Kategoriale Grenzkonstruktionen wie gesund/krank oder Leben/Tod dienen der Orientierung und Entscheidungsentlastung in der Medizin. Nun ergeben sich nicht zuletzt im Zuge des biowissenschaftlichen Fortschritts Überforderungen dieser institutionalisierten Entscheidungskonventionen und damit neuartige Entscheidungs- und Gestaltungszwänge. Im Anschluss an die Theorie reflexiver Modernisierung lässt sich die Reformulierung dieser Unterscheidungen durch die Experten als notwendige Reaktion auf neue Uneindeutigkeiten verstehen. Grenzpolitik der Experten ist daher nicht einfach gleichbedeutend mit strategischer Rhetorik zur Durchsetzung wissenschaftlicher Autonomieansprüche; sie ist vielmehr Ausdruck einer Suche nach Neuorientierungen jenseits überkommener Leitdifferenzen und Unterscheidungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2006
Hart ins Gericht geht Rezensent Michael Pawlik mit dem Konzept und der Fragestellung des Soziologen Alexander Bogner. Seine Interviews mit Medizinern zur moralischen Bewertung der Pränataldiagnostik ergäben nicht mehr als man ohnehin erwarten könne, nämlich die Argumente der öffentlichen Diskussion in den Medien. Wenn die Mediziner, so der Rezensent, Abtreibung als "Angelegenheit allein" von Eltern ansehen würden, sei dies verständlich, wenn sich aber auch der Autor der "Selbstinterpretation seiner Gesprächspartner" anschließe, mahnt der Rezensent dies als "erstaunlich unkritisch" an. Denn die "Autonomierhetorik" von einer "neuen Symmetriebeziehung zwischen Arzt und Patient" verlange nach einer soziologisch kritischen Analyse der realen materiellen, gesellschaftlichen und institutionellen Zwänge, unter denen die vermeintlich autonomen Entscheidungen von Müttern getroffen werden müssten. Als Beispiele verweist der Rezensent auf die materiellen Sorgen der "unparteiischen" Ärzte und auf die "tatsächliche Akzeptanz behinderten Lebens". Auch wenn der Autor für einen "Ausbau zivilgesellschaftlicher Foren" eintrete, möchte der Rezensent gerne genauer wissen, was darunter und auch unter einer "Normalisierung von Humangenetik und Pränataldiagnostik" zu verstehen sei.
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