The Rescue", die beide die Rettung von in eine Grube gestürzter thailändischer Kinder schildern (ZeitOnline), die Netflix-Adaption von Neil Gaimans Kult-Comic "Sandman" (Presse) und der neue Eberhofer-Krimi "Guglhupfgeschwader" (Standard).
Stichwörter: Peele, Jordan, Horrorfilm

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2022 - Film

Nahost-Korrespondent Christian Meier empfiehlt in der FAZ die mehrteilige ARD-Doku "Mission Kabul-Luftbrücke", die eine auf eigene Faust organisierte Hilfsaktion zugunsten von Afghanen, die für Deutschland gearbeitet haben und nun unter den Taliban deshalb mit dem Schlimmsten rechnen müssen, beobachtet. Der Skandal, das Deutschland zahlreiche Menschen hängen lässt, spielt ebenfalls eine Rolle. "Das Material ist zutiefst beeindruckend. Zu sehen ist, wie afghanische Evakuierungshelfer ihr eigenes Leben gefährden, um Landsleuten bei der Flucht zu helfen. Einer von ihnen, ein Afghane namens Mojeeb, sagt, er habe als Kind immer ein Held sein wollen. Was er gerade tue, sei riskant; aber 'vielleicht werden ein oder zwei Leute stolz auf mich sein'. Es dürften etwas mehr sein: Etwa 2500 Menschen hat die Kabul-Luftbrücke im Laufe eines Jahres aus Afghanistan gebracht. Manche warten indessen bis heute auf das Visum für Deutschland."

In der FAZ amüsiert sich Paul Ingendaay in einer Randbemerkung darüber, dass vereinzelt - "kulturelle Aneignung!" - Kritik dagegen laut wurde, dass James Franco wohl Fidel Castro spielen wird: Dabei "war Fidel Castros Vater Galicier, also ein Spanier des äußersten Nordwestens, während James Franco portugiesische Vorfahren hat, die unmittelbaren iberischen Nachbarn also."

Besprochen werden Isabelle Stevers "Grand Jeté" (online nachgereicht von der FAS) und Peggy Holmes' auf Apple-TV gezeigter Animationsfilm "Luck" (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2022 - Film

Udo Kier mit Bart in "My Neighbor Adolf"

Beim Festival in Locarno präsentiert Udo Kier seinen neuen Film "My Neighbor Adolf", in dem er Hitler zwar nicht zum ersten Mal spielt, aber zum ersten Mal ernst und nicht in einer grellen Groteske. Die NZZ hat den Schauspieler, der einst von Londons Straßen weg für seinen ersten Film gecastet wurde, zum anekdotenprallen Gespräch über Leben und Werk getroffen. Fazit daraus: Der Mann war einfach immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. "Fassbinder lernte ich schon in Köln kennen in einer Kneipe, da war er fünfzehn, ich war sechzehn. Jedenfalls, Sie müssen sich das so vorstellen, dass ich in London mit meinem wenigen Geld in einen Nachtklub wollte, wo die Prominenz verkehrte. Ich wollte das auch einmal erleben. Da habe ich dann also alleine mein Glas getrunken, und es kam der Kellner und sagte: 'Herr Visconti möchte Sie gerne einladen zu einem Champagner mit Herrn Nurejew.' Das war der berühmteste Tänzer der Welt. Ich wusste weder, wer der eine noch wer der andere war, und meinte zum Kellner: 'Sagen Sie doch dem Mann, er soll selber kommen - wieso schickt er Sie?' Es gibt Fotos von dem Abend: Auf der einen Seite hängt Nurejew an mir, auf der andern Visconti. Und dann kam noch ein anderer Mann hinzu, sehr gut aussehend, blond, Helmut Berger. So muss man sich das vorstellen." Seine Rolle im von Andy Warhol produzierten "Frankenstein 3D" verdankte er dann auch dem Umstand, dass er im Flugzeug zufällig neben dem Regisseur Paul Morrissey saß.

Außerdem: Katrin Hillgruber führt im Tagesspiegel durch das Schaffen des Schauspielers Matt Dillon, der in diesem Jahr den Lifetime Achievement Award des Filmfestivals Locarno ausgezeichnet wird.

Besprochen werden der neue Eberhofer-Krimi "Guglhupfgeschwader" (FAZ), die Netflix-Dokuserie "Is anyone up!?", die erzählt, wie es dem Betreiber einer Rache-Porno-Website an den Kragen geht (taz), Régis Roinsards "Warten auf Bojangles" (FAZ), die Netflix-Serie "Uncoupled" (BLZ) und die Animationsserie "Luck" auf AppleTV (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.08.2022 - Film

Das Unbehagen der Minderheiten: "Nope" von Jordan Peele

Der aus dem Fernsehen als Komiker bekannte, im Kino aber auf untergründige Horrorfilme spezialisierte Filmemacher Jordan Peele hat zumindest in den USA den einstigen Kassengaranten Steven Spielberg und Martin Scorsese längst den Rang abgelaufen, stellt Hanns-Georg Rodek in seinem Porträt in der Welt fest. In Peeles neuem Film "Nope" geht es erneut um das Unbehagen der schwarzen Bevölkerung in der amerikanischen Kultur. Etwa was die Tatsache betrifft, dass das heutige Bild von Cowboys einen Weißen imaginiert, wohingegen die historischen Cowboys zum beträchtlichen Teil Schwarze waren. "Sie sind aus der Geschichte des Westens getilgt worden, als Hollywood begann, Western zu drehen", sagt Peele zu Rodek. "'Die entfremdete schwarze Erfahrung hat auch mit der Auslöschung der schwarzen Rolle beim Aufbau Amerikas zu tun', sagt Peele. All seine Filme handeln von diesem unterschwelligen Unbehagen."

Weitere Artikel: Thomas Abeltshauser spricht für die taz mit der Filmemacherin Carla Simón über ihren auf der Berlinale preisgekrönten Film "Alcarràs", der kommende Woche in die Kinos kommt und in dem sie das Schicksal katalanischer Pfirsichbauern schildert. Christine Weissbarth spricht im Filmdienst mit den Filmemachern Stefan Sarazin und Peter Keller über deren (auf Artechock besprochener) Nahost-Komödie "Nicht ganz koscher". Andreas Scheiner von der NZZ hat sich mit Michael Merkt, dem Jurypräsidenten des Filmfestivals Locarno, getroffen. Für die NZZ sammelt Gioia da Silva spekulative Gründe, warum Warner Brothers ihren fertig gedrehten "Batgirl"-Film für immer im Giftschrank zurückhalten wollen. Kevin Spacey ist dazu verurteilt worden, der "House of Cards"-Produktionsgesellschaft 31 Millionen Dollar Schadensersatz zu zahlen, meldet Philipp Bovermann in der SZ.

Besprochen werden der Actionfilm "Bullet Train" mit Brad Pitt nach dem gleichnamigen Roman von Kotaro Isaka (FAZ, SZ, Artechock), Régis Roinsards "Warten auf Bojangles" nach dem gleichnamigen Roman von Olivier Bourdeaut (critic.de), die Netflix-Serie "Sandman" nach dem gleichnamigen Comicklassiker von Neil Gaiman (Welt) und die Netflix-Komödie "Buba" mit Bjarne Mädel (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.08.2022 - Film

Bereits am Mittwoch hat das Filmfestival von Locarno begonnen, FR-Kritiker Daniel Kothenschulte freut sich vor allem auf die Douglas-Sirk-Retrospektive. Sirk, der als Detlef Sierk vor den Nazis in die USA geflüchtet war, hielt viel auf die Staaten. "Etwas allerdings trennte ihn von seinen amerikanischen Freunden: deren unerschütterlicher Optimismus. Seine anhaltende Beschäftigung mit der amerikanischen Mittelschicht war geprägt vom Erleben der Nazi-Diktatur, deren Nährboden er im Kleinbürgertum ausgemacht hatte. Seine späten Meisterwerke wie 'Was der Himmel erlaubt', 'In den Wind geschrieben' und der krönende Abschluss seiner Melodramen für Universal, 'Solange es Menschen gibt' handelten von der Doppelmoral aufstrebender Gesellschaftsschichten. Sein wichtigstes Requisit war dabei der Spiegel, den er in den meisten Filmkulissen unterbrachte. Dass sich das amerikanische Publikum genau diesen von ihm vorhalten ließ, lag wiederum an Sirks positivem Menschenbild. Er liebte seine gebrochenen Heldinnen und Helden."

Besprochen werden Kiyoshi Kurosawas "To The Ends of the Earth" (Tsp, unsere Kritik hier), die Actiongroteske "Bullet Train" mit Brad Pitt nach dem gleichnamigen Roman von Kōtarō Isaka (ZeitOnline, FAZ, Standard), die Netflix-Komödie "Buba" mit Bjarne Mädel (FAZ), Stefan Sarazins Nahost-Komödie "Nicht ganz koscher" (Tsp), Ron Howards "Dreizehn Leben" (SZ), der neue Eberhofer-Krimi "Guglhupfgeschwader" (Tsp, Welt), die Apple-Serie "Surface" (FAZ) und die auf Sky gezeigte Horrorkomödie "The Baby" (taz).