Arendal
Roman

Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN
9783630878249
Gebunden, 384 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer Geschäftsreise auf dem Heimweg zu seiner Frau und seinen beiden Söhnen, als sein Auto vor Arendal eine Panne hat und er die Nacht in der Stadt verbringen muss. Es ist Winter und bitterkalt, das Eis erstreckt sich bis zum offenen Meer und ist so dick, dass die Autos darauf fahren können. Dort, fast zu Hause und doch gestrandet, ist es, als würde sich ein Raum auftun, mit ganz eigenen Regeln, ein Raum zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten. Sowohl in der Stadt, wenn er im Dunkeln durch die Straßen wandert, als auch in ihm selbst. Syvert muss eine Entscheidung treffen. Er steht an einer Wegscheide im Leben, und die Frage wird sein: Wird er sich für die Liebe entscheiden?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 02.06.2026
Rezensentin Tanya Lieske scheint sich auch im fünften Band des "Morgenstern"-Zyklus Karl Ove Knausgårds recht wohl zu fühlen. Wie in anderen Büchern der Serie geht es um einen erst einmal unscheinbaren Einzelgänger, der eine Prüfung erlebt, die ihn mit den metaphysischen Grenzen seiner Welt konfrontiert. In diesem Fall heißt die Hauptfigur Syvert Løyning und wird im Jahr 1976 durch eine Autopanne gezwungen, Zeit in Arendal zu verbringen, einem Ort, den Syvert aus seiner Jugend kennt. Er trifft dort auf eine alte Bekannte, durch die er in spiritistische Kreise gelangt, bald suchen ihn selbst Visionen heim. Außerdem spielt eine ehemalige Geliebte Syverts in Russland eine Rolle. Lieske beschreibt die Atmosphäre des Unheimlichen, die der Autor unter anderem durch eine Reihe von Spiegelverhältnisse in der Handlung herstellt. Der beste "Morgenstern"-Band ist der vorliegende zwar nicht, heißt es am Schluss, aber wer mit Knausgårds existenziellen Suchbewegungen etwas anfangen kann, kommt hier durchaus auf seine Kosten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.06.2026
Mit dem neuen Roman hat Rezensent Rainer Moritz wieder mal einen typischen Knausgard vor sich: Den Protagonisten Syvert Loyning kennt er schon aus vorangegangenen Bänden des Morgenstern-Zyklus, auch der Fokus "auf (innere) Dialoge" ist bei dem norwegischen Autor mit dem Blick ins tiefe Innere seiner Figuren bewährt. Die Geschichte spielt 1976: Syverts alter Opel gibt mitten auf der Landstraße den Geist auf, in einer Nacht im Hotel reflektiert er sein bürgerlich einengendes Leben und bereut, dass er die Affäre mit der russischen Ärztin Asja beendet hat, schildert Moritz. Ihm gefällt, wie Knausgard es wieder einmal vermag, eine düster aufgeladene Stimmung mit einem nüchternen Stil zu vermitteln und "die Grenzen zwischen Realität und Magie" verschwimmen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2026
Mit wenig Begeisterung rührt Rezensentin Leonie C. Wagner in der "tragischen Liebessuppe", die Karl Ove Knausgard im fünften Band seiner Morgenstern-Romanreihe zusammenbraut. Schwer erträglich findet es die Kritikerin, wie der Protagonist Syvert hier in endlosen "Litaneien" seine verflossene Liebe zu einer gewissen Asja deklariert, sich ständig in den Vollrausch trinkt und in "pseudophilosophischen Gedanken" über die Welt schwelgt. Auch wenn die Handlung in der zweiten Hälfte etwas anzieht, weiß Wagner nicht so wirklich, warum man sich das als LeserIn antun soll. Eines gesteht die Kritikerin Knausgard und seinem Helden allerdings in Bezug auf den wohl gewollten Effekt zu: "Es tut weh, dieses Buch zu lesen."
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.05.2026
Rezensentin Tanya Lieske hält diesen Knausgård-Roman zwar nicht für seinen stärksten, kann ihm aber einiges abgewinnen, gerade in der Einordnung in die Logik der Morgenstern-Reihe. Typisch für den Knausgård'schen Kosmos auch hier ein männlicher Einzelgänger, der auf die Probe gestellt wird: Der Familienvater Syvert Løyning landet zufällig in seiner alten Heimatstadt Arendal, wo er mit obskuren Ereignissen um den Tod eines alten Schulfreundes konfrontiert wird und fortan den Bezug zur Realität und sich selbst in Alkohol und Visionen verliert. Lieske lobt, wie "effektvoll" Knausgård dabei mit Elementen der Schauerliteratur und des Surrealen jongliere und wie sich die allmähliche Verunsicherung des Protagonisten auf die Leserschaft übertrage, weil der Autor mit Reihungen und Spiegelungen gezielt die eigene "fiktionale Realität untergrabe". Für Lieske ein lesenswerter Knausgård-Roman, der die "existenzielle Suchbewegung" in seinem Werk fortschreibt.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 16.05.2026
Rezensent Richard Kämmerlings gefällt Karl-Ove Knausgårds -Zyklus, dessen hier vorliegenden fünften Band er freundlich bespricht. Im Zentrum steht diesmal Syvert Løyning, der Vater einer Figur gleichen Namens aus einem früheren Band, wir befinden uns diesmal in den 1970ern. Die Handlung ist schnell umrissen: Løyning bleibt mit seinem Auto im Schnee stecken, telefoniert mit seiner Familie, irrt durch die Nacht und begegnet ein paar Leuten. Freilich führt diese erst einmal banale Erzählung, wie stets bei Knausgård, zu den ganz großen Themen wie Tod, ewiges Leben oder auch der Möglichkeit paralleler Welten. Außerdem spielt die Russin Asja eine Rolle, in die Løyning verliebt ist. Die kennt man schon aus früheren Bänden des komplexen, figurenreichen Roman-Zyklus, wie überhaupt das Lektüreerlebnis für "Morgenstern"-Insider ein anderes ist als für Neueinsteiger. Aber auch Frischlinge können, wenn man Kämmerlings glauben darf, Gefallen finden an dieser Erzählung über einen Mann in der Midlife-Crisis.