Deutschlands queere Geschichte ist lange vernachlässigt worden. Und so scheint queeres Leben erst in den letzten Jahrzehnten zum Thema geworden zu sein - dabei kämpften Homosexuellenbewegungen bereits im Kaiserreich gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Wie lässt sich die Geschichte gleichgeschlechtlich liebender und gender-nonkonformer Menschen erzählen? Wie stellt sich deutsche Geschichte aus queerer Perspektive dar? Und was ist dran an der Vorstellung einer geradlinigen Emanzipation hin zur Ehe für alle und zur Abschaffung des Transsexuellengesetzes, zu der es hoffentlich bald kommen wird? "Queer" ist das erste populäre Sachbuch, das sich diesen Fragen in einem spannenden historischen Überblick widmet. Eine unverzichtbare Grundlage für die Debatten unserer Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2023
Rezensentin Anna Vollmer empfiehlt Benno Gammerls Buch als Einführung in die queere Emanzipationsbewegung vom Kaiserreich bis heute. Gut gefällt ihr Gammerls Gespür für die Komplexität des Themas und dass der Autor nicht zwischen progressiven und konservativen Epochen unterscheidet, sondern zeigt, das Fort- und Rückschritt mitunter koexistieren, die Individualität der queeren Person nicht zu vernachlässigen ist und Homosexuelle keine homogene Masse sind. Besonders die Abschnitte über das Kaiserreich und die NS-Zeit arbeiten solche Ambivalenzen gut heraus, findet Vollmer. An anderen Stellen wirkt der Text auf sie redundant und ohne die wünschenswerte Tiefe, auch, weil Fallbeispiele fehlen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.06.2023
Allzu tief steigt Benno Gammerl in seiner mehrere Jahrhunderte umspannenden alternativen Historiografie queerer Lebensentwürfe zwar nicht in sein Thema ein, moniert Kais Harrabi; dennoch ist dem Historiker laut der Rezension ein brauchbarer Überblicksband gewonnen, der die zentralen Stationen queerer Emanzipation in Deutschland Revue passieren lässt und immer dann besonders gelungen ist, wenn er auf die Erfahrungswirklichkeit Homosexueller in verschiedenen Epochen referiert. Die allzu knapp gehaltene Rekonstruktionen der Geschichte der Homosexuellenbewegung konzentriere sich allerdings vor allem auf deren institutionellen Aspekte und ermögliche es kaum, sich in die Atmosphäre einer vergangenen Zeit einzufühlen. Für einen tieferen Einstieg in die Materie empfiehlt Harrabi Gammerls Vorgängerwerk "Anders fühlen".
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