Bachtyar Ali

Der letzte Granatapfel

Roman
Cover: Der letzte Granatapfel
Unionsverlag, Zürich 2016
ISBN 9783293004993
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Kurdischen von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim. An Bord eines Bootes, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen in den Westen bringen soll, erzählt Muzafari Subhdam seine Geschichte. Selbst ein hochrangiger Peschmerga, rettete er dem legendären kurdischen Revolutionsführer einst das Leben, als sie von Truppen des Regimes umstellt waren. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft, mitten in der Wüste. Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Eine Reise, die ihn schließlich auf den Weg führt, den Tausende schon vor ihm genommen haben: übers Mittelmeer in den Westen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2016

Rezensent Tilman Spreckelsen lernt, dass alles mit allem zusammenhängt aus Bachtyar Alis im kurdischen Original bereits 2002 erschienenen Roman. Ein fabelhaftes Buch, meint Spreckelsen und kann es sich nicht erklären, dass der längst in Deutschland lebende Autor erst jetzt übersetzt wird. Ali erscheint ihm als ein mit allen Wassern gewaschener Schriftsteller, der hier einen lebhaften Erzähler einführt, den Leser über Zeit und Ort der Handlung jedoch zunächst im Unklaren lässt. Dass es sich um ein im Mittelmeer treibendes Boot handelt, erfährt der Rezensent erst nach und nach. Sprachlich lehnt Ali sich laut Spreckelsen an das mündliche Erzählen an, flicht Märchenelemente, Symbole und viele Bilder ein, um seine rätselhafte Geschichte zu erzählen. Die führt den Rezensenten schließlich ins kurdische Gebiet an der iranisch-irakischen Grenze zu Zeiten Saddams, wenn Ali über die Figurenschicksale hinaus die Tragödie Kurdistans zum Thema macht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2016

Angela Schader lernt mit Bachtyar Ali einen Autor kennen, der in seiner Heimat Irak längst ein bedeutender Schriftsteller ist. Der 2002 im Original erschienene Roman ist für sie ein Füllhorn neuer Eindrücke. Ali behandelt die 80er und die 90er Jahre, den kurdischen Freiheitskampf und den innerkurdischen Bürgerkrieg. Allerdings benötigt der Leser kaum historische Vorkenntnisse, meint Schader, denn Ali schafft eine Phantasmagorie mit dem Kolorit William Turners, wenn er magisch-realistisch das Gedenken an eine verlorene Generation beschwört. Motive wie Reinheit und das Pathos des Erzählers irritieren die Rezensentin anfangs, sind für sie aber im Kontext der Erzählung verzeihlich und verständlich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2016

Rezensent Stefan Weidner kann nicht fassen, dass dieser auf Sorani bereits 2003 erschienene Roman von Bachtyar Ali erst jetzt zu uns kommt. Den Autor hält er für eine der wichtigsten Stimmen aus Nahost, das Buch ist für ihn ein Paukenschlag. Wie der Autor die Geschichte eines einstigen Peschmerga-Kämpfers auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn erzählt, als albtraumhafte Odyssee durch die jüngere kurdische Geschichte, aber nicht historisierend, sondern als zauberhafte Geschichte der Menschen und ihres Leids, hat Weidner tief beeindruckt. Dazu tragen auch die verstörenden wie berührenden Szenen bei, die den Rezensenten daran gemahnen, dass der orientalische magische Realismus viel älter ist als der lateinamerikanische. Dass Alis "mystischer Panhumanismus" auch noch an die Flüchtlingskrise und damit an unsere unmittelbare Gegenwart anschließt, macht für Weidner einen weiteren Reiz seines Textes aus, den der Rezensent übrigens auch gut übersetzt findet.

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