Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2020 - Film

"Eurovision Song Contest" mit Will Ferrell. Kein Marvel-Film. Nein, wirklich nicht. (Netflix)


Gar nicht glücklich ist tazler und Eurovision-Song-Contest-Fan Jan Feddersen über die Netflix-Parodie "Eurovision Song Contest" mit Will Ferrell als durchgeknalltem isländischen Weirdo-Popstar: Eine an sich auf Camp getrimmte, immer schon aus queerer Perspektive anschlussfähige Veranstaltung werde hier schlussendlich doch auf straight gewendet: Ferrel sehe "nur Plateauschuhe, wirklich grelle Kostüme, entsetzlich fade, überheizte Performances - und siedelt die Kerngeschichte doch, ideologisch durchaus reaktionär, so an, dass am Ende nicht nur alle blamiert, halbbegabt und irgendwie delirierend wirken, vor allem die Konkurrent:innen bei diesem ausgedachten ESC. Es bleibt auch ein heterosexuelles Liebesglück der kleinen Welt back to Iceland übrig: Schuster:innen, bleibt bei euren Leisten! Man wüsste gern, wie Pedro Almodóvar die Geschichte angelegt hätte."

Besprochen wird außerdem Stepán Altrichters Verfilmung von Jaroslav Rudišs Roman "Nationalstraße" (Tagesspiegel)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.07.2020 - Film

Die Oscar-Academy will diverser werden. Die Entscheidung, zu diesem Zweck auch Narges Abyar aufzunehmen, stößt indessen bei vielen auf: Die iranische Filmemacherin stehe dem Regime in Teheran zu nahe, heißt es. Zwar ist die Sache komplexer als es mancher Tweet erscheinen lässt, erklärt Andreas Busche im Tagesspiegel: "Abyar hat sich in der Öffentlichkeit nie als feurige Unterstützerin des iranischen Regimes zu erkennen gegeben; ihre jugendliche Protagonistin in 'Atem' weigert sich sogar, ein Kopftuch zu tragen. Aber Abyar gehört wie Saeed Roustayi (2019 in Venedig) zu einer neuen Generation von Filmschaffenden, die das Regime - anders als kritische Regisseure wie Jafar Panahi oder Rasoulof - nur zu gerne auch international fördert."

Weitere Artikel: In der Jungle World empfiehlt Esther Buss die Filmreihe "Black Light" im Berliner Kino Arsenal (mehr dazu bereits hier). Barbara Schweizerhof porträtiert im Freitag den Filmverleiher Torsten Frehse. Besprochen werden die Netflix-Serie "Warrior Nun" (FAZ), der auf Netflix gezeigte Anthologiefilm "Homemade" mit im Lockdown entstandenen Filmen (SZ) und Til Schweigers Film über Bastian Schweinsteiger (Freitag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2020 - Film

Echte Gefühle oder gespielte echte Gefühle: "Family Romance, LLC" von Werner Herzog.

Wieder sehr schön geworden ist Werner Herzogs neuer, kleiner Film "Family Romance, LLC", seufzt Sofia Glasl in der SZ. In dem mitunter dokumentarisch anmutenden Werk geht es um eine - tatsächlich existierende! - japanische Agentur, bei der man kurzfristig Ersatz-Familienmitglieder buchen kann (Yuichi Ishii, der Hauptdarsteller des Films, ist im echten Leben der Geschäftsführer dieser Firma). Herzog ist hier einmal sehr intim und leichtfüßig, statt bombastisch, aber treu bleibt er sich doch: "Schauspieler spielen Schauspieler, die Familienmitglieder für Wildfremde spielen, die wiederum selbst nur eine Inszenierung eines Selbstbildes sind. Herzog sucht in der Potenzierung dieser grotesken Realität nach Wahrheit und schrammt dabei bewusst immer wieder an der Unwahrheit entlang" und dies "nimmt bisweilen komische Züge an." Doch "bei aller Ironie geht es Herzog nicht vornehmlich um den voyeuristischen Blick auf exotische Phänomene oder die Einsamkeit seiner Figuren, sondern um die moralischen Implikationen, die ein Unternehmen wie 'Family Romance' mit sich bringt." Zu sehen ist der Film derzeit bei Mubi.

Besprochen werden Abel Ferraras "Siberia" (SZ, unsere Kritik hier), Matteo Garrones "Pinocchio" (NZZ), Kleber Mendonça Filhos und Juliano Dornelles "Bacurau" (Standard), Oz Perkins' "Gretel und Hänsel" (Presse), die Amazonserie "Little Fires Everywhere" (Standard) und die Netflix-Serie "Curon" (Freitag).
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Stichwörter: Herzog, Werner, Japan

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.07.2020 - Film

"Dem Kino geht es nicht schlecht", schreibt ein euphorischer Rüdiger Suchsland auf Artechock, "denn es ist in der Krise. Und dieser Zustand ist produktiv." Vor allem eine Masterclass von Olivier Assayas hat ihn nachhaltig beeindruckt: Der französische Auteur "plädiert für etwas, nicht gegen etwas. Er plädiert für ein Kino der permanenten Neuerfindung und Neudefinition, der permanenten Revolution. Kino habe heute die Verbindung zwischen Praxis und Theorie verloren, es sei 'der Fehler einer Generation' gewesen, das Reflektieren über Film zu akademisieren, 'lebendige Theorie' sei zu einer 'toten Ideologie' geronnen. ... Ich finde, er hat komplett recht in seiner Verabschiedung der Nostalgie. Und das dies zum Besten gehört, das in den letzten Jahren übers Kino gesagt wurde." Wir hören zu:



Annabelle Hirsch spricht in der taz mit der Comiczeichnerin und Filmemacherin Marjane Satrapi, die in ihrem neuen Film Marie Curie porträtiert. Dass die Wissenschaftlerin darin durchaus mal zum Besen wird, liege in der Natur der Sache, meint sie: "Niemand gewinnt zwei Nobelpreise, indem er Kuchen backt und sich den ganzen Tag singend die Haare kämmt. Wer etwas erreichen will, muss hart sein, konzentriert und kompromisslos. Bei Männern akzeptiert man das, findet es sogar bewundernswert, bei Frauen ist es ein Problem. Man will den Mythos der Frau aufrechterhalten - auch Frauen wollen das. Ich habe mich mit manchen Leuten wirklich gestritten, weil sie fanden, Marie sei nicht sympathisch genug. Ich erklärte dann: Wäre sie sympathisch, wäre sie vielleicht deine Ehefrau geworden, aber nicht die bekannteste Wissenschaftlerin aller Zeiten."

Weiteres: In der Berliner Zeitung empfiehlt Claus Löser die Retrospektive Adolf Wohlbrück im Zeughauskino. Besprochen werden Werner Herzogs "Family Romance LLC", der derzeit auf Mubi zu sehen ist (ZeitOnline), Christian Petzolds "Undine" (Jungle World, unsere Kritik) und Clint Eastwoods "Der Fall Richard Jewell" (Tagesspiegel, unsere Kritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.07.2020 - Film

Auf Artechock äußert sich Lars Henrik Gass von den Kurzfilmtagen Oberhausen, die vor einigen Wochen eine überaus erfolgreiche Online-Edition ihres Traditionsfestivals hingelegt haben, ausführlich zur momentan den Betrieb beschäftigenden Gretchenfrage, wie man es nun mit dem Streaming hat. Gass wünscht sich "mehr Komplexitätstoleranz". Nicht zuletzt ist die Dynamik der momentanen Krise auch noch lange nicht eingependelt, vielmehr kulminiert darin eine ohnehin schwelende Krise: "Der Niedergang des Kinos ist nicht allein technologisch zu begreifen und auch nicht durch den Kampf gegen Technologie zu verhindern, sondern nur politisch auf dem Weg zu einer kompromisslosen Musealisierung, die das Kino konsequent von wirtschaftlichen Interessen freistellt und institutionell den anderen Künsten gleichstellt. ... Jetzt soll der Geist in die Flasche zurück; das Potential des Internets für die Festivals und damit für die Filmkultur würde man am liebsten reglementiert sehen. Die Anzahl der möglichen Zuschauerinnen und Zuschauer für ein Programm im Internet soll begrenzt werden, digitale Reichweite der Programme möglichst noch auf den Horizont der Stadt: Replikation der Provinz im Internet. Ein Online-Festival aber sollte nicht geopolitische Grenzen neu errichten. Der Ort ist das Festival, nicht die Stadt. Der nun wirklich nötige politische Aushandlungsprozess unter allen Beteiligten, wie mit Fragen des Geoblockings oder der Festivalpremieren künftig fair umzugehen sei, wird hier zu einem ideologischen Konflikt ('Grabenkampf') verschüttet."

Weitere Artikel: Im Tagesspiegel spricht Simon Rayss mit dem Regisseur Emin Alper, dessen (in der Berliner Zeitung besprochener) Film "Geschichte von drei Schwestern" gerade im Kino zu sehen ist.

Besprochen werden Claude Lelouchs "Die schönsten Jahre eines Lebens" mit Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée, eine Fortsetzung von Lelouchs "Ein Mann und eine Frau" aus dem Jahr 1966 (FR, FAZ), Betrand Bonellos "Zombi Child" (Standard), Harald Friedls Dokumentarfilm "Brot" (ZeitOnline), Carlos A. Morellis "Der Geburtstag" (Tagesspiegel) und Lee Hae-juns und Kim Byung-seos auf Blu-Ray erschienener Katastrophenfilm "Ashfall" (Berliner Zeitung).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2020 - Film

Franz Rogowski und Paula Beer in Christian Petzolds "Undine" (Schramm Film)

"Christian Petzold ist ein moderner deutscher Romantiker", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel über "Undine", Petzolds neuen Film, der auf der Berlinale gefeiert wurde (unsere Kritik) und nach Corona-Umwegen erst jetzt in die Kinos kommt. Der Filmemacher greift den Undine-Mythos von der Wasserfrau auf, die sich in einen Menschen verliebt, und versetzt ihn in die Tristesse der heutigen Berliner Innenstadt: "Die Unbehaustheit der Figuren verleiht Petzolds Werk eine transzendente Qualität; sie streifen durch die Zeitläufe, getrieben von politischen Systemen und ihren Begehren. Schicksalsfiguren, die sich Kräften entgegenstellen, die sie nicht verstehen."

Und Thomas Assheuer schreibt in der Zeit: "Mit verblüffenden Anspielungen macht Petzold" aus der Vorlage "Kinostoff reinsten Wassers, aber er tut es viel radikaler, als es die zarte romantische Deckschicht seines Films vermuten lässt: Die Liebe zwischen Undine und Christoph verkörpert gleichsam das Gegenprinzip zur Welt der ökonomischen Menschen, sie ist jenseits von Tausch und Berechnung, von Kalkül und Habenwollen. Die beiden sind frei und spekulieren auf nichts, oder klassisch gesagt: Sie erotisieren den Intellekt und vergeistigen die Natur." Die Figur der Undine ist üblicherweise eine Projektionsfläche, doch dieser Film ist aus ihrer Perspektive erzählt, lobt Kevin Neuroth im Freitag. Große Gespräche mit dem Regisseur gibt es in der FR und in der SZ (weitere Gespräche resümierten wir bereits hier).

Weitere Artikel: Adrian Daub beobachtet für ZeitOnline, wie Künstler und Künstlerinnen, darunter Tina Fey, die einen Sender bat, einige Folgen ihres Sitcom-Klassikers "30 Rock" wegen Blackfacing-Szenen offline zu nehmen, ihr Werk im Lichte aktueller Rassismusdebatten neu beurteilen. Jenni Zylka wirft in der taz einen Blick auf die Lage der Berliner Kinos, die seit gestern wieder eingeschränkt spielen dürfen. In der Berliner Zeitung geben sich die beiden Berliner Kinobetreiber Iris Praefke und Wulf Sörgel derweil trotz aller Nöte zuversichtlich. Bert Rebhandl schreibt für den Standard ein Kurzporträt der Filmemacherin Sandra Wollner, deren Film "The Trouble with Being Born" bei der Diagonale ausgezeichnet wurde. Nachrufe auf den Regisseur und Schauspieler Carl Reiner schreiben Barbara Schweizerhof (taz), Dirk Peitz (ZeitOnline) und Andreas Kilb (FAZ).

Besprochen werden Dani Levys Verfilmung der "Känguru-Chroniken", die nach der Corona-Pause wieder in die Kinos kommt (taz), Emin Alpers "Die Geschichte von drei Schwestern" (Berliner Zeitung) und Carolina Hellsgårds Urlaubsfilm "Sunburned" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.07.2020 - Film

Für die Berliner Zeitung spricht Patrick Heidmann hier mit dem Schauspieler Daniel Radcliffe über dessen neuen Film "Gun Akimbo" und dort mit dem Schauspieler Andreas Pietschmann über dessen Rolle in der Netflix-Serie "Dark". Julia Dettke porträtiert in der FAZ Lisa Vicari, die ebenfalls bei "Dark" mitspielt und mit ihren 23 Jahren drauf und dran ist, das deutsche Gesicht von Netflix zu werden.

Besprochen werden Christian Petzolds "Undine" (SZ, unsere Kritik hier), der auf Netflix gezeigte Anthologiefilm "Homemade" mit insgesamt 18 im Lockdown gedrehten Beiträgen (FAZ) und Jonas Alexander Arnbys Thriller "Suicide Tourist" (Standard).
Stichwörter: Petzold, Christian, Undine

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.06.2020 - Film

In der taz empfiehlt Silvia Hallensleben die im Berliner Kino Arsenal gezeigte Filmreihe "Black Light" zur Geschichte des Schwarzen Kinos des 20. Jahrhunderts. Zu sehen gibt es neben Oscars Micheauxs Stummfilm "Within out Gates", auf den wir vor kurzem schon hinwiesen, unter anderem auch Shirley Clarkes gemeinsam mit dem Schauspieler Carl Lee geschriebenes Debüt "The Cool World" von 1963. Der Film "profitiert in seiner Authentizität von der Nähe zu seinen nichtprofessionellen jungen Darstellern aus dem Harlem der frühen 1960er. ... Im Zentrum des semidokumentarisch gedrehten Films steht der blutjunge Duke, der durch den Erwerb einer Waffe seine Rolle in der Gang und der Welt überhaupt stabilisieren will. Inszeniert hat die ehemalige Tänzerin Clarke diese Szenen in lyrischem Schwarz-Weiß vor einem melancholischen Soundtrack von Mal Waldron und Dizzy Gillespie mit starken choreografischen Einlagen." Einen keinen, leider sehr verwaschenen Ausschnitt gibt es auf Youtube:



Außerdem: Für die Berliner Zeitung plaudert Patrick Heidmann mit der Schauspielerin Dakota Johnson. Besprochen wird Will Ferrells auf Netflix veröffentlichte Eurovision-Song-Contest-Parodie "The Story of Fire Saga" (SZ, Presse).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2020 - Film

Ab 1. Juli dürfen auch die letzten noch verschlossenen Kinos unter Corona-Maßnahmen den Betrieb aufnehmen. Zeit für eine Sondierung der Lage. Claus Löser plädiert in der Berliner Zeitung dafür, Kinos ähnlich wie Museen und Theater zu würdigen und zu fördern. Wenke Husmann plädiert auf ZeitOnline dafür, dass die Filmförderung weiterhin das Auswertungsfenster schützt, das zugunsten der Kinobetreiber einen zeitlichen Abstand zwischen Kino- und Heimmedien-Start garantiert.

Rüdiger Suchsland, vom französischen Management der Kino- und Verleiherkrise immens beeindruckt, fordert auf Artechock hingegen klare Konsequenzen, nämlich "den Mittelweg einer Dauerverwaltung der Dauerkrise des Kinos zu verlassen, und sich nicht am langsam sterbenden Bestehenden festzuklammern. Es geht nicht um Streamen ja/nein oder um Digital ja/nein, sondern um das Wie von beidem, um dessen Rahmenbedingungen und vor allem um Finanzierung. Die Trägheit vieler Programmkinos verdient keine Förderung, sie schadet der Kinokultur so wie ideenlose Verleiharbeit, und auch zum Erhalt von Cineplexen ist der Hinweis auf viele Arbeitsplätze nicht genug. Die Streamingdienste zahlen jetzt auch in die Filmförderung ein. Sie sind keine Außenseiter mehr, sie sind Teil des Systems. Man kann sie nicht länger ignorieren." Auch Suchslands Artechock-Kollegin Dunja Bialas schlussfolgert nach einer Debattenrundschau: "Ein Bärendienst für die Kultur wäre, wenn ein Grabenkampf zwischen den Verfechtern des 'Neuen' und des 'Alten' entstünde."

Weitere Artikel: Auf 54books würdigt Marcel Inhoff die HBO-Serie "Watchmen", die Alan Moores gleichnamigen Comicklassiker würdig fortsetzt und sich mit seiner Thematik rund um Rassismus und Polizei als Serie der Stunde zu den BlackLivesMatter-Protesten empfiehlt. Ralf Schenk erinnert in der Berliner Zeitung daran, wie die DEFA seinerzeit Klaus Manns "Mephisto" doch nicht verfilmte.

Besprochen werden die deutsche Netflix-Serie "Dark" (FAZ), die auf Starzplay gezeigte Serie "The Great" mit Elle Fanning (Freitag) und neue Heimmedienveröffentlichungen, darunter Don Siegels "Die schwarze Windmühle" mit Michael Caine (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2020 - Film

Blicke, Begehren, Mythos: Christian Petzolds "Undine"

Mit Corona-Verspätung kommt Christian Petzolds "Undine" nach seiner Berlinale-Premiere im Februar (unser Kritik) nun doch noch in die Kinos. Dominik Kamalzadeh (Standard) und Anke Leweke (taz) haben mit dem Filmemacher gesprochen. Inwiefern Wasserwesen aus Märchen und Fabeln Männerfantasien sind, hat Petzold Leweke erklärt: "Sie sind verführerisch, tödlich" und "ihre Geschichten wurden von Männern geschrieben. ... Erst durch Ingeborg Bachmann und ihre Kurzgeschichte 'Undine' wurde mir klar, dass es darum gehen muss, der Frau, die von den Männern erschaffen wurde, eine weibliche Stimme zu geben." Entsprechend wollte Petzold in seinem Film nicht "diesen männlich begehrenden Projektionsblick, der nur noch in der Werbung stattfindet", wie er Kamalzadeh erzählt. "Bei Bachmann kann man die Verzweiflung fühlen, dass Undine nur durch diesen Männerblick erschaffen wird. ... Die nächste Stufe wäre: Undine wird vom Mythos geschaffen und zerstört, aber da kommt ein Mann daher, der ganz arglos ist. Er schaut nicht auf ihre Brüste, auch nicht auf ihren Hintern, sondern sagt ihr, dass ihr Vortrag fantastisch war. Zum ersten Mal spürt sie, dass es ein Begehren gibt, dass nichts mehr mit dem Mythos zu tun hat."

Wenn im Juli allmählich wieder flächendeckend der Kinobetrieb in Deutschland startet, ist die Krise der Branche noch lange nicht überstanden, schreibt David Steinitz in der SZ: "Das Verhältnis zwischen Kinobetreibern und Filmverleihern ist derzeit ein bisschen so wie zwischen Huhn und Ei ... Die Kinobesitzer sagen, dass sie nicht aufzusperren brauchen, wenn sie keine neuen Filme haben, und die Verleiher sagen, dass sie keine neuen Filme starten, wenn noch keine Besucher da sind." Für den Filmbulletin hat sich Oliver Camenzind nach Lage und Strategie der Schweizer Kinos erkundigt.

Weiteres: Thomas Klein hält im Filmdienst zum Start der dritten und letzten Staffel von Baran bo Odars und Jantje Frieses "Dark" (aktuell besprochen auch in der Berliner Zeitung) Rückschau auf die deutsche Netflix-Mystery-Serie, die auch im Ausland gut ankam. Sehr lohnenswert ist es, schreibt Till Kadritzke im Filmdienst, sich nach den Auseinandersetzungen in den letzten Wochen um "Vom Winde verweht" nochmals die Pilotfolge der HBO-Serie "Watchmen" anzusehen. Sofia Glasl widmet sich im Filmdienst dem Kino Shane Carruths.

Besprochen werden eine Schriftreihe des Wiener Filmmuseums über das filmische Schaffen Guy Debords (Filmdienst), Rolf Gieses Aufarbeitung des Zeichentrickfilms im Nationalsozialismus (Filmdienst), Spike Lees "Da 5 Bloods" (Jungle World, unsere Kritik hier) und Will Ferrells für Netflix produzierte Parodie "Eurovision Song Contest" (Standard, FAZ, dazu sprechen Hannah Pilarczyk und Bert Rebhandl im Dlf Kultur sehr ausführlich über Ferrells Qualitäten).