Mit Texten von Esther Leslie und Friedrich Meschede. Fotografie und Erinnerung verbinden sich in Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" und ganz spezifische Details färben seine Beschreibung dieses Lebens um 1900: die organischen Formen von Gartenstühlen auf den Balkonen, die Feinheiten von Tane Lehmanns Miniatursteinbruch, das Wirbeln des fallenden Schnees, das aus dem Fenster eines warmen Wohnzimmers von einem büchervernarrten, kränklichen bürgerlichen Jungen betrachtet wird. Sich an Gegenstände und Orte zu erinnern, ermöglicht die Skizzierung vergangener Erfahrung - wie man ganz zu Beginn des Jahrhunderts lebte und fühlte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.09.2002
Aura Rosenberg, die vor zehn Jahren aus den USA mit Mann und Kind in die Stadt zurückgekehrt ist, die ihre Familie 1939 verlassen musste, ist mit diesem Foto-Text-Projekt zu Walter Benjamins "Berliner Kindheit um Neunzehnhundert" ein "hochinteressantes, dichtes und prächtiges" Buch über Berlin und über die "Kindheit als Metapher" gelungen, schwärmt Ulf Erdmann Ziegler, der sich eigentlich mit lauter Kritik auf diesen Band hatte stürzen wollen. Denn meistens endeten solche Projekte, meint der Rezensent, im "Bilderkitsch". Nicht so bei Rosenberg. Mit großer Detailliebe und "ohne Schnörkel" habe sie sich auf die Spuren Benjamins begeben und vor allem jegliche Konkurrenz zum Dichter vermieden, staunt Ziegler. Rosenberg sei eben eine, die nicht den Vergleich suche, sondern was daraus mache, schließt der Rezensent seine hochlöbliche Besprechung.
1991 kam die New Yorker Fotografin Aura Rosenberg mit Mann und Kind nach Berlin, in die Stadt, die ihre Großeltern 1939 verlassen mussten, berichtet Brigitte Werneburg. Der Kindheit der Großeltern, in direkter Anspielung auf Walter Benjamins "Berliner Kindheit um Neunzehnhundert" und der ihrer Tochter ist das Fotoprojekt gewidmet, das sie im vorliegenden Band präsentiere. Die "sachlichen" und "genauen" Fotografien, die sie mit Textpassagen Benjamins zusammenbringe, illustrierten weder die "Miniaturen" des Schriftstellers noch erläuterten diese die Bilder der Fotografin, staunt die Rezensentin. Beide Genres stünden hier mit gleichem Recht jeweils für sich. Vielleicht wird dieser "großzügig aufgemachte" und "schöne" Band Benjamins Werk ähnlich "neu bestimmen" wie einst Viscontis Verfilmung die Novelle "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann, mutmaßt Werneburg.
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