Die Autorin ruft uns durch Interviews und psychologische Kommentare ins Gedächtnis zurück, welche bis heute wirkenden psychischen und familiendynamischen Spätfolgen durch Krieg, Flucht und Vertreibung für die Kinder der aus dem Osten Vertriebenen entstanden sind. Es geht um die Schmerzen des Heimat- und Identitätsverlustes, um die Bürde der Vaterlosigkeit, um die Folgen von Hunger in der frühen Kindheit und schweren Entbehrungen sowie um Diskriminierungen als "Flüchtlinge".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.07.2000
Die Autorin hat lange gebraucht, schreibt Tilmann Moser, sich dem Schicksal ihrer "Standes" zuzuwenden, des Adels nämlich, der aus den deutschen Ostgebieten 1945 vertrieben wurde. Bewandert in der "Mehrgenerationen-Therapie" wandte sie sich den Spätfolgen dieser Entwurzelung zu, denn "das Tabu des Schweigens lag auch über ihrer Familie." Nicht verarbeitete Störungen werden, wie man inzwischen weiß, durchaus von Generation zu Generation weitergereicht. Und im Falle des deutschen Adeligen des Ostens ging es, so Moser, nicht nur um verlorene Güter, sondern um einen oft gravierenden Identitätsverlust. Gesteigert wurde die Unmöglichkeit des Sprechens über die erlittenen Verluste häufig noch durch die Tatsache, dass ein Teil der Familie hohe NS-Funktionen eingenommen hatte, während ein anderer im Widerstand aktiv war. Moser lobt besonders die "Lesbarkeit" des Buches und findet, dass "Konzepte der Tiefenpsychologie (...) allgemein-verständlich in Anspruch" genommen werden. Merkwürdig bleibt, dass der Rezensent nur vom Adel schreibt, denn der Untertitel des Buches nennt allgemeiner den Gegenstand der Untersuchung als "deutsche Vertriebene", - und die wenigstens von ihnen besaßen Rittergüter...
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