Als Frank Schirrmacher im letzten Jahr in der FAZ eine noch nie da gewesene "Akkumulation weiblicher Macht in den Medien" beklagte, dachte er auch an die Fernsehfrauen. Tatsächlich haben Primetime-Ladies wie Sabine Christiansen, Sandra Maischberger und Maybrit Illner den Polittalk fest im Griff, werden die Nachrichten vorwiegend von Sprecherinnen verlesen, beherrschen allerorts attraktive und emanzipierte Frauen den Bildschirm. Frau sieht im Fernsehen also richtig gut aus. Oder? Zwei Journalistinnen, Barbara Sichtermann und Andrea Kaiser, wollten es genauer wissen. Sie haben sich angesehen, wie Frauen heute tatsächlich im Fernsehen erscheinen und welche Rollen man ihnen zuschreibt: als Showmasterinnen und Fernsehmütter, Kommissarinnen und Supergirls, in Sitcoms, Realityshows und Soaps. Mit Interviews, u.a. mit Ulrike Folkerts und Sabine Christiansen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2005
Kurz und bündig fällt das Lob der Rezensentin "tpg" für dieses Buch über Frauen im Fernsehen aus. Danach, meint sie, sei man nicht nur klüger, sondern auch besser gelaunt. Was kann man schon mehr sagen? Die beiden Zeit-Autorinnen Barbara Sichtermann und Andrea Kaiser stehen ihrer Meinung nach hinreichend für Qualität und für die Fähigkeit, essayistische zu schreiben, ohne auf Fakten zu verzichten. Als Beleg führt sie die hübsche Pointe an, wonach der Aufstieg der Frauen mit dem Verschwinden der Ansagerinnen begann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.06.2005
Barbara Sichtermanns und Andrea Kaisers Untersuchung über den Wandel der Rolle der Frau im Fernsehen stimmt Rezensent Eberhard Rathgeb "zuversichtlich". Die Frauen haben aufgeholt, findet er, und spielen im Fernsehen ihre Rollen, ob als Talkmasterin, als Kommissarin, als schlagfertige Göre oder als Chefin. Rathgeb hebt hervor, dass die Autorinnen mit der Entwicklung der letzten dreißig Jahre insgesamt zufrieden sind, auch wenn es hier und dort noch viel zu tun gäbe - "echte Chefinnen" etwa seien in den Redaktionen der Fernsehanstalten die Ausnahme. Angesichts der positiven Entwicklung müssten Fernsehverächter nach Meinung Rathgebs ihre Fernsehverachtung zügeln und den Sozialisationsvorgaben der Sendungen etwas abgewinnen. Was das wäre? "Im besten Falle selbstbewusste Haltungen, dann manche verspielte Attitüden und schließlich distanzschaffende Sprüche."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.05.2005
Erhellend findet Rezensentin Andrea Rinnert dieses Buch, in dem Barbara Sichtermann und Andrea Kaiser einen kritischen Blick auf Frauen im Fernsehen werfen. Ihre Einzelanalysen vermitteln Rinnert zunächst den Eindruck eines geradezu "chaotischen Nebeneinanders von Progressivem und Reaktionärem". Eine Stärke des Buchs sieht Rinnert darin, dass die Autorinnen dieses widersprüchliche Frauenbild im Fernsehen nicht "krampfhaft zu vereindeutigen" suchen, sondern die "Vielfalt" selbst in den Rang des dominierenden "Trends" erheben. Alles in allem enthülle Sichtermanns und Kaisers Blick auch Fortschritte, so seien Frauen im Fernsehen nicht mehr unterrepräsentiert und eklatant benachteiligt. Zu Recht monieren Sichtermann und Kaiser nach Ansicht Rinners allerdings, dass realistische und glaubwürdige Protagonistinnen im Fernsehen nach wie vor sehr selten sind.
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