Anja Zimmermann

Brust

Geschichte eines politischen Körperteils
Cover: Brust
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2023
ISBN 9783803137326
Gebunden, 272 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Obwohl als "sekundäres Geschlechtsmerkmal" bezeichnet, ist die weibliche Brust von primärem Interesse. Sie nährt, aber verführt auch, gilt als heilig oder verderbt - je nach Zeitalter und Kulturkreis, Kontext und Blickrichtung. An ihrer Einhegung und Tabuisierung wird der männliche Anspruch auf Kontrolle über den weiblichen Körper in vielfältiger Weise augenfällig. Frauenbrüste sind bis heute ein Politikum, wenn sie abseits von Sauna und FKK-Strand öffentlich gezeigt werden, und selbst ihre "haltlose" Sichtbarkeit unter der Kleidung wird als unziemliche Provokation empfunden. Anja Zimmermann untersucht diesen vieldeutig-vielseitigen Körperteil aus verschiedenen Perspektiven, immer aber mit politischer Fragestellung. Es geht um Kunst und Pornografie, um Moden und Geschlechternormen, um Mutterideal und Heteronormativität, um Body Positivity und Selbstbestimmung, Sexismus und Protest. Eine Betrachtung der Bilder und Bedeutungen weiblicher Büsten, und tatsächlich: eine Befreiung!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2023

Interessiert liest Rezensentin Sonja Asal Anna Zimmermanns Buch über die weibliche Brust als politisch brisanten Körperteil. Zimmermann untersucht, lernen wir, Ikonografien der Brust, setzt dabei bereits in der Antike an und landet schließlich in der Gegenwart, in der Brüste oft aggressiv, als Mittel des Protests eingesetzt werden. Material hat die Autorin reichlich gefunden, auch wenn die Abbildungen im Buch laut Asal eher klein geraten sind. Brüste sind eben nicht privat, sondern immer schon an der Grenze zwischen sichtbar und verborgen angesiedelt, so Zimmermanns These. Prägend war, führt Asal mit Zimmermann aus, das Bild der schambehafteten Weiblichkeit, wie es die Medici-Venus verkörpert, an deren kleiner, junger Brust andere Darstellungen unter anderem nichtweißer oder auch älterer Frauen lange gemessen wurden. Zimmermann möchte die Brust von der Normierung befreien, führt die Rezensentin im Weiteren aus, und auch der Verbindung von Brust, Stillen und Weiblichkeit rücke sie mit teils recht eigenartigen Beispielen zu Leibe. Zimmermann nimmt durchaus Partei in diesem Buch, erfahren wir schließlich, und zwar für eine "progressive Busenpolitik" (Zitat Zimmermann), die zum Beispiel darin bestehen könnte, den Körperteil unter praktischen Aspekten zu betrachten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.11.2023

Ein erhellendes Buch über die weibliche Brust hat Anja Zimmermann laut Rezensentin Cornelia Geißler geschrieben. Forderungen nach Gleichberechtigung der Geschlechter hinsichtlich oben-ohne-Baden kommen in dem Buch vor, erfahren wir, und auch Reflexionen über Angela Merkels Dekolleté. Keine umfassende Kulturgeschichte der Brust "von der Steinzeit bis zum Cyberspace" hat Zimmermann geschrieben, heißt es weiter, vielmehr konzentriert sich das Buch auf die vor allem politische Aufladung des Körperteils in westlichen Ländern. Das ist ein sinnvolles Unterfangen, findet Geißler, denn Bilder von Brüsten gibt es überall, Gedanken darüber deutlich weniger. Gut strukturiert sei das Buch außerdem, unter anderem befasse es sich noch mit Verboten im Sport und dem Ungleichgewicht in den Kunstmuseen, wo viele weibliche Akte hängen, aber wenig Bilder von Malerinnen ausgestellt werden.

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