Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Holger Fock. Im Zentrum von Volodines Roman, der im Original 1990 erschien, steht ein außergewöhnliches Paar: das ehemalige RAF-Mitglied Ingrid Vogel und ihr Jäger aus dem BKA, der sich anhand ihres Fahndungsfotos unsterblich in sie verliebt hatte. Dennoch oder gerade deswegen verhilft er ihr zur Flucht. In den letzten gemeinsamen Tagen in einem Lissabon a là Pessoa steht zwischen ihnen Ingrids titelgebender Schlüsselroman über den Untergrundkampf, den sie im fernen Exil schreiben will, den der Geliebte ihren Gedanken abliest: Literarische Polit-Fiction voller Rückbezüge auf den Terrorismus der 70er-80er Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2023
Das vom Autor Antoine Volodine (ein Pseudonym für Jean Desvignes) geschaffene Genre des "post-exotisme" kennt nur ein Ziel: Verwirrung des Lesepublikums, das weiß nach der Lektüre eines überwältigend unübersichtlichen Romans jetzt auch Rezensent Cornelius Wüllenkemper. Der Inhalt bezieht sich zunächst einmal auf eine deutsche Ex-Terroristin, der ein BKA-Beamter eine neue Identität und Heimat vermitteln soll, dabei treffen allerhand konspirativ-kryptische Handlungsstränge zusammen, die von Gedächtnislöschung durch eine nicht näher erklärte "Bienenstockdiktatur" bis zum RAF-Terror alles Denkbare abgrasen, so Wüllenkemper. Für ihn ergeben sich keine Antworten, sondern neue, inspirierende Fragen zur Wirkmächtigkeit von Literatur bei dieser "genüsslichen Dekonstruktion" bekannter Erzählschemata, deren Poetik ihn begeistert hat.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.01.2023
Absolut wahnsinnig ist der nach dreißig Jahren erstmals ins Deutsche übersetzte Roman "Einige Einzelheiten über die Seele der Fälscher", findet Rezensent Thomas Wörtche. Schon der Inhalt ist für ihn schwer zusammenzufassen: Es geht um die RAF, aber auch um Literarizität als solche und um Kunstsprachen. Durchschaubar sei das alles eher nicht, dafür aber ein großes, rastloses Abenteuer, das sich Zuordnungen und Genres entzieht: Volodine mischt Textsorten, Vergangenheit und Zukunft, Genres, Fach-, Kunst- und Alltagssprache zu einem "Post-Exotismus", wie er das selbst nennt, lesen wir. Wer also auf einen Plot verzichten kann, dem empfiehlt Wörtche dieses Buch als großes Leseabenteuer.
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