Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.02.2019 - Film

Der letzte Berlinale-Tag im Rückblick: Das Festival endet mit einem Ärgernis - oder mit fulminanter Gospelekstase, je nachdem, mit welchem Film man den Potsdamer Platz verlässt. Nach einem lauen Wettbewerbsjahrgang schwärmen die Kritiker umso mehr von den Entdeckungen im Panorama.

Abseits der Berlinale: Für die taz hat Doris Akrap den Filmemacher Rudolf Thome, den der Verband der deutschen Filmkritik gerade für sein Lebenswerk ausgezeichnet hat, auf seinem Bauernhof in Brandenburg besucht. Akrap ist beeindruckt und irritiert, wie offenherzig Thome über sein Verhältnis zu Frauen und Freundinnen spricht, "wie er einfach loslegt, obwohl eine Journalistin zwecks Porträt mit am Tisch sitzt. Keine Scham. Doch das Befremden weicht schnell. Er ist kein alter Mann, der sabbernd über Frauen redet. Thome redet über seine Gefühle zu den Frauen, wie kompliziert und wie schön alles ist. Und man hört ihm dabei ganz gern zu. Warum sollte das auch langweiliger sein als über die Lage des deutschen Autorenfilms zu sprechen?"

Weiteres: Im großen Dlf-Feature erzählt Lena Töpler, wie die indische Filmindustrie nach #MeToo-Skandalen aufräumt. Besprochen wird die Netflix-Serie "Umbrella Academy" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2019 - Film

Wang Xiaoshuais "So long, my Son"

Rückblick auf den achten Berlinale-Tag: Mit Wang Xiaoshuais "So long, my Son" läuft auf der Zielgeraden doch noch etwas mit Bären-Aussichten, freut sich die FAZ und auch die taz steht dem nicht nach. Der Tagesspiegel feiert derweil Nadav Lapids "Synonymes". Ein insgesamt durchwachsener Wettbewerbsjahrgang neigt sich dem Ende zu.

Abseits der Berlinale: Für die Welt plaudert Jan Küveler mit Robert Rodriguez über dessen (im Standard besprochenen) Blockbuster "Alita". Hanns-Georg Rodek meldet in der Welt, dass Netflix sich der hiesigen Rechtslage beugt und künftig in die deutsche Filmförderung einzahlt.
Stichwörter: Berlinale 2019

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.02.2019 - Film

"Varda par Agnès", außer Konkurrenz im Wettbewerb
Der sechste Berlinale-Tag in unserer Presseschau: Alle lieben Agnès Varda, die rüstige Elder Stateswoman der Nouvelle Vague. Sehr lauwarm besprochen wird Isabel Coixets kunstgewerbliches Drama "Elisa y Marcela". Auch ansonsten alles sehr lau, lauten die Zwischenbilanzen vor dem letzten Drittel des Festival.

Abseits der Berlinale: Sehr beeindruckend findet Nina Jerzy es in der NZZ, wie selbstbewusst Barry Jenkins mit seiner Verfilmung von James Baldwins "If Beale Street Could Talk" umgeht: "Sein Tribut endet nicht im Kniefall und schon gar nicht im Staub. Er wagt es, seinem Idol auf Augenhöhe zu begegnen, und ehrt Baldwin auf die bestmögliche Weise: mit Kunst, die auf eigenen Beinen steht. ... Regisseure mit Talent, Gespür und Mut können die Vorlage mit den Mitteln des Films in etwas Eigenständiges transformieren. Weniger ambitionierte Filmemacher geben sich mit einer Art cineastischem Malen nach Zahlen zufrieden."

Besprochen werden Robert Rodriguez' Mangaverfilmung "Alita" (Presse, Tagesspiegel, der außerdem an die Vorlage erinnert), Nino Jacussos Dokumentarfilm "Fair Traders" (NZZ) und die deutsche Sky-Serie "Acht Tage" (ZeitOnline).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.02.2019 - Film

Angela Schanelecs "Ich war zuhause, aber"
Der sechste Berlinale-Tag im Rückblick: Endlich wahre Filmkunst: Alle schwärmen von Angela Schanelecs "Ich war zuhause, aber" - mit einer prägnanten Gegenstimme. Altmeisterlich geht es derweil in Anatolien zu. Und die neueste Saviano-Verfilmung hypnotisiert den einen und langweilt die Andere. Die NZZ fühlt sich unterdessen vom Festival unangenehm umerzogen.

Abseits der Berlinale: Philipp Stadelmaier bespricht für die SZ Naomi Kawases "Die Blüte des Einklangs" mit Juliette Binoche und Masatoshi Nagase. Die Filmemacherin "filmt eine Begegnung zweier Menschen, die sich von der Liebe fast schon zurückgezogen haben und sie hier noch einmal neu entdecken. Sie bewegen sich ungestüm, ungeschickt, wie beim ersten Mal."

Besprochen werden außerdem Robert Rodriguez' Science-Fiction-Film "Alita" (ZeitOnline) und David Schalkos Serien-Remake von "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" mit Udo Kier (ZeitOnline).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.02.2019 - Film

Gute, alte Zeiten: Filmkritik im Fernsehen.
Der fünfte Tag der Berlinale in unserem Pressespiegel: Carlo Chatrian zieht mit seinem Locarno-Team nach Berlin um, meldet Variety. Zhang Yimous Wettbewerbsfilm "One Second" wurde überraschend aus dem Programm genommen - chinesische Zensur, fragt sich der Tagesspiegel. Ästhetisch reizvoll, aber doch begähnenswert: Denis Côtés "Ghost Town Anthology" im Wettbewerb. Und beim Porträtfilm "What She Said" über die Filmkritikerin Pauline Kael trauert die Filmkritik den alten Zeiten nach.

Abseits der Berlinale: Robert Rodriguez hat mit seinem neuen, auf einer japanischen Manga-Vorlage basierenden Blockbuster "Alita" Hegel und das Actionkino versöhnt, meint Dietmar Dath, gewohnt theorie- und emphasefreudig in der FAZ und versichert: "Leute, die bloß unterhalten werden wollen, dürfen Hegel und Jeremia überspringen, um sich an der besten Heldin-verhaut-Ganoven-Quasiwestern-Barprügelei seit 'Serenity' (2005) zu erfreuen. ... Noch bei irrsten Geschwindigkeiten, wenn Schleifschneider und Damaszenerklingen blitzend aus den Bildern aufs Timing einhacken, lässt Rodriguez den Grundkonflikt des Films nicht los, an den ihn das Drehbuch bindet."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.02.2019 - Film

Maryam Zarees "Born in Evin"
Berlinale, vierter Tag. Das Highlight des Tages verbirgt sich heute in der Perspektive Deutsches Kino: Maryam Zarees "Born in Evin" arbeitet die Grausamkeiten des iranischen Regimes auf. Im Wettbewerb läuft derweil solides politisches Kino aus Osteuropa. Indessen sehr zu Recht außer Konkurrenz: Die Mossad-Räuberpistole "The Operative", über den sich die taz ziemlich die Haare rauft. Dies und mehr - im ausgelagerten aktuellen Festival-Pressespiegel in unserem mehrfach täglich mit Kritiken aktualisierten Berlinale-Blog.

Abseits der Berlinale:  Besprochen werden der offenbar in Klischees ersaufende Episodenfilm "Berlin, I Love You" (Zeit), Liu Jians chinesischer Animationsfilm "Have a Nice Day" (Freitag, unsere Kritik hier) und ein auf Heimmeiden veröffentlichter Dokumentarfilm über Whitney Houston (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.02.2019 - Film

Zweiter Tag der Berlinale. Gezeigt wurden im Wettbewerb Filme von Nora Fingscheidt, François Ozon und Wang Quan'an. Mehr dazu in unserem Pressespiegel in unserem Berlinale-Blog, das im Laufe des Tages mehrfach mit Kritiken aktualisiert wird.

Abseits der Berlinale: Im Filmdienst befasst sich Patrick Holzapfel mit dem widerständigen US-Independentkino. Holger Kreitling schreibt in der Welt zum Tod des Schauspielers Albert Finney.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.02.2019 - Film

Wenig Witz: Lone Scherfigs "The Kindness of Strangers"

Mit Lone Scherfigs "The Kindness of Strangers" wurde gestern Abend die Berlinale eröffnet. Mit der Freundlichkeit von Kritikern dürfen Kosslick und sein Eröffnungsfilm allerdings nicht rechnen: Die Regisseurin zeichnet die Figuren ihres "Großstadtmärchens" über eine Mutter, die mit ihren Kindern obdachlos durch New York zieht, "so klischeehaft und gönnt ihnen so wenig Witz oder Skurrilität, dass man bald jedes Interesse an ihnen verliert", seufzt Thekla Dannenberg im Perlentaucher. Taz-Kritiker Tim Caspar Boehme leidet insbesondere an Andrew Lockingtons musikalischer Untermalung, die "das ohnehin schon stark gefühlsbetonte Geschehen mit gefühliger Musik unnötig in Kitschzonen steuert." Einmal mehr ist es der Berlinale mit dem Auftakt nicht gelungen, "einen Akzent zu setzen, der ihren Rang als populärste und politischste unter den drei großen Kinoschauen bestätigt", schimpft Andreas Kilb in der FAZ. Tagesspiegel-Kritiker Andreas Busche wird es bei diesem "rührigen Charles-Dickens-Personal" weihnachtlich ums Gemüt. Der Film "feiert fast pausenlos die menschliche Güte", schreibt Philipp Schwarz auf critic.de. Keinem großen Eröffnungsknall, sondern lediglich einem "soliden Ploppen" wohnte SZ-Kritiker David Steinitz bei diesem Film bei. Philipp Bühler attestiert dem Film in der Berliner Zeitung "warmen Humor und viel Herz".

In der taz rettet Michael Meyns die Ehre der Sektion "Perspektive Deutsches Kino", von der aus schon viele Regisseure ihren Weg ins Festival fanden, die im Kontext des Festivals aber eher wie ein Ghetto wirkt. Besonders empfehlenswert in diesem Jahr: Deniz Coopers "Fisch lernt fliegen", ein Solitär, "der an die Verspieltheit und vor allem Unbekümmertheit der Nouvelle Vague erinnert. Das ist junges, originelles Kino, Konventionen ignorierend, ikonoklastisch." Außerdem schreiben Gunda Bartels (Tagesspiegel) und Philipp Bühler (Berliner Zeitung) über die "Perspektive".

Kein Placebo, echter Film: Dominik Grafs "Die Sieger" in Wiederaufführung

Im FAZ-Blog rät Bert Rebhandl dazu, Heike Baranowskys Installation "Wosa (Coyote's Burden Basket)" im Forum Expanded zu besuchen: Zu sehen gibt es "Aufnahmen von einem Krater im Death Valley, zwei Filme aus jeweils 2931 Einzelbildern. Ein echtes Filmerlebnis mit 35mm-Kopie, ratterndem Projektor und viel zweiter Natur." Einen Eindruck bietet die Künstlerin auf Vimeo. Apropos Filmmaterial: Im taz-Gespräch wettert Dominik Graf, dessen Actionfilm "Die Sieger" als restaurierter Director's Cut in der Reihe Berlinale Classics läuft, gegen das Digitalkino: "Ich kann nur immer wieder sagen: Film ist Film. 16mm, 35mm, Super 8. Alles andere ist der Versuch eines Placebos. Dass auf die Dauer wahrscheinlich, durch wirtschaftliche Interessen, dieses Filmmaterial nicht mehr vorkommt, ist eine Katastrophe."

Katastrophal ist auch der Zustand des Potsdamer Platzes: Der verfällt nämlich zusehends, weshalb Rüdiger Suchland in seiner ersten Kolumnenlieferung für Artechock ziemlich Trübsal bläst. In seiner zweiten Kolumne rechnet er nochmal mit Kosslick ab: Man habe nicht nur ihn "immer unterschätzt, sondern auch seinen Zynismus". Barbara Schweizerhof schreibt in der taz über Charlotte Rampling, der in diesem Jahr die Hommage des Festivals gewidmet ist. Kirsten Taylor (Tagesspiegel) und Sarah Pepin (Berliner Zeitung) stellen Filme aus der Sektion "Generation" vor. Esther Buss (Jungle World) und Jens Hinrichsen (Filmdienst) führen durch die deutschen Filmemacherinnen gewidmete Retrospektive. Dominik Kamalzadeh porträtiert im Standard die österreichische Schauspielerin Valerie Pachner, die im morgigen Wettbewerbsfilm "Der Boden unter den Füßen" zu sehen ist. Der Tagesspiegel hat sich bei der Filmprominenz nach ihren besten Kosslick-Anekdoten umgehört. Marcus Weingärtner porträtiert den scheidenden Teddy-Chef Wieland Speck. Außerdem plaudern Till Kadritzke, Philipp Schwarz und Andrey Arnold im critic.de-Podcast über den Berlinale-Auftakt.

Besprochen werden François Ozons Missbrauchs-Kirchendrama "Grâce à Dieu" (Tagesspiegel), Jonah Hills Regiedebüt "Mid90s" (critic.de), Aldemar Matias' Dokumentarfilm "La Arrancada" über eine kubanische Nachwuchsathletin (taz) und Bas Devos' "Hellhole" (Berliner Zeitung). Für den schnellen Überblick auch in diesem Jahr wieder äußerst nützlich: Der critic.de-Kritikerinnenspiegel.

Abseits der Berlinale: Variety meldet, dass Netflix drei deutsche Filme produzieren wird - und zwar in Zusammenarbeit mit UFA, X Filme and ZDF. Geplant sind die Immobilien-Satire "Betongold", die romantische Komödie "Isi & Ossi" und "Freaks", ein "Drama über eine Mutter aus der Arbeiterklasse mit übernatürlichen Kräften". Oh weh.
Stichwörter: Berlinale 2019, Berlinale

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.02.2019 - Film

Berlinale-Leiter Dieter Kosslick 2012. Foto: Marc Ohrem Leclef


Heute beginnt in Berlin die 69. Berlinale, die 18. unter Dieter Kosslick und auch seine letzte, bevor im kommenden Jahr Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek den Kampf um die Bären ausfechten lassen. Die Feuilletons ziehen Bilanz: Kosslicks Programmierung war alles in allem "durchwachsen", lautet Tobias Kniebes und David Steinitz' Fazit in der SZ, die in ihrem Rückblick auch einen kleinen Einblick in die Beschwerlichkeiten einer Festivalleitung bieten. Aber: "Hinter der Hallodrifassade, die manchmal auch die Grenze zum Dummschwätzertum überschritt, verbarg sich wiederum ein sehr geschickter Kulturmanager mit ausgeprägten Machtinstinkten, dem die Lokalpolitiker aus der Hand fraßen, der Budget und Einfluss der Berlinale stark vergrößern konnte und für das zahlungswillige Publikum in der Stadt immer neue Reize schuf."

Daniel Haas feiert Kosslick in der NZZ einerseits als großen Erneuerer, der aus Moritz de Hadelns angeblich mäßig besuchter und zu amerikanischer Berlinale überhaupt erst eine Plattform fürs Welt- und  deutsche Kino geschnitzt habe. Von Chatrian wünscht Haas sich zweierlei: Entrümpelung der Sektions-Inflation und ein präziseres Profil des Wettbewerbs: "Wer einen Proporz der Nationen im Wettbewerb herstellen will, fragt irgendwann nicht mehr: Ist der Film gut genug? Sondern: Passt er zur Quote? Ästhetische Kriterien treten bei der Nominierung in den Hintergrund."

Die oft sehr laute Kritik an Kosslick war nicht immer fair, aber der Sache nach durchaus berechtigt, meint Dominik Kamalzadeh im Standard: Zwar "gab es große Filme zu sehen. Aber rundherum dominierte das Mittelmaß - Arthouse-Kino, das die von der Berlinale so gern beschworene politische Aktualität oft nur wie einen Bauchladen umgeschnallt trug. ... Die Hoffnungen, dass [Kosslick-Nachfolger] Chatrian der Berlinale wieder ein deutlicheres Profil verleiht, vielleicht sogar zu einem Ort für Entdeckungen macht, sind, wie übrigens schon bei Kosslicks Bestellung, groß." Die künftige Doppelspitze ist in Andreas Busches Augen "ein notwendiger Schritt" und war wirklich "überfällig", schreibt er im Tagesspiegel. Dlf Kultur hat sich mit Kosslick zum großen Plausch getroffen.

Aber was soll man nun in Berlin sehen? Geht es nach der taz: Vor allem alte Filme. Barbara Wurm empfiehlt in der taz Edith Carlmars "Ung flukt" von 1959 mit Liv Ullmann sowie Bette Gordons "Variety" von 1983, die die Berlinale als Entdeckungen aus den Archiven zeigt. Sara Piazza empfiehlt in der taz die auf der Berlinale gezeigte Restauration von Derek Jarmans "The Garden". Fabian Tietke führt in der taz durch das Programm der Retrospektive. Michael Meyns rät in der taz dazu, auch der "Woche der Kritik" einen Besuch abzustatten, ein von Filmkritikern veranstaltetes Alternativ-Festival. Viele weitere Tipps bieten die Kritikerinnen und Kritiker der SZ und der taz.

Außerdem: Andreas Busche porträtiert im Tagesspiegel die Jury-Präsidentin Juliette Binoche, mit der sich Katja Nicodemus für die Zeit unterhalten hat. Carolina Schwarz meldet in der taz, dass gut 40 Prozent der Wettbewerbsfilme von Frauen stammen und die Berlinale daher im Vergleich mit anderen A-Festivals verhältnismäßig gut dasteht. Nimmt man dann noch die komplett den Frauen gewidmete Retrospektive hinzu, kann die Berlinale sehr stolz auf sich sein, schreibt Tim Caspar Boehme in der taz und verbreitet mit Blick aufs wieder sehr umfangreiche Programm schon mal vorab gute Laune: "Es wird kein schlechter Jahrgang gewesen sein." Detail am Rande: Während sich die Berlinale als Publikumsfestival feiert, läuft dem regulären Kinobetrieb zumindest in Deutschland das Publikum davon, meldet Andreas Kilb in der FAZ. Im letzten Jahr sind 17 Millionen weniger Kinotickets verkauft worden als im Jahr zuvor, während die Zahl der Kinos und Leinwände steigt: "Ein Wachstum, für das es keine wirtschaftliche Grundlage mehr gibt." Detaillierter über diesen historischen Tiefstand berichtet Rudolf Worschech in epdFilm.

Weiteres: Im Filmdienst-Blog blickt Lukas Foerster dem klassischen Hollywoodkino ganz tief in die Augen. Wolf-Dieter Vogel porträtiert in der taz die Schauspielerin Yalitza Aparicio, die für ihre Leistung in "Roma" einen Oscar bekommen könnte. Philipp Krohn schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den tschechischen Regisseur Václav Vorlicek, den man in Deutschland vor allem wegen "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" kennt. Besprochen werden "Frühes Versprechen" mit Charlotte Gainsbourg (Presse), "The Wife" mit Glenn Close (NZZ) und die auf Netflix gezeigte Serie "Nightflyers" nach einer Kurzgeschichte von George R.R. Martin (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2019 - Film

Mehr Dimension, mehr Dunkelheit: Ricky Shayne.

Morgen beginnt die Berlinale: Die Kritikerinnen von critic.de waren wieder fleißig und haben in den Vorab-Pressevorführungen der Nebensektionen eifrig Filme gesichtet und einen bunten Strauß an Empfehlungen zusammengeschnürt: Unbedingt sehen sollte man zum Beispiel Bette Gordons "Variety" von 1983, der als 35mm-Kopie gezeigt wird, schreibt Frederika Horstmann: Der Film "ist ein Kopieglück mit betörenden Blow-up-Farben." Zu sehen gibt es "großartige NYC-Ansichten von Pornokinos rund um den Times Square, von Fischmärkten, Bars und Straßenzügen." Philipp Schwarz hatte in Jonah Hills autobiografischem Regiedebüt "Mid90s" viel Freude: "Immer wieder scheint die Euphorie des Heranwachsens durch." Und Silvia Szymanski wird im Forum Expanded bei Stephan Geenes "SHAYNE" über den Popsänger Ricky Shayne nervös: Der Sänger sprengte damals "das Format der ZDF-Hitparade mit seiner rauen Bluesstimme, seiner auffälligen männlichen Schönheit, musikalischen Glaubwürdigkeit und echtem Glanz. Nichts gegen Schlager, die das Gegenteil verkörpern. Aber Shayne war anders. Mehr Dimensionen. Mehr Rebellion. Und auch mehr Dunkelheit."

Ziemlich spannend klingt auch, was Regisseurin Mariam Ghani im Dlf Kultur über ihren Film "What we left unfinished" (Forum) erzählt, in dem sie sich mit unvollendeten Filmen der afghanischen Filmgeschichte befasst: Da die Filmruinen noch nicht durch den Flaschenhals der Zensur gegangen sind, "sieht man darin auch subversivere Szenen als in anderen Filmen, die vollendet worden sind. Die Realität der Zeit wird viel authentischer wiedergespiegelt." Ein paar kleine Eindrücke hat sie auf Vimeo gestellt:



Besprochen werden Peter Demetz' Buch "Diktatoren im Kino. Lenin, Mussolini, Hitler, Goebbels, Stalin" (Tagesspiegel) und Etan Coens Komödie "Holmes & Watson" mit Will Ferrell und John C. Reilly (FAZ).