Arne Roß

Pauls Fall

Roman
Cover: Pauls Fall
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783895612114
Gebunden, 193 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Unruhig sitzt der alte Mann in der Küche seines Hauses, er scheint auf etwas zu warten, fast erdrückend ist die Spannung, die sich um ihn herum aufbaut. Seine Unruhe hält an, als er aufbricht, um "noch ein paar Dinge zu erledigen". Er geht durch sein Dorf, macht Besuche, durchwandert die umliegende Landschaft, an einem warmen, windigen Oktobertag. Es ist die Zeit der Herbstmanöver. Eine unbestimmte Furcht zieht sich durch Pauls Wahrnehmungen, und mehrmals nimmt er Haltung an, so "als müsse er sich vor jemandem zeigen". Warum schreckt er immer wieder auf?
Paul ist ein schweigsamer Mann: Mit G., seiner Frau, und den Nachbarn Dr. Frost und Professor Schneider wechselt er nur wenige Worte. Welches Verhältnis hat er zu Ingeborg, der alten Freundin, die er bei Einbruch der Dunkelheit aufsucht? Was denkt Paul? Auch der Erzähler scheint darüber zu schweigen. Am Ende dieses außergewöhnlichen Tages wird Paul zur Rede gestellt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2006

Für Gisa Funck stellt dieser Roman eine Merkwürdigkeit dar. Wenn es sich wirklich um ein Buch über das Sterben handelt, wie die Rezensentin eingangs ihrer Besprechung vermutet, dann ist es jedenfalls ein ungewöhnliches. Die Akribie, mit der Arne Roß den todgeweihten Helden beobachtet, bildet für Funck einen Gegensatz zu der auffallenden perspektivischen Teilnahmslosigkeit des Autors seiner Figur gegenüber. Erklärungen, Kommentare oder Einblicke in ihr Inneres sucht Funck vergebens. Und so erscheint ihr dieser Text über den Tod höchst unversöhnlich. Als Lehrbuch über die Kunst des Sterbens würde sie ihn nicht empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.06.2006

Rezensent Jörg Magenau scheint gehörig genervt von Arne Roß' Roman über den letzten Lebenstag eines alten Mannes. Magenau will gar nicht in Abrede stellen, dass der Autor gut beobachten und "präzise beschreiben" kann. Doch fehle es dem Buch an Handlung, ja sogar Ort und Zeit bleiben vage. Und so werden Roß' Beschreibungen zur bloßen "impressionistische Oberflächengestaltung", so Magenau. Den beschriebenen Dinge fehlt das Potential, ein eigenes Leben zu entfalten und dem Protagonisten fehlt es an einem interessanten Bewusstsein. Magenau vergleicht diesen Roman mit Inka Parei, die sich mit ihrem Roman 'Was Dunkelheit war' an einem ähnlichen Thema versucht und dabei deutlich besser abschneidet. In diesem Roman von Arne Roß findet der Rezensent dagegen nur "zähen Manierismus" und Langeweile. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2006

Rezensent Christoph Schröder gibt zwei Warnungen zu Arne Ross' Roman "Pauls Fall" aus. Er mute seinem Leser viel zu, weil darin nichts geschieht. Man beobachtet einen alten Mann einen Tag lang, begleitet ihn beim Kuchenessen, Zeitunglesen und Spuckefaden-Ignorieren. Und doch, das ist die zweite Warnung, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen: "in diesem Buch geschieht unheimlich viel". Arne Ross habe die Fähigkeit, die Zeit zu dehnen, bis man es kaum noch erträgt. Ihm gelinge es, den Leser von einer positiven, weil mitleidgeprägten Haltung gegenüber dem Alten hin zu einer Skepsis zu führen, die sich erst nach und nach bemerkbar macht. Dies geschieht, so der Rezensent, indem Ross einen "Schwebezustand" in seinem Roman aufrecht erhält, hinter dem der Leser eine permanente Gefahr vermutet. Des Autors Romanheld sei zwar in keiner Weise interessant, aber er befindet sich "am Rande des Abgrundes", und das, so meint der Kritiker, macht ihn dann doch reizvoll. Die "äußerst kunstvolle Art", in der Ross erzählt, bringt eine "unheilvolle Endzeitstimmung und atmosphärische Aufgeladenheit" in den Roman, der so zum "Erlebnis" wird.

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