Als 1960 die "Völkerfreundschaft" als erstes ostdeutsches Urlauberschiff in See stach, war ein ehrgeiziges DDR-Projekt gestartet: "Verdiente Werktätige" sollten Ferien auf den Weltmeeren machen. Die erste wissenschaftliche Darstellung zur Geschichte der DDR-Urlauberschiffe erzählt von den frühen Planungen der SED, der Spendenaktion zum Bau der "Fritz Heckert", von Fluchtversuchen nach dem Mauerbau und von der Begegnung von West- und Ostdeutschen auf der "Arkona".
Barbara Bollwahn hat mit Andreas Stirns "Traumschiffe des Sozialismus" ein neues Kapitel DDR-Geschichte aufgeschlagen und dabei einige höchst interessante Entdeckungen gemacht. Der Historiker und Journalist erzählt in seinem 800 Seiten starken Werk die Geschichte der drei sozialistischen Kreuzfahrtschiffe, welche die SED-Spitze - getarnt als touristisches Angebot - aus politisch-propagandistischen Motiven in die Weltmeere entsandte. Die Rezensentin muss auf ihrem Streifzug durch westliche Gewässer aber feststellen, dass es auf diesen Urlaubsschiffen so ganz und gar nicht sozialistisch zuging: die etwa 9000 "politisch zuverlässigen" Bürger, die auf die Reise gehen durften, wurden verköstigt mit Schildkrötensuppe und exotischen Früchten und legten in den Häfen des nichtsozialistischen Auslands an. Auch von Schmuggel, Saufgelagen und sexuellen Beziehungen zwischen Stewardessen und Einheimischen ist die Rede, so die Kritikerin. Darüber hinaus untersuche Stirn aber auch interessante Fragestellungen, wie diejenige, weshalb die Schiffe trotz Mauer und Mangelwirtschaft betrieben werden konnten. Sehr informativ findet Bollwahn den Einblick in das Leben auf den sozialistischen Traumschiffen, die den Autor doch mehr an "Narrenschiffe" erinnern.
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